Religionen in der Pisse!

Kennen Sie dieses Kunstwerk?

20120924-113724.jpg

Es heißt „Piss Christ“ und stammt aus dem Jahr 1987. Es wurde von dem amerikanischen Künstler Andres Serrano gemacht und zeigt ein Kruzifix, das in einem Glas mit Urin schwimmt. Das Kunstwerk war Gewinner des „Awards in the Visual Arts“. Der Wettbewerb wurde vom Center for Contemporary Art’s organisiert und wurde mit staatlichen Mitteln gefördert.

Der Künstler wurde nicht ermordet! Das Kunstwerk sorgte nur für etwas Unruhe. Die katholische Nonne Wendy Beckett verteidigte das Kunstwerk sogar und sagte, das Kunstwerk zeige „was wir Christus angetan haben“.

Stellen wir uns mal vor, was geschehen wäre, hätte es auch einen „Piss Mohammed“ gegeben. Es hätte weltweite Ausschreitungen gegeben, die in Mord und Totschlag eskaliert wären. Arabische Minister hätten ein Kopfgeld auf den Künstlern ausgelobt und Botschaften und Flaggen hätten gebrannt. „Piss Christ“ allerdings wurde von der amerikanischen Regierung mit 15.000 Dollar gefördert. Bei einem „Piss Mohammed“ wäre die amerikanische Regierung bestimmt aufgefordert worden, das Kunstwerk zu verdammen und das deutsche Feuilleton wäre ausser sich vor Wut.

Am 11. September 2012 wurde der amerikanische Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Mitarbeiter in Bengasi von einem aufgebrachten Mob ermordet. Auch in Kairo stürmten aufgebrachte Islamisten die Mauer der Botschaft und rissen die US-Flagge herunter. Als Grund für die Tat gaben die Fundamentalisten an, durch den Film „Innocence of Muslims“ beleidigt worden zu sein. Viele deutsche Medien verurteilten daraufhin nicht den Anschlag sondern den Film. Jörg Lau zum Beispiel schrieb in der Zeit:

„Zu dem Film, der den Anlass für den Mord an Stevens hergegeben hat, fällt mir nichts ein. Die Redefreiheit zu verteidigen, kann nicht heißen, dass man diesen Schwachsinn auch verteidigen muss. Natürlich handelt es sich um eine gezielte Hassattacke (…) Denn in unseren Zeiten hat auch ein solcher unspeakable idiot die Möglichkeit, die Welt in Brand zu stecken.“

Stefan Kornelius schrieb in der Süddeutsche Zeitung sogar, der Film sei mindestens genauso schlimm wie der Anschlag:

„Es ist müßig, hier nach Tätern und Opfern zu unterscheiden. Diesmal ging die Provokation von amerikanischen Extremisten aus, islamistische Fanatiker haben sie angenommen und nicht minder radikal zurückgezahlt.“

Als Reaktion auf den Film produzierte die amerikanische Regierung einen Entschuldigungsfilm, kaufte Sendezeit in Pakistan und ließ die Entschuldigung dort senden. In dem Film betonte die damalige Außenministerin Hillary Clinton, die Regierung der USA habe mit dem „islamfeindlichen“ Video “absolut nichts” zu tun. Sie fügte hinzu: “Wir lehnen den Inhalt und die Botschaft absolut ab.” Der Spot endet mit dem US-Wappen, um den offiziellen Charakter des Spots zu unterstreichen.

In einer weiteren Stellungnahme bezeichnete Hillary Clinton den Film als „widerlich und verwerflich“ und fügte hinzu: „Es scheint eine zutiefst zynische Absicht zu haben, eine große Religion zu verunglimpfen und Wut zu provozieren.“

Es ist völlig gleichgültig, ob „Innocence of Muslims“ ein guter oder schlechter Film ist, der Film geht nicht geschmackloser mit Muslime um, als manche Kabarettisten und Comedians mit Amerikanern, Frauen oder Christen. „Innocence of Muslims“ hat Muslime nicht mehr beleidigt als die Titanic Christen! Wer auch nur andeutet, die Filmemacher könnten eine Mitschuld tragen an den Morden in Libyen, der führt die Ideologie der islamistischen Fundamentalisten im Feuilleton fort.

Das ist wohl die bitterste Erkenntnis: Ein Jesus in Pisse wird von den Vereinigten Staaten finanziert, ein Mohammed in einem Film jedoch wird kritisiert. Wenn Ihr Land demnächst knapp bei Kasse ist, dann müssen Sie nur dafür sorgen, dass ein Mob in Ihrem Land die amerikanische Botschaft stürmt. Obama wird dann sicherlich sehr viel Geld dafür ausgeben, dass in ihrem Land Appeasementspots zur Prime Time gesendet werden. Sie sollten sich das dann nur sehr gut bezahlen lassen!

Obama reagierte damals wie ein Großteil der westlichen Welt. Nicht wenige übernahmen die Logik der Fundamentalisten und sprachen im Umfeld des Films „Innocence of Muslims“ von einem Schmäh- und Hetzfilm und sogar von einer Beleidigung des religiösen Empfindens.

Wie unsicher und erschüttert muss ein religiöses Empfinden sein, damit es durch einen Film ins Wanken gebracht werden kann? Vom dem Film war damals nur schockiert, wer schockiert sein wollte.

Die Inquisition hielt Einzug ins 21. Jahrhundert!

Ein aufgebrachter Mob brüllte Hexe und behauptete, von dieser Hexe zu Gewalttaten und Morden motiviert worden zu sein. Viele fielen auf diese Sündenbockpolitik rein, nicht zuletzt Obama! Dabei war es offenkundig: Die Hexe war nur ein erschreckend harmloser Film, handwerklich schlecht, aber es ist vollkommen unverständlich, warum allerorten von einem Hetz- und Schmähvideo die Rede war, von dem sich sogar der Präsident des Landes mit der größtmöglichen freien Meinung öffentlich distanzieren musste. Jede Religion hatte bereits schlimmere Kritik einstecken müssen, ob im Internet, in Zeitungen, im Kino oder im Fernsehen. Der Film “Innocence of Muslims” war nichts weiter als eine Hexe, die die Fundamentalisten brauchten, um Scheiterhaufen und Botschaften zu entzünden! Die Medien und die Politik stimmten in das Geschrei des Mobs verängstigt ein und brüllten ebenfalls laut Hexe. Es herrschte die pure und reine Logik der Inquisition im Jahr 2012!

Die Reaktion war zudem nichts anderes als purer Rassismus. Während nämlich bei Christen allgemein davon ausgegangen wurde, dass die Mehrheit sehr wohl mit harscher Kritik und sogar mit Beleidigungen des eigenen Glaubens leben kann, wurde die toleranten Muslime ignoriert und so getan, als müssten aus Sorge vor dem Religionsfrieden Teile der aufgeklärten Freiheit aufgegeben werden. Das aber ist die Logik der Fanatiker und Rassisten! Wer Muslimen nicht das selbe zumuten will und kann wie Christen, ist ein Rassist. Alle Medien und Personen der Politik, die nicht neutral über den Film „Innocence of Muslims“ berichten konnten, ohne den Kniefall der verbalen Beteuerung von Schmäh, Hetz und Beleidigung zu machen, waren Rassisten! Wer nach Einschränkungen der Meinungs- und Kunstfreiheit ruft, weil Muslime angeblich nicht ertragen können sollen, was Christen selbstverständlich ertragen können, ist ein Rassist! Wer in Muslime nur Menschen erkennt, die gar nicht anders können, als auf die Straße zu gehen, wenn Mohammed auch nur dargestellt wird, ist ein Rassist!

Ich möchte diesen Artikel daher mit einem wunderbaren Ausspruch meiner Oma beenden, da er in seiner Weisheit alles zusammenfasst:

„Religionen sind wie Fürze. Man denkt, nur die der anderen stinken!“

Dieser Beitrag wurde unter Christentum, Islam, Liberalismus, Nachrichten, Philosophie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.