“Dieses ‚Tapfer im Nirgendwo‘ macht uns nur Arbeit.”

Gestern war ich vor dem Kölner Dom, um von dort eine Stadtführung durch die Kölner Brauhäuser zu beginnen. Um 17 Uhr wollte ich mich dort mit einer Gruppe von Feuerwehrmännern aus Wolfsburg treffen. Die Herren standen allerdings im Stau und kamen daher erst um 18:05 Uhr an. Ich nutze die Zeit und schaute mir eine Demonstration an, die vor dem Kölner Dom stattfand.

Eine Gruppe von fünfzig Menschen demonstrierte gegen Israel. Ihnen gegenüber stand eine weitere Gruppe mit Israel-Fahnen und Henriette Reker-Bannern. Dazwischen standen ein paar Polizisten, und sorgten für Sicherheit, da nicht selten die Menschen mit den schwarz-rot-grünen Flaggen recht aggressiv auf die Menschen in blau und weiß zugingen.

Als ich mein Smartphone herausholte und Bilder machte, kam direkt ein Polizist auf mich zu, sprach mich mit Namen an und machte mir Auflagen. Ich erklärte ihm, dass ich hier nur für eine Stadtführung sei und bekam ein ruppiges „Verarschen kann ich mich alleine“ als Antwort.

Ich habe das Gefühl, bei der Polizei werde ich als Veranstaltungsleiter der Gegendemonstration geführt, jedenfalls kannte mich der Polizist mit Namen und behandelte mich als sei ich verantwortlich dafür, dass er dort stehen musste. Ich weise jedoch alle Verantwortung von mir.

Ich war ab 18:05 Uhr kölschtrinkenden mit Feuerwehrmännern unterwegs! Das Letzte, was ich über die Domplatte schallen hörte, war die Stimme eines kleinen Kindes, das vor dem Kölner Dom Parolen gegen Israel brüllte. Kinderarbeit in Köln!

Warum war der Polizist so unhöflich zu mir? Vielleicht hätte ich ihm einfach auch eine Feige schenken sollen, wie diese netten Jungs hier.

All die mutigen Frauen und Männern, die vor dem Kölner Dom für Israel standen, haben meinen ganzen Respekt. Ich bedanke mich auch bei der Polizei, die mit ihrer Präsens die Grundrechte bewahrt hat. Besonders bedanke ich mich bei der Polizei dafür, mir geholfen und einen Mann abgedrängt zu haben, der mir aggressiv verbieten wollte, Bilder von einer Demonstration zu machen.

In der 38 Sekunde erschallt ein „Nieder mit Israel!“

Liebe Polizei,

Danke für Eure Arbeit. Es wäre jedoch noch schöner gewesen, wenn der eine Herr mir gegenüber etwas weniger ruppig gewesen wäre. Außerdem bin ich nicht für jede Israelfahne verantwortlich, die in Köln gezeigt wird. Manchmal stehe ich auch nur ganz zufällig neben einer Israel-Flagge. Ehrlich!

Ich muss gerade an den September 2014 denken. In dem Monat kontaktierte mich nämlich eine Frau und erzählte mir von einem Erlebnis bei der Kölner Polizei, als sie dort eine Anzeige aufgrund einer antisemitischen Beleidigung erstellt hatte. Der Polizei fragte direkt: „Sind Sie Jüdin?“, „Sind Sie Israelin?“ und „Kennen Sie Gerd Buurmann?“

Bei Antisemitismus sind offensichtlich die drei ersten Assoziationen der Kölner Polizei: Jude, Israel, Buurmann. Die Gefragte antworte, sie kenne mich, aber nicht intim. Darauf erwiderte der Polizist: “Dieses Tapfer im Nirgendwo macht uns nur Arbeit.”

Dieser Beitrag wurde unter Palästina, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

26 Antworten zu “Dieses ‚Tapfer im Nirgendwo‘ macht uns nur Arbeit.”

  1. Monika schreibt:

    Als ich vor der eigentlichen Beendigung der Pali-Demo mit einer Freundin den Rückweg zur Bahn antreten wollte, umkreisten uns immer wieder drei jugendliche „Palästinenser“ und riefen „Kindermörder“, „Mörder“. Dabei warfen sie auch etwas, wahrscheinlich kleine Steine. Wir konnten es nicht erkennen, da es schon dunkelte. 2 x hin und her, dann hat die Polizei uns zur Bahn begleitet. Auch andere Jugendliche aus der Demo (die noch lief) kamen uns entgegen und „begrüßten“ uns mit „Kindermörder“. Dem Gesichtsausdruck nach hätten sie Freude daran gehabt uns zu töten. Ich bin nicht verängstigt, aber beunruhigt. Es macht keinen Sinn in so einer kleinen Gruppe denen etwas entgegenzusetzen, das nächste mal bin ich nur dabei, wenn wir viele sind.

    • Dante schreibt:

      Ist das eigentlich legal, jemanden einfach „Kindermörder“ zu nennen? Ist das nicht Üble Nachrede oder gar Verleumdung?

      • Monika schreibt:

        nö, in Deutschland Meinungsfreiheit…

        • Dante schreibt:

          Die Frage war rhetorisch. Es ist Üble Nachrede, jemanden einen Kindermörder zu nennen.
          Wenn furchtbare Juristen solche nicht verfolgen wollen, weil sie sich gegen Befürworter des jüdischen Staates richtet, steht das auf einem anderen Blatt und ist schlechteste bundesdeutsche „Tradition“.

        • Dante schreibt:

          Korrektur: Es ist mindestens Üble Nachrede.

  2. Malte S. Sembten schreibt:

    Arbeit machen der Polizei nicht die Gesetzesübertreter, sondern die Menschen, die der Polizei Gesetzesübertretungen zur Kenntnis bringen, auf dass die Polizei ihre Arbeit mache.
    Arbeit macht der Polizei, ihre Arbeit zu machen!

  3. Gutti schreibt:

    Bist Du sicher, dass du die Videos mit den identifizierbaren Gesichtern der Polizeibeamten veröffentlichen darfst? Nicht, dass es da noch Probleme gibt. Viele Grüße aus dem Süden. Weiter so

  4. Kanalratte schreibt:

    Wieviele falsche Tinenser sind das denn? 50?
    Wie peinlich ist das denn!

    Buurmann ist größer!

  5. Paul schreibt:

    Hallo Gerd,
    das ist zwar nicht der Erfolg, den Du erreichen möchtest, aber immerhin besser als garnichts. Dein Einsatz für Israel hat sich schon herumgesprochen. Das heiß doch wohl auch, dass man in bestimmten Situationen an Dir erst mal „vorbei kommen“ muss.

    Es war jedenfalls sehr rücksichtsvoll von Dir, dass Du den Wünschen der Palästinenserdemonstranten weitgehend entsprochen hast. Du verzichtetest weitgehend auf Fotos und machst stattdessen Videos. 🙂

    Herzlich, Paul

  6. Sempronius Densus Bielski schreibt:

    Auf welcher Seite stehen die deutschen Polizisten in Köln?

  7. Taubiola schreibt:

    Ui, hätte ich gewusst, dass es auch etwas in der Art einer Gegendemo gab, wäre ich auch gekommen :O

  8. A.mOr schreibt:

    Schabat schalom.
    “Dieses Tapfer im Nirgendwo macht uns nur Arbeit.”
    Weiter mit der guten Arbeit! Auch bei den Uniformträgern gibt es solche und solche, manche davon „tapfer im Nirgendwo“. Sag ich mal so. 😉

  9. Dante schreibt:

    Mir fiel der linke Spruch

    Deutsche Polizisten
    schützen die Faschisten

    ein.

    • A.S. schreibt:

      Ein 44 jähriger Mann ist der Täter. Mehr Informationen werden (bisher??) nicht veröffentlicht. Man darf spekulieren warum……

      Ich könnte mich jetzt auch beleidigt fühlen, da durch diese voreingenommene Berichtbestattung auch mein Ruf als Mann beschädigt wird.

    • abusheitan schreibt:

      Der Täter hat bei seiner Festnahme ausgesagt, er hätte die Tat für den Messias begehen müssen. Klarer Fall: fundamentalistischer Jude! 😈

  10. abusheitan schreibt:

    Gestern auf der Domplatte im Namen Henriette Rekers gegen islamischen Terror demonstriert, Heute morgen die Antwort: Terroratacke.
    Henriette Reker schwer verletzt.
    😦

  11. Nordland schreibt:

    Die Annahme der Feigen war vermutlich rechtlich zulässig, da für Beamte Wertobergrenzen gelten (zB 5 oder 15 Euro) und diese sicherlich nicht überschritten wurden. Dennoch halte ich das Verhalten des Polizisten aus zwei Gründen für kritikwürdig:

    Zum einen hat er nach außen hin den Eindruck erweckt, Sympathien für eine der beiden Seiten zu hegen. Gerade in Köln, das durch Pfusch am Bau (Stadtarchiv), Müll-Filz und Polizeiskandale bekannt geworden ist, wäre Professionalität das oberste Gebot der Stunde.

    Zum anderen konnten in diesem Moment – man sieht es in dem Video genau – andere Demonstranten näher zu den Gegendemonstranten vordringen.

    Also im Ergebnis keine große Sache, nichts besonderes, aber auch nicht gerade optimal gelaufen.

  12. Ron schreibt:

    Für diesen Polizisten muss ich mich fremdschämen. Ein Trauerspiel.

  13. A.S. schreibt:

    “Dieses Tapfer im Nirgendwo macht uns nur Arbeit.”

    Hehe. Ist schon blöd wenn man zur Polizei geht und dann tatsächlich mehr machen muss als Strafzettel verteilen.

  14. American Viewer schreibt:

    „Dieses Tapfer im Nirgendwo macht uns nur Arbeit.“

    In anderen Worten: Sie sichern die Arbeitsplätze der Kölner Polizei auf eine völlig gewaltfreie Art und Weise! Dafür müssten die Ihnen eigentlich dankbar sein. Auch der Mann mit der Israelfahne ist bewundernswert mutig. Ich hätte da Angst um Leib und Leben.

Seid gut zueinander!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s