Köln findet die Antisemitismuskeule

Die Kölner lieben Baustellen. Sie hegen und pflegen sie. Der Kölner Dom war sechshundert Jahre eine Baustelle. Bevor er vollendet wurde, war ein Baukran das Wahrzeichen Kölns. Kaiser Neros Mutter war Kölnerin. Es ist nicht überraschend, dass er in Rom für eine der größten Baustellen der Antike gesorgt hat. Im ganzen Land ist man mittlerweile dazu übergegangen, Baustellen in den Stadtfarben Kölns zu markieren: Rot/weiß. Wenn irgendwo eine Baustelle entsteht, wird sofort rot-weißes Flatterband drumherum gezogen. Sogar der Erste Fußball-Club Köln 01/07 e. V. ist eine ständige Baustelle und führt natürlich die Vereinsfarben rot und weiß.

Das Schöne an Kölner Baustellen ist, dass sie für weitere Baustellen sorgen. Die KVB zum Beispiel sorgt mit der neuen Linie 5 seit Jahren für neue Baustellen. In der Nacht des 29. September 2004 neigte sich der Turm der Kirche St. Johann Baptist, nachdem am Vortag ein Versorgungsschacht unter der Kirche vorgetrieben worden war. Im November 2004 wurden in der Kirche St. Maria im Kapitol Schäden an einem romanischen Rundbogen und der Gewölbedecke festgestellt. Der Rathausturm des Historischen Rathauses senkte sich im August 2007 um sieben Millimeter. Der Turmkeller, in dem Risse auftraten, wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt. Im Sommer 2007 beschädigte ein Baggerfahrer am Kurt-Hackenberg-Platz eine 30 cm große Gasleitung. Im Umkreis von 1 km musste bis zur Behebung des Lecks der Strom abgeschaltet werden. Am 3. März 2009 brach für drei bis fünf Minuten Erdreich in die Baugrube des Gleiswechsels am Waidmarkt ein. In den entstehenden Krater stürzte um 13:58 Uhr das Historische Stadtarchiv. Im Januar 2013 wurde schließlich bekannt, dass es durch den U-Bahnbetrieb im neueröffneten Teilstück zu Vibrationen und Erschütterungen im Kölner Dom kommt. Es seien in der Kathedrale „Vibrationen und minimale Schallübertragung“ feststellbar. Mit etwas Glück bekommen die Kölner somit ihre sechshundertjährige Baustelle wieder zurück und der Kölner Dom stürzt ein.

Seit einigen Jahren gibt es auch vor dem Kölner Rathaus eine Baustelle. Dort, wo sich mehrere Jahrhunderte das Judenviertel befand, bevor es nachhaltig von Kölner Hand zerstört wurde, befindet sich heute eine archäologische Zone, in der nach den Spuren jüdischen Lebens in Köln gegraben wird. Unter anderen wurde während der Grabung die älteste Mikwe nördlich der Alpen entdeckt. In Köln ist seit dem Jahr 321 jüdisches Leben dokumentiert und vor dem Rathaus befindet sich das historische Herz. Der Grabungsleiter, Sven Schütte, macht sich deshalb seit Jahren dafür stark, in die archäologische Zone vor dem Rathaus ein jüdisches Museum zu integrieren, da es kaum irgendwo sonst in Deutschland eine so lange jüdische Tradition gibt wie in Köln. Im Juli 2008 sprach sich allerdings der damalige Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers Franz Sommerfeld gegen ein mögliches jüdisches Museum in Köln aus und stellte auf prominenter Seite seiner Zeitung fest:

„Jeder Versuch, städteplanerische Entscheidungen durch Hinweis auf die deutsche Schuld gegen Kritik zu immunisieren, spielt denen in die Hände, die die Vernichtung der Juden relativieren und auf antisemitische Reflexe spekulieren.“

Warum nur sehen manche Menschen immer und überall Antisemitismuskeulen und ducken sich, wenn sie an Juden denken?

Am 11. Oktober 1998 wurde in Frankfurt am Main eine der bedeutendsten Funde in der Geschichte Deutschlands gemacht. Unter allgemeiner Begeisterung grub Dr. Martin Walser in der Paulskirche die Keule aus. „Auschwitz eignet sich nicht dafür, Drohroutine zu werden, jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel oder Moralkeule.“ Seit dieser Entdeckung, die in ihrer Bedeutung der Entdeckung Trojas in nichts nachsteht, hat sie einen Siegeszug durch ganz Deutschland angetreten. Heute gibt es kaum noch eine Person in Deutschland, die sich vor ihr fürchtet. Bekannt wurde unter anderem der TAZ-Journalist Bodemann mit folgenden Worten: „Vor allem in Deutschland kann der Antisemitismusvorwurf tödlich sein, und so hüten sich viele Juden wie Nichtjuden davor, den Mund aufzumachen.“

Zehn Jahre nach der Ausgrabung der Antisemitismuskeule durch Dr. Martin Walser in der Paulskirche zu Frankfurt am Main kam die Keule also auch in der Chefredaktion des Kölner Stadt-Anzeigers an und verbreitete dort Angst und Schrecken. Die Antisemitismuskeule hat gesiegt! Überall in Deutschland sitzen verzweifelte Menschen, die gerne etwas Kritisches sagen würden, aber aufgrund der über ihnen schwebenden Keule daran gehindert werden. Millionen mundtot gemachte Bürgerinnen und Bürger sitzen in den Exilen ihrer Deutschen Wohnzimmer und haben keine Möglichkeit, ihrer Meinung Gehör zu verschaffen. So jedenfalls fürchten es viele.

Kann es jedoch sein, dass Franz Sommerfeld und all die anderen Geängstigten weniger Furcht vor der Antisemitismuskeule haben als Sehnsucht? Ist es möglich, dass sich manche Leute in Köln in Wahrheit danach sehnen, einen Antisemitismusvorwurf zu bekommen, um sich dann publikumswirksam echauffieren zu können? Es sieht ganz so aus. Vor fünf Jahren duckte sich der damalige Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers vor der Keule. Heute rechtfertigt der Oberbürgermeister Kölns eine politische Entscheidung mit einer nicht geschwungen Keule.

Vor einigen Tagen feuerte Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) den Leiter des Projekts Archäologische Zone/Jüdisches Museum, Dr. Sven Schütte. Schütte war vielen Politkern in Köln schon immer ein Dorn im Auge. Bereits mehrfach hatte die Stadt versucht, Schütte loszuwerden, doch er klagte immer wieder erfolgreich vor dem Arbeitsgericht. Die Stadt musste ihn immer wieder als Archäologen beschäftigen. Jetzt aber scheint die Kölner Politik einen Weg gefunden zu haben, ihn loszuwerden: die Antisemitismuskeule.

In einem Interview mit der israelischen Zeitung Haaretz sagte Schütte, es gäbe in Köln „latenten Antisemitismus“, wie er „in Deutschland immer noch üblich“ sei. Daraufhin erklärten führende Ratspolitiker: „Jetzt ist endgültig Schluss“, und: „Schütte muss weg, schon um nicht noch mehr Schaden anrichten zu können.“ Oberbürgermeister Roters hat sogar ein Disziplinarverfahren gegen Schütte eingeleitet. Ein Disziplinarverfahren, weil er es gewagt hat zu behaupten, in Köln gäbe es latenten Antisemitismus. Dafür wurde er jetzt gefeuert.

Das ist die Kölner Politik: Überall werden Antisemitismuskeulen vermutet, aber der tatsächlich vorhandene Antisemitismus in der Stadt wird ignoriert!

Im Kölner Büro für internationale Angelegenheiten arbeitet ein Mann mit dem Namen Frieder Wolf. Ja, die Stadt Köln gönnt sich einen eigenen Außenminister. Den kölschen Außenminister besuchte einst Tuvia Tenenbom, da sich des Wolfes Frieder als Mann vorgestellt hatte, dessen Aufgabe unter anderem darin bestünde, Juden zu retten. „Ein Judenretter“, dachte sich Tenenbom und entschied: „Ich möchte sehen, wie das Büro eines städtisch angestellten Judenretters in Köln aussieht.“ Er ging ins Büro von Frieder Wolf und war überrascht über das Bild, dass er in dem Buro vorfand. Frieder Wolf zusammen mit Mahmud Abbas von der Fatah!

Am Tag der 47-Jahr-Feier der Fatah hielt Mufti Muhammad Hussein eine Predigt. Er wurde von Mahmud Abbas persönlich zum “geistigen Führer der palästinensischen Autonomie” ernannt und sprach: „Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben. Die Juden werden sich hinter Steinen und Bäumen verstecken. Dann werden die Steine und Bäume zu uns rufen: ‚Oh Moslem, Diener Allahs, da versteckt sich ein Jude hinter mir, komm und töte ihn.‘“

Mit einem Vertreter dieser Bewegung lässt sich also der Außenminister von Köln stolz ablichten. Wird er wenigsten dafür gerügt? Nein! Sven Schütte aber spricht von einem latenten Antisemitismus in Köln und was geschieht? Der Oberbürgermeister feuert ihn und leitet ein Disziplinarverfahren ein!

So langsam habe ich das Gefühl, dass tatsächlich ein latent vorhandener Antisemitismus für die starke Ablehnung des jüdischen Museums verantwortlich ist. Viele Kölner möchten das einst zerstörte Judenviertel eben wieder unter der Erde begraben! Es scheint, als mögen viele Kölner Juden am liebsten, wenn sie unter der Erde liegen. Sie lieben es, Stolpersteine für tote Juden am Boden zu verlegen, damit sie sie dann blank polieren können. Aber ein jüdisches Museum, das sich über der Erde befindet und dann auch noch an dem Ort, wo Juden Jahrhunderte lang gelebt haben, das geht zu weit!

Köln kann einiges tolerieren einen kölschen Außenminister, der mit der Fatah liebäugelt und eine grüne Stadtdezernentin, die den Holocaust als „Ausrutscher“ verharmlost, aber einem Grabungsleiter, der es wagt, vom einem latenten Antisemitismus in Köln zu reden, der wird versetzt und mit einer Disziplinarverfahren überzogen.

Köln kann eben handeln, wenn es gegen den Ruf geht, aber noch besser kann Köln schweigen, wenn es gegen Juden geht.

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74 Antworten zu Köln findet die Antisemitismuskeule

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  3. Aristobulus schreibt:

    Höhö! 😀 😀 😀

  4. Wahlheini schreibt:

    Wenn hier schon Antisemitismus – latent oder sonstwie – zum Thema gemacht wird, so würde ich gerne mal meine Erfahrungen dazu erzählen und hoffe, es ist genehm. Bin 1953 geb. und in Österreich aufgewachsen. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass ich als Kind ab und zu das Wort „Jude“ gehört habe. Es war stets geheimnisumwittert und ich konnte mir nichts vorstellen. Wenn es sich dabei um Menschen handelt, wieso dann dieses Herumdrucksen der Erwachsenen? Was also unterschied uns von ihnen? Es war schlicht eine Art Tabu. Später befiel auch mich diese seltsame Krankheit, vor dem Aussprechen des Wortes „Jude“ sogar Angst zu haben. Es wollte mir einfach gar nicht mehr über die Zunge. Muß dazu noch ergänzen: Meine Eltern waren keine Nazis – im Gegenteil; außerdem waren sie im Krieg noch Kinder.Ich habe als junge Erwachsene (wissentlich) nur eine jüdische Dame kennengelernt, die mich gleichsam unter ihre Fittiche genommen hat. Doch leider war ich gerade in diesem Alter nicht mehr an diesem Thema interessiert. Sie wollte mir einiges erzählen, doch diese Chance habe ich verpaßt. Erst in den letzten Jahren interessiert es mich brennend, warum es stets eine gewisse Kluft gab und gibt zwischen UNS.

    Es scheint immerhin eine Art Mysterium dahinterzustecken. Ein Mysterium, das vielerlei Interpretationen Tür und Tor öffnet. Seit ich hier mitlese, konnte ich kaum etwas Außergewöhnliches feststellen, was es da an Unterschieden gäbe, wenn man von religiösen Gebräuchen absieht. Vielleicht dies, dass Juden einfach raffinierter zu sein scheinen – vor allem beim Argumentieren. Darf man das so stehenlassen, oder ist das auch schon rassistisch? Diese Verunsicherung geht mir schwer auf die Nerven. Wieso kann man eigentlich rassistisch sein, wenn es Rassen gar nicht gibt?

    • Aristobulus schreibt:

      Danke für Ihren Bericht. Lassen Sie sich einfach nicht verunsichern 😉 oder einreden, Juden seien raffinierter (zu deutsch, verfeinerter).
      Juden müssen leider wohl mehr achtgeben als alle Anderen zusammen, dass ihnen nicht plötzlich wieder was passiert. Für jemanden, der sich das nicht vorstellen kann, wirkt manch Reaktion, manch Verhalten daraufhin möglicherweise irgendwie anders.
      Nichts für Ungut!

      • Wahlheini schreibt:

        Was. um Himmels willen, sollte ich für Ungut nehmen? Wenn Sie sogar in Abrede stellen wollen, dass Sie (unter Umständen) raffinierter wären, als Andere? Ihre Bescheidenheit ehrt Sie. Klar können Sie kaum für die ganze Gruppe sprechen – ebensowenig möchte ich mir anmaßen, Selbiges zu tun.
        So zuvorkommend es für mich auch ist, dass Sie auf meine story geantwortet haben, so bin ich nach wie vor etwas ratlos. Gibt es Ihrer Meinung nach nun ein Mysterium hinter allem, oder verfolge ich eine Chimäre? Aus historischen Gründen mögen manche Unterschiede in der Weltanschauung daher kommen, dass Juden aus mir unerfindlichen Gründen niemals in der Art Wurzeln geschlagen haben, wie es etwa Christen taten. (Doch bezweifle ich, dass die Religion hierbei wirklich eine Rolle spielt.) Also, wenn nun Juden von Natur aus international eingestellt wären und andere ihr Territorium verteidigen wollten, kann es daraus zum einem zu Mißtrauen Christen vs. Juden und zum anderen einer möglicherweise gefühlten. herablassenden Haltung der Juden gegenüber den bäuerlichen Kleingeistern gekommen sein. Normalerweise müßte fast jeder einzelne Begriff hier unter Apostroph stehen, verstehen Sie mich also bitte nicht falsch. Ich will nur einfach endlich einmal verstehen, wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass es diese Feindseligkeiten gibt.

        Wahrscheinlich ist es aber gar nicht sooo kompliziert. Denn Haß gebiert nun mal kaum etwas anderes als Haß. Eine Spirale. Doch da wären wir wiederum beim Christentum gelandet, welches jeden Haß aus den Gedanken verbannen will. Und das Christentum wiederum soll ja angeblich eine jüdische Erfindung sein. Ein Labyrinth, in dem ich mich immer wieder verirre.
        Was für Frust, wenn die Dinge sich derart verschließen vor einem ehrlich bemühten Geist!
        Werter Aristobulus, wundern Sie sich nicht …. und Sie können das hier ruhig als öffentliches Selbstgespräch betrachten. 🙂
        Grüße W.

        • Aristobulus schreibt:

          Guten Tag, W.
          Also, Juden haben etwa zu Abrahams Zeiten Wurzeln im Land Israel geschlagen. Vor etwa viertausend Jahren. Das Heimweh der Juden, um nach Hause zu kommen, ist selbst in den zwei Jahrtausenden des Exils nie vergangen – und die Heimat des Judentums liegt in der Torah, in der lebendigen schriftlichen Überlieferung.
          Der größte Schatz jeder jüdischen Gemeinde ist deren Torahrolle, nicht das Gebäude der Synagoge. Weil Gebäude immer wieder geschändet oder zerstört werden und umziehen müssen. Aber nicht die Torah.

          Das Verhältnis zwischen dem Judentum und dem traditionellen Christentum ist ein sehr unglückseliges, weil es auf zwei inkommensurablen Ebenen stattfindet: Die Christen sahen sich als die Eigentlichen, als die Wahren, als die neuen Juden. Hingegen die Juden hielten an der Torah fest und interpretierten sie ständig neu, ohne die Grundlagen aufzugeben.

          Das konnten die Christen nicht verstehen: Das Judentum sei durch Jesus überwunden!, aber die Juden seien rückwärtsgewandt, halsstarrig, ja des Teufels (so schrieb der Evangelist Johannes).
          Missionierung ging niemals vom Judentum aus. Man wollte einfach man selbst bleiben. Für die Christen bedeuteten die Juden einen ständigen, unerträglichen Widerspruch ihrer selbst.
          Woraufhin es zum Hass kam… schon sehr früh.

          Feindseligkeiten von Juden gegenüber dem Christentum kamen selten vor, aber es gab sie: Um sich abzugrenzen, um unbeschadet weiter zu leben, um dem ständigen Druck von außen zu widerstehen.
          Es lässt sich so wenig vergleichen!, und es gab eben nie diese „beiden Seiten“ (kein Zitat von Ihnen), es gab bloß ein enormes Machtgefälle und eine Hackordnung über zig Generationen.

          Danke für die Gelegenheit, um Ihnen das leider so in Kürze aufzuschreiben, jetzt am Schabbes.

          Grüße, Ari

  5. Irene schreibt:

    Am Ende ist die Freundschaft zwischen SPD und Fatah auch aus Köln?

  6. Zahal schreibt:

    Reblogged this on World-Media-Watch.

  7. petitlarousse schreibt:

    Zahlen lügen nicht, und Lügner zahlen nicht. Insofern hätte Schütte mit dem Schwiegersohn-Charme eines Quizmasters die schleimigsten Köln-Komplimente machen können, keines kann so hochtrabend sein, dass die Kölner nicht schon von selber dran glauben, und in die Tasche fassen lassen sie sich nicht, das soll alles umsonst sein, wenn’s um Kultur geht. (Bei der Lit-Cologne schon, die vorwiegend von Subventionen, Steuerprivilegien und WDR-Unterstützung lebt, aber die hat ja nichts mit Kultur zu tun, da lesen Promis an ungewöhnlichen Orten, z. B. Senta Berger aus dem Neuen Testament im Dom.) Was das Museum betrifft, der Verein hatte mit nichts in der Tasche so getan, als würden sie, wenn der Wettbewerb einmal fertig ist, schon genug Sponsoren finden. Dann übernahm Köln die Sache, und ein stadtbekannter Zeitungsmonopolist fing mit einem anti-anti-anti-Sperrfeuer an, das mit angeblicher Verschandelung des Wallraf-Richarz-Fondation-Corboud-Vorplatzes (nicht zufällig ist der Mogul im Vorstand des Museums-Beirats) anfinge und bei der Einsturzgefahr für das Rathaus aufhörte. Er unterstützte auch diejenigen,d ie den Bau von Kitas gegen ein jüdisches Museum aufrechnen, – dieselben die nach dem Einsturz des Stadtarchivs schon immer gegen die U-Bahn gewesen waren, von denen man vorher nie gehört hatte, – die kamen dem Citizen Domunt auch ganz recht. Dabei gings gar nicht mehr um Geld der Landschaftsverband Rheinland und das Land waren bereit zu zahlen. – Was die richige Art und Weise betrifft, den latenten oder besser letalen Antisemitismus anzuprangern, steht man immer wieder vor der Frage: Brust oder Keulchen?

    • Aristobulus schreibt:

      Am besten das Nackenstück, schön weichgeklopft und brutal abgehangen. Egal wie lang es nun hing am windigen Rathausturme, es ist immer frisch wie nie geschlachtet.

      Danke für die Bojkess, Petitlarousse!, à propos Bojkess ist Wasserpolnisch, bedeutet Histörchen, die alle wahr sind, fast zu wahr, um sie zu glauben. Wenn man sie zu 99% glaubt plus ein % Unbekanntes mit unbekannter Größe, hat man mehr verstanden.

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  9. quirin schreibt:

    wollt ihr das kleine sieb oder das totaale sieb??

  10. Bergstein schreibt:

    Der Begriff latenter Antisemitismus wird in BRD wirklich sehr seltsam verwenden. Es geht nicht um Personen, die antisemitisch werden könnten, was eigentlich ausgehend vom Wortlaut gemeint sein müsste, sondern um Personen, die ihren schon vorhandenen Antisemitismus bloß nicht offen leben. Mit anderen Worten Judenhass ist halb so schlimm, solange er nicht offen gelebt wird. Latent antisemitisch sind eher 2/3 der deutschen Bevölkerung. Nur 1/6 schafft es beispielsweise im Umfragen Fragen zu Israel zu beantworten, ohne auch nur einmal auf antisemitische Vorurteile zurückzugreifen. Eine weiter 1/6 ist klar antisemitisch. Der Begriff latenter Antisemitismus ist folglich in seiner jetzigen Verwendung eigentlich eine Verharmlosung. Wenn man in Köln schon für eine Verharmlosung gefeuert wird, würden dann für die Äußerung der ungeschönten Wahrheit Scheiterhaufen angezündet werden?

  11. Schum schreibt:

    Was hat Dr. Schütte der Zeitung Ha’aretz gesagt? Daß es in Köln „latenten Antisemitismus“ gäbe?
    Ja, das sind Interna, die ein öffentlich Bediensteter nicht ausplaudern darf.
    Ich weiß nicht, wie es beim Leiter des Projekts Archäologische Zone/ Jüdisches Museum war, aber ich habe vor Arbeitsaufnahme eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben müssen.
    Wir halten also fest: Schütte hat sich eine Ordnungswidrigkeit zuschulden kommen lassen. Doch damit nicht genug: Er gibt allen Nicht-Kölnern eine Antikölschismus-Keule in die Hand.
    Was begabte Antikölschisten mit dieser Waffe machen, sieht man am Artikel von Buurmann.
    Sven Schütte ist zurecht gefeuert worden.

    • Aristobulus schreibt:

      Genau. Keine Pro-Anti-Antisemitisten in der schönen deutschen Domstadt! Wider den zersetzenden Geist der Linksrheiner und Levantiner! Für ungehinderten Durchfluss in Tunneln, Gruben und Abgründen! Und ein Dr. Schütte, so einer, hat nichts in einer sauberen, keulenlosen Behörde der reinen Herzen verloren!

      • kleines Südlicht schreibt:

        Wer hat auch was gesagt von rein GUT? 100% böse passt auf die Beschreibung „der reinen Herzen“ ganz genauso. [ / sarcasm mode]

    • Monika Winter schreibt:

      nein, man hätte ihn auch so versucht los zu werden, weil er das jüdische Museum unbedingt will. Aber Gegner hatten eine Petition gegen das Museum unterzeichnet, was der Stadt wohl zurecht kam. Denn NRW und damit die Stadt Köln sind pleite. Machen Ausgrabungen, obwohl sie kein Geld haben, das ist ebenfalls ein Skandal. Schütte wird auch gewusst haben, dass die jüdischen Ausgrabungen nicht einfach so in ein Museum transportiert werden können. Wie soll das gehen? Deshalb reagierte er zu Recht. Man muss schon wissen, wie das in Köln abläuft, es spielt überhaupt keine Rolle ob Herr Schütte als Bediensteter der Stadt etwas ausgeplaudert hat.

      • Chriso schreibt:

        „nein, man hätte ihn auch so versucht los zu werden, weil er das jüdische Museum unbedingt will.“…………“Denn NRW und damit die Stadt Köln sind pleite.“

        Natürlich will der Leiter der Archäologischen Zone das Museum „unbedingt“.Ganz nüchtern betrachtet geht es ja auch um seine Reputation als wissenschaftlicher Begleiter des Projektes, und dessen Gelingen oder nicht Gelingen wird immer auch mit seiner Person verknüpft sein.
        Allerdings sollten ursprünglich die Baukosten für ein Museum ganz und gar von dem Verein getragen werden, der sich eigens zu diesem Zweck gegründet hat,(Name vergessen).Die sehr anspruchsvolle Variante wurde aber eindeutig zu kostspielig und somit nicht realisierbar, es sei denn, dass Land und Kommune in die Finanzierung einbezogen würden.

        Und an diesem Punkt verstehe ich Schüttes Verlautbarungen zum „Latenten Antisemitismus“ der Kölner als saudummes Eigentor.
        Wer in die Taschen der Kölner Bürger hineingreifen möchte, um ein spektakuläres Bauprojekt doch noch realisieren zu können, der sollte sie nicht zuvor als Antisemiten denunzieren.Oder kann mir jemand erklären, wie er sich die künftige Kommunikation mit den verschiedenen Interessensgruppen vorgestellt hat?

        Herr Schütte ist ein „Kommunikationsmonster“, dem die Leitung der Archäologischen Zone zu Recht entzogen wurde.Köln ist peinlich.Aber Schütte hat nichts dazu beigetragen, dass sich an dieser Tatsache irgend etwas ändert.

        • Aristobulus schreibt:

          Nein, Chriso.
          Es gibt a) Kölner, und es gibt b) latent-virulenten Antismit-dingens. Indem Schütte sagte, dass es Letzteren gebe, hat er nicht gesagt, dass DIE Kölner.
          Und es ist kein Hineingreifen in irgend Taschen der Menschen, indem jemand ein Museum errichten will.
          Oder ist es Steuerklau, wenn man eine Schule baut?

        • Aristobulus schreibt:

          P.S.
          Und gar der Ausdruck „denunzieren“ ist in dem Zusammenhang ganz und gar unangebracht, irreführend.
          Merkwürdig, ich hatte den vor paar Minuten einfach überlesen. Nicht bemerkt. Woran liegt das? Hach, an der Gewöhnung, der zunehmenden.

          • Chriso schreibt:

            Ja, …dingens gibt es in Köln ganz sicher auch.
            Nachdem ich mir das Interview mit Schütte durchgelesen habe, bin ich weiterhin der Meinung, und präzisiere es gerne noch einmal, dass Schütte unfähig ist, in eine konstruktive Kommunikation mit denen am Entscheidungs- und Entwicklungsprozess um das Jüdische Museum beteiligten Gruppierungen und Einelpersonen einzutreten.
            Ich bin sicher, dass das Museum jetzt zügig realisiert wird.Ohne Schütte stünden die Baukräne bereits.Er ist einfach eine Null, der in der Haaretz seinen persönlichen Frust in ein paar sinnfreien Sentenzen entlädt. Solche Typen habe ich wirklich „gefressen“.
            Aber,diese Meinung brauchen Sie weder zu befürworten noch zu teilen.

          • Aristobulus schreibt:

            Doll, wie schnell Sie sich so eine verachtende Meinung über jemanden bilden, den Sie noch nie gesehen haben, der Sie als solche noch nie angesprochen hat, usf.

            Sonst sind Sie immer für Verhandlungen um jeden Preis, Frieden sofort, und Hoffnung bis zum Letzten. Nicht unsympathisch…

  12. Eitan Einoch schreibt:

    Nur mal so off topic… Hab heute einen weiteren Grund entdeckt, warum ich Israel ALLEN muslimischen Staaten vorziehe: Die Israelis mögen Whisky!
    http://www.connosr.com/worldwhiskyreview/issue-4/the-israeli-whisky-society/

    Ein Volk, das einen guten Schluck Single Malt zu würdigen weiß, kann nie und nimmer ein schlechtes Herz haben. Sláinte mhaith! 😀

    • Aristobulus schreibt:

      Da ist allerdings was sehr Wahres dran, nein drin :). So, wie es diesen entscheidenden kulturellen Unterschied zwischen Weinbaugebieten und Nicht-Weinbaugebieten immer gab und gibt, nicht? Überall zu sehen und zu spüren, wo Du auch hinkommst

      • Aristobulus schreibt:

        Die Briten haben ihren Puritanismus in Schottland und seinen Whiskybrennereien gemildert. Haben ja beide keinen Wein… Der süddeutsche Liberalismus entstand in eben diesen Weinbaugebieten, die Nieder-Biedersachsen konnten nicht mithalten, und die Preußen (weinlos) erfanden den Stechschritt, aber die Österreicher (weinselig) waren immer schlechte Soldaten.
        Und die Israelis mit ihrem SEHR guten Wein sind g“ttseidank die besseren Selbstverteidiger und geniale Genießer, wohingegen die Araber als notorische Wein- und Whiskyverächter ohnehin meist alles verachten, außer zu schießen ohne zu genießen. Ganz platt gesagt 😉

        • Eitan Einoch schreibt:

          So ist es, ich hätte es nicht besser ausdrücken können! Ich bevorzuge Kulturen, die Wein, Weib und Gesang zu schätzen wissen, gegenüber Kulturen, die den Wein verbieten, das Weib verhüllen und den Gesang zu Teufelszeug erklären. Denn ich ziehe das Leben dem Tod und das Diesseits dem Jenseits vor.

    • ceterum censeo schreibt:

      Jetzt ahne ich auch, wo der Angels´ Share hinfliegt, direkt zum kleinen Satan!
      Ist „Slainte mhath“ vielleicht hebräisch? 🙂

    • Die Israelis mögen nicht nur guten Wisky, die machen sogar welchen. Bin schon gespannt auf die erste Kostprobe. http://www.mh-distillery.com

      • Eitan Einoch schreibt:

        Ich auch!

      • Eitan Einoch schreibt:

        Die Israelis haben lediglich das Problem, dass ihr Klima für richtig tollen Whisky etwas warm ist. Je wärmer das Klima, umso schneller reift der Spirit im Fass und umso größer ist der Angel’s Share. Zentraleuropäische Brennereien haben dasselbe Problem. Deswegen trifft man kaum auf Abfüllungen, die länger als 3 Jahre gereift sind. Lecker ist es dennoch, keine Frage. Aber man merkt dem Spirit sein junges Alter an.

  13. toyotapur schreibt:

    Lieber Gerd Buurmann
    Danke für den erhellenden Artikel & Ihr Engagegement!
    Es macht mich wütend & fassungslos, wie in der Stadt Köln mit der Vergangenheit umgegangen wird.
    Was mich brennend interessiert: Was sollte denn passieren, wenn Sie sich nicht den Drohungen beugen ?

  14. Monika Winter schreibt:

    Es geht ja auch darum, dass das Interview der Haarez gegeben wurde, das erregt die Kölner Gemüter. Kölner Stadtanzeiger wurde von Haarez eingekauft, das sollte man wissen.

  15. Raphael Sterl schreibt:

    Köln – das abschreckende Beispiel! Das einzige? Nein – welche deutsche Stadt könnte guten Gewissens von sich sagen, bei „uns gibt es keinen Antisemitismus.“ Ich erinnere mich daran, daß in meiner Heimatstadt Regensburg auf dem Neupfarrplatz ein großes Bauzelt errichtet stand, das die Ausgrabungen, die Ruinen des 1519 vom Regensburger Mob vernichteten jüdischen Ghettos überdachte: ein Überblick über die Mauern der engbebauten Enklave, Erwartungen erweckend, wie man den modernen Zeitgenossen das Ausgegrabene präsentieren konnte (oder sollte!). Ein älterer Regensburger Bürger – sichtlich wohl situiert, eine Respektsperson kraft ihrer Existenz röhrte mich in bösartigem Bairisch an: „Wenn s‘ des b’halten woll’n, dann soll’n s‘ es zahl’n.“ Ich hatte ihn nicht nach seiner Meinung gefragt. Wer hätte seiner Meinung nach was behalten wollen (wer war denn gemeint?), wer hätte zahlen sollen. Ich bin kein Jude und hätte es gerne gesehen, wenn diese Ausgrabungen später nicht wieder überdeckt worden wären. Heute zeigt ein Werk des jüdischen Künstlers Dani Caravan mit wenigen hellen Steinen den Umriß der 1519 zerstörten Synagoge – klein war sie im Verhältnis zu den Wohn- und Geschäftsgebäuden, gerade richtig, um niemanden beim Flanieren über den Platz zu stören (im Winter ist dort der Christkindlmarkt einschließlich Bratwurst- und Glühweinromantik). Auch in Regensburg – vor allem in dem erwähnten Bereich ums ehemalige Judenviertel – die bekannten Stolpersteine, die man nur wahrnimmt, wenn man will. Latenter Antisemitismus? Fazit: wie in jeder deutschen Stadt: Antisemitismus ja., solang die Grenze zwischen ‚latent‘ und ’nicht latent‘ unerkennbar bleibt. Raphael Sterl (Regensburg)

  16. Roger schreibt:

    Großartiger, wenngleich auch deprimierender Artikel.
    Das ‚latent‘ kann man wohl schon – oder bald? – weglassen…

  17. petitlarousse schreibt:

    Vor Jahren hatte ich einen Termin bei der inzwischen leider verstorbenen Kölner Kulturdezernentin, Maria Hüllenkremer. Auf meine Frage nach dem geplanten Jüdischen Museum (von einer „Archäologischen Zone“ war damals noch keine Rede) erklärte sie wörtlich, der (inzwischen ebenfalls verstorbene) OB Norbert Burger sei das einzige Ratsmitglied gewesen, das offen & ehrlich, ohne irgendwelchen anderen Gegengründe vorzuschützen, ihr den Bescheid gab, „wir wollen kein Judenmuseum vor dem Rathaus“.

    • Aristobulus schreibt:

      Ein ehrlicher, aber ungeschickter Mensch, bei dem man wohl wusste, was Sache ist. So jemanden kann man achten.
      Die Anderen, viel Geschickteren, die daheim ebenso denken, aber keinen Mut haben, erfinden sich hingegen Gründe, Keulen und Verweise auf Israel, damit sie beim Thema Juden zweierlei gleichzeitig dürfen: a) die steife Oberlippe zu kriegen und b) GUT zu bleiben, also treuherzig, engagiert gegen Rassismus und die Völkerverständigung liebend.
      Achtung vor denen zu haben ist schwer

  18. Paul schreibt:

    Lange habe ich gebraucht um es zu verstehen.
    So richtig verstanden habe ich es immer noch nicht.
    Ist es überhaupt zu verstehen?
    Jemand stellt fest, dass es in seiner Stadt Antisemitismus gibt.
    Statt ihm zu beweisen, dass er sich irrt, weil es in der Stadt keinen Antisemitismus gibt, macht man ihn Mundtod.
    Im wahrsten Sinne des Wortes: MUNDTOD!
    Womit?
    Nein, nicht mit der Antisemitismuskeule!
    Nein, mit der Anti-Antisemitismuskeule.
    Habe ich immer noch nicht richtig verstanden?
    Nochmal:
    Jemand stellt Antisemitismus fest.
    Er bekommt es mit der Keule.
    Mit welcher Keule?
    Na, mit der Anti-Antisemitismuskeule!
    Ich gebe auf.
    Ich glaube ich bin zu dämlich, um dies zu verstehen.

    Nein, das ist kein Gedicht von mir, mit letzter Tinte geschrieben,
    sondern Wut, blanke Wut und es ist noch sehr viel Tinte im Fass.
    _________________

    Lieber Gerd,
    kann man eigentlich aus einer Stadt ausgebürgert werden?
    Der Stadt verwiesen werden?
    Das Stadtrecht verlieren?
    Nein!
    Bist Du Dir da so sicher?
    Bei diesem Oberbürgermeister wäre ich mir nicht so sicher!
    Heißt der wirklich ROTERs? Oder ist das sein Pseudonym?
    Sein wahrer Name ist BRAUNERs?

    Jedenfalls ist er der Erfinder der Anti-Antisemitismuskeule.
    Da fällt mir ein: Doppelte Verneinung ist Bejaung!
    Gibt es eigentlich eine Semitismuskeule?

    Gerd, pass gut auf Dich auf!

    Herzlich, Paul

    • Roger schreibt:

      Es gibt auch rotlackierte Braune 😉

    • Möbel schreibt:

      Werter Paul,
      Schütte stellt nicht fest, sonder:
      Zitat Ksta:
      „glaubt, dass die Gegner der Grabungen unter anderem von einem latenten Antisemitismus motiviert sind.“
      Wie sollten die städtischen Verantwortliche nun seinen Glauben erschüttern?
      Meinen Sie nicht, dass die Beweislast eher bei Schütte liegt?

      • Aristobulus schreibt:

        Soll Schütte beweisen, dass Morgens die Sonne aufgeht. Was er nicht kann, denn sie geht nicht auf.
        Und Antisemitismus in Latenz oder Virulenz gibt es nicht, hat es nie gegeben, so murmeln mal wieder Sie monothematischer Wäschepuff mit Ohren.

        • Möbel schreibt:

          Ach iwo, im Punkt Judenhass Vorwurf würde ich niemals auf eine saubere Argumentation wert legen. Da langen Ahnungen, Glaube, gesträubtes Nackenhaar oder
          so`n Gefühl, wahlweise auch eine Wünschelrute.

          P.S.
          Meine hamburger Bekannten sagen, sie glaubten, dass Sie (ja Sie) in einem Zoofachgeschäft mal ein Hundehalsband haben mitgehen lassen.
          Könnten Sie bitte dazu Stellung nehmen! Eine Leugnung dieser Feststellung
          ist natürlich nicht akzeptabel. Reue schon.

      • Danny Wilde schreibt:

        @Aristobulus:

        „monothematischer Wäschepuff mit Ohren“!!

        You made my day! (geht doch!)

        Aber weißte denn auch wirklich, was ein „Posament“ ist? Du bist der 2. Mensch in meinem Leben, der dieses Wort verwendet. Der erste war ein (sehr altmodischer) Lampenhändler. Ich liebe solche Wörter!!!

        Zum Thema (und somit zum Päschewuff):

        Wenn ein Ausgrabungsleiter überraschenderweise auf etwas stößt, mit dem niemand so gerechnet hatte, das aber in seiner historischen Bedeutung einmalig ist, wird niemand behaupten, dass man ein ausgesprochener FREUND dieser früheren Kultur sein muss, um nämlich und tatsächlich allein schon wegen der gegebenen Relevanz ein dazu passendes Museum zu errichten, ja, es errichten zu MÜSSEN.

        So ja in Köln geschehen mit dem Römisch-Germanischen Museum. Eine Stätte, in welcher man als Besucher durchaus ins Nachdenken über die Zeitläufte geraten kann.

        Der Umkehrschluss funktioniert aber leider nicht. GEGEN ein solches Museum zu sein, heißt, diesen Teil der eigenen Vergangenheit zu negieren. Ihn zu leugnen, ihn weg haben zu wollen. Und es geht hier um Juden. Und es ginge auch nicht um die gigantomanische Selbstbeweihräucherung der eigenen Schuldeinsicht bzgl. eintausend erwünschter Jahre (look die arme sexy Hauptstadt), sondern um das WIRKLICHE jüdische Leben in den WIRKLICHEN letzten 1.700 Jahren.

        Abzüglich allerdings der schon früher stattgefundenen Pogrome. Das will man ja als „toleranter“ Kölner nicht wissen. Dass die kölschen Juden schon vor dem Postkartenmaler mehrfach vernichtet, ausgeräuchert, umgebracht, aus der Stadt gejagt wurden.

        Darf ich auf QQ verlinken? Die schreiben dazu Interessantes:

        http://quotenqueen.wordpress.com/2013/04/11/kolner-ob-feuert-archaologen/

        Nein. Finanzierung hin oder her, @petitlarousse hat es ja treffend dokumentiert: „Vor dem Rathaus wollen wir kein Judenmuseum!“ Punkt!

        Das einzig falsche und beweislastige Wort, das Schütte verwendet hat, ist „latent“. Der kölsche – wie auch überhaupt der deutsche – Antisemitismus liegt offen dar, er versteckt sich gar nicht, der Bundestag beschließt einstimmig (!!!!), dass der „Judenstaat“ seine eigenen Grenzen nicht schützen darf (um nur mal die gesamtdeutsche Dimension aufzuzeigen – ich rede über die Marvi Mamara Affäre), und die vom Souverän gewählten Abgeordneten bekamen in der Folge vom Souverän, dem deutschen Volk, NICHT kollektiv den Arsch versohlt!, nein, im Gegenteil! Lob!!

        „Latent“ geht also gar nicht. In einem KORRÄCKTEN Stadtparlament hätte man einem Ausgrabungsleiter, der den offenen Antisemitismus „latent“ nennt, Beschwichtigung vorwerfen können.

        Aber ich weiß, dass das vergebliche Liebesmüh ist, dem „monothematischen Wäschepuff mit Ohren“ etwas über Beweislasten beibringen zu wollen.

        • Aristobulus schreibt:

          Danny, einer meiner Urgroßväter war ausgerechnet Posamentenhändler in Rostock, im neunzehnten Jahrhundert, als Posamenten (doch, der Plural mit N!, unerhört) noch mondän und de rigueur waren. Nein, mondän ist zwanziger Jahre, da war man das, wenn man’s war, besser ohne Posamenten. Also besser en général.
          Heute sind Mö*bel nicht mehr mit dem Geschmack von einst gesegnet. 1750 waren Roccaillen was Schönes. Heut sind Roccaillen bloß noch nachgemacht, und eventuelle Posamenten sind aus Polyester und ca. aus China, sind also charakterlich so wie das päschewuffige Gemö*bel, das ohne Charakter auskommt. Auch ’ne Kunst, freilich eine bewiesene :mrgreen:

    • anti3anti schreibt:

      Lieber Paul,

      zu Deinen Fragen:
      „Jemand stellt fest, dass es in seiner Stadt Antisemitismus gibt.
      Statt ihm zu beweisen, dass er sich irrt, weil es in der Stadt keinen Antisemitismus gibt, macht man ihn Mundtod.“

      Wie soll man beweisen, dass er sich irrt? Wer behauptet, dass es in XYZ Antisemitismus gibt (kann auch Jerusalem sein), irrt sich nie. Das ist die Antisemitismus-Keule.

      „Jemand stellt Antisemitismus fest.
      Er bekommt es mit der Keule …“
      genauer wie Du richtig bemerkst: die Anti-Antisemitismus-Keule.

      Wenn wir diesen Menschen vor der Anti-Antisemitismus-Keule bewahren wollen, dann müssen wir die Anti-Anti-Antisemitismus-Keule schwingen! Und das tun wir eben.

      LG NW

  19. Nick schreibt:

    Und jetzt weiß ich auch, warum der WDR seinen Sitz in Köln hat….

  20. Rena Jacob schreibt:

    Super Artikel … DANKE !!!!

  21. Ocin schreibt:

    Sehr gut und leider wahr!

  22. Eitan Einoch schreibt:

    Der kölsche Antisemitismus ist alles – nur nicht „latent“. Laut Duden bedeutet „latent“, dass etwas “ vorhanden [ist], aber [noch] nicht in Erscheinung tretend; nicht unmittelbar sichtbar oder zu erfassen.“ Der Kölner Antisemitismus tritt nicht nur in Erscheinung, ist nicht nur für alle Augen sichtbar und zu erfassen – er stinkt zum Himmel! Dass die hässlichste Stadt Deutschlands so sehr auf ihren Ruf bedacht ist, beweist nur, dass sie ihren miserablen Ruf voll verdient hat.

    • Dave schreibt:

      Wenn man dies so liest, bin ich schon froh nicht in Köln zu wohnen. Zu viele Tunnel, zu viel verschüttetes. 😛
      Ausserdem sagt mir die rheinische Mentalität nicht zu. Das kann ich sagen, ich habe in Aachen meine Grundausbildung zum Wehrdienst ‚genossen‘. Und recht oft in Köln am Bahnhof gestanden, auch am Kölner Dom (mit seiner damals noch nicht stehenden Hassmauer). Wenn ich mich recht erinnere war diese damals noch irgendeine Demomauer, gegen was? Umweltzerstörung? Armut in der dritten Welt? Keine Ahnung – vergessen. Egal, ich gebe Ihnen recht. Köln gefällt mir nicht. Schon diese dämlichen Karnevalsumzüge jedes Jahr. Kölle Alaaf!! Geschrei. Naja wem es gefällt.

      • ceterum censeo schreibt:

        Hab ich was nicht verstanden? Einer darfs nicht schreiben, der Vorredner schon?
        Haben doch beide Recht, Köln ist häßlich, und noch antisemitischer als der ganze Rest.
        Und die ganze Frohnatur ist das, was die Doofen bei den Amerikanern als oberflächlich geißeln.

        • Aristobulus schreibt:

          Das haben Sie schon richtig verstanden, Ceterum. Der’s nicht schreiben darf, ist hier als Pest bekannt, er kriecht durch Türritzen. Wenn man die Tür im richtigen Moment zuschlägt, knackt’s. Pardon für die Drastik.

          – So hässlich ist Köln nicht!, man kann am Rhein in Cafés sein, es stehen sogar noch ein paar Gassen mit Mauern aus dem 16. Jahrhundert, dann viel Romanik und viel Gotik, Museen, Komponisten, kleine Theater, und die Ausgrabungen vor dem Rathaus sind großartig, mitsamt völlig erhaltener Mikwe aus dem dreizehnten Jahrhundert, das sieht man sonst nirgends.
          Und hinter einem Stadttor, das römisch aussieht, erstreckt sich eine Straße mit Kultur galore, weiß nicht mehr, wie sie heißt, man findet sie, wenn man einen der Angenehmeren fragt, von denen die Stadt recht voll ist.
          Nur der Polit-Filz, die Sechzigerjahre-Häuserschluchten, der sinistere WDR und dieser ganze Antisemitismus mitsamt Keulen unterm Teppich sind grässlich. Der Gipfel ist diese mittlerweile international bekannte Hass-Inszenierung gegen die Juden grad vor dem Dom, dieser miese, giftspeiende Haufen aus Pappen, bekritzelt von Irren, die mit Stoffbeuteln rumlaufen.

          Die seit bald zehn Jahren offiziell geduldete und totgeschwiegene HaSSpappenwand klammoffen, fast in Spuckweite des Wallraff-Richartz-Museums, wie soll man solche Kontraste begreifen?

          • Danny Wilde schreibt:

            Lieber Aristobulus,

            mal wieder ein Sahnestück von dir.

            Es tut gut, eine so nette Beurteilung meiner trotz allem geliebten Heimatstadt, in der ich ja nicht mehr wohne, zu lesen.

            Mann! Wir müssen auch mal einen oder zwei zusammen trinken!

          • Aristobulus schreibt:

            Lieber Danny, mit Bieren konstruktiv sinnlos rumsitzen? 🙂 , ach immer gerne.
            Ich soll ja, Gerüchten zufolge, in ein oder zwei Tagen Richtung Rheinland unterwegs sein. Vielleicht schaltet der Buurmann das zusammen oder sich dazwischen oder/und hinein!, Gerüchten zufolge hat er Eifohn & Herz, mit denen sowas geht.

          • Danny Wilde schreibt:

            Oder mit Whiskey.

            Dass der Buhmann (hehehe…. für so’n paar Deppen…) Herz hat weiß ich ja. Eifohn wusst‘ ich nicht, jedenfalls kann man dann nur hoffen, dass er nicht auch noch Kälwin Kleins trägt, untenrum…..

            Ach datt wär ja watt wenn det klappen tun täte……!!

          • Danny Wilde schreibt:

            Höre ja immer gern auf Gerüchte und mailte den mutmaßlichen Eifohnträger an. Mal kucken…!

            Das Autole ist jedenfalls frisch getankt + beinahe frisch gewaschen….

            also: „… wann…dann…..?“ (c) Archibald Leach, „A Fish Called Wanda“, ABER ich schicke DIR jetzt auch noch ne rasche schnelle Mail, fast so wie man gerüchteweise zu ner hübschen Biene sagt!!

            See U!!

  23. Aristobulus schreibt:

    Gerd, Dein Artikel ist erste Sahne. Danke für das Geschenk für die Nacht zum Schabbes.
    I luv you, man.

    Ari, eine Kummnase, immer die Deine.

    • Aristobulus schreibt:

      P.S.
      Meister Sommerfeld, der Bürgermeister Roters und Martin Walser sitzen im Kölner Dom und zittern. Sie haben Angst. Die Bänke sind hart, weiter vorn im Dunkeln pragt am Chorgestühl eine gotische Judensau. Sie sehen sie nicht und kennen sie nicht, also ist sie nicht da.

      Sie hocken, lauschen auf fernes Gehall aus Tunneln, die unten irgendwer gräbt. Die Tunnel sind mit rotweißen Bändern abgesperrt, den Farben der Hanse, seit vierhundert Jahren vergessen, es gab nie eine Hanse!, sie hat nie gekeult, aber da unten wummert und ächzt sie.

      Sommerfeld, Roters und Walser bibbern, und für den Tag haben sie den Jakob Augstein vom SPON zum Gruppenkuscheln eingeladen, weil der gut weiß, wovor sie sich fürchten. Er ist ein Meister aus Deutschland im gut Wissen. Angst ist in Gesellschaft wohliger zu genießen. Also ist Augstein hingeschlichen, heimlich. Obwohl er sonst lieber den Jaguar chauffiert, offen.
      Sie sagen nichts, hocken und grübeln und bibbern. Hinten das vage Hallen aus den Tunneln. Vielleicht sind sie Wiedergänger oder Schlafwandler?, die Nachts diese Tunnel und Gruben graben?, aber jetzt wissen sie von nichts. Davon wissen sie nichts. Wissen ist zu schwer und macht zuviel Angst. Andere, Schuldige, wummern im Keller.
      Und sie genießen es nicht mal.

      Vorhin sind sie an der Kölner Hasspappenwand vorbeigeschichen, jeder für sich. Diese Hasspappenwand, die da vorm Dom seit bald zehn Jahren nur Israel, Israel und wieder Israel anzielt. Wegen der Keulen, und wegen der Angst vor Keulen, die es mehr gibt als all das Andere, und wegen der Verbrechen der Juden, überall, immer, egal wo die sind!, oder was die tun oder lassen.
      “Wie viele Jahrhunderte noch wird das israelische Volk unsere Eine Welt erpressen?”, das steht drauf, grüner Filzstift auf Braun. Sie haben es nicht gesehen. Man sieht so was nicht! Da könnte ja jeder kommen, wir haben doch Wiedergutmachung geleistet, wir sind Widerstand gegen Rechts, und draußen gibt’s nur Kännchen.

      Ein Frieder Wolf, wohl ein Beamter, schleicht jetzt über den Platz. Es regnet, und er hat seinen Schirm vergessen. Er wollte in den Dom, um das ferne Wummern und Dröhnen zu hören. Weil er es auch Nachts im Bett hört. Er traut sich nicht weiter, denn vielleicht müsste er da etwas sehen!, DA!, das es gar nicht gibt.
      Er dreht sich, schleicht weiter, unbeschirmt, schleicht weg.
      Alle schleichen sie sich, egal, wo sie hocken.

      Drinnen im Dom hocken sie noch auf der harten Leidensbank und härmen sich, tun sich sehr Leid, lauschen, bibbern.

      Hinten im Schatten schleicht jetzt der Bodemann von der TAZ durchs Seitenschiff. Er hat zwei Augenklappen auf. Er schleicht und lauscht auf das Hallen und Knistern von hinten, von unten!, denn da ist etwas. Irgendwas. Er will mitmachen, bei was auch immer, beim Mitmachen ist man nicht so allein. Er ahnt eine Keule, er denkt an den Schatten der Keule, sie ist immer ein Schatten, und sie ist überall. Tödlich!, seine Lieblingsvorstellung. Er liebt diese Keule.
      Soll sie doch endlich schwingen!, soll sich doch endlich einer SCHULDIG machen!

      Er schleicht jetzt rüber zu den Großkopfeten.
      Die drehen sich um, sie kennen ihn nicht, er hat nicht ihre Klasse.

      Sie sind alle ganz allein.

Seid gut zueinander!

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