Illegaler jüdischer Dirigent

Ist es nicht schön, dass der Iran und Deutschland wieder so frei und offen miteinander reden können? Dank des neuen internationalen Vertrags mit dem Iran kann die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit wieder blühen! Vor einigen Tagen erst reiste Sigmar Gabriel nach Teheran, “um die Kapitulationsdividende zu ernten”. Auch die Berliner Philharmoniker wollen für die Mullahs spielen, damit die schwulen Männer, die an den Baukränen des Landes hängen, im Takt der großen Meister baumeln können. Es gibt da nur ein Problem!

Der Sprecher des iranischen Kulturministeriums, Hossein Noushabadi, hat erklärt, dass es ein Problem mit dem Dirigenten der Berliner Philharmoniker gibt. Er ist Jude und somit laut Noushabadi aufgrund seiner “Nationalität und Identität” mit “Israel assoziiert”. Das Kulturministerium bietet aber einen Kompromiss an:

“Das Symphonieorchester kann seinen Dirigenten austauschen und dann erneut um einen Auftritt in Teheran bitten. Nur unter diesen Umständen kann eine erneute Anfrage wieder untersucht werden.”

Das ist doch mal ein Zeichen des guten Willens. Ein wahres Friedensangebot! Im Frieden müssen beide Seiten aufeinander zugehen. Da muss man auch mal einen Dirigenten austauschen können, weil er Jude ist, um des lieben Friedens Willen! Das sollte jeder Jude verstehen und dem Frieden nicht im Wege stehen! Wenn der Dirigent sich weigern sollen, dreht er damit nur an der Gewaltspirale und löst am Ende noch einen Flächenbrand aus!

Der Name des Dirigenten ist Daniel Barenboim! Interessanterweise gehört er zu den schärfsten Kritikern Israels, aber das ist den Herrschenden im Iran egal. Er ist Jude und daher “mit Israel assoziert”! Die Mullahs im Iran wollen Israel vernichten und zwar unabhängig von der Politik Israels. Für sie ist nicht störend, was Juden machen, sondern dass Juden überhaupt was machen! Nicht ohne Grund bedeutet Iran “Land der Arier”!

Wenn Daniel Barenboim sich weigern sollte, seinen Platz zu räumen, wird er nolens volens ein illegaler jüdischer Dirigent werden und die Vereinten Nationen werden sich um ihn kümmern müssen. Ein Boykott der Berliner Philharmoniker wird jedenfalls immer wahrscheinlicher und Schuld daran ist einzig und allein Daniel Barenboim!

Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist?
Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
Barenboims Daniel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
mit letzter Tinte:
Daniel Barenboim gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muß,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir – als Deutsche belastet genug – den Meister aus Deutschland endlich auch in Teheran spielen möchten!

Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
dass Daniel Barenboim den Dirigierstab niederlegt!

Nur so ist allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben
und letztlich auch uns zu helfen!

Alle Musiker der Berliner Philharmoniker müssen untersucht werden. Nicht, dass sich da noch ein Jude hinter Pauken und Trompeten versteckt. Illegale jüdische Musiker sind das Haupthindernis für einen Frieden!

Das wird man sich unter Freunden ja wohl noch mal sagen dürfen!

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Eine persönliche Frage

Vor einigen Tagen sendete Tapfer im Nirgendwo eine Mail an die Mitglieder des Kölner Stadtrats im Namen vieler Jüdinnen und Juden aus ganz Europa, die sich in Köln bedroht fühlen, da nahezu täglich vor dem Kölner Dom gegen sie gehetzt wird und sogar die Hamas mit ihrer Forderung, alle Juden weltweit zu vernichten (Artikel 7 Hamas-Charta), als durch Juden provozierter und somit legitimer Widerstand bezeichnet wird. Für alle Mitglieder der KölnSPD hat nun der Oberbürgermeisterkandidat Jochen Ott geantwortet. Die Antwort finden Sie hier. Tapfer im Nirgendwo hat auf die Antwort geantwortet, da sie keine Antwort auf die Frage war:

Sehr geehrter Jochen Ott,

vielen Dank für Ihre Mail und für den Einsatz der KölnSPD in Sachen “Kölner Klagemauer”. Leider haben Sie die Frage des Briefs nicht beantwortet. Daher gestatte ich mir, die Frage des Briefs zu wiederholen:

Wie soll ich damit leben, dass in Köln der Aufruf zu meiner Ermordung verharmlost wird?

Besonders jetzt, da Sie erklärt haben, dass all Ihre Versuche, den Hass einzudämmen, erfolglos waren und somit weiterhin vor dem Kölner Dom gegen Juden und Israel gehetzt werden darf und die Verharmlosung der Terrororganisation Hamas und die Behauptung, diese Organisation, die erklärtermaßen alle Juden weltweit und somit mich vernichten will, betreibe legitimen Volks-Widerstand, als Meinung durchgeht, die kostenfrei mit Hilfe einer Werbetafelinstallation, die extra dafür vor dem Kölner Dom aufgestellt wird, propagiert werden darf, wenn nur Pappkartontafeln daneben aufgehängt werden können, wird die Frage umso dringender:

Wie soll ich damit leben, dass in Köln der Aufruf zu meiner Ermordung verharmlost wird?

Das ist die Frage, die Ihnen gestellt wurde, eine ganz persönliche Frage, die umso dringlicher ist, jetzt da klar ist, dass dagegen nichts getan werden kann.

Mit Sicherheit würde jede einseitige Werbung vor dem Kölner Dom als Informationsstand gelten, besonders wenn dafür jeden Tag erst umständlich Werbetafelträger aufgebaut werden müssten. Ich bin mir sicher, selbst das leckerste Kölsch dürfte dort nicht kostenfrei werben, auch nicht, wenn daneben Pappkartontafeln aufgehängt werden könnten. Wenn es aber gegen Juden geht, ist Werbung für eine Terrororganisation, die mich töten möchte, weil ich Jude bin, vom hohen Gut der Meinungsfreiheit derart gedeckt, dass sie kostenlos und an Kölns meist besuchtem Ort betrieben werden darf. Daher muss ich einfach wissen:

Wie soll ich damit leben, dass in Köln der Aufruf zu meiner Ermordung verharmlost wird?

Bitte senden Sie diese Mail stellvertretend an alle Mitglieder der KölnSPD, denn eine persönliche Antwort auf meine sehr persönliche Frage, ist mir schon wichtig.

Vielen Dank im Vorraus für eine persönliche Antwort an

Martin Börschel
Dr. Eva Bürgermeister
Dietmar Ciesla-Baier
Polina Frebel
Michael Frenzel
Inge Halberstadt-Kausch
Bürgermeister Dr. Ralf Heinen
Christian Joisten
Malik Karaman
Sven Kaske
Jürgen Kircher
Peter Kron
Gerrit Krupp
Monika Möller
Horst Noack
Erika Oedingen
Michael Paetzold
Franz Philippi
Andreas Pöttgen
Susana dos Santos Herrmann
Frank Schneider
Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes
Monika Schultes
Rafael Christof Struwe
Jörg van Geffen
Karl-Heinz Walter

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Für Juden ist überall Dresden!

Neulich in der U-Bahn. Eine Unterhaltung zweier Männer:

“Warste am Wochenende bei der Gaza-Solidaritätskundgebung?”

“Nee, habs verpasst!”

“Waren kaum Leute da, nur Touristen. Und dieses eine Mädchen. Die, die bei der Merkel geweint hat. Aber die durfte nichts sagen. Glaubste das? Das hat man ihr verboten!”

“Wer hat das verboten?”

“Na Springer! – … – Und die Polizei! Ist doch beides in Judenhand!”

“Sei leise, man! Nicht, dass die das hier hören.”

“Die Juden? Die fahr’n doch gar keine Bahn, die reichen Säcke.”

“Ja stimmt, ich hab auch noch nie ‘nen Juden in der Bahn gesehen …”

Dieser Dialog fand in der U-Bahn neben meiner Facebook-Freundin Linda Rachel statt und fasst das ganze Problem des Judenhass’ zusammen: Ein Judenhasser behauptet den gröbsten Unfug über Juden, weil er keine Juden kennt!

Wenn in Köln jemand etwas abfälliges über Muslime sagt, kennt jeder Kölner genug Muslime, um sagen zu können: “Bist Du bekloppt? Der Özgür, die Senay, meine Nachbarin und der Kerl im Büdchen sind super Typen! Halt’s Maul!” Wenn aber jemand etwas abfälliges über Juden sagt, so ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass kaum jemand einen Juden persönlich kennt. So entsteht Schweigen. Tödliches Schweigen!

Bei den Männern in der U-Bahn handelte es sich um einen Deutschen und einen Araber mulimischen Glaubens. Nehmen wir mal an, es gäbe nur ein Prozent aggressiver Judenhasser unter Muslime, und jede Studie geht von deutlich höheren Zahlen aus, dann sind selbst dieser eine Prozent mehr Muslime als es Juden gibt!

Es leben in Deutschland knapp 24 Millonen Katholiken, über 22,5 Millionen Protestanen, über 2,5 Millionen Sunniten, eine halbe Million Aleviten, eine weitere halbe Million Griechisch-Orthodoxe, über 300.000 Neuapostolische und ungefähr genausoviele Rumänische-Orthodoxe, fast 300.000 Buddhisten, eine viertel Millionen Serbisch-Orthodoxe, über 200.000 Zwölfer-Schia, fast 200.000 Russisch-Orthodoxe und über 160.000 Zeugen Jehovas. Es gibt jedoch nur knapp über 100.000 deutsche Juden! Es gibt in Deutschland mehr Zeugen Jehovas als Juden. Es gibt sogar mehr Zwölfer-Schia! Kennen Sie einen persönlich? Sehen Sie!

Die teilweise offen antimuslimisch agierende PEGIDA-Bewegung ist besonders in Dresden und Leipzig erfolgreich und somit in den Städten, wo es kaum Muslime gibt. Angst und der daraus resultierende Hass gedeiht am Besten dort, wo das Objekt der Angst unbekannt ist. Deshalb sind die Versuche, PEGIDA auch in Köln oder München zu etablieren, gescheitert! Dort leben genug Muslime!

Aber selbst in Dresden leben immer noch mehr Muslime als Juden! Deshalb gilt es nüchtern festzustellen: Für Juden ist überall Dresden!

Der Dialog in der U-Bahn fand in Berlin statt. Niemand stand auf und sagte: “Bist Du bekloppt? Der David, die Rebecca, meine Nachbarin und der Kerl am Spätkauf sind super Typen. Halt’s Maul!” Vermutlich kannte einfach niemand einen David oder eine Rebecca. Auch Linda Rachel sagte nichts, verständlicherweise:

“Schau, ich mache oft meinen Mund auf und scheue meistens nicht davor, Ärger zu bekommen. In der U8 am Kottbusser Tor mache ich jedoch eine Ausnahme. Ich sehe in letzter Zeit in dieser Gegend immer wieder arabische Teenager, die Ketten mit einem Anhänger tragen, auf dem Israel komplett verschwunden ist und durch Palästina ersetzt wurde. So ist die Simmung dort! Außerdem wollte ich wissen, wie ein Araber und ein Deutscher über Juden reden.”

Nicht gut! Wenn es gegen Juden geht, verstehen sich viele Araber und Deutsche blendend! Dann haken sie sich unter und rufen gemeinsam: “Wir sind das Volk!”

Für weitere Informationen zu dieser deutsch-arabischen Zusammenarbeit lesen Sie: “Der Zweite Holocaust”

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Ich bin nicht Hatice Özgür!

Heute habe ich folgenden Artikel auf Facebook gefunden:

In dem Artikel geht es um den Berliner Travestie-Künstler Stefan Kuschner. Zu seinen Kunstfiguren gehört Hatice Özgür, eine islamische Frau mit Kopftuch.

Hiermit erkläre ich: Ich bin nicht Hatice Özgür! Das Bild mit mir und Kopftuch entstand, als ich zum Islam konvertiert bin. Es war beeindruckend leicht zu konvertieren. Ich musste nur in Anwesenheit von ein paar Muslimen diesen Satz sagen:

لَا إِلٰهَ إِلَّا الله مُحَمَّدٌ رَسُولُ الله.

Hab ich gemacht. Jetzt bin ich Muslim und ich erwarte, dass meine Entscheidung ernst genommen wird. Der Islam hat mich am Arsch wie Pierre Vogel. Selber Schuld! Wenn der Islam so Deppen wie mich nicht haben will, soll er sich gefälligst bessere Türsteher besorgen und den Eintritt nicht so leicht gestalten!

Bei den Juden wird man nicht so leicht aufgenommen. Ohne einen Rabbi geht schon mal gar nichts. Außerdem wird man mindestens drei Mal wird den Satz zu hören bekommen: “Du kommst hier nicht rein!”

Immer wieder höre ich, es gäbe zu wenig Selbstkritik im Islam. Das möchte ich ändern. ‏إن شاء الله‎ Es gibt keinen Grund, Kritik zu scheuen! ‏الله أَكْبَر‎

Liebe Brüder und Schwestern,

immer wieder wird behauptet, nur ein bis zwei Prozent unter uns Muslimen seien Fanatiker, die Juden hassen. Nun, selbst bei nur zwei Prozent Muslime, die Juden hassen, sind das mehr judenfeindliche Muslime als es Juden auf der Welt gibt. Einen Juden beruhigen wir damit nicht!

Wer behauptet, IS oder Hamas hätten nichts mit dem Islam zu tun, kann auch gleich behaupten, die Kreuzzüge hätten nichts mit dem Christentum zu tun und die Nazis nichts mit Deutschland.

Natürlich sind nicht alle Muslime Terroristen. Damals waren auch nicht alle Deutschen Nazis, aber von 1933 bis 1945 gaben die Nazis den Ton an in Deutschland. Zur Zeit haben wir im Islam leider zu viele üble Gestalten an der ersten Geige sitzen.

Wenn wir wollen, dass sich Leute für den Islam interessieren, dann müssen wir Vertrauen schenken und nicht Angst einjagen. Wir müssen durch Werbung gewinnen nicht durch Gewalt!

6. Vielen Deutschen ist der Hinduismus egal! Das ist gut. Der Hinduismus nervt nicht. Die Buddhisten sind auch vielen Deutschen egal. Sie nerven auch nicht! Unter uns gibt es leider viel zu viele Fundamentalisten, die es nicht zulassen wollen, dass einem der Islam egal ist!

Niemand wird anfangen, den Koran zu respektieren, nur weil Muslime zum Terror greifen. Der Respekt wird erst kommen, sobald der Islam so verspottet werden kann wie jede andere Religion auch, sobald der Koran wie das Buch der Mormonen auf dem Broadway verarscht werden kann, ohne Angst vor blutigen Ausschreitungen haben zu müssen.

Es gibt Menschen, die nutzen den Koran, um damit Feuer zu machen. Andere wiederum nutzen den Koran, um in seinem Namen zu morden. Ich finde, die zweite Gruppe von Menschen beleidigt den Islam, nicht die erste!

Ein Mensch, der gegen das Verbrennen eines Buchs auf die Straße geht, aber zum Morden von Menschen im Namen dieses Buchs schweigt, hat ein ganz schwerwiegendes Problem.

Man darf nicht von einem Muslim auf den ganzen Islam schließen. Wer behauptet, Islam bedeute Terror, nur weil ein paar Muslime Terroristen sind, gehört kritisiert. In der gleichen Logik ist es aber auch falsch zu behaupten, Islam bedeute Frieden, nur weil ein paar Muslime friedlich sind.

Zwei bedeutende Menschen, die sich mit dem Buch der Juden auseinandergesetzt haben und auf deren Leben neue Religionen gegründet wurden, hießen Jesus und Mohammed. Jesus war ein dem Alkohol zugeneigter Hippie, der auch schon mal zur Peitsche griff. Mohammed wiederum war ein Feldherr, der Alkohol verabscheute und Kriege führte. Unterschiedlicher können zwei Männer nicht sein.

Wenn ein Muslim einen Terroranschlag verübt, sollten wir uns nicht dadurch hervor tun, dass wir uns Sorgen um das öffentliche Bild vom Islam machen. Wir sorgen uns schließlich auch nicht um das öffentliche Bild vom Mann, wenn ein Mann eine Frau vergewaltigt hat. Es ist übrigens unanständig zu fragen, was eine Frau, die vergewaltigt wurde, getan haben könnte, um die Vergewaltigung zu provozieren. Genauso unanständig ist es, nach einem Terroranschlag zu fragen, was die Opfer des Anschlags getan haben könnten, um einen solchen Anschlag zu provozieren.

Religionen sind wie Fürze. Jeder glaubt, nur die der Anderen stinken!

Ich bin jetzt deutscher Moslem. Der Islam und Deutschland haben viel gemein. Damals besudelten die Nazis alles, worauf man als Deutscher historisch, kulturell und gesellschaftlich stolz oder froh sein konnte. Was unter den Nazis geschah, kann und darf niemals vergessen werden. Der Ruf Deutschlands wird für immer einen Makel tragen. Der “Islamische Staat” hat dies für den Islam getan. Die Erinnerung an den brutalen Judenhass, an die Gewalt, Unterdrückung und die Morde, die im Namen des Islam begangen wurden, wird bleiben.

In diesem Sinne,
Grüß Allah!

Ja, ich bin Moslem, aber nicht Hatice Özgür! Übrigens, Gülây Akÿn vom Verein Gays and Lesbians aus der Türkei findet Hatice Özgür gar nicht komisch. „Das ist klar rassistisch“, empörte sie sich. „Da stellt sich ein weißer Mann auf die Bühne und reproduziert Klischees, um das Publikum zu belustigen“, sagte sie dem Tagesspiegel. Akÿn ist sich sicher, dies habe “mit Humor nichts zu tun“ und erklärt, durch diese Darstellung würden „Menschen durch Reproduktionen von Klischees gedemütigt“.

Liebe Gülây Akÿn,

Travestie war schon immer ein Spiel mit Klischees! Haben Sie sich schon mal angeschaut, wie Mary, Olivia Jones und RuPaul Frauen darstellen? Glauben Sie wirklich, die durchschnittliche Frau sieht im Alltag aus wie Olivia Jones bei dem NPD-Parteitag? Wenn die Kunstfigur Hatice rassistisch ist, dann sind Mary, Olivia Jones und RuPaul sexistisch! Und überhaupt: Rassistisch? Seit wann ist der Islam eine Rasse? Der Islam ist nicht mal ein Volk. Der Islam ist eine Religionsgemeinschaft! Rassistisch ist es, wenn jemand ob seiner Herkunft diskriminiert wird. Wenn jedoch jemand ob seiner Überzeugungen verarscht oder kritisiert wird, nennt man das Aufklärung! Für seine Herkunft kann niemand was, für seine Überzeugungen schon! Der Islam ist eine Überzeugung. Ihn zu verarschen ist Aufklärung und Travestie ist ein Mittel der Aufklärung. Travestie hat dabei schon immer mit Klischees gespielt.

Travestie hinterfragt geltene Geschlechterrollen, die nicht selten religiös bestimmt werden. Eine Verballhornung religiöser Prinzipien ist somit in der Travestie unvermeidbar! Darum, liebe Gülây Akÿn, wir sind alle Menschen und darum kann ein Mann eine Frau klischeehaft persiflieren, ein Christ einen Moslem und eine schwarze Lesbe eine weiße Schwuppe. So unterschiedlich sind wir nämlich alle nicht. Stefan Kuschner spielt Hatice Özgür mit Liebe und Hingabe und jede Religion sollte sich stolz schätzen, eine Frau wie Hatice Özgür oder einen Mann wie Stefan Kuschner zu haben.

Nur Fundamentalisten haben ein Problem mit Travestie! Darum, liebe Gülây Akÿn, legen Sie die beleidigte Bettwurst ab. Sie steht Ihnen nicht, Schätzchen. Öffnen Sie lieber mal Ihr schwul-lesbisches Döschen aus der Türkei und lachen einfach mal! Seien Sie doch nicht so verbittert. Das ist voll ungay!

Sollten Sie weiter so humorlos und griesgrämig durch die schwul-lesbische Welt stampfen, habe ich einen Rat für Sie: In der jüdischen Tora findet sich im dritten Buch Mose dieser Spruch: “Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Ich darf mir gestatten, Ihnen zu sagen, dass Sie sich selber lieben sollen. Ich kann es aber auch auf türkisch formulieren: Fuck you!

Alles Liebe,
Gerd Buurmann

PS: Ich finde, Frauen mit Kopftuch sehen irgendwie aus wie unbeschnittene Penisse. Ich finde eine Religion amüsant, die die Eicheln der Männer offen legt, aber die Köpfe der Frauen verhüllt.

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Holocaust to go 

Ich bin gerade in Berlin und sehe dieses Bild.

Mein sehr guter Freund David Serebrjanik sah dieses Bild und sagte nur: “Holocaust to go!” Ich erinnere mich an einen Brief, den ich einst schrieb:

Liebe Vergangenheitsbewältiger,

hier stehe ich, Euer Sohn! Ich habe in meiner Schulzeit jeden 9. November mit dem Schulchor vor dem Gedenkstein in meinem Heimatdorf gesungen, der an die Synagoge erinnert, die 1938 von den Nazis niedergebrannt wurde. Jetzt steht dort eine evangelische Kirche. Martin Luther würde jubeln! Ich habe Klassenfahrten nach Dachau und Theresienstadt gemacht, in der Schule alles über die Emslandlager erfahren, mit Oma und Opa über die Zeit des Nationalsozialismus’ gesprochen und “Schindlers Liste” im Leistungskurs Geschichte geschaut. Ich habe sogar ein Theatstück über den Holocaust an meiner Schule aufgeführt. Ihr habt einen vorbildlichen Vergangenheitsbewältiger aus mir gemacht! Ihr habt mir gezeigt, wie man sich als guter Deutscher auseinandersetzt.

Wir setzen uns auseinander. Jedes Jahr ein wenig mehr. Hier sitzen wir und ganz weit von uns auseinander, irgendwo die dunkele, böse Vergangenheit.

Wir warfen Kränze ab, zündeten Kerzen an, stellten Stelen auf und sangen “Donna Donna”. Irgendwie fing Vergangenheitsbewältigung an, Spaß zu machen.

Vergangenheitsbewältigung ist neben Autos und Bier das wichtigste Wirtschaftsgut des Exportweltmeisters Deutschland.

Wie dramatisch sähen wohl die Arbeitslosenzahlen in Deutschland aus, wenn es all die Arbeitsplätze in den Lern-, Gedenk- und Dokumenationsstätten, in den Holocaustforschungsinstituten und Universitäten der Antisemitismusforschung nicht geben würde. Wie viele Artikel weniger wären auf meinem Blog Tapfer im Nirgendwo? Die Stadt Berlin wäre um eines ihrer beliebtesten Sehenswürdigkeiten ärmer: das Holocaust Mahnmal, von dem Altkanzler Gerhard Schröder einst gesagt hat, es sei ein Ort, „wo man gerne hingeht“. Der Historiker Eberhard Jäckel brachte es sogar fertig, zu sagen: „Es gibt Länder in Europa, die uns um dieses Denkmal beneiden.“

Ohne Holocaust hätte das ehemalige Waffen-SS-Mitglied Günter Grass niemals „Die Blechtrommel“ geschrieben und somit vermutlich auch nie den Nobelpreis für Literatur erhalten. In 55 Jahren von der SS zum Nobelpreis, das schaffte nur der deutsche Grass!

Ohne Holocaust hätte Volker Schlöndorff niemals „Die Blechtrommel“ verfilmen können und daher nie den Oscar für diesen Film erhalten. So gut wie alle Oscars für den deutschsprachigen Raum sind Resultate der Vergangenheitsbewältigung: Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“, Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ und Christoph Waltz Oscar für die Rolle eines Nazis.

Ohne Holocaust gäbe es beim ZDF immer noch genug Sendeplatz für das Testbild.

Ohne Holocaust wären die deutschen Vergangenheitsbewältiger nicht da, wo sie heute sind! Deutschland ist stolz auf seine Vergangenheitsbewältigung!

Bei der ganzen Bewältigung der Vergangenheit haben viele ganz die Gegenwart vergessen. Über die ständige Fragerei, wie man selbst wohl gehandelt hätte, wenn man damals gelebt hätte, wird ganz übersehen, dass es Judenhass auch heute noch gibt. Man sollte sich lieber mal fragen: Was machen ich eigentlich heute?

Liebe Vergangenheitsbewältiger, 

hier stehe ich, Euer Sohn! Bitte nehmt mal einen Wunsch von Eurem Schüler an: Hört einfach mal auf mit der Bewältigung. Ich gebe Euch auch eine Eins mit Sterchnen und ein Fleißkärtchen dazu, wenn Ihr Musterschüler Euch nur endlich mal setzt. Legt einfach mal eine kleine Vergangenheitsbewältigungspause ein. Es ist morgens halb zehn in Deutschland. Zeit für ein Knoppers! Die Vergangenheit könnt Ihr nicht mehr ändern, die Gegenwart jedoch schon.

Wenn Ihr das nächste Mal in der Schule davon erzählt, dass es einst “judenreine” Städte und Dörfer in Deutschland gab, dann nutzt die Zeit lieber mal dazu, um von den Ländern zu berichten, die heute “judenrein” sind. Diese Länder sind stolz darauf, tausende Juden vertrieben zu haben, wie Aden, Algerien und Libyen. Berichtet von den 850.000 Juden, die in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg aus arabischen Ländern vertrieben wurden.

Liebe Vergangenheitsbewältiger der öffentlich-rechtlichen Anstalten, wenn Ihr uns wieder einmal zeigen wollt, wie sehr die Nazis die Juden gehasst haben, dann spart Euch die Sendezeit und zeigt uns lieber mal die Länder, wo heute Juden gehasst werden. Die kommenden Aussagen sind alle in den letzten Jahren in Fernsehsendungen der arabischen Welt zu hören und zu sehen gewesen:

“Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen, sie sind kein Volk. Sie haben keine Religion, kein Gewissen, keine moralischen Werte!” (Ein Minister der Hamas auf Al-Aqsa TV (Gaza), 28. Februar 2010)

“Unser Hass auf die Juden ist in unserem Glauben begründet! Der Koran sagt uns, sie zu hassen, nicht sie zu lieben.” (Al-Nas TV (Ägypten), 8. Januar 2008)

“Überließen uns die Juden Palästina, würden wir dann beginnen, sie zu lieben? Natürlich nicht! Wir werden sie niemals lieben. Absolut nicht! (…) Dein Glaube bezüglich der Juden soll sein, erstens, dass sie Ungläubige sind und zweitens, dass sie Feinde sind! Und sie sind nicht nur Feinde, weil sie Palästina besetzt halten. Sie wären auch unsere Feinde, wenn sie niemals irgendetwas besetzt hätten!”

“Wir werden die Juden als Feinde betrachten, selbst wenn sie uns Palästina zurück geben. Weil sie Ungläubige sind!” (Qatar TV (Katar), 9. Januar 2009)

“Der größten Feinden eines jeden Muslims nach dem Teufel sind die Juden! Wer sagt das? Gott sagt das!” (Al-Rahma TV (Ägypten), 9. Januar 2009)

“Juden sind Schweine und Affen! Gott sagt das!” (Ein kleines Mädchen auf Iqra TV (Saudi-Arabien), 7. Mai 2002)

“Ich unterstütze Deutschland in der Politik und Brasilien im Sport. Ich mag die Art wie Brasilien Fußball spielt, aber ich mag die Deutschen, weil sie die Juden hassen und sie verbrannt haben. Hahahahaha!” (Wiam Wahhab, ehemaliger libanesischer Minister, auf Al-Jadid/New TV (Libanon) 4. Juli 2010)

“Immer wieder hat Gott Strafen über die Juden kommen lassen. Die letzte Strafe wurde von Hitler ausgeführt. Bei allem, was er ihnen angetan hat, und die Juden übertreiben bei der Beschreibung dieser Taten, hat Hitler die Juden nur an ihren gerechten Platz gesetzt. Es war die göttliche Strafe für sie!” (Al-Jazeera TV (Katar) 30. Januar 2009)

Aber nicht nur in den arabischen Ländern gibt es Judenhass, auch in Deutschland und in Europa hat sich dieser Hass in unsere Gegenwart gerettet, wie ich hier, hier, hier und hier beschrieben habe. Statt immer wieder die Vergangenheit zu bewältigen, setzt Euch mal mit dem Judenhass von heute auseinander. Fragt nicht, was Ihr getan hättet, sondern fragt, was ihr gerade tut!

Hört auf, ständig Israel in Eure Vergangenheitsbewältigung hineinzuziehen. Im 20. Jahrhundert hat Deutschland versucht, die Juden zu vernichten. Habt jetzt wenigstens den Anstand und werft nicht dem einzigen Land, dass Juden verteidigt, Steine in den Weg! Die Gründungscharta der Hamas fordert in Artikel 7 die Vernichtung aller Juden. Israel verhindert das. Deutschland aber kritisiert Israel! Das Regime im Iran will Israel vernichten. Israel kritisiert das! Deutschland aber macht einen Deal mit dem Iran! Das ist deutsche Vorarbeit an einer neuen Vergangenheitsbewältigung.

Israel ist eine moderne, aufgeklärte, demokratische und vor allem freie Gesellschaft. In Israel wird die Gleichberechtigung der Geschlechter staatlich gelebt. In den anderen Ländern des Nahes Ostens werden Frauen aus der Gesellschaft verbannt und unter Stoff vergraben.

In Israel herrscht Religionsfreiheit. Juden, Christen, Muslime und andere Religionsangehörige arbeiten in Ämtern und Gerichten, bei der Polizei und der Feuerwehr, in der Armee und dem Parlament. In den anderen Ländern des Nahes Ostens, darf es nur den Islam geben, alle anderen Religionen sind verboten und werden verfolgt.

In Israel können Männer Schwänze lutschen, während In den anderen Ländern des Nahes Ostens enden Männer dafür hängend an einem Baukran. Frauen werden bis zur Schulter im Boden eingegraben und gesteinigt.

In Israel sind die Presse und die Meinungen frei! In Israel wird frei geforscht. Die Welt wurde so mit bahnbrechenden und lebensrettenden Erfindungen in der Medizin und Technologie beschert. Die anderen Ländern des Nahen Ostens versorgen die Welt mit Mördern aus ihren Terrorcamps. Dort wird der blutige und mörderische Terror gegen Männer, Frauen und Kinder gefeiert und staatlich gefördert.

In Israel leben die weltweit bekanntesten und aktivsten Förderer eines Friedens zwischen Israel und Palästina. In der israelischen Unabhängigkeitserklärung steht: „Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Hilfe mit dem selbständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.“

In der Charta der Hamas steht:

Der Prophet – Andacht und Frieden Allahs sei mit ihm, – erklärte: Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bevor sich nicht die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche ausrufen: Oh Muslim! Da ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt; komm und töte ihn!

In der islamischen Monarchie Bahrain herrscht die Schari’a und Homosexuelle kommen für 10 Jahre in den Knast. Im Libanon, wandern Homosexuelle für drei Jahre in den Knast. In der von Baschār al-Assad geführten islamisch-sozialistischen Diktatur Syrien herrscht die Schari’a und Homosexuelle wandern für 3 Jahre in den Knast. In der absoluten islamischen Monarchie Oman sind politische Parteien verboten und Homosexuelle wandern für 3 Jahre in den Knast. In der absoluten islamischen Monarchie Katar ist Blasphemie bei einer Haftstrafe von bis zu sieben Jahren verboten und Homosexuelle wandern für 5 Jahre in den Knast. In Saudi-Arabien gibt es einen Schleierzwang für Frauen, alle Religionen bis auf den Islam sind verboten und Homosexuelle werden hingerichtet. Im Jemen ist jede fünfte Frau zwischen 15 und 49 genital verstümmelt, 37% aller nicht volljährigen Mädchen sind zwangsverheiratet und Homosexuelle werden hingerichtet. Im Gottesstaat Iran wird noch heute gesteinigt und Homosexuelle hingerichtet.

Liebe Vergangenheitsbewältiger,

hier stehe ich, Euer Sohn! Lasst die Vergangenheit Vergangenheit sein! Schaut auf die Gegenwart! Aber bitte schaut, wenn ihr gen Osten blickt, nicht nur auf Israel. Ihr habt Juden mittlerweile wahrlich genug Aufmerksamkeit geschenkt. Das reicht für die nächsten tausend Jahre.

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Ein Kölsch in Berlin

Ich sitze gerade im Gaffel in Berlin, trinke ein Kölsch und erinnere mich daran, dass ich im März 2012 das letzte Mal hier war. Ich werde den Tag nie vergessen!

9. März 2012:

Gestern war ich in Berlin. Ich war von der SPD Bundestagsfraktion gebucht worden, zusammen mit Dr. Isabel Rohner und Meisterin Nikola Müller im Rahmen des Internationalen Frauentags eine kurze Szene aus dem Werk von Hedwig Dohm vorzutragen.

Ich erreichte Berlin so gegen drei und freute mich auf mein Hotel. “Die SPD wird sich ja nicht lumpen lassen”, dachte ich mir. “Wer schon für den Mindestlohn streitet, wird auch die Kunst nicht darben lassen.”

Ich nächtigte in einem Hostel mit dem Charme einer Jugendherberge, wunderbar gelegen neben dem „Geschichtspark Ehemaliges Zellengefängnis Moabit“. Mein Zimmer bestand aus einem liebevoll schlicht gehaltenen Ikea-Tisch, einem kleinen Bett, einem Fernseher in Briefmarkengröße und keiner Minibar – nicht mal Toblerone! Ich war kurz davor, den Groucho Marx zu machen und bei der Rezeption anzurufen: “Entschuldigung, können sie mir bitte ein größeres Zimmer hochschicken?” Aber es gab kein Telefon. Dafür gab es eine Inkontinenzfolie zwischen Matratze und Laken. “Da vertraut mal jemand seinen Gästen.” Für den Preis war es ein absolut akzeptables Zimmer. Danke, SPD!

Über meinem Bett hing ein Bild vom “Holocaust Mahnmal”. “Ach”, dachte ich so bei mir, “ein wirklich einladendes Zimmer. Das Letzte, woran ich heute Nacht denken werde, wird der Holocaust sein und mein erster Gedanke, sollte ich wieder wach werden auch. Gute Nacht Holocaust! Guten Morgen Holocaust!”

Nachdem ich mich frisch gemacht hatte, ließ ich mich zum Ort der Aufführung bringen. Ich war richtig gespannt! Berlin am Frauentag. Mal was ganz anderes als Köln zu Wieverfastelovend.

Als ich den Saal betrat, fand ich mich in einem kölschen Brauhaus in der Dorotheenstraße wieder. Es gab Salat, Rievkooche, Flönz und Röggelchen. Es war Wieverfastelovend bei der SPD in Berlin. Es war laut, unruhig, kölschselig und am Tisch ganz vorne saß Franz Müntefering. Eine Garderobe gab es nicht! Danke, SPD!

Bevor Isabel Rohner, Nikola Müller und ich die Bühne betraten, ergriff Barbara Hendricks das Mikrofon und brüllte in den Saal: “Schnauze jetzt! Jetzt kommt Kultur!” Sie meinte es gut mit uns, erreichte aber das genaue Gegenteiö. Da standen wir, in einem kölschen Brauhaus in Berlin und hatten schlagartig 120 Menschen gegen uns. Nur Münte ließ sich nichts anmerken.

Wir begannen unsere Szene: Hedwig Dohm, gelesen von Isabel Rohner und Nikola Müller, im Schlagabtausch mit den Anti-Feministen ihrer Zeit, Nietzsche, Groddeck und Möbius, gespielt von mir. Nach nur 23 Sekunden war der alte Geräuschpegel wieder hergestellt. Danke, SPD!

Nach 5 Minuten betraten die Praktikantinnen von Martin Gerster, MdB den Saal. Ich war gerade dabei, Friedrich Nietzsche zu spielen: “Ihr erster und letzter Beruf soll sein, Kinder zu gebären. Ein Mann der Tiefe hat, kann über das Weib nur orientalisch denken. Er muss das Weib als Besitz, als verschließbares Eigentum, als etwas zur Dienstbarkeit Vorherbestimmtes auffassen. Er muss sich hierin auf die ungeheure Vernunft Asiens stellen.”

Buh-Rufe ereilten mich von Seiten der Praktikantinnen Martin Gersters. Dann wechselte ich in die Rolle zu Groddeck und sagte: “Durchschnittlich sechs Tage im Monat ist das Weib siech. Jede Frau, selbst die gesündeste, in in diesen Tagen stets mehr oder weniger intellektuell unzurechnungsfähig. Körper und Geist sind völlig zerrüttet und in Aufruhr gebracht!”

Da platzte den Praktikantinnen der Kragen! Sowas könne man doch nicht sagen! Warum denn so ein Chauvi hier sprechen dürfe! Heute sei schließlich Frauentag! Und überhaupt, das ginge ja gar nicht.

“Das könnt ihr doch nicht bringen”, sprach eine, “auch noch vor Franz Müntefering!”

Mein Einwand später, dass das Theater sei, auch wenn keiner zugehört habe, ließen die Praktikantinnen nicht gelten:

“Aber sie sind so überzeugt davon, dass sie das hier so spielen, oder was?”

“Äh, Nein.”

“Frauen sind nicht siech!”

“Sehr gut!”

“Warum sagen Sie das dann?”

“Das hab ich nicht gesagt!”

“Doch; gerade!”

“Das war nicht ich. Das war Groddeck!”

“Was?”

“Sie sind zu spät gekommen. Das sind Texte von Georg Groddeck!”

“Warum zitieren sie so einen Mann?”

“Ich zitiere nicht, ich spiele eine Rolle.”

“Was?”

“Sie sind zu spät gekommen. Ich spiele die Rolle nur!”

“Warum spielen sie denn eine solche Rolle?”

“Weil ich Schauspieler bin?”

“Aber wenn Sie Anstand hätten, würden Sie eine solche Rolle nicht spielen.”

Jetzt schaltete sich Dr. Isabel Rohner ein: “Sie sind süss”, sprach sie, lachte, drehte sich um und ging. Ich hörte etwas in ihr zerbrechen. Ich vermute, es war ihr Glaube an die politische Zukunft unseres Landes.

Ich war mittlerweile im Geiste schon in meinem Hotelzimmer. Die Praktikantinnen echauffierten sich weiter. Da riss es mich. In Gedanken an das Bild über meinem Bett sprach ich:

“Sie reagieren wie Typen, die zwanzig Minuten zu spät zu “Schindlers Liste” kommen, um dann nach 25 Minuten vollkommen aufgebracht das Kino wieder zu verlassen mit der Begründung: Das sei ja ein Nazifilm. Überall lauter Nazis. Wer spielt denn sowas und überhaupt, warum darf so ein Film gezeigt werden? Das ist Deutschland hier!”

Das fanden die Praktikantinnen leider gar nicht lustig. Ich schon! Sie gingen. Ich nicht! Ich blieb und ging zur Theke. Münte war leider schon weg. Dafür war Purim. Ich ließ mich volllaufen und alles auf den Deckel der SPD schreiben.

Betrunken wankte ich zurück ins Hotel und fiel ins Bett. Ich blickte noch einmal auf das Bild an der Wand und dachte:

“Gute Nacht Holocaust. Danke, SPD!”

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Die Antworten der Mitglieder des Kölner Rats

Vor einigen Tagen sendete Tapfer im Nirgendwo eine Mail an die Mitglieder des Kölner Stadtrats im Namen vieler Jüdinnen und Juden aus ganz Europa, die sich in Köln bedroht fühlen, da nahezu täglich vor dem Kölner Dom gegen sie gehetzt wird und sogar die Hamas mit ihrer Forderung, alle Juden weltweit zu vernichten (Artikel 7 Hamas-Charta), als durch Juden provozierter und somit legitimer Widerstand bezeichnet wird. Den Brief finden Sie hier: “Warum? Ein offener Brief!”

Tapfer im Nirgendwo präsentiert hier alle Antworten:

“ICH sehe das genau so!
Ralf Unna, Deutscher und Israeli”
(Ralf Unna, Die Grünen)

“Frau Reker sind diese unsäglichen, abscheulichen Bilder und „Installationen“ bekannt. Sie kann nicht verstehen, warum seitens der Stadt dagegen nicht rigoros vorgegangen wird. Es ist erschreckend, dass heutzutage wieder judenfeindliche Äußerungen durch manche deutsche Stadt klingen. Wir müssen das jüdische Leben in Deutschland schützen und verteidigen, denn es steht der zivile Zusammenhalt unserer Gesellschaft auf dem Spiel, wenn es Extremisten gelingt, unter unseren Augen wieder Jagd auf Juden zu machen.

Außerdem ist die Hamas zu Recht noch als Terrororganisation in Deutschland und Europa gelistet. Daher sind Demonstrationen im Namen der Hamas schon nicht erlaubt.

Wir werden Ihr Schreiben zum Anlass nehmen und uns bei den entsprechenden Dezernaten erkundigen, warum die von Ihnen angesprochene Person fast täglich auf der Domplatte „demonstrieren“ darf und uns dafür einsetzen, dass diesem rassistischen Spuk ein Ende gesetzt wird.” (Henriette Reker, Oberbürgermeisterkandidatin, unabhängig)

“Stellvertretend antworte ich Ihnen als Vorsitzender der KölnSPD und Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl deshalb auch im Namen der Mitglieder der SPD-Ratsfraktion.

Seit etlichen Jahren gibt es immer wieder öffentliche Diskussionen um die „Kölner Klagemauer“, an der verschiedene Plakate zum Nahostkonflikt ausgestellt werden sowie die Aufforderung an die Stadt, hier einzugreifen. Leider ist der Verwaltung aufgrund der Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichtes Nordrhein- Westfalen ein ordnungsrechtliches Einschreiten nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Dies wird seit Jahren immer wieder im Einzelfall geprüft.

Bereits in 2010 gab es eine breit getragene Erklärung von der Stadt Köln, unterzeichnet von dem Oberbürgermeister, den Bürgermeistern, den damaligen Vertretern aller Fraktionen, den kirchlichen Vertretern und den Vereinen zur Förderung der Städtepartnerschaften zwischen Köln und Tel Aviv/Bethlehem in der die umgehende Entfernung aller menschen- und völkerverachtenden Installationen gefordert wurde.

Weiter heißt es in der Erklärung: „Köln sieht es als seine Pflicht an, grundsätzlich immer dann eine Grenzziehung einzufordern oder vorzunehmen, wo zum Hass gegen andere Völker aufgerufen wird und antisemitische – oder auch andere Religionen verunglimpfende – Botschaften verbreitet werden“.

Im September 2014 hat die SPD-Fraktion aufgrund geänderter Darstellungen an der Kölner Klagemauer die Verwaltung erneut gebeten, die Dauerdemonstration vor dem Hintergrund der oben genannten Erklärung zu bewerten und Möglichkeiten der Abhilfe und Eingrenzung zu ergreifen.

Aufgrund unserer erneuten Anfrage wurde die „Klagemauer“ von Polizei und Stadtverwaltung im November 2014 in Augenschein genommen. Dabei wurde festgestellt, dass es sich nunmehr um einen reinen Informationsstand handelte, auf dem allein vom Initiator stammende Plakate und Fotos ausgestellt waren. Die von der Rechtsprechung als für eine Versammlung prägende Konzeption der Einbeziehung Außenstehender zum Zwecke der kollektiven Teilhabe an der öffentlichen Meinungsbildung in Form der Möglichkeit zur Beschriftung von Kartontafelnfehlte. Vor diesem Hintergrund war die „Klagemauer“ in ihrer Ausgestaltung im November 2014 als reiner Informationsstand zu bewerten und stellte eine erlaubnispflichtige Sondernutzung dar.

Der Initiator veränderte daraufhin erneut seine Installation und hat so den von der Rechtsprechung als prägend für eine Demonstration angesehenen Zustand der kommunikativen Einbeziehung Außenstehender wiederhergestellt. Vor diesem Hintergrund konnte nicht mehr von einer erlaubnispflichtigen Sondernutzung in Form eines reinen Informationsstandes ausgegangen werden. Vielmehr trafen wieder die von der Rechtsprechung aufgestellten Grundsätze und die Einstufung als Versammlung zu. Hieran scheiterten wieder die für eine Verwaltung infrage kommenden Eingriffsmöglichkeiten.

Im April 2015 hat die Kölner Staatsanwaltschaft den Initiator nunmehr wegen Gewaltdarstellung und Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz angeklagt und eine Verwarnung ausgesprochen. Sollte der Initiator die beanstandeten Fotos weiter ausstellen, droht ihm eine Geldstrafe sowie ein weiterer Prozess. Die Polizei und der städtische Ordnungsdienst kontrollieren die Einhaltung und wird bei Nichteinhaltung weitere Auflagen machen bzw. in letzter Konsequenz ein Verbot aussprechen.

Die Verwaltung ist zuletzt im Juli 2015 ordnungsrechtlich tätig geworden. Die KölnSPD ist zu diesem Thema im ständigen Austausch mit der Verwaltung und wird das weitere Vorgehen kritisch verfolgen.

Ich hoffe ich konnte Ihnen darstellen, dass die KölnSPD all ihre zur Verfügung stehenden Mittel gegen die Verbreitung von antisemitischen Botschaften ergreift. Denn für mich gilt: Köln steht zusammen! Mit dem Aktionsbündnis BIRLIKTE „Gemeinsam gegen Rassismus und Ausgrenzung“ setzen wir auch zukünftig ein Zeichen für eine gerechte und solidarische Gesellschaft, damit alle gerne und sicher in Köln leben können.” (Jochen Ott, MdL Oberbürgermeisterkandidat)

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