Was, wenn Shirley MacLaine einfach einen an der Waffel hat?

Die Schauspielerin Shirley MacLaine hat ein neues Buch geschrieben:

Was, wenn?
Eine Lebenszeit mit Fragen, Spekulationen, berechtigten Vermutungen und ein paar Dingen, die ich sicher weiß

In dem Buch macht sie sich unter anderem Gedanken über den Holocaust:

„Was, wenn die meisten Opfer des Holocaust ihr Karma aus den vorangegangenen Jahrhunderten ausgeglichen haben, als sie als römische Soldaten Christen töteten, als sie in den Kreuzzügen Millionen im Namen Gottes umbrachten, als Hannibals Soldaten oder als jene, die mit Alexander den Nahen Osten stürmten?“

Zu Stephan Hawking hält Shirley MacLaine ebenfalls eine super Theorie bereit:

„Was, wenn er sich dazu entscheiden hat, ein Beispiel zu setzen, um uns zu zeigen, dass kosmische Reise und universelles Verständnis möglich sind, unabhängig von den eigenen physischen Umständen und Bedingungen? (…) Vielleicht hat er die Krankheit, die ihn verkrüppelt hat, selbst erschaffen, um zu lernen, vom Pflegepersonal und der Freundlichkeit Fremder abhängig zu sein, um so sein ganzes Gemüt für das Streben nach Wissen zu befreien. (…) Wenn Jesus entschieden hat, als Märtyrer zu sterben, dann kann ebenso Stephen Hawking entschieden haben, in einem dualen Zustand des Seins zu leben: Auf der einen Seite ist die sichtbare körperliche Schwäche und auf der anderen Seite die unsichtbare Welt von Wissen und Macht. Was, wenn alle Realität nur eine Illusion ist?“

Was, wenn Shirley MacLaine einfach einen an der Waffel hat?

Shirley MacLaine gehört einer ganz besonderen Glaubensgemeinschaft an. Sie bekennt sich zu Ramtha, einem göttlichen Geistwesen, als dessen Medium Judy Z. Knight gilt.

JZ Knight wurde im Jahr 1946 als Judith Darlene Hampton geboren und im Geiste des Baptismus erzogen. Sie heiratete, bekam zwei Söhne, wurde geschieden und gründete dann die Bewegung „Ramthas Schule der Erleuchtung“. Knights Lehre ist ein abenteuerlicher Mix aus Hinduismus, Gnostizismus, Neopaganismus, gewürzt mit einem Schuss Physik und etwas Psychologie. Geschüttelt, nicht gerührt!

Im Jahr 1978 trat Knight das erste Mal als Medium von Ramtha in Erscheinung. Ramtha ist ein 35.000-jähriger Lemurier. Sollten Sie Lemurien nicht kennen, kein Problem, ich helfe gerne: Lemurien ist ein Kontinent, der vor einiger Zeit versunken ist. Lemurien lag entweder zwischen Madagaskar und Indien oder zwischen Australien und Amerika. So genau weiß man das nicht. Viel wichtiger ist, auf Lemurien lebte Ramtha.

Ramtha war ein Krieger bis er erleuchtet wurde. Als „aufgestiegener Meister“ durchlebt er seit dem verschiedene Inkarnationen, unter anderem als Rama. Nein! Nicht die Margarine! Rama ist die siebente Inkarnation von Vishnu, einem hinduistischen Gott. Rama ist gebildet, schön, streichzart und mit allen „königlichen Eigenschaften“ ausgestattet. Rama ist ein Brahman, eine transzendente, unveränderliche Urkraft, eine sogenannte Weltenseele, in welche sich das Atman wandelt. Atman wiederum bedeutet das Auflösen der individuellen Seele. Alles klar?

Ramtha hat JZ Knight dazu auserwählt, der Menschheit zur Erleuchtung zu verhelfen. Wen sonst? Ziel des Glaubens ist es, „mit dem Gott in sich eins zu werden.“

Kurzfristig war Knights spirituelle Verbundenheit mit Ramtha in Gefahr, weil eine Frau in Europa ihre Leitung zu Ramtha störte.

In Salzburg hatte im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts eine Frau mit dem Namen Judith Ravell auf mehreren Seminaren erklärt, ebenfalls Botschaften von Ramtha zu erhalten. Sie wurde daraufhin von Knight aufgefordert, ihre Beziehung zu Ramtha zu beenden. Da es zu keiner Einigung kommen konnte, musste schließlich ein österreichisches Gericht die Sache klären.

Der Rechtsstreit in Österreich zog sich drei Jahre hin! Am Ende verlieh niemand geringeres als der Oberste Gerichtshof des Landes Österreich das Urheberrecht an JZ Knight und befahl Ravell, ihren Anspruch auf Ramtha fallen zu lassen.

Was, wenn ich Sie verarsche?

Nein, glauben Sie mir, ich erfinde das nicht! Das ist alles wahr! Das Aktenzeichen des Urteils vom 22. April 1997 lautet: OGH Oberster Gerichtshof Österreichs Aktenzeichen 4 Ob 96/97i. Dort heißt es:

„Diese der Phantasie der Klägerin entsprungene Bezeichnung ist ein zentraler Begriff bei Erbringung ihrer Dienstleistung und solcherart geeignet, als Geschäftsabzeichen zu wirken und das jeweilige Unternehmen des Mediums und seine Leistungen von anderen zu unterscheiden, hat somit Kennzeichnungskraft. Anders als in den von der Revision bezeichneten Fällen bekannter Gottheiten entstammt „Ramtha“ allein der Phantasie der Klägerin. Es handelt sich somit um eine von ihr geschaffene und verwendete Bezeichnung. Daran könnte auch der Umstand nichts ändern, dass die Klägerin diese Bezeichnung allenfalls vom Namen der indischen Gottheit Rama abgeleitet hätte.

Ein Freihaltebedürfnis hinsichtlich dieses Namens ist schon deshalb zu verneinen, weil „Ramtha“ als Bezeichnung einer angeblichen „spirituellen Wesenheit“ weder allgemein gebräuchlich ist, noch auch eine allgemein bekannte Gottheit benennt.

Dass die Klägerin die Bezeichnung „Ramtha“ im geschäftlichen Verkehr im Zusammenhang mit ihrem Dienstleistungsunternehmen tatsächlich benutzt und auch entsprechend ankündigt, ist auch angesichts der mit „Ramtha“ bezeichneten Publikationen erwiesen.(…) Er (der Begriff Ramtha) kann im Zusammenhang mit gleichartigen Dienstleistungen der Beklagten zweifellos bei einem erheblichen Teil der angesprochenen Verkehrskreise die Annahme hervorrufen, die so angebotenen Leistungen würden von der Klägerin erbracht.

Verwechslungsgefahr im engeren Sinn ist somit zu bejahen. Die Ansicht der Revision, wonach die Handlungen der Beklagten rein religiöse, dem geschäftlichen Leben entzogene Tätigkeiten darstellten, die dem Wettbewerbsrecht nicht unterliegen, wird nicht geteilt. Zum geschäftlichen Verkehr im Sinne des UWG gehört jede selbständige, auf Erwerb gerichtete Tätigkeit im weitesten Sinn (…).

Dass die Tätigkeit der Beklagten jedenfalls auch wirtschaftliche Ziele verfolgt, ist nicht zweifelhaft.“

Ich bin mir sicher, auch Shirley MacLaine verfolgt vorwiegend „wirtschaftliche Ziele“, wenn sie schreibt, der Holocaust sei nichts weiter als die Zeit, in der die Juden ihr Karma aus vorangegangenen Jahrhunderten ausgleichen mussten.

Mit etwas Glück bekommt Shirley MacLaine auf diese Behauptung das Urheberrecht.

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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