Deutschland heute

In der Nacht vom 1. auf den 2. August 2010 wurde der jüdische Friedhof in Aachen geschändet. Unbekannte haben über eine Fläche von vierzig Metern Hakenkreuze und die Parole „Freiheit für Palästina“ geschmiert. Die Aachener Zeitung hat über diesen Vorfall berichtet, verschweigt in dem Internet-Artikel allerding die Parole „Freiheit für Palästina“. Auf Nachfrage von Tapfer im Nirgendwo hat der zuständige Redakteur bestätigt, dass er Kenntnis über die Parole hatte. Warum er dies dann nicht in seinem Artikel erwähnt hat, bleibt sein Geheimnis.

Mit dieser Aktion wird das Jahr 2010 in Deutschland um einen weiteren judenfeindlichen Anschlag erweitert.

Mai 2010: Auf die Synagoge in Worms wird ein Brandanschlag verübt.

Juni 2010: In Hannover werden Juden öffentlich mit Steinen beworfen.

Januar 2010: Auf der Kölner Domplatte wird eine Karikatur offen zur Schau gestellt, auf der ein Jude zu sehen ist, der ein Kind isst und sein Blut trinkt. (Tapfer im Nirgendwo berichtete als erstes.)

Juni 2010: Auf Facebook häufen sich die Rufe nach der Vergasung und Vernichtung aller Juden. (Tapfer im Nirgendwo berichtete mit als erstes.)

Mai 2010: Auf Twitter häufen sich antisemitische Einträge. (Tapfer im Nirgendwo berichtete mit als erstes.)

2010 ist somit das Jahr mit den schlimmsten judenfeindlichen Anschlägen seit dem Nationalsozialismus.

Und was macht der Deutsche Bundestag?

Er beschließt nicht etwa einstimmig eine Verurteilung der antisemitischen Gewalttaten im eigenen Land und überlegt, was gegen diese Form des brutalen Judenhasses auf deutschen Strassen unternommen werden könnte, sondern er beschließt einen einstimmig Beschluss, der die Politik Israels betrifft. Statt also Verantwortung zu übernehmen für die aktuelle Gewalt gegen Juden im eigenen Land, verabschiedet der deutsche Bundestag lieber einen Beschluss, der Forderungen an das einzige jüdische Land der Welt richtet. (Tapfer im Nirgendwo berichtete mit dem Artikel „Ich klage an“.)

Es wird ungemütlich in Deutschland, nicht nur wegen der Anschläge, sondern ganz besonders wegen des ohrenbetäubenden Schweigens. In Deutschland brennen Synagogen, werden jüdische Friedhöfe geschändet und Juden mit Steinen beworfen und was geschieht:

Politiker schweigen!
Journalisten schweigen!
Philosophen schweigen!
Künstler schweigen!
Nachbarn schweigen!
Sogar Freunde schweigen!

Meine Großeltern haben mir von solchen Geschichten erzählt. Ich war mir sicher, dass sowas nie wieder in Deutschland geschehen kann. Ich hab mich wohl geirrt.

Ich muss gestehen, ich habe meiner Familie und meinen Freunden in den USA ein Telegramm geschickt mit den Worten:

„Start worrying. Details to follow.“

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