Die Badische Zeitung ist betroffen und schmollt

Nachdem die Badische Zeitung aufgrund einer Karikatur von 9. November 2013 zu Recht in die Kritik geraten ist, reagierte der stellvertretende Chefredakteur Thomas Fricker auf die Vorwürfe, die Karikatur bediene antisemitische Klischees. Die Antwort fällt wenig überraschend aus:

Man habe keine antisemitischen Klischees bedient, schließlich sei der Jude auf dem Bild keine „stilisierte Judenfigur“. Damit folgt die Badische Zeitung der Logik der Kölner Staatsanwaltschaft, die einst ernsthaft urteilte, dass selbst eine Karikatur, auf der ein Jude ein Kind isst und sein Blut trinkt, nur dann antisemitisch sein könne, wenn der kinderfressende Jude mit „Krummnase“ gezeichnet wird.

Die Badische Zeitung habe nur Kritik an den israelischen Ministerpräsidenten üben wollen und Kritik an Israel müsse möglich sein. Im Konflikt fehle es schließlich deshalb an Annäherung und Friede, weil Netanjahu dem Frieden und der Annäherung mit „Taubengift und Schneckenkorn“ zu Leibe rücke. Sollte diese „Kritik an Israels Politik“ nun gleichgesetzt werden mit Antisemitismus, hieße das laut Badischer Zeitung, dass Kritik an der Politik der israelischen Regierung prinzipiell nicht mehr möglich sei. Es ist der alte deutsche Dreiklang: Ich hab doch nur, das heißt doch nicht, man wird doch noch!

Lieber Thomas Fricker,

die Badische Zeitung kann Israel so viel kritisieren, wie sie will, und sie tut es schließlich auch. Niemand verbietet Ihnen irgendwas. Aber so wie eine Zeitung Kritik üben darf, dürfen die Leserinnen und Leser auf diese Kritik kritisch reagieren. Das nennt sich Demokratie, verehrter stellvertretender Chefredakteur.

Am 9. November 1938 brannten in Deutschland jüdische Einrichtungen und Synagogen. Damals wurden Juden verfolgt, weil sie vom Staat und teilweise auch von der christlichen Kirche zum Sündenbock gemacht wurden. Am 9. November 2013 machte nun die Badische Zeitung in einer Karikatur den einzigen jüdischen Regierungschef im Konflikt des Nahen Osten zum alleinigen Sündenbock, der mit Gift Frieden und Annäherung verhindert! Kein Hinweis darauf, dass einige islamistische Diktatoren Israel mit der Vernichtung drohen. Kein Hinweis darauf, dass Minister der Hamas Juden als Ratten und Bakterien bezeichnen, die ausgerottet gehören, so wie es einst die Nationalsozialisten taten. Kein Hinweis darauf, dass sich seit über 60 Jahren der Staat Israel in einem Krieg befindet, der mit Terror geführt wird, in dem regelmäßig Raketen auf das kleine Land fliegen, und an dessen Ende die Aggressoren nur die totale Vernichtung des israelischen Staates akzeptieren können. All das ignorierte der Karikaturist Haitzinger am 9. November 2013 und machte den einzigen jüdischen Regierungschef im Konflikt zum alleinigen Sündenbock mit „Taubengift und Schneckenkorn“. Können Sie wirklich nicht erkennen, was daran grenzwertig ist?

Zum Schluss möchte ich noch auf einen letzten Punkt zu sprechen kommen: Sie schreiben, dass die Kritik an die Badische Zeitung sie „betroffen“ gemacht habe und wünschen sich was:

„Wohl wünschen wir uns aber ein gewisses Maß an Fairness auch in der Kritik.“

Sie wünschen sich also Fairness. Ein spannendes Wort aus Ihrem Mund! Die Kritikerinnen und Kritiker der Karikatur sind mehr als fair mit Ihnen umgegangen. Die Badische Zeitung ist es, die jede Fairness vermissen ließ, als sie am 9. November den jüdischen Teil des Konflikts im Nahen Osten aussonderte, um ihm eine ganz besondere Behandlung zukommen zu lassen!

Zugegeben, diese Wortwahl von mir war nun etwas unfair, aber ich versuche nur, mich Ihrer Spielart anzunähern. Wenn tatsächlich Netanjahu der Grund ist für die schleppende Annäherung und den mangelnden Frieden im Nahen Osten, dann ist die Badische Zeitung Schuld am Antisemitismus in Deutschland, denn ich finde die eine Behauptung mindestens ebenso tiefsinnig wie die andere.

Dieser Beitrag wurde unter Antisemitismus, Deutschland, Nachrichten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.