„Die Welt sorgt sich nicht um uns.“

In Paris wurde die israelische Journalistin Miri Michaeli Schwartz während einer Berichterstattung für Channel 10 belästigt, weil sie Jüdin ist.

Miri Michaeli Schwartz erklärt den kurzen Ausschnitt wie folgt:

„Zuschauer und Freunde fragen mich ab und zu, ob die israelischen Medien (und ich als Teil davon) die Situation in Europa verschärft darstellen. Natürlich, ja, wenn Sie durch die Straßen von Paris spazieren gehen, spüren Sie keinen Antisemitismus. Aber wenn Sie eine Kippa oder eine Halskette mit einem Davidstern tragen, oder ein Mikrofon halten mit der hebräischen Schrift „Channel 10“, gibt es Grund genug zur Annahme, dass Sie früher oder später erkennen, wie schlimm die Realität ist. Es geschieht im Europa jeden Tag und überall und es ist auch mir schon passiert.

Es ist mir nicht nur ein Mal, dass ich angegangen wurde, nur weil ich mit einem Mikrofon mit herbräischer Aufschrift in einer Straße einer Hauptstadt Europas stand und berichtete. Normalerweise hat es stets etwas mit Israel zu tun.

Dieses Mal berichtete ich von dem Absturz der Germanwings-Maschine. Was Sie jedoch in dem Ausschnitt sehen, ist nur der Anfang. Der Mann, dessen Gesicht Sie nicht sehen können, erkennt die hebräische Schrift an meinem Mikrofon und informiert seine Freunde, die daraufhin sofort anfingen, mich zu schikanieren.

Was dann geschah, war viel unangenehmer. Die Männer umringten mich. Vier oder fünf Männer fingen an, mich zu beleidigen und fluchten. Mehrmals wurde das Wort „Jude“ als Beleidigung wiederholt. Meine Hände zittern heute noch, wenn ich daran denke, was sie sagten.

Ich stand nur auf der Straße, hatte niemanden gestört und bekam Flüche, Drohgebärden und die tatsächlichen Bedrohungen, weil ich ein Mikrofon mit hebräischen Buchstaben hielt. Ich sah mich um, die Straße war voller Menschen, die zusahen, was passierte. Eine Person nahm sogar ihr Smartphone und filmte, was geschah, aber niemand kam mir zu Hilfe. Ich fühlte mich bedroht, und ich rannte weg, ja, ich rannte. Die Männer hinterher. Am Bahnhof standen Soldaten. Erst dann verschwanden die Männer.

Das ist der Antisemitismus im Zentrum von Paris, nur weil mein Mikrofon eine hebräische Schrift hatte.

Also nein, nein, die israelischen Medien übertreiben nicht, wenn sie sagen, Antisemitismus sei real. Es ist die Realität. Jetzt gilt es, ihn zu bekämpfen.“

Der Judenhass ist tatsächlich mehr als real, man muss sich nur die Reden anhören, die in den letzten Jahren in Europa in vollen Sälen gehalten wurden:

„Oh Gott, zerstöre die zionistischen Juden. Sie sind keine Herausforderung für Dich! Zähle Sie und töte sie bis zum Letzten. Verschone keinen einzigen!“ (Eine Rede in Berlin am 18. Juli 2014)

„Die Herzen der Juden sind härter als Stein. Oh Gott, zähle sie alle und töte alle bis zum Letzten.“ (Eine Rede in Italien am 29. Juli 2014)

„Die Juden sind ihrer Natur nach betrügerisch und kriegstreiberisch. Es kann keinen Frieden mit Juden geben!“ (Eine Rede in Spanien am 25. August 2014)

„Juden sind die Nachfahren von Schweinen und Affen!“ (Eine Rede in Dänemark am 19. September 2014)

„Gott sagt, bekämpfe die Juden bis kein Streifen mehr übrig ist. Juden anzuerkennen, ist eine Ausgeburt des Bösen.“ (Eine Rede in Österreich am 3. März 2015)

All diese Aussagen befinden sich auf Band und wurden vom Middle East Media Research Institute veröffentlicht.

Vor ein paar Wochen schrieb eine gute Freundin von mir auf Facebook diese Worte:

“Frankreich ist nicht länger mein Land. Mein Vater hat begonnen, all seine jüdischen Symbole zu verstecken und ich hatte das erste Mal Angst, mit meinem חַי‎ durch die Straßen von Paris zu gehen. Aber die Welt sorgt sich nicht um uns.”

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