Geschmacklos geschichtsvergessen

Das Jahr 6 war ein schlechtes Jahr für Juden im Römischen Reich. In dem Jahr nämlich hob Kaiser Augustus das Recht der Juden auf, eine „zugelassene Religion“ zu sein und gestattete die Hetze gegen Juden und die Beraubung ihres Eigentums! Ein paar Jahre später baute Kaiser Tiberius darauf auf und verfügte im Jahr 19 die Vertreibung der Juden aus Rom. Einige von ihnen fanden ihren Weg nach Köln!

Kaiser Augustus ist über Ecken irgendwie an der Gründung Kölns beteiligt gewesen. Darum möchte die Stadt Köln diesem Kaiser nun einen Platz widmen. Satis pulchrae! Soll Kaiser Augustus einen Platz in Köln bekommen. Die Frage ist nur: Wo?

Der Platz scheint gefunden zu sein. Es soll der neue Platz werden, der durch den Bau des Jüdischen Museums entstehen wird. Das soll laut dem Express das Ergebnis eines Gipfels sein, an dem Oberbürgermeister Jürgen Roters, Dr. Marcus Trier, Leiter der Archäologischen Zone, sowie dem Innenstadt-Bürgermeister Andreas Hupke teilgenommen haben sollen.

Das Jüdische Museum wird an der Stelle errichtet, wo Juden jahrhundertelang ihr Viertel hatten, bis sie im 15. Jahrhundert aus Köln vertrieben wurden. Erst mit den Franzosen durften sie zum Ende des 18. Jahrhundert zurückkehren.

Der Ort, wo kölsche Juden seit dem Römischen Reich lebten, bis sie im 15. Jahrhundert vertrieben wurden, möchte die Stadt Köln nun ausgerechnet dem römischen Kaiser widmen, der die Judenverfolgung im Römischen Reich zur Staatsräson erklärt hatte.

„Charmante Idee“, sagt Regina Böschel von der SPD, „wichtig und richtig, Augustus zu würdigen“, meint Günter Leitner von der CDU, „Wir sind dafür, Augustus ins Zentrum zu rücken“, sagt Markus Graf von den Grünen. Ich sage: „Geschmacklos geschichtsvergessen!“

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