#dieternuhr

Wenn man sich entscheiden muss zwischen Ideologie und Witz, entscheiden sich in Deutschland viel zu viele für die Ideologie. Das nennt sich wohl deutsches Kabarett. Und deutsches Kabarett hat Grenzen. Sie werden strikt bewacht!

Da macht einer einen Witz und wenn er politisch nicht bequem ist, wird der Witzemacher moralisch gerichtet. Einfach nur nicht lachen, wäre zu wenig. Ein Urteil muss her. Man ist ja moralisch überlegen!

Und dann diese fade Erklärung, ein guter deutscher Kabarettist trete nicht nach unten. Ach so, er bestimmt also, wer unten ist. Das heißt somit, der deutsche Kabarettist ist darüber, ein guter Fürst, ein Übermensch und am besten objektiv, also über alles! Auch eine schöne Form der Selbstüberhöhung. Das ist herrlich chauvinistisch. Kein Wunder, dass es so wenig Kabarettistinnen gibt.

Wer eine Gruppe bestimmt, über die man keine Witze macht, übt damit Diskriminierung an dieser Gruppe.

Jeder hat das Recht, verarscht zu werden!

In der Comedy gibt es kein oben und unten. Es gibt nur lustig oder nicht lustig. Wenn jemand was nicht lustig findet, reicht ein einfaches Nichtlachen. Oder ein kurzes Heckling. Dafür braucht es aber Mut, weil es vor Ort in Anwesenheit des Publikums geschehen muss!

Ich finde eine moralische Aburteilung eines Menschen wegen eines Witzes höchst unenspannt!

Zudem ist ein Witz der denkbar dümmste Ort für eine Debatte. Allein die Tatsache, dass ein kurzer Gag via Facebook über Griechenland eine politische Debatte in Deutschland auszulösen vermag, zeigt, dass zu viele hier nicht begriffen haben, worum es eigentlich geht: Lachen!

Es herrscht ein Heiliger Ernst in Deutschland, auch im Humor. Das ist echt traurig!

***

Da unter diesem Artikel die Kommentarfunktion freigeschaltet ist, beantworte ich schon mal eine Frage im Vorfeld:

„Gehen etwa auch Judenwitze?“

Erstens: Es geht um einen Witz von Dieter Nuhr über ein Ergebnis einer demokratischen Wahl in Griechenland. Er hat keinen Griechenwitz gemacht! Er hat auch keine darbenden und notleidenden Menschen verhöhnt. Er hat einen Witz gemacht!

Zweitens: Gehen Griechen-, Juden- und Deutschenwitze in Ordnung, so lange sie lustig sind. Wie das geht, frag Lisa Lampanelli! Hier nochmal:

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12 Antworten zu #dieternuhr

  1. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    @D.S.: „Aber um ein paar Einfaltspinsel zum lachen zu bringen, scheint´s ja zu reichen.“

    Sofern Rether, Schramm und Co noch ein paar Einfaltspinsel übrig lassen.

  2. D.S. schreibt:

    Wow, was für ein Schenkelklopfer.
    Ein echter Nuhr halt: Platt und Espritarm.
    Aber um ein paar Einfaltspinsel zum lachen zu bringen, scheint´s ja zu reichen.

  3. loilo92 schreibt:

    Ganz so einfach würde ich das nicht betrachten. Bei Witzen geht es ums Lachen, gekauft, das geht so in Ordnung.
    Bei Kabarettisten geht es aber nicht nur ums Lachen, sondern genauso um die dahinterstehende tiefere Wahrheit. Und wenn man diese (manchmal mehr, hier weniger hintergründige) Aussage nicht teilt oder sogar entschieden ablehnt, ist es in meinen Augen durchaus absolut zulässig, auf dieser Grundlage eine Diskussion oder eine deutliche Meinungsäußerung anzuzetteln.

    Ich halte von Dieter Nuhrs Tweet, so sehr ich ihn sonst auch mag und schätze, auch nicht viel. Weil er wieder mehr Pulver bietet für Leute, die uninformiert sind. Und da zu viele Leute eben lieber solche Witze lesen als sich zu informieren, erfahren die auch gar nicht, dass es eben bei dem griechischen Referndum nie um die Frage nach der Schuldenrückzahlung ja oder nein ging, sondern um die Bedingungen, unter denen neue Hilfskredite aufgenommen werden können.
    Ja, man sollte sich nicht selbst zensieren. Aber ich finde auch, man sollte sorgfältig nachdenken, ob man noch mehr Nährboden schaffen will für Stammtischbesserwisser und nationalistische Parolen.

    So berechtigt die Kritik an der griechischen Politik auch sein mag – ich finde, mit dieser Art von Polemik ermutigt man meist die Falschen.

  4. Frieder Lebowski schreibt:

    Der Witz ist unpassend angesichts der Wirklichkeit. Lesenswert hinsichtlich letzterer: http://lizaswelt.net/2015/07/07/deutsche-geschichtsvergessenheit/

    • Thilo Schneider schreibt:

      Manchmal braucht es keine 100 Sätze, um einen Betroffenheitsbesoffenen abzumahnen.

      Manchmal genügt ein Wort: Depp

  5. Kanalratte schreibt:

    Das ist nicht unentspannt, denn es fehlen in diesem Land definitiv Leute welche diese Einbahnstraßengesellschaft gehörig aufmischen. Bitte mehr Kritik an den Kritikern!

  6. Kanalratte schreibt:

    Wenn etwas zweifelsfrei zum Deutschen Kultur(un)gut gehört, dann ist es diese ständige Nörgelei und Meckerei. Aus allem was Richtung Politik geht, wird eine politische Grundsatzdiskussion gestartet, egal ob von Links oder Rechts. Die einen werden einen Dieter Nuhr an den Pranger stellen, die anderen werden Verschwörungstheorien einbringen usw.

    Aber ein Dieter Nuhr ist in dieser diktatorfreundlichen Neidgesellschaft eben nicht gerne gesehen. Wer das Feindbild Amerika nicht ständig reproduziert und nicht einem linken Lager entstammt, ist sowieso nicht beliebt.

  7. Ulrich Elkmann schreibt:

    Bittschön, ein bisschen mehr Mitleid mit den Griechen…! Wenn Herr N. & seine Frau die Rückzahlung verweigern, ist das ein Bruch des Bürgers mit den Verpflichtungen gegenüber Staat und/oder Institutionen. Im Rahmen der EU war seit Maastricht das Reglement nur dazu da, gebrochen und mit Füßen getreten zu werden, für jedermann sichtbar & oft genug Thema in allen Medien. Wenn jetzt die Griechen dafür abgestraft werden sollen, dass sie sich nach Kräften bemüht haben, dem nachzukommen, dann stellt das eine hundsgemeine Veränderung der Spielregeln seitens Brüssel dar. Laut Voltaire it die beste Regierungsform eine wohlwollende Tyrannis, die durch gelegentlichen Königsmord erträglich wird. Wenn die EU nicht mehr, in zeitgemässer Abwandlung dieser Maxime, als „maximale Machanmaßung, temperiert durch absolute Inkompetenz“ durchgeht, wo bleibt dann da die Planungsicherheit für alle, die aus Prinzip Fünfe gerade sein lassen müssen?

    • Kanalratte schreibt:

      In Griechenland werden bulgarischen Arbeitskräfte ob ihrer Armut ausgelacht. Griechenland hat jahrelang ganz Europa getäuscht und betrogen!

      Wer mit 50-55 in Rente gehen darf, dem kann es nicht so schlecht gehen.

  8. A.S. schreibt:

    Gab es da Ärger? Dieser Witz ist in meinem Bekanntenkreis seit einer Woche Standard und kommt in allen Variationen vor. Da kann man sich doch nur aufregen wenn man völligen Realitätsverlust hat wie anscheinend Tsipras und Varoufakis.

    Nebenbei sollte man jetzt konsequenter Weise auch die Bevölkerungen aller Euro-Staaten über weitere Hilfen abstimmen lassen.

  9. CWeiss schreibt:

    Hat jetzt dieser harmlose Kommentar auch schon wieder für eine Shitstorm gereicht? Man fasst es nicht. Dabei sollte man diese Dauerempörten noch viel mehr brüskieren. Immerhin ist das, was die Griechen inzwischen seit Jahren abziehen, eine Frechheit ohne Gleichen. Vom Kleinbürger, über den Beamten, zum Politiker bis zum Oligarchen ermogeln sich alle irgendwelche Privilegien und Zuwendungen. Bezahlen sollen den ganzen Moloch andere.

    Man sollte Nuhr nicht für seinen Spruch kritisieren, sondern dass er nicht noch mehr auf den Tisch geklopft hat. Die perfide Strategie der politischen Linken, sich immer und jeder Zeit als Opfer darzustellen, um dann in der entsprechend zurecht gebogenen öffentlichen Meinung den Leistungsträgern Geld abzupressen, ist verbrecherisch und kriminell.

    • CWeiss schreibt:

      Was soll der Quatsch? Warum setzen Sie verleumderisches Arschloch meinen Text mit antisemitischen Verschwörungstheorien gleich? Geht’s noch gut? Wollen Sie jetzt allenernstes behaupten, die Griechen seien die Juden von heute?

Seid gut zueinander!

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