Ich werde nicht gehen!

von Guri Weinberg (aus dem Englischen übersetzt von Tapfer im Nirgendwo).

Vor Kurzem wurden von der deutschen Polizei auf Drängen von deutschen investigativen Journalisten neue Informationen über das Massaker in München während der Olympischen Spiele 1972 herausgegeben. Es wurde bekannt, dass die Terroristen des „Schwarzen September“ von einer deutschen Nazi-Gruppe unterstützt wurden. Sie versorgten die Terroristen mit gefälschten Ausweisen, Waffen und dem Zugang zum Olympischen Dorf.

Die Nachricht war nicht allzu schockierend, war doch der Chef des IOC im Jahr 1972, Avery Brundage, ein Nazi-Sympathisant und Antisemit. Sein Schützling, Juan Samaranch, diente schließlich als zweitlängster Präsident des IOC. Seine Unterstützung für die Nazis und dem spanischen Diktator Francisco Franco war lange ein schmutziges Geheimnis. Die meisten IOC-Mitglieder kannten zwar die Wahrheit, aber sie schwiegen, weil er einen königlichen Lebensstil für sie organisierte. Das Geld dafür leitete er einfach aus dem Sport um.

Eine weitere interessante Tatsache ist, dass Abu Iyad, einer der Mitbegründer der PLO, öffentlich gesagt hat, dass der Grund für die Wahl der Olympischen Spiele 1972 als Bühne für die Geiselnahme durch den „Schwarzen September“ in der Weigerung des IOC zu suchen ist, die Anfrage der PLO zur Aufnahme der palästinensische Delegation bei den Olympischen Spielen zu akzeptieren. Diese Brüskierung des IOC kam zu einem Zeitpunkt, da die Spannungen im Nahen Osten auf einem Siedepunkt war. Obwohl der IOC also wusste, dass die PLO aufgehetzt war, verweigert das IOC der israelischen Regierung einen Antrag auf Sicherheit für die Athleten.

Im Jahr 1996 wurde ich, zusammen mit anderen Waisen des Münchner Massakers und drei von den Witwen zum ersten Mal zu den Olympischen Spielen in Atlanta eingeladen. Vor der Eröffnungsfeier trafen wir uns mit Alex Gilady. Gilady war seit 1984 ein Mitglied der IOC Radio und Fernsehen Kommission und wurde 1996 der Senior Vice President von NBC Sports.

Ich kenne Herrn Gilady, seit ich ein Kind bin. Um genau zu sein, wuchs ich mit seiner Tochter auf. Er hat uns stets unterstützt in unserer Bitte um einen Moment der Stille während der Eröffnungsfeierlichkeiten. Wir kamen daher mit großen Hoffnungen. Gilady teilte uns jedoch mit, dass ein Moment der Stille nicht möglich sei. Wenn das IOC einen Moment der Stille für die israelischen Sportler hielte, müsste es einen solchen Moment auch für die Palästinenser geben, die bei den Olympischen Spielen im Jahr 1972 gestorben waren.

Ich hörte dann, wie eine der Witwen zu Gilady sagte: „Willst du den Mord an meinem Mann mit den Terroristen gleichsetzen, die ihn getötet haben?“

Stille.

Dann brach ein Schrei aus Ilana Romano, der mich bis zum heutigen Tag verfolgt. Sie schrie auf Gilady ein: „Wie kannst du es wagen! Du weißt doch, was sie mit meinem Mann getan haben. Sie haben ihn für Stunden liegen und langsam sterben lassen. Sie haben die Gräuel sogar mit einer Kastration beendet. Sie schoben es ihm in den Mund, Alex!“

Ich schaute auf Giladys Gesicht, wie er da saß, kalt wie ein Stein und ohne Emotion. Dieser Mann kannte diese Athleten persönlich. Dieser Mann führte die Delegation der israelischen Medien bei den Olympischen Spielen 1972 und sah die Gräueltaten aus erster Hand. Dieser Mann sah meinen toten Vater, wie er mit nacktem Körper vor die Tür des Olympischen Dorfes geworfen wurde, damit die ganze Welt ihn sehen konnte.

Ohne einen Hauch von Mitgefühl entschuldigte Gilady sich von unserem Treffen.

Das war der Moment, an dem mir klar wurde, dass das IOC uns nicht fallen lies, weil es sich politisch neutral verhalten wollte, sondern weil es vielmehr eine eigene spezifische Politik hatte und hat, basierend auf der Geschichte der NS-Unterstützung, der Gier und des Bluts an den eigenen Händen. Das IOC hat eine Geschichte der Anstiftung der PLO, und wird daher niemals israelische Sportler unterstützen.

Deshalb habe ich jetzt eine Nachricht an alle Mitglieder des IOC: Die Folter der elf israelischen Athleten und ihrer Familien durch den „Schwarzer September“ dauerte 48 Stunden. Die Qualen jedoch, die Sie den Familien antun und jenen, die sich an die geschätzten Athleten erinnern, halten nun schon 40 Jahre an. Ich bin nicht mehr mit einem Moment der Stille in jeder Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele zufrieden. Ich fordere, dass Sie alle Ihre Arbeitsplätze verlieren, damit Sie durch echte Olympioniken ersetzt werden können, die sich um die Athleten kümmern und an die Olympische Charta glauben.

Die Drohungen des IOC gegen mich machen mir keine Angst mehr. Wer keine Würde mehr hat, hat nichts mehr zu verlieren. Also, liebe Mitglieder des IOC – mein Name ist Guri Weinberg. Ich bin der Sohn von Moshe Weinberg, dem Wrestling-Trainer, der bei den Olympischen Spielen 1972 ermordet wurde. Und ich werde nicht gehen.

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