„Schlag sie!“

Der Journalist Luca Lavarone hat Jungs im Alter zwischen 6 und 11 Jahren dazu aufgefordert, ein Mädchen zu schlagen, um herauszufinden, wie sie reagieren. Die Reaktionen hat er in einem kurzen Film zusammengefasst. Es soll ein Film gegen Gewalt gegen Frauen sein. Es ist jedoch ein zutiefst sexistischer Film.

Den Jungs wird ein Mädchen vorgestellt. Sie heißt Martina. Die Jungs werden gebeten, verschiedene Dinge mit Martina zu tun. Zunächst sollen sie erklären, was sie an ihr schön finden. Das Mädchen ist stumm, ein pures Objekt. Außer dem Namen wissen wir nichts von Martina. Sie wird nicht interviewt. Bei den Jungs wissen wir sogar, was sie einmal werden wollen. Sie wurden alle gefragt. Sie durften reden. Sie sind Subjekte. Martina redet nicht. Sie ist nur ein Objekt!

Dann werden die Jungs gebeten, das Mädchen zu streicheln. Sie tun es. Das Mädchen wird nicht gefragt, ob sie angefasst werden möchte. Auch die Jungs fragen nicht. Sie übergehen den Willen des Mädchens und brechen selbstverständlich ihre körperliche Integrität. Eigentlich hätte das Mädchen vorher einwilligen müssen. Die Einwilligung wird jedoch nicht eingeholt. Das Mädchen ist halt ein pures Objekt. Sie hätte alles Recht gehabt zu sagen: „Fass mich nicht ungefragt an!“

Dann sollen die Jungs Grimassen für das Mädchen schneiden. Sie tun ist. Dann werden die Jungs aufgefordert, Martina zu schlagen. Die Jungs weigern sich! Beruhigend! Ihre Begründungen sind jedoch alles andere als beruhigend:

„Weil sie ein Mädchen ist.“

„Weil ich ein Mann bin.“

„Weil man Mädchen nicht schlagen soll.“

„Mädchen sollen nicht geschlagen werden, nicht mal mit Blumen.“

Was soll das heißen? Hätten die Jungs etwa zugeschlagen, wenn Martina Martin gewesen wäre?

Hier ist das eigentlich Problem. Die Jungs nehmen das Mädchen nicht ernst! Sie haben schlicht keinen Respekt und keine Furcht vor Martina, weil sie ein Mädchen ist!

Männer, die Frauen nicht schlagen, weil sie Frauen sind, tendieren eher dazu, Frauen zu schlagen! Die Abneigung dieser Männer, Frauen zu schlagen, entspringt lediglich ihrem verqueren Bild von Frauen als Objekt, als schönes Etwas, das man nicht einfach so ohne Grund kaputt machen darf. Was aber, wenn ein Mann plötzlich Gründe sieht? Ein Junge antwortete:

„Ich kann sie nicht schlagen, weil sie schön ist und ein Mädchen.“

Ich will mir gar nicht vorstellen, was der Junge einmal machen wird, wenn er erst ein „richtiger Mann“ geworden ist und dann auf ein Mädchen trifft, das in seinen Augen nicht schön ist. Ein weiterer Junge sagte:

„Jesus möchte nicht das wir andere schlagen.“

Ach so ist das. Wenn die Religion verbietet, Frauen zu schlagen, dürfen Frauen nicht geschlagen werden. Was aber, wenn die Religion dazu auffordert, Frauen zu schlagen? Religionen, die Frauen schützen, weil sie als Frauen angeblich schutzbedürftiger sind, tendieren eher dazu, Frauen Gewalt anzutun. Ein Junge sagte:

„Weil ich gegen Gewalt bin.“

Beruhigend ist diese Erklärung für eine Frau nicht. Was nämlich, wenn der Mann seine Meinung einmal ändert? Ein anderer Junge sagte:

„Weil ich ihr nicht weh tun möchte.“

Löblich! Was ist aber, wenn ein Mann mal doch einer Frau weh tun möchte?

Es gibt nur einen Grund, eine Frau nicht zu schlagen: Weil die Frau kein Objekt ist! Oder, um es in Kinderworten zu sagen: Weil sie zurück schlagen würde! Weil sie dermaßen zurück schlagen würde, dass dem Mann Hören und Sehen vergehen würde.

Frauenemanzipation findet nicht dort statt, wo der Mann verändert wird, sein Bild von der Frau zu ändern, sondern dort, wo Frauen nicht mehr daran gehindert werden, sich effektiv zu wehren! Zur Not auch mit äußerster Gewalt!

Emanzipation bedeutet nicht, das Bild zu verbessern, das das Subjekt vom Objekt hat. Emanzipation findet dort statt, wo das Objekt sich selbst zum Subjekt macht!

Das Menschenrecht der Frauen hängt nicht vom Wohlwollen der Männer ab. Es entspringt ausschließlich dem vernünftigen Recht der Selbstbestimmung, das jeder Frau inne wohnt!

„Mehr Stolz, Ihr Frauen“, sagte die Philosophin Hedwig Dohm einst und fügte hinzu: „Nur auf den Nacken, der sich beugt, tritt der Fuß, des vermeintlichen Herrn.“

Gerade Mädchen hören allzu oft im Kindergarten und in der Schule, die Klügere solle nachgeben, ein anständiges Mädchen schlage sich nicht und Gewalt sei keine Lösung. Doch! Auch wenn besonders Mädchen oft was anderes gehört haben: Gewalt ist eine Lösung!

Zwar ist Gewalt nicht die Lösung für die Abschaffung von Gewalt, aber ganz sicher gegen das eigene Opfer sein! Frauen sind keine Opfer! Nur darum geht es bei einer Emanzipation.

***

Hier mal ein kurzer Film, der wirklich feministisch ist:

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