Brutal, aber gut

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Der letzte Vorhang für Shakespeares „Othello“ in einer Inszenierung von Burkhard Schmiester im Metropol-Theater in Köln ist gefallen. Die Kölnische Rundschau schreibt unter anderem: „Brutal, aber gut“.

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Ich gestehe, die Kritikerin war an einem Abend da, an dem der General Othello stark eskalierte und seine Auseinandersetzungen mit Brabantio und Cassio sehr lautstark ausfielen. Jede Aufführung ist anders und stark von dem anwesenden Publikum abhängig. Ich glaube mich erinnern zu können, dass sogar die Begleitung der Kritikerin an dem Abend den Kopf des Othello halten musste. Kann passieren.

Da das Publikum in dieser Inszenierung also von immenser Bedeutung ist, präsentiert Tapfer im Nirgendwo ein paar Meinungen aus dem Publikum.

Gudrun Höpker, Moderatorin beim WDR 2:

„Ich muss gestehen, als Gerd Buurmann mir erzählte, dass er Othello spielt, als 100 minütigen Monolog, da hab ich mich gefragt, geht das? Ich gebe zu, ich war skeptisch. Gestern hab ich mir das Stück angesehen und ich war begeistert. Es ist nicht nur so, dass man Othello nun versteht, man bekommt auch eine Ahnung davon, welche Abgründe Menschen dazu bringen können, andere Menschen, die sie eigentlich lieben, zu töten. Wenn Ihr ein wirklich gutes Stück sehen wollt und dazu noch eine Antwort auf die Frage bekommen möchtet, wie es möglich ist, das Lied „Heute schütte ich mich zu“ in Othello unterzubringen, geht hin.“

David Serebrjanik, Musiker und Pianist:

„Pathetischsein ist in Deutschland nicht wirklich beliebt. Wahrscheinlich zurecht. Jedenfalls fiel es mir zunehmend schwer, meinen mit Muttermilch eingesogenen und eingeübten russischen Pathos mit fortschreitenden Dauer meines Aufenthaltes in Deutschland auszuüben. Ich fühlte mich immer belächelter und nicht verstandener, wenn ich zu großen Lobgesängen für irgendjemanden oder irgendetwas ausholte. Aber jetzt gerade ist es mir egal und ich werde gleich der Überschrift meines Lobgesanges alle Ehre machen. Denn ich habe einen Theaterabend erleben dürfen, den man wahrscheinlich nur ein einziges mal im Leben erleben kann. Zu groß war die Beteiligung des Herrn Zufall an diesem Ereignis. Und zu großartig die schauspielerische Arbeit von Gerd Buurmann. Und zu packend und atemberaubend das Stück, das er aufgeführt hat. Und zu brillant die Bearbeitung und Inszenierung dieses Stückes durch Burkhard Schmiester. Also, bin ich gerade dabei, mich damit abzufinden, dass es ein einmaliges Einmalereignis sondergleichen war, das sich nur einmal einmal ereignen kann.“

Alexej Pavlovic, Medizinstudent und Musiker:

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Gerne veröffentliche ich noch weitere Lobgesänge. Wer „Othello“ gesehen hat, darf gerne dazu einen Kommentar hier posten. Wer „Othello“ noch nicht gesehen hat, kann dies im Dezember in Berlin nachholen!

18. / 19. / 20. Dezember, 20:30h, GRETCHEN-Club, Obentrautstr. 19-21 in Berlin-Kreuzberg. Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 10 Euro. Kartenvorbestellung: 030 74 924 329 oder karten-othello@gmx.de

20131117-122225.jpg (Foto: Antonio Ruiz Tamayo)

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