Ganz große Oper!

Stellen Sie sich vor, Sie sind als Journalist zu einer Pressekonferenz ins Rathaus geladen und wissen nur, dass es um eine kulturpolitische Entscheidung von enormer Tragweite geht. Stellen Sie sich weiterhin vor, sie betreten das Rathaus und sehen im Publikum unter anderem den Opernintendanten der Stadt sitzen. Nun, werde Sie denken, das ist nichts Ungewöhnliches. Warum sollte der Opernintendant nicht im Publikum anwesend sein, wenn über eine kulturpolitisch wichtige Sache berichtet wird? Stellen Sie sich nun aber vor, der Opernintendant betritt den Saal mit folgenden Worten: „Laufenberg, Opernintendant, noch.“ Spätestens jetzt würden Sie merken, dass sie nicht nur zu einer Pressekonferenz geladen wurden, sondern zu einer ganz großen Oper!

„Laufenberg“ Eine Oper in 5 Akten.
Ort: Köln
Zeit: Sommer 2012
Personen: Opernintendant Laufenberg (Tenor), Sprecherin der Stadt (Sopran), Journalistin Laufenberg (Alt), Kulturdezernent Quander (Bass)

Akt 1: Der Opernintendant betritt den Weißen Saal. Es erklingt die Arie: „Laufenberg. Opernintendant. Noch!“

Akt 2: Die Sprecherin der Stadt fordert den Opernintendanten auf zu gehen, da nur Journalisten geladen seien. Der Opernintendant fragt, ob das jetzt eine Bitte sei oder ein Rausschmiss, worauf die Sprecherin die Arie anstimmt: „Eine Bitte mit Nachdruck!“

Akt 3: Der Opernintendant ruft seine Frau an und bittet sie, unverzüglich zum Rathaus zu kommen. Es erklingt die Arie: „Meine Frau ist Journalistin“.

Pause

Akt 4: Die Frau des Opernintendanten ist mittlerweile eingetrudelt. Leider hat sie den gemeinsamen Hund Oscar dabei. Es erklingt die Arie „Ein kluges Tier, aber ängstlich“ vom Opernintendanten. Die Sprecherin erklärt, das Tier dürfe nicht bleiben. Es erklingt die Arie „Hunde dürfen nicht ins Rathaus“. Der Opernintandant verlässt mit dem Hund den Saal.

Akt 5: Der letzte Akt findet in Abwesenheit des Opernintendanten statt, dafür erscheint jetzt der Kulturdezernent Quander. In der erzwungenen Abwesenheit des Opernintendanten gibt er die fristlose Kündigung des Opernintendanten bekannt. Die Journalistin und Frau des Opernintendanten stellt zuletzt die Frage, ob der Kulturdezernent eine Mitschuld trage an dieser Situation. Es erklingt die Arie von Quander: „Keine.“

Der Vorhang fällt schnell!

Ich muss gestehen, seit „Der Kaufmann von Venedig“ von William Shakespeare habe ich nicht mehr eine solch brillante Interpretation von Selbstgerechtigkeit, Unverschämtheit und Überheblichkeit gesehen. Laufenberg ist wie Shylock, der im 5. Akt nicht mehr da ist, weil er von einer selbstherrlichen und selbstgerechten Gruppe um Portia rausgeworfen wurde. Kulturdezernent Georg Quander spielt in dieser Oper die Rolle der Portia. Vom sozialdemokratischen Oberbürgermeister gestützt und von der rot-grünen Regierung im Rat umgeben, verkündet er die Entlassung des Opernintendanten ohne dabei die Chuzpeh zu haben, es dem Entlassenen selbst direkt ins Gesicht zu sagen. Da war selbst Portia noch anständiger! Wenn das die Art des Umgangs im rot-grünen Rat ist, dann bleibt mir nur zu noch sagen: „Nessun dorma!“ Niemand schlafe! Denn auf diesen Horrorhaufen der kulturellen Inkompetenz müssen alle nur möglichen offen Augen gerichtet werden.

Die Schriftstellerin und Opernlibrettistin Elke Heidenreich sagt über Laufenberg, er habe die „Oper auf ein ganz hohes, international anerkanntes Niveau gebracht“. Noch nie habe sie „so viel Enthusiasmus, Freude, Stolz“ im Kölner Opernhaus erlebt. Heidenreich beklagt vonseiten der Stadt ein „verschlagenes Spiel hinter den Kulissen“. Mit Blick auf den Kölner Kulturdezernenten erklärt sie: „Im Namen vieler, wenn nicht aller Opernmitarbeiter und Opernliebhaber bitte ich inständig darum: Entlasst diesen Kulturdezernenten und nicht diesen Intendanten.“

Ich kann mich dieser Forderung nur anschließen: Entlasst Quander und nicht Laufenberg! Ich habe zur Not sogar den Anstand, es ihm ins Gesicht zu sagen.

Es stimmt schon: Uwe Eric Laufenberg wollte sich nicht der vertragsbrüchigen Kürzung des Etats ergeben. Es stimmt auch: Laufenberg ist ein zäher Verhandlungspartner, der nicht selten zu übertriebenen Aussagen greift. In einem Interview erhob er erst jüngst besonders schwere Vorwürfe gegen Quander. „In einer Art, die an Schmutzigkeit nicht zu übertreffen ist,“ habe man ihm einen Auflösungsvertrag versagt und ihn in eine fristlose Kündigung drängen wollen. „Man ist besessen von der Idee, dass ich sofort weg muss.“ Es stimmt aber auch: Uwe Eric Laufenberg hat eine Rekord-Auslastung für die Kölner Oper erreicht und das Niveau auf den höchsten Wert der letzten Jahre erhöht.

Wer so einen beim Publikum und der Kritik erfolgreichen Intendanten fristlos kündigt, der muss sich den Vorwurf gefallen lassen, eigene Interessen zu haben. „Nessun dorma“, sage ich daher, niemand schlafe! Stattdessen sollten wir ein Auge auf Quander haben, ob er nicht, „O Fortuna“, von dieser Entlassung profitieren wird.

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