“Verbote können auch etwas Gutes haben”

“Natürlich haben manche ein Interesse daran, das Wort Verbot als etwas Schlechtes zu denunzieren. Sie wollen den Eindruck erwecken, dass es sich bei denen, die etwas verbieten wollen, um miesepetrige Leute handelt und dabei ihre Einnahmequellen sichern. Aber Verbote können auch etwas Gutes haben.”
(Renate Künast)

In den 80er Jahren, das Jahrzehnt, in dem die Grünen in den deutschen Bundestag einzogen, verfilmte die BBC die Geschichte “Die dreibeinigen Herrscher”. Sie spielt in einer Zukunft, in der es keinen Krieg und keine Umweltverschmutzung mehr auf der Welt gibt. Die Menschen leben mit sich und der Natur in Frieden. Es herrscht ein grünes Paradies.

Der Grund für dieses Paradies ist eine außerirdische Zivilisation, die von den Menschen “die Dreibeiner” genannt wird. Sie herrschen über die Menschheit und sorgen dafür, dass jeder Mensch, wenn er erwachsen wird, eine Weihe erhält, die daraus besteht, dass jeder Mensch eine Kappe am Gehirn installiert bekommt, die ihm jegliche Inspiration, Neugier, Kreativität und damit auch die Möglichkeit zu Revolution und Gewalt nimmt. Frei ist der Mensch nicht mehr! Dafür herrscht Frieden auf Erden. Die Welt, die die Dreibeiner geschaffen haben, ist das Paradies, wie es sich die Grünen vorstellen. Keine Kriege, keine Atomkraftwerke, keine Waffen und nur Bio-Landwirtschaft.

Die Dreibeiner kümmern und sorgen sich um die Menschheit! Sie lassen den Menschen jedoch keine Wahl. Wer nicht friedlich ist, wird vernichtet. Die Dreibeiner lassen sich als Option sogar die totale Vernichtung der Menschen offen, denn eins ist klar: Wo kein menschlicher Freiheitsdrang ist, da ist auch kein Krieg!

Meine Oma hat immer gesagt: “Ratschläge sind auch Schläge!” Das Kümmern geht solange klar, wie dem Menschen, um den sich gekümmert wird, die Möglichkeit der Wahl gelassen wird, ob er bekümmert werden möchte oder nicht. Die Dreibeiner lassen der Menschheit aber nicht nicht Wahl. Genau hier kommen die Grünen ins Spiel. Sie lassen den Bürgerinnen und Bürgern ebenfalls immer die Wahl!

Renate Künast thematisierte im Bundestagswahlkampf 2013 die Möglichkeit an einem Tag in der Woche in staatlich finanzierten Kantinen das Zubereiten von Fleisch zu verbieten:

“Ein Veggie Day ist ein wunderbarer Tag zum Ausprobieren, wie wir uns mal ohne Fleisch und Wurst ernähren.”

Renate Künast hat Recht. Vegetarierinnen haben recht. Die Art der Massentierhaltung geht nicht. Ein Diskutieren mit Vegetariern ist unmöglich. Nicht weil sie unsympathisch sind, sondern weil sie einfach recht haben! Recht haben aber auch die Dreibeiner! Das erlaubt noch lange keinen Zwang.

Die Grünen sind wie eine Religion. Man weiß, dass sie oft recht haben, aber die Lust, der Trieb, das Fleisch kommt doch irgendwie immer wieder dazwischen. Die Kirche hat diesen Trieb als Sünde verdammt. Es brauchte die Aufklärung, um dieser Sünde etwas Gutes abzuringen, nämlich die Freiheit! In der Aufklärung wurde Eva, die bis dahin nur als Sünderin galt, zur Freiheitskämpferin erklärt.

Laut תּוֹרָה soll vor über 5770 Jahren Eva den Mut gehabt haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Bis dahin hatte Gott wie die Dreibeiner geherrscht. Mit dem Menschen kommunizierte Gott nur in Form von Befehlen: “Tu’ dies nicht! Tu’ das nicht!” Adam und Eva hielten sich an Gottes Wort. Sie konnten somit zwar zwischen Richtig und Falsch unterscheiden, aber die Fähigkeit zur Unterscheidung von Gut und Böse fehlte ihnen noch. Die Fähigkeit lag noch uneingeschränkt in Gottes Hand. Die Möglichkeit zur Erlangung der Fähigkeit zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, hing als Frucht an einem Baum mit den Namen עץ הדעת טוב ורע (Baum der Erkenntnis von Gut und Böse). Von dieser Frucht aß Eva. Seitdem ist Gott nicht mehr Alleinherrscher in Moralfragen.

In der Trilogie “Die dreibeinigen Herrscher” haben die Dreibeiner das Paradies wieder eingeführt. Der Garten Eden war schließlich das schönste aller bekannten Gefängnisse. Viele Menschen wollen im dieses Gefängnis zurück! Nicht wenige von ihnen wählen Grün.

Die Grünen haben in NRW ein Rauchverbot in allen Gaststätten durchgedrückt. Natürlich ist Rauchen ungesund. Natürlich darf niemand gezwungen werden, passiv zu rauchen. Allerdings wurde nie jemand gezwungen, in eine Kneipe zu gehen, wo geraucht wurde. Nichtraucherlokale waren immer erlaubt. Die Wahl bestand immer! Die Wahl eines Raucherlokals wurde allerdings durch die Grünen verboten.

“Es ist nur zu Eurem Besten,” sagen die Grünen gerne, wie katholische Priester, die sich um die Schäfchen ihrer Gemeinde sorgen und kümmern. Die Grünen haben generell was sehr katholisches. Grün wählen ist wie ein Besuch in einer Messe mit anschließender Beichte. Man geht hin, sagt “Mea Cupla”, schlägt sich auf die Brust, beichtet etwas, macht ein Kreuz und geht dann wieder selig nach Hause. Grün wählen gibt einfach ein gutes Gefühl. Wer grün wählt, kann spießig sein und SUV fahren. Das Kreuz bei den Grünen gibt die Absolution.

Die Grünen setzen sich teilweise sogar stark für die christliche Kirche ein und verbieten sie es allen Menschen, egal ob Christ oder nicht, am christlichen Sonntag zu arbeiten. Die Grünen haben in NRW sogar ab 2013 zusammen mit der SPD beschlossen, das Arbeiten schon am Samstag ab 22 Uhr zu verbieten, damit die Menschen sich auf die Heiligen Sonntag einstimmen können. Es gibt sogar Tage, da üben die Grünen Zensur und verbieten die Aufführung für das Christentum nicht angemessener Theaterstücke.

Es wundert mich daher nicht, dass sowohl die katholische Kirche als auch die Grünen Schwierigkeiten haben, sich mit der eigenen Vergangenheit des Kindesmissbrauchs durch Mitglieder in den eigenen Reihen auseinanderzusetzen. So sehr sind sie von der moralischen Überlegenheit ihres Glaubens überzeugt, dass sie es sich gar nicht vorstellen können, das so ein Verbrechen in den eigenen Reihen vorgekommen ist. Aber es geschah in der katholischen Kirche und bei den Grünen.

Wie Katholiken haben die Grünen auch Teufel: die Atomenergie und Fracking. Es ist spannend zu sehen, was die Grünen alles tolerieren, um Energie ohne Satan zu gewinnen.

Die rot-grüne Regierung in NRW zum Beispiel zwingt Menschen zum Umzusiedeln und reißt Kirchen ein, um Energie aus Kohle zu gewinnen. Die Grünen greifen zur Zwangsumsiedelung wie es die Regierung in China tat, als sie Stadien für die Olympischen Spiele 2008 erbaute oder die Regierung in Aserbaidschan als sie Gebäude für den Eurovision Song Contest 2012 errichtete. Die Grünen nutzen dafür ein Gesetz aus dem Jahr 1937. Damals erklärten die Nazis die “Energiequellen-Autarkie” zur Priorität und setzten durch, dass Bergrecht vor bürgerlichem Recht gilt. Bis dahin mussten sich die Bergwerksunternehmer noch mit den Grundstückseignern einigen, um an die Rohstoffe unter den Äckern zu kommen. Wenn es zu keiner Einigung kam, gab es keine Möglichkeit, die Tagebaue auszuweiten. Das änderten die Nazis und aufgrund dieser Gesetzgebung, die bis heute gilt, konnte der Tagebau Garzweiler bisher 14 ganze Dörfer in NRW verschlingen. 7600 Menschen wurden umgesiedelt. Sie mussten Häuser, Gärten, Äcker und Wälder gezwungenermaßen an RWE Power AG verkaufen oder wurden gegen Entschädigung enteignet.

Die Grünen, die sonst in Stuttgart gar nicht genug gegen einen Bahnhof oder in Berlin gegen eine Autobahn demonstrieren können, bilden in NRW eine Regierung, die ganze Dörfer zerstört. Gibt es in ganz NRW etwa keinen Juchtenkäfer und keine Kleine Hufeisennase, die es zu schützen gilt?

Nichts ist gefährlich für den Missbrauch der Macht als der Glaube, im Recht zu sein. Deshalb wundert es mich sehr, dass den Grünen eine so hohe Kompetenz in Sachen Datenschutz zugesprochen wird. Eine Partei, die in Kneipen und Kantinen hinein diktiert, die vorschreibt, wann gearbeitet werden darf und welche Stücke am Karfreitag im Theater gezeigt werden dürfen, eine Partei, die sich so sehr in das Privatleben der Bürgerinnen und Bürger einmischt, warum sollte gerade sie zögern, auch in die Privatsphäre der Wohnzimmer einzudringen? Alles natürlich nur mit besten Absichten, versteht sich.

Was die Stasi in der DDR so brutal gemacht hat, war nicht die Masse der Daten, die sie gesammelt hat, Prism und Tempora haben ein Vielfaches an Daten gesammelt, viele davon auf höchst fragwürdige bis glasklar illegale Art und Weise. Was die Stasi jedoch so brutal gemacht hat, war ihr Glaube, uneingeschränkt im Recht zu sein. Die Stasi kämpfte für eine angeblich bessere Welt und konnte massenhaft verhaften, wegsperren und einschüchtern. Die Daten wurden als Druckmittel genutzt. “Schau her, was wir können! Obacht!” Es gab keine Politiker, keine Filme, keine Demos, keine Nachrichten, keine Veranstaltungen in der DDR, die die Stasi kritisieren durften. Dafür landete man im Knast! Es gab in der DDR keine Kritik, keine Alternative. In einem Lied der SED hieß es: “Die Partei hat immer Recht!”

“Zählt denn noch Schmerz und Beschwerde,
Wenn uns das Gute gelingt,
Wenn man den Ärmsten der Erde,
Freiheit und Frieden erzwingt?”

Totalitarismus beginnt dort, wo das Paradies nicht mehr nur als eine Phantasie in der Vergangenheit liegt, die uns motiviert, bessere Menschen zu sein, sondern wenn das Paradies als Ideologie in der Zukunft verordnet wird, die uns zwingt, dem Paradies liniengetreu entgegen zu marschieren. Alles wird in diesem Fall dieser Zukunft untergeordnet. Wer es wagt, sich der geplanten Zukunft in den Weg zu stellen, wird entsorgt oder bestraft!

Die Dreibeiner bewegen sich auf der Erde übrigens in dreibeinigen Maschinen, da sie die Atmosphäre der Erde nicht vertragen. In ihren Stationen jedoch, entledigen sie sich der Maschinen und man sieht ihr Antlitz. Sie sind grün!

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Das kann kein Zufall sei.

SPOILERALARM! Hier nur weiter lesen, wenn sie das Ende von “Die dreibeinigen Herrscher”erfahren wollen.

Von der BBC wurden nur die ersten beiden Teile der Serie “Die dreibeinigen Herrscher” verfilmt. Wer den dritten Band gelesen hat, weiß, wie es weiter geht:

Eine Gruppe Menschen, die sich der Weihe verweigert haben, beginnen einen Krieg, den die Dreibeiner letztendlich verlieren. Am Ende sind die Menschen wieder frei. Kaum aber sind die Dreibeiner weg, führen die Menschen wieder untereinander Kriege. Der totale Friede ist dahin, aber die Freiheit ist wieder da. Freiheit ist nicht ohne Konflikte möglich. Vermutlich werden es daher liberale Menschen, die für die Freiheit streiten, immer schwer haben, weil sie nicht für den totalen Frieden auf Erden sein können. Der totale Friede ist nämlich nur in Gefangenschaft und Unterdrückung möglich. Deshalb war der Garten Eden auch ein Gefängnis und deshalb findet viele Verbote so toll.

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Da antwortet man mal auf eine unbekannte Facebook-Nachricht …

… und dann das:

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Acht Stunden Gerd Buurmann

Der Trailer für die 14. Kölner Theaternacht ist online. Ich bedanke mich besonders bei Hella von Sinnen für die Unterstützung:

Wer die Kölner Theaternacht erleben möchte, kaufe sich bitte ein Starterticket der studiobühne. Ich spiele nämlich acht Stunden lang dort und verdiene daran.

Also: Ran an die Karten!

Der Theatermarathon in der studiobühneköln
von und mit Gerd Buurmann und Tobias Weber am 2. Oktober 2014 ab 20 Uhr.

Tobias Weber und Gerd Buurmann spielen durch bis 4 Uhr früh und singen Bums Fallera! Der Chef der Kunst Gegen Bares und sein Kollege im Frack warten mit einem vollgepackten Abend auf: Menschen, Theater, Sensationen!

Webers und Buurmanns Marathon hat mittlerweile Theaternacht-Kult-Charakter. Seit acht Jahren schon begeistern sie gemeinsam mit zahlreichen Freundinnen und Freunden der unterschiedlichsten Künste das Publikum bis in die frühen Morgenstunden.

Zum dritten Mal in Folge werden sie dies in der studiobühneköln tun.

20h: “Deutschland. Ein Wintermärchen” von Heinrich Heine. Buurmann und Weber eröffnen den Theatermarathon wie jedes Jahr traditionell mit Heinrich Heine.

21h: “Tu mir mal ‘n Shakespeare” Weber und Buurmann präsentieren Klassiker des Theaters.

22h: “Du machst es Dir verdammt leicht, Kurt!” Weber und Buurmann präsentieren die schönsten Monologe von Inge Meysel,
Wolfgang Petry und Louis de Funés.

23h: “Wir warten auf die Einheit” Buurmann und Weber feiern in den Tag der Deutschen Einheit und singen mit dem Publikum die schönsten deutschen Lieder.

0h bis 4h THEATERJUKEBOX: Das Publikum wählt große Monologe und Szenen von Shakespeare, Goethe, Schiller, Buurmann, Brecht, Büchner etc.

Zwischendurch spielen Buurmann und Weber Heine, talken mit KünstlerInnen und erwarten Gäste.

Ein Kommen und Gehen ist jederzeit möglich!

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Der “Islamische Staat” ist nicht Mittelalter!

Nicht selten, wenn vom “Islamischen Staat” die Rede ist, wird das Bild vom Mittelalter bemüht. IS ist aber nicht Mittelalter!

Im Mittelalter gab es Frauen wie Hildegard von Bingen. Sie schrieb über die Kunst des Bierbrauens, komponierte herrliche Musikwerke und verfasste eines der ersten schriftlichen Zeugnisse über die Wonnen des weiblichen Orgasmus’.

Mechthild von Magdeburg wiederum dichtete Minnelieder über die Liebe zu Gott.

Roswitha von Gandersheim schrieb die ersten Theaterstücke auf deutschem Boden. Ihre Stücke spielen unter anderem in Bordellen.

Wo gibt es solche Frauen im “Islamischen Staat”?

Wo gibt es dort eine Frau wie Christine de Pizan, die im späten Mittelalter als eine der ersten Autorinnen von ihren Werken leben konnte? Ihr bekanntestes Werk ist “Le Livre de la Cité des Dames” (1405). In dem Buch berichtet eine Frau wie ihr in ihrer Wut und Verzweiflung über den allerorts vorhandenen Hass auf Frauen drei vornehme Damen erscheinen, die ihr Mut machen und den Bau einer Stadt der Frauen verkünden. Diese Stadt soll eine Zuflucht bieten vor den Verleumdern und Hassern des weiblichen Geschlechts.

Der “Islamische Staat” würde alle Frauen in dieser Stadt steinigen!

Der “Islamische Staat” ist nicht Mittelalter! Im Gegenteil: Er sollte endlich im Mittelalter ankommen! Es wäre für ihn ein klarer Fortschritt!

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Dein Freund und Helfer

Während einer Demonstration gegen Israel im August 2014 in Hagen überlies die Polizei den Demonstranten ein Megaphon, das dann benutzt wurde, um die Parole “Kindermörder Israel” zu skandierten. Eine Nachfrage bei der Polizei bracht folgende Antwort:

“Für die Demonstration wurden seitens der Polizei strenge Auflagen erlassen. Es war für den friedlichen Verlauf von besonderer Wichtigkeit, diese Auflagen den ca. 500 Teilnehmern bekannt zu geben. Die Verpflichtung hierzu oblag der Leiterin der Versammlung. Da diese zu Beginn der Veranstaltung über kein Megaphon verfügte, wurde ihr zu diesem Zweck das Megaphon der Polizei überlassen. Dieses wurde anschließend von Teilnehmern auch dazu benutzt, um auf die Tötung von Kindern während der kriegerischen Auseinandersetzungen aufmerksam zu machen. Äußerungen von strafrechtlicher Relevanz fielen dabei nicht. Das Megaphon wurde daher bewusst nicht zurückgefordert, um den insgesamt friedlichen und gewaltfreien Verlauf der Demonstration nicht zu gefährden.”

Dann ist ja alles klar. Wer das nächste Mal auf “die Tötung von Kindern während der kriegerischen Auseinandersetzungen aufmerksam” machen möchte und dies in die Worte “Kindermörder Israel” kleidet, kann sich bei der Hagener Polizei ein Megaphon leihen. Für die Hagener Polizei gibt es offenkundig keinen Unterschied zwischen Tötung und Mord. Hochinteressant!

Es gibt übrigens noch mehr, worauf man hinweisen kann. Wie wäre es zum
Beispiel mal mit dieser Parole: “Brunnenvergifter Israel”. Die Hagener Polizei hilft gewiss gerne. Diese Parole hat die Hagener Polizei schließlich auch schon vor über 70 Jahren unterstützt.

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Genug ist genug!

Am 14. September 2014 lud der Zentralrat der Juden zu einer Kundgebung unter dem Motto “Steh auf! Nie wieder Judenhass!” nach Berlin. Nach Angaben der Polizei kamen 4000 Menschen, unter ihnen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, erklärte bei der Demonstration, er habe sich nie im Leben vorstellen können, in Deutschland überhaupt gegen Antisemitismus demonstrieren zu müssen. Nach den “schlimmsten antisemitischen Parolen auf deutschen Straßen seit vielen Jahrzehnten” sei dies jedoch nötig.

Eine der schlimmsten antisemitischen Demonstrationen findet nahezu täglich vor dem Kölner Dom statt. Dort werden Juden als Kinderfresser und Bluttrinker dargestellt:

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Israel wird mit Hitler verglichen:

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Israel wird als Erpresser der Welt bezeichnet:

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Der Mord aller Juden wird sogar als legitimer Widerstand bezeichnet:

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Aufgrund der letzten Parole gingen in den letzten Tagen mehrere Anzeigen von Juden gegen den Betreiber der Klagemauer ein. Eine Anzeige liest sich wie folgt:

“Vor dem Kölner Dom wird auf einem gelben Plakat der Aufruf zum Mord an mir als legitimer Widerstand bezeichnet. Die Parole, die den Mordaufruf gegen mich verharmlost, lautet: “HAMAS = Volks-Widerstand”

Die Hamas fordert meinen Tod! Artikel 7 der Gründungscharta der Hamas fordert den Tod aller Juden weltweit, also auch in Deutschland. Das ist der Grund, warum die Hamas in Deutschland als Terrororganisation eingestuft wird.

Ich bin Jüdin! Die Hamas fordert meinen Tod. Vor dem Kölner Dom wird diese Forderung als legitimer Widerstand verharmlost.

Ich erstatte daher Strafanzeige. So lange vor dem Kölner Dom der Aufruf zum Judenmord als Widerstand bezeichnet wird, werde ich in Köln als Jüdin beleidigt, bedroht und verfolgt.”

Am 14. September 2014 demonstrierten Tausende vor dem Brandenburger Tor gegen Antisemitismus. Dieter Graumann erklärte: “Wir sind hier, um gemeinsam und geschlossen zu zeigen: Kein Platz für Judenhass!”

Vor dem Kölner Dom wurde diese Demonstration jedoch anders bewertet:

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“Gespenstig,
Sonntag, 14. Sept
in Berlin
Aufmarsch der
Massaker-Befürworter”

Mit diesen Worten kommentiert der Betreiber des Agitationsstandes vor dem Kölner Dom, Walter Herrmann, die Demonstration gegen Antisemitismus vor dem Brandenburger Tor. Es ist der selbe Mann, der Judenmord als Volks-Widerstand bezeichnet.

Wenn eine Gruppe von Menschen den Mord an alle Juden fordert, ist das für Walter Herrmann Widerstand, wenn jedoch eine Gruppe von Menschen gegen Judenhass demonstriert, ist das für Walter Herrmann gespenstig.

Kann mir mal jemand erklären, warum dieser Mann immer noch nahezu täglich vor dem Kölner Dom hetzen kann?

Dieter Graumann sagte am 14. September in Berlin: “Unsere Albträume, ja meine eigenen Albträume sind weit übertroffen worden.” Er fügte hinzu, die Juden wollten sich das nicht mehr gefallen lassen:

“Genug ist genug!”

***

Vor ein paar Wochen kritisierte ich die antisemitische Installation vor dem Kölner Dom. Ich schrieb eine künstlerische Satire, in der ich bei einigen Parolen des Agitationsstandes das Wort Israel mit dem Namen eines Unterstützers des Standes austauschte. Ich wurde sofort angezeigt, siehe: “Und wieder werde ich verklagt”. Die Kölner Staatsanwaltschaft forderte daraufhin 100,- Euro von mir, damit kein Verfahren wegen Beleidigung gegen mich eingeleitet wird. Weitere Informationen finden Sie in diesem Artikel: “Antisemitische Endlosschleife” Dort steht auch, wohin ich die 100,- Euro überweisen musste. Sie werden es nicht glauben!

Wenn Sie sich an den 100,- Euro beteiligen möchten oder einfach mal so finanziell Danke sagen wollen, dann klicken Sie einfach auf das Wort “Spenden”.

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Something troubling in Cologne

This is a mail sent by a Jewish tourist from Melbourne to the Jewish community of Cologne:

“I am writing to you because I came across something troubling during my weekend stay here in beautiful Cologne. I was walking from my hostel (Cologne Downtown Hostel) towards the big cathedral, when I came across a gentleman who had taken it upon himself to promote the “massacre” and “genocide” of the Palestinian people that had taken place in the current conflict between Israel and Gaza. This gentleman was located on the corner of Wallrafplatz and Domkloster, near the Louis Vuitton store. I have attached photos that I took of this gentleman and his photos/placards.

I stood nearby his corner for quite some time, interested to observe the general reaction of passers by. The most troubling aspect was, given that it was a busy weekend, many people had stopped to read his placards and look at the photos, and I could sense that they mostly accepted his statements as fact (despite their anti-Semitic sentiment, and despite the fact that the photos are either fake or from conflicts other than this current one). Passers by were nodding in agreement, some of them took photos (no doubt to share with family and friends at a later stage), some of them went to shake the gentleman’s hand in acknowledgement of his cause. No one questioned it, and there was no one there to argue against it, or rather, to display a truthful representation of the recent happenings throughout the conflict.

I felt a strong urge to write and inform you of this gentleman and his actions. I am not sure if you are aware that he exists, but felt that you should know so that something could be done about it. The longer he is left to freely disperse his biased misinformation, the more reason and justification will be given to the current anit-Israel and anti-semitic sentiment you are experiencing throughout Germany (and indeed throughout Europe).

Could you please acknowledge receipt of this email, and let me know of any course of action you, as the Jewish community in Cologne, may choose to take.”

The actions are: The “gentleman” is standing there for years, the police tolerates him and the city grants him special rights to spread his hatred. The Jewish community and the gentile artist Gerd Buurmann filed a grievance, asserting a violation of Germany’s hate-crime law, because of the display this anti-Semitic cartoon.

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The public prosecutor dismissed the complaint, arguing that the cartoon is not anti-Semitic, because the person shown on the picture cannot be clearly identified as a Jew because the person does not have a crooked nose.

“Not “the Jew” and not “the Jews” are the subject of this picture. At all times the use of certain anatomical stereotypes that should characterize the Jews in general were typical of anti-Jewish image displays. Facial features were exaggerated in particular, in order to let Jews seem ugly, unsightly and appear racially inferior (e.g. Jewish „crooked nose“, etc.). But such imagery is not served in this case!”

After Gerd Buurmann had filed a grievance, asserting a violation of Germany’s hate-crime law, the “gentleman” in front of the cathedral started to pass out leaflets calling the artist a dog and a criminal. Gerd Buurmann sued, but without success.

On one day Gerd Buurmann used the slogans of the “gentleman”, but instead of the word Israel he used the name of the “gentleman” in order to show how insulting the whole presentation is. It was clearly an artistic way to criticize the installation. Gerd Buurmann was fined 100,- Euro for that. The “gentleman” himself was fined nothing. The city grants him special rights!

In Cologne you can insult Israel but not criticize the insulter! The city of Cologne is very good in prosecuting the ones criticizing antisemitism but even better in letting the antisemitism live and spread!

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