Die Vorhaut gehört zu Deutschland

Laut einem Bericht der Financial Times Deutschland hat das Landgericht Köln in einem Urteil entschieden, dass wer Jungen aus religiösen Gründen beschneidet, sich wegen Körperverletzung strafbar macht.

Unser aktueller Bundespräsident sagt: „Die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland.“ Unser letzter Bundespräsident hat gesagt: „Der Islam gehört zu Deutschland.“

Man mag mich berichtigen, aber so wie ich es verstanden habe, gehört die Beschneidung von Jungen zum Islam und zum festen Bestandteil vieler gläubiger Muslime. Im Islam ist die Beschneidung ein ebenso wichtiges religiöses Gebot wie im Judentum. Das heißt nicht, dass alle Muslime und Juden beschnitten sind. Einige meiner besten muslimischen Freunde sind nicht beschnitten, nichtmal mein Lieblingskoch koscherer Küche ist beschnitten, aber Jude ist er allemal. Es gibt Muslime, die nicht beschnitten sind, Muslime die nie in Mekka waren, Muslime die nicht beten und Muslime die niemals den Koran gelesen haben. Es gibt sogar Juden, die nicht lustig sind. Wenn jedoch ein Muslim oder ein Jude sein Kind beschneiden lässt, so tut er dies aus einer religiösen Überzeugung heraus. Das Landgericht Köln hat nun diese religiös motivierte Beschneidung als Körperverletzung verurteilt. Während also der Deutsche Bundespräsident sagt, Muslime gehörten zu Deutschland, erklärt ein Landgericht in Köln gläubige Muslime zu Verbrechern.

Ich bin mal gespannt, wie dieses Urteil den religiösen Dialog befördern wird. Als der holländische Politiker Geert Wilders den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“ verglich, war die Empörung groß; als Kurt Westergaard als Nicht-Muslim das muslimische Gebot brach und Mohammed zeichnete, überlebte er nur knapp einen Mordanschlag; als Theo van Gogh in einem Film ein muslimisches Gebet auf den nackten Körper einer Frau projezierte, wurde er ermordet; als Salman Rushdi die „Satanische Verse“ und Shahin Najafi „Naqi“ schrieben, wurde eine Todesfatwa über sie verhängt; und nun kommt ein Kölner Landgericht und erklärt einen muslimischen Ritus zum Verbrechen. Soweit geht nicht mal ProNRW und PI News.

Man mag mich naiv nennen, aber mein Verständnis einer freien Gesellschaft schließt das Recht ein, die „Satanische Verse“ und „Naqi“ zu schreiben, Mohammed zu malen, religiöse Texte auf nackte Frauen zu schreiben und den Koran mit „Mein Kampf“ zu vergleichen. Wenn in dieser Welt dann Jungen von ihren muslimischen und jüdischen Eltern beschnitten werden, dann komme ich darauf klar, denn so frei wird eine Gesellschaft nie werden, dass sie Eltern abschafft. Unsere Eltern bestimmen erst mal unsere Sprache, unsere Kultur und unsere Religion, ohne uns zu fragen. Solange es nur dazu führt, dass manche deutsch sprechen, einige Gefillte Fisch essen und manche ihre Vorhaut verlieren, kann ich damit leben. Deutsch ist eine interessante Sprache, von Gefillte Fisch wird mir nicht direkt schlecht und beschnittene Schwänze, nun, da hat Elaine die passende Antwort.

In der Folge „The bris” der 90er-Jahre-Sitcom “Seinfeld” wird Elaine Benes gefragt, ob sie jemals einen unbeschnitten Penis gesehen habe und wenn ja, wie er ihr gefallen habe. Ihre Antwort hat Fernsehgeschichte geschrieben:

“Es hatte kein Gesicht, keine Persönlichkeit, keinen Glanz. Es sah aus, wie ein Marsmännchen.” (No, had no face, no personality, very dull. It was like a martian.)

Die Debatte um die Beschneidung von Jungen wird mit Sicherheit sehr heftig geführt werden. Bevor aber alle übereinander herfallen und die Hygiene und das verminderte Krebsrisiko von beschnittenen Penes in den Ring geworfen werden, sollten wir erstmal das Positive sehen: Vor siebzig Jahren wurden jüdische Jungen noch von der deutschen Justiz ermordet; heute macht sie sich Sorgen um ihre körperliche Unversehrtheit.

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