Ein Versuch des Umgangs mit der Flüchtlingssituation

In dem Film „2012“ von Roland Emmerich geht die Welt unter. Einige Nationen haben im Himalaya jedoch Archen gebaut, um die Zivilisation vor dem Weltuntergang zu retten. Im letzten Drittel des Films kommt es zu einer folgenschweren Katastrophe. Eine Arche wurde seeuntauglich beschädigt, so dass plötzlich tausende Flüchtlinge vor der verbleibenden Arche stehen und Eintritt verlangen. Der Stabschef des Weißen Hauses ordnet daraufhin die sofortige Schließung der Arche an. Die Menschen der beschädigten Arche verbleiben an Dock. In der tauglichen Arche kommt es währenddessen zu einer emotionalen Rede eines Mannes an die Regierungschefs der westlichen Welt.

„Ich weiß, wir alle mussten schwere Entscheidungen treffen, um die menschliche Zivilisation zu retten. Aber, was uns Menschen ausmacht, ist dass wir füreinander sorgen, und Zivilisation bedeutet, zusammenzuarbeiten, um ein besseres Leben zu schaffen. Wenn das wahr ist, dann ist nichts menschliches und zivilisiertes an dem, was wir hier gerade machen. Fragen Sie sich selbst, können wir wirklich nichts tun und zusehen, wie die Menschen da draußen sterben? Ich habe letztens ein Zitat gelesen, der Autor ist mittlerweile bestimmt tot: ‚Der Moment, da wir aufhören, füreinander zu kämpfen, ist der Moment, da wir unsere Menschlichkeit verlieren.'“

Der Stabschef des Weißen Hauses ist unbeeindruckt von der Rede und erklärt, Mitleid sei zwar bewundernswert, aber es gäbe nicht genug Ressourcen auf dem Schiff für all die Menschen.

„Möchten Sie für die Vernichtung der ganzen Menschheit verantwortlich sein?“

Adrians Kampf scheint verloren, doch dann erzählt er von einem jungen Astrophysiker aus Indien, dessen Berechnungen es überhaupt erst ermöglicht hatten, dass die Katastrophe vorhergesehen werden konnte und die Archen gebaut werden konnten:

„Ich habe gerade erfahren, dass er und seine Familie von einem Tsunami in Ostindien getötet wurde. Er und alle Menschen dort draußen sind umsonst gestorben, wenn wir unsere Zukunft mit so einer grausamen Tat beginnen. Was wollen Sie Ihren Kindern sagen?“

Daraufhin schaltet sich die Tochter des in der Katastrophe verstorbenen amerikanischen Präsidenten ein und erklärt, wenn ihr Vater noch leben würde, er mit Sicherheit dafür sei, die Tore zu öffnen. Daraufhin melden sich der russische Präsident und die deutsche Kanzlerin zu Wort und sprechen den Satz, den einst Ronald Reagan vor der Berliner Mauer sprach:

„Open the gate!“

Die Tore werden geöffnet und der Film geht weiter!

In den letzten Tagen musste ich oft an diese Filmszene denken. Ich bin froh über die Hilfsbereitschaft, mit der in Deutschland die Flüchtlinge an den Grenzen und Bahnhöfen begrüßt werden. Wie im Film „2012“ ist es auch heute eine deutsche Kanzlerin, die die Tore für die Flüchtlinge geöffnet hat. Sie bekommt dafür nicht nur Lob. Viele kritisieren Angela Merkel. Nicht wenige sind besorgt. Henryk M. Broder sagt zu der momentanen Flüchtlingssituation:

„Wer in dieser Situation kein Mitleid empfindet, hat kein Herz! Wer jedoch nur Mitleid empfindet, hat keinen Verstand!“

Mir sind einige Deutschen suspekt, die selbstergriffen patriotisch und tränengerührt stolz in die Kameras sagen, die „deutsche Willkommenskultur“ mache sie stolz. Ich habe nämlich das Gefühl, dass es ihnen gar nicht um die Flüchtlinge geht, sondern viel mehr um ihr eigenes Image! Sie benutzen die Flüchtlinge, um ihr eigenes schlechtes Gewissen zu beruhigen. Es steht außer Frage, dass geholfen werden muss, wo Hilfe gebraucht wird. Der Moment, da wir aufhören, füreinander zu kämpfen, ist der Moment, da wir unsere Menschlichkeit verlieren.

Neben Roland Emmerich gibt es einen anderen Künstler, der uns mit großartigen Monologen beschenkt hat: William Shakespeare. Ich habe schon viele Figuren von Shakespeare gespült. Besonders beeindrucken mich seine Bösewichte. Ich bin immer wieder beeindruckt, mit welcher kühlen Logik die Bösewichte in seinen Stücken wirkt. Sie agieren logisch und genau wissen genau, wie sie die Schwächen des Gegenübers ausnutzen können. Wenn diese Bösewichte auf zaudernde Menschen treffen, das passiert das, was schon Einstein sagte:

„Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.“

In keinem anderen Monolog, wird die menschliche Schwäche, die das Böse lässt kommen zu hohen Jahren, besser beschrieben als in dem berühmten Hamlet-Monolog:

„Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage: Ob es edler im Gemüt ist, die Pfeile und Schleudern des wütenden Geschicks zu erdulden oder, sich waffnend gegen eine See von Plagen, durch Widerstand sie enden? Sterben ist ein Schlafen, nichts weiter! Und zu wissen, dass ein Schlaf das Herzweh und die tausend Stöße endet, die unseres Fleisches Erbteil. Es ist ein Ziel, aufs innigste zu wünschen: Sterben, schlafen. Schlafen! Vielleicht auch träumen! Ja, da liegts: Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen, wenn wir all das Irdische abgeschüttelt, das zwingt uns stillzustehn. Es ist die Rücksicht, die Übel lässt kommen zu hohen Jahren! (…) Es ist die Furcht vor etwas nach dem Tod, das unentdeckte Land, von des Bezirk kein Wandrer wiederkehrt, die unseren Willen irrt, dass wir die Übel, die wir haben, lieber ertragen, als zu unbekannten fliehn. So macht Bewußtsein Feige aus uns allen! Der angeborenen Farbe der Entschließung wird des Gedankens Blässe angekränkelt; und Unternehmen, hochgezielt und wertvoll, durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt, verlieren so der Handlung Namen.“

Solange der Mensch damit beschäftigt ist, ein gutes Gewissen zu haben, wird es immer genug Bösewichte geben, die eben dieses Bewusstsein mit einer logischen Brillanz auszunutzen wissen! Hamlet weigert sich, zur Tat zu greifen. Stattdessen zaudert und hadert er. Er schreibt lieber ein Theaterstück, in dem er die Situation anprangert. Sein Gewissen ist ihm wichtiger als die Welt. Hamlet ist jemand, der nach der Maxime lebt, am nächsten Tag noch in den Spiegel schauen zu können. Am Ende sind alle tot!

Manchmal ist es eben wichtiger, nach der Maxime zu leben, am nächsten Tag noch aus dem Fenster schauen zu können!

Ich stelle mir daher einfach mal vor, ich wäre ein Bösewicht in der heutigen Flüchtlingssituation. Wäre ich ein Führer des Islamischen Staates und wollte Krieg in die westliche Welt tragen, ich würde den Flüchtlingsstrom für mich zu nutzen wissen! Der Flüchtlingsstrom wäre der beste Weg, um Soldaten nach Europa zu schleusen. Ohne Probleme können unter den Millionen Verzweifelten ein paar tausend Kämpfer versteckt werden. Ich würde sogar dreifach gewinnen! Zum Einen kommen islamistische Kämpfer nach Europa, zum Zweiten wird Europa geschwächt, denn die unschuldigen Flüchtlinge, die aus der islamischen Diktatur fliehen, sind sich untereinander gar nicht wohlgesonnen. Verfeindete Sunniten und Shiiten flüchten gemeinsam vor dem Islamischen Staat und tragen dadurch den Konflikt untereinander nach Europa.

Die Flüchtlinge, die aus Syrien und anderen Kriegsgebieten kommen, sind größtenteils durch Krieg traumatisierte und brutalisierte Männer, die aus zerbrochenen Clanstrukturen stammen, zusammengehalten von einer autoritären Religion, gegründet von einem patriarchalen Feldherren mit einer autoritären Ideologie, die in ihrer extremen Form Frauen zu Freiwild erklärt, wenn sie ihre Körper nicht komplett verhüllen. Viele dieser Männer schätzen die Ehre eines im siebten Jahrhundert verstorbenen Soldaten aus Mekka höher als die Würde einer lebendigen Frau. Aus dieser pervertierten Idee von Ehre töten sie eher die eigene Tochter, als ihre eigene Religion zu hinterfragen. Sie zwängen Frauen eher in ein Gefängnis aus Stoff, als männlichen Sexualverbrechern Handschellen anzulegen. Diese Ideologie, die vor allem im Islamischen Staat herrscht, wird Deutschland noch vor große Probleme stellen.

Dem Islamischen Staat ungewollt zur Hilfe kommen die deutschen Neonazis, die alles Fremde hassen, Gewalt streuen und so die Stimmung in Deutschland eskalieren lassen. Sobald ein terroristischer Anschlag von einem Terroristen verübt wird, der versteckt im Flüchtlingsstrom nach Europa kam, wird es kaum Raum für kühle und rationale Gedanken geben. Es wird heißen: Die Flüchtlinge waren es, statt: Die Terroristen kamen mit den Flüchtlingen. Eine so aufgeheizte Stimmung kann kippen. Die Verlierer sind die Flüchtlinge, die vor dem Islamischen Staat geflüchtet sind und die Menschen, die vom Islamischen Staat gehasst werden! Was ein teuflisch guter Plan! Shakespeare hätte es nicht besser konstruieren können.

So würde ich denken, wäre ich der Bösewicht in diesem Spiel. Wir wissen, dass es diese Bösewichte gibt und das sie nur allzu gut wissen, die Schwächen des Westens auszunutzen. Was also tun?

Eins ist klar: Nur weil die gegnerische Seite weiß, unseren Drang nach dem guten Sein auszunutzen, dürfen wir diesen Drang nicht kappen. Nur weil böse Menschen durch unsere offene Tür treten kann, dürfen wir die Tür nicht verriegeln für jene, die unsere Hilfe brauchen. Ohne offene Tür wird uns die Angst vor bösen Menschen von innen fressen wie ein Krebsgeschwür! Am 4. März 1933 erklärte jedoch der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt:

„Und lassen Sie mich deshalb meinem tiefen Glauben Ausdruck geben, dass das Einzige, was wir fürchten müssen, die Furcht selbst ist – namenloser, unvernünftiger, unbegründeter Schrecken.“

Angst ist eine schlechte Beraterin, das wissen Roosevelt und Merkel, vor allem, wenn man Individuen gegenübersteht. Flüchtlinge sind keine Masse, sondern Individuen, viele einzelne Menschen. Sie haben individuelle Biographien, eigene Wünsche und Träume. Sie haben eine gefährliche Flucht hinter sich, waren teilweise pausenlos in Lebensgefahr. Sie haben gefroren und geschwitzt, geweint und gelitten. Als dies wissen Menschen mit bösem Willen auszunutzen. Shakespeares brillantester Bösewicht ist Jago und er ist es, der über das Böse philosophiert:

„In uns selber liegt es, ob wir so sind oder anders. Unser Körper ist ein Garten und unser Wille der Gärtner, so dass, ob wir Nesseln drin pflanzen wollen oder Salat bauen, Tomaten aufziehen oder Thymian ausjäten, ihn dürftig mit einerlei Kraut besetzen oder mit mancherlei Gewächs aussaugen, ihn müßig verwildern lassen oder fleißig in Zucht halten, das Vermögen dazu und die bessernde Macht liegt durchaus in unserm freien Willen. Hätte der Waagbalken unseres Lebens nicht eine Schale von Vernunft, um eine andere von Sinnlichkeit aufzuwiegen, so würde unser Blut und die Bösartigkeit unserer Triebe uns zu den ausschweifendsten Verkehrtheiten führen; aber wir haben die Vernunft, um die tobenden Leidenschaften, die fleischlichen Triebe, die zügellosen Lüste zu kühlen.“

Es fällt schwer, einem Bösewicht zuzustimmen, aber wo er recht hat, hat er recht. Was auch immer einem Menschen widerfährt, welche ganz persönlichen Schicksalsschläge er auch immer zu verkraften hat, der Grund für all seine Entscheidungen, mögen es nun gute oder schlechte sein, liegt einzig und allein in seinem freien Willen.

„Ja, hier liegt’s, noch nicht entfaltet; die Bosheit wird durch Tat erst ganz gestaltet.“

Als Empathie wird die Fähigkeit und Bereitschaft bezeichnet, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Als Schauspieler habe ich Empathie für Bösewichte, immer wenn ich sie spiele. Ich versuche, sie zu verstehen. Das heißt aber nicht, dass ich Mitleid mit dem Bösen haben. Mitleid ist zwar immer empathisch, aber Empathie ist nicht immer Mitleid! Edith Piaf hat einst ein sehr emotionales Lied über diese Flucht gesungen:

„Sie gingen beim Schein der Wintersonne.
Sie rannten über das Meer
Überwinde die Angst
Tilge die Angst,
die tief in unseren Herzen schlug.

Sie gingen in Gedanken an die Ernten
Die Heimat und ihre Lieder
Das Herz singt von Hoffnung
Das Herz schreit Hoffnung
Sie nehmen den Weg der Erinnerung erneut auf.

Sie weinen Tränenmeere
Sie giessen sie in weite Gebete
Befreit uns Brüder
Befreit uns Brüder
Zieht uns zum Licht.

Sie sind da im neuen Land
Sie treiben am Mast des Bootes
Das Herz zerbrach an Liebe
Das Herz verlor die Liebe

Sie fanden den Boden der Liebe.“

George Satayana sagte einst:

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

Vor zweitausend Jahren kamen religiöse Flüchtlinge nach Europa. Sie waren alle Individuen. Irgendwann gründeten sie Gemeinschaften, breiteten sich auf dem Kontinent aus und bekamen immer mehr Macht. Irgendwann fingen religiöse Fanatiker an, Andersgläubige zu verfolgen. Bibliotheken wurden angezündet und Kunstwerke vernichtet. Die Flüchtlinge waren Christen!

Gewiss gab es damals viele, die betonten, diese Fanatiker seien keine wahren Christen, aber die Fanatiker setzten sich erstmal durch. Irgendwann konnten nur noch blutige Revolutionen den mittlerweile mächtig und unmenschlich gewordenen Stand des christlichen Klerus entmachten. Viele tausend Menschen kamen dabei ums Leben. Sogar untereinander waren die Christen zerstritten. Im Dreißigjährigen Krieg bekämpften sich Katholiken und Protestanten wie heute Sunniten und Shiiten. Natürlich waren nicht alle Christen gefährlich, aber es gab genug, um Krieg und Elend auf der ganzen Welt zu verbreiten.

Man muss sich nur die Geschichte der amerikanischen Ureinwohner der letzten dreihundert Jahre ansehen, um zu erkennen, wozu christliche Flüchtlinge und Migranten fähig waren. Nicht wenige Ureinwohner begrüßten die christlichen Migranten von Europa, die vor Unterdrückung und Ausbeutung flohen, mit offenen Armen und gaben ihnen zu essen. Noch heute gibt es einen Nationalfeiertag in Amerika, der die Willkommenskultur der Ureinwohner feiert. Der Feiertag heißt Thanksgiving.

An Thanksgiving wird dem Tag gedacht, als die europäischen Migranten und Flüchtlinge bei Plymouth Rock in Massachusetts landeten und dort zusammen mit den einheimischen Wampanoag im Herbst 1621 ein dreitägiges Erntedankfest feierten. Ohne die Hilfe der Wampanoag hätten die christlichen Migranten den folgenden Winter nicht überlebt. Das war vorbildliche Willkommenskultur. Die Zukunft aber sollte blutig werden. Aus zu vielen Migranten wurden Mörder und Terroristen!

In dem Film „Addam’s Family“ von Barry Sonnenfeld wird die Problematik der Willkommenskultur auf polemische Art und Weise auf den Punkt gebracht:

Was die Kinder in dieser Szene spielen, ist das Anzünden von Migrantenhäusern durch Einheimische. In Deutschland werden zur Zeit auch wieder Flüchtlingsunterkünfte angezündet. Der Schauspieler Til Schweiger erklärte in Anbetracht des wachsenden Fremdenhasses in Deutschland:

„Ich glaub noch nicht mal, dass ein Politiker nach Freital gehen muss. Es würde einfach reichen, wenn die zwei Hundertschaften da hinschicken und die Leute einkassieren, und sagen: ‚Heute Nacht bleibt ihr im Knast, denkt mal darüber nach, was ihr hier macht und morgen kommt ihr hier nicht mehr her.’“

Zorn ist wie Angst ein schlechter Berater! Es ist nicht leicht, auf das Falsche richtig zu reagieren. Hamlet kann ein Lied davon singen. Ganz falsch aber war der Vorschlag des Ministerpräsidenten Thüringens, Bodo Ramelow, eine nach Ethnien getrennte Unterbringung der Flüchtlinge zu organisieren, um Gewaltausbrüche zu vermeiden.

Ramelow schlug diese Trennung vor, nachdem ein Streit in einem Flüchtlingsheim in Suhl eskaliert war, weil ein Flüchtling, der vor dem islamistischen Fundamentalismus nach Deutschland geflohen war, seiner Wut durch das Zerreißen einer Korankopie in Thüringen Ausdruck verlieh. Daraufhin wurde er von einem muslimischen Lynchmob attackiert. Seine Aktion war von Artikel Fünf des Grundgesetzes geschützt. Viele Menschen haben in der Geschichte für das Recht auf freie Meinung, auch wenn sie weh tut, gekämpft. Nicht wenige sind für ihre Meinung gestorben. Evelyn Beatrice Hall sagte einst:

„Ich missbillige, was du sagst, aber würde bis auf den Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen.“

Statt die Angreifer in Suhl mit der vollen Härte des Gesetzes zu konfrontieren, wurden die Islamisten so geschont wie manch ein Neonazi in Heidenau. Ginge es nach mir, ich würde hier nicht trennen. Ich würde vereinen und Islamisten und Neonazis zusammen in eine Zelle sperren. Mal schauen, was passiert! Da wächst dann zusammen, was zusammengehört!

Am 3. Oktober 1990 wuchs auch zusammen, was zusammengehörte. An diesem Tag wurden etwas mehr als 16 Millionen Menschen Deutsche im Sinne des Grundgesetzes. Es war die größte Einwanderung in der Geschichte der BRD. Zum Glück brachten diese Flüchtlinge ein eigenes Land und ein eigenes festes Zuhause mit. Sie mussten nicht in Sammellagern gehalten werden. Zudem sprachen sie unsere Sprache und sie teilten mit uns eine lange gemeinsame Geschichte und Tradition. Dennoch hat sich eine Generation später besonders unter diesen Neubundesdeutschen ein radikales Gedankengut entwickelt, das Tausende von Menschen in Dresden, Leipzig und Heidenau mit menschenverachtenden Parolen auf die Straße treibt.

Als 1949 die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde, von kriegstraumatisierten Männern und Frauen, da brauchte es zum demokratischen Erfolg eine jahrzehntelange Besatzung durch Amerikaner, Engländer und Franzosen. Als sich dann in den sechziger und siebziger Jahren, also eine Generation später, die Jugend mit ihren Eltern auseinandersetzte, da wäre dieses Deutschland fast im Terrorismus versunken.

Wenn Deutsche schon Schwierigkeiten haben, kriegstraumatisierten Deutschen zu helfen, woher nimmt sich dann dieses Deutschland die Anmaßung zu glauben, grenzenlos Flüchtlingen aus fremden Kulturen helfen zu können? Was für eine Hybris! Es ist deutscher Größenwahn zu glauben, man könne ohne Obergrenze helfen und deutscher Größenwahn hat auf der Welt nicht gerade den besten Ruf.

Europa ist eine Figur der griechischen Mythologie. Eine weitere bekannte Figur ist Ikarus! Er war der Sohn des Dädalus und wurde zusammen mit seinem Vater von König Minos im Labyrinth des Minotauros auf Kreta gefangen gehalten. Zur Flucht erfand Dädalus Flügel für sich und seinen Sohn, indem er Federn mit Wachs an einem Gestänge befestigte. Vor dem Start schärfte er Ikarus ein, nicht zu hoch und nicht zu tief zu fliegen, da sonst die Hitze der Sonne beziehungsweise die Feuchte des Meeres zum Absturz führen würde. Zuerst ging alles gut, aber dann wurde Ikarus übermütig und stieg so hoch hinauf, dass die Sonne das Wachs seiner Flügel schmolz, woraufhin sich die Federn lösten und er ins Meer stürzte. Der verzweifelte Dädalus benannte die Insel, auf der er seinen Sohn beigesetzt hatte, zur Erinnerung an sein Kind Ikaria.

Wenn sich der deutsche Übermut und Größenwahn im Idealismus nicht bald legt, läuft Europa entweder Gefahr, in Ikaria umbenannt zu werden oder es endet so bei Hamlet.

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