Nein!

Im Juli 2009 hat ein 31-jähriger Mann in seiner Marler Wohnung mit einer damals 15-jährigen Schülerin Sex gehabt. Vorher schickte er noch seine Lebensgefährtin und eine Freundin aus der Wohnung, um seine Ruhe zu haben. Die Frauen, die dem alkohol- und drogenabhängigen Mann offenbar hörig waren, verließen die Wohnung ohne Widerspruch. Daraufhin kam es zum Sex zwischen dem kräftigen Mann und dem Mädchen. Die Schülerin soll gesagt haben „Nein, ich will das nicht“. Später im Gericht erklärte das Mädchen, es habe alles über sich ergehen lassen, weil der Mann als äußerst gewaltbereit gilt. Er sitzt zum Beispiel derzeit eine Haftstrafe von über drei Jahren ab, weil er unter anderem eine Bekannte im Streit verprügelt hatte.

Und jetzt kommt die Richterin. Im Landgericht Essen erging diese Woche ein Freispruch! „Wenn man etwas nicht will, muss man das deutlicher machen. Er wusste ja nicht, dass sie das gar nicht wollte“, sagte die Richterin und fügte hinzu: „Es war nicht in einer schutzlosen Lage. Es hätte weglaufen oder Hilfe rufen können, aber es hat alles über sich ergehen lassen. Das reicht nicht, um jemanden zu bestrafen.“ Auch die Staatsanwältin hatte auf Freispruch plädiert.

Ich bin keine Juristin, aber wenn ich den Fall richtig beurteile, so hat das Gericht beschlossen, dass das Wort einer jungen Frau nicht reicht. Eine junge Frau, die erklärt, keinen Sex mit einem Mann haben zu wollen, kann nicht davon ausgehen, dass ihr Wort vor Gericht als wirksame Erklärung erachtet wird. Stattdessen soll sie Hilfe holen? Was denn für eine Hilfe? Männliche oder weibliche Hilfe? Wenn sie weibliche Hilfe holt, ist das Gericht dann auch zufrieden? Gelten zwei Frauen so viel wie ein Mann? Die Schülerin hätte laut Landgericht Essen natürlich auch flüchten können. Danke, liebe Richterin, für den schönen Rat, dann weiß sie es ja für das nächste Mal besser.

Der Anwalt des Mädchens, Dirk Brockpähler, hat einen anderen Vorschlag: „Man kann jeder Frau nur einen Rat geben: Im Zweifel musst du kratzen.“

Der Mann ist Anwalt, er kann nichts anderes sagen. Ich schon: Ein Mann, der schwer gewaltbereit ist, wird sich durch ein Kratzen nicht beeindrucken lassen. So wie es aussieht, werden in Zukunft wohl alle Frauen in dem Moment des sexuellen Übergriffs so lange auf die Täter einschlagen müssen, bis sie sich nicht mehr bewegen. Das ist die einzig mögliche Schlussfolgerung, die ich mit meinen bescheidenen juristischen Kenntnissen aus diesem Urteil ziehen kann. Aber ich habe schließlich kein Recht studiert.

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