Ihr lieben Patrioten,

die Ihr gegen die Islamisierung des Abendlandes auf die Straßen geht und „Wir sind das Volk“ ruft,

ich fürchte, Ihr seid keine Patrioten! Wäret Ihr Patrioten, Ihr hättet keine solche Angst!

Ich bin Patriot! Ich liebe dieses Land und seine Grundrechte. Ich bin für die Gleichberechtigung der Geschlechter (Art. 3) und für Religions- und Meinungsfreiheit (Art. 4 und 5). Ich glaube an die Kraft der Freiheit und der Persönlichkeit (Art. 2) und ich bin überzeugt davon, dass die Würde des Menschen unantastbar ist (Art. 1).

Mir ist es daher egal, woran die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger meines Landes glaubt, solange ich in meiner Freiheit, meinem Glauben und meiner Liebe nicht eingeschränkt werde. Von mir aus können ruhig 99,9% aller Deutschen Muslime sein, solange nur das Grundgesetz gilt! Solange ich schwul sein kann, ohne verfolgt zu werden, Weihnachten feiern kann, ohne Angst zu haben und Frau sein kann, ohne dadurch Nachteile zu haben, können meinetwegen links und rechts von mir Moscheen aufmachen!

Wer in der puren Errichtung einer Moschee eine Beleidigung erkennt, ist nicht viel besser als jemand, der sich beleidigt fühlt, weil jemand Mohammad karikiert!

Natürlich habe auch ich Angst vor radikalen Fundamentalisten! Religionen an sich sind nie moderat. Sie sind immer radikal! Es gibt keinen moderaten Islam, sondern nur moderate Muslime. Ein Buch mit dem Anspruch, Gottes Wort zu sein, kann nicht moderat sein. Dafür ist Allah selbst zu radikal! Auch Christen und Juden sind nur dort moderat, wo sie nicht alle Worte der Bibel wörtlich nehmen.

Ich liebe Religionen! Ich mag zu Weihnachten mit Christen Lieder unterm Tannenbaum singen. Ich liebe es, zu Pessach mit Juden Wein zu kippen und mit Persern an Nouruz übers Feuer zu springen. Religionen sind wunderbar, wenn sie im Familien- und Freundeskreis stattfinden. Im Privaten sind Religionen eine Bereicherung, im Politischen jedoch eine Gefahr. Meine Oma sagte immer:

„Religionen sind wie Fürze, man meint, nur die der Anderen stinken!“

Ich habe Angst vor Religionen, wenn sie nach staatlicher Macht greifen. Religionen sind immer nur dann tolerant, wenn sie keine staatliche Macht haben. Das Christentum wurde tolerant, nachdem die Aufklärung gesiegt hatte. Dennoch genießt das Christentum in Deutschland weiterhin gewisse Privilegien.

Ein katholisches Krankenhaus, das staatliche Gelder erhält, darf einen Chefarzt entlassen, wenn er nach seiner Scheidung erneut heiratet. Das entschied im Jahr 2014 das Bundesverfassungsgericht. In vielen deutschen Bundesländern darf an Karfreitag nicht öffentlich getanzt, musiziert und Theater gespielt werden, da dies einige Christen in ihrem Glauben beleidigen könnte. Die religiöse Ruhe am Sonntag ist für viele Unternehmerinnen und Unternehmer verpflichtend, egal welcher oder ob sie überhaupt einer Religion angehören. Viele nationale Feiertage sind christliche Feiertage. Katholische Einrichtungen erhalten staatliche Zuwendungen, obwohl bei der Vergabe katholischer Spitzenpositionen (z.B. Priester, Bischöfe, Kardinäle) eine verpflichtende Männerquote von 100% herrscht. Mit dem Artikel 3 des Grundgesetzes ist das zwar nicht vereinbar, aber Steuergelder gibt es dennoch! Der deutsche Staat treibt sogar Kirchensteuern ein!

All diese staatlich subventionierten Diskriminierungen im Namen des Christentums werden mit der vermeintlich christlichen Tradition Deutschlands erklärt. Tradition ist das, was die Mehrheit eines Volkes zur Tradition erhebt. Es ist vollkommen normal in Deutschland, dass es eine Partei mit dem großen C im Namen gibt. Wenn die muslimische Gemeinschaft größer wird, ist bald auch eine IDU denkbar!

Liebe vermeintliche Patrioten,

deshalb habt Ihr Angst! Ihr habt Angst, dass die Gemeinde der Muslime in Deutschland irgendwann so groß werden könnte, dass sie genau jene Rechte und Privilegien einfordert, die die Christen wie selbstverständlich genießen. Wenn die Christen an Karfreitag allen Deutschen das Theater spielen und öffentliche Musizieren verbieten können, warum sollten Muslime dann nicht auch an einem Tag im Ramadan allen Deutschen Alkohol verbieten dürfen?

Jeder Mensch soll glauben, woran er will. Christen sollen meinetwegen ihre Nonnen verschleiern und Muslime keine homosexuellen Imame ernennen, aber dafür sollte es keinen einzigen staatlichen Cent der Subventionierung geben!

Ich bin Patriot, weil ich unser Grundgesetz liebe! Das Grundgesetz hat es in den letzten Jahrzehnten immer wieder vermocht, Diskriminierungen innerhalb der Gesellschaft durch die Kraft der eigenen Verfassung zu beenden. Bis in die siebziger Jahre durfte ein Ehemann in Deutschland seiner Frau das Arbeiten verbieten. Bis in die neunziger Jahre war Homosexualität in Deutschland verboten und Vergewaltigung in der Ehe straffrei. Die Macht des Grundgesetzes machte all dem ein Ende. Nicht selten waren es christliche Fundamentalisten, die sich gegen diese Entwicklung stemmten und homosexuelle Menschen und emanzipierte Frauen diskriminierten. Am Ende siegte jedoch das Grundgesetz.

Deshalb bin ich Patriot! Das Grundgesetz wird sich auch vom Islam nicht unterkriegen lassen. In ferner Zukunft wird der Islam nichts weiter sein als der persönliche Glaube einer relativ großen Gruppe innerhalb der Republik, die keinen Zweifel daran lässt: „Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich!“

Ich bin mir sicher, irgendwann werde ich sogar in Deutschland öffentlich auf einer Bühne als Mohammed verkleidet und mit Bier in der Hand tanzen können! Das Grundgesetz wird es möglich machen.

Sollte dennoch irgendwann eine Gruppe in Deutschland versuchen, die Demokratie abzuschaffen, bleibt uns immer noch Artikel 20 Absatz 4:

„Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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