„Solche Gesichter tun Deutschland nicht gut.“

Ein Brief der Journalistin Kirsten Serup-Bilfeldt an Uwe-Karsten Heye und den Vorstand der Initiative „Gesicht zeigen“ nach einem Interview Heyes für den Deutschlandfunk am 27. Februar 2015.

Sehr geehrter Herr Heye,

ich hörte am vergangenen Freitag im Deutschlandfunk Ihr Interview, in dem es um Josef Schusters Rat an Juden ging, in bestimmten Stadtvierteln deutscher Großstädte auf das Tragen der Kippah zu verzichten.

Deutlich wurde dabei Ihre Ansicht, dass Juden hierzulande wieder um Leib und Leben fürchten müssen, weil – so wörtlich: „sich in Deutschland Flüchtlinge sammeln, die traumatisiert zu uns kommen, die den Schrecken von Kriegshandlungen im Nahen Osten erleben mussten. Wer da in Gaza lebte oder lebt oder Freunde und Verwandte hat, der wird ein anderes Israel-Bild haben als wir Deutschen mit unserer eigenen Geschichte…“

Diese Assoziationskette wiederholten Sie mehrfach. Die „Logik“ dahinter muss man erst einmal durchschauen: sie ist nichts anderes als eine Mischung aus Arglist und Naivität. Sie gründet offenbar auf der Überzeugung, die Juden hätten die augenblickliche Situation des real existierenden muslimischen Antisemitismus selbst verschuldet. Ihrer Deutung folgend tragen Juden selbst die Verantwortung dafür, dass es – wie etwa im letzten Juli – zu Vorfällen kam, bei denen diejenigen, die „ein anderes Israel-Bild haben“, Kippahträger bedrohten, tätlich angriffen und „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“ sowie „Kindermörder Israel“ brüllten.

Auffallend auch die Tatsache, dass Sie immer von „Flüchtlingen“ sprechen. Die große Mehrheit der hier lebenden Muslime besteht keineswegs aus Flüchtlingen, sondern lebt oftmals seit mehreren Generationen hier. Und genau auf diese Gruppe zielte Herrn Schusters Appell.

Überdies verschweigen Sie, dass aus Gaza keine Flüchtlinge nach Deutschland / Europa kommen können. Es dürfte Ihnen bekannt sein, dass Ägypten bereits unter Mubarak die Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten geschlossen hat. Das am Rande.

Bleibt festzuhalten: der Krieg in Gaza ist für Judenfeinde jeglicher Couleur ein willkommenes Ventil, um sich mit antisemitischen Pöbeleien Gehör zu verschaffen. Die Ausbreitung des Antisemitismus in Europa ist zum großen Teil ein Re-Import aus dem muslimischen Raum und mitnichten eine Folge des Nahostkonflikts. Die Wut auf Israel ist größtenteils ideologiegespeist und der muslimische Antisemitismus mit seinen radikalsten Ausprägungen in Gestalt terroristischer Organisationen wie Hamas, Hisbollah und IS sind keine Folgen israelischer Politik.

Schließlich spielen Sie noch auf Ihre Organisation „Gesicht zeigen” an. Doch das Gesicht, das in diesem Interview gezeigt wurde ist das der Verharmlosung von Juden- und Israelfeindschaft.

Solche Gesichter tun Deutschland, Europa und den Juden wahrlich nicht gut.

Mit freundlichem Gruß,
Kirsten Serup-Bilfeldt

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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