Messer und Medien

Ein Gastbeitrag von Lisa Piesek.

Vor einer Woche hat die fünfzehnjährige Safia in Hannover mit einem Messer auf einen Bundespolizisten eingestochen und ihn schwer am Hals verletzt. Zu dieser Tat sind mir einige seltsame Schlagzeilen in den deutschsprachigen Medien aufgefallen. Der ORF zum Beispiel titelt:

„Fünfzehnjährige bei Ausweiskontrolle in Hannover verhaftet“

Die Messerattacke wird im Artikel selbst zwar erwähnt, wer aber lediglich die Überschrift liest, wird über den Angriff auf den Polizisten überhaupt nicht informiert. Zwei nicht minder seltsam anmutende Stilblüten haben sich ZEIT ONLINE und SPIEGEL ONLINE geleistet:

„Messer: Mit den einfachsten Mitteln gehen Schüler und Polizisten aufeinander los“

„Gut ausgebildete Polizisten gegen Teenager mit Küchenmessern – es ist eine Spirale der Gewalt mit ungleich verteilten Mitteln“

Bevor Sie anfangen, wütende Leserbriefe an die Redaktionen zu schreiben, muss ich eine kleine Flunkerei auflösen. Diese Pressezitate sind zwar echt und nur geringfügig von mir angepasst, beziehen sich aber nicht auf das Messerattentat in Hannover sondern auf vergleichbare Geschehnisse im Nahen Osten:

„Fünf Palästinenser bei neuer Gewalt in Nahost getötet“

„Messer, Schraubenzieher, Gemüseschäler: Mit den einfachsten Mitteln gehen Palästinenser und Israelis seit Tagen aufeinander los…“

„Gut ausgebildete Soldaten und Polizeikräfte gegen Teenager mit Küchenmessern und selbst gebauten Brandsätzen – es ist eine Spirale der Gewalt mit ungleich verteilten Mitteln“

Zum Hintergrund:

Die fünfzehnjährige Gymnasiastin Safia S. aus Hannover war dort vor einer Woche am Hauptbahnhof unterwegs, ist einer Polizeistreife gefolgt und hat sich auch ansonsten auffällig verhalten. Daraufhin wurde sie von den beiden Polizisten angehalten und kontrolliert, dabei stach sie mit einem Gemüsemesser auf einen der Beiden ein und verletzte ihn am Hals, ein weiteres Messer hatte sie in ihrer Tasche. Für diese Tat wird ein islamisch-extremistischer Hintergrund vermutet. Safia war seit mindestens acht Jahren in der Salafistenszene aktiv, es gibt ein Video, das sie als Siebenjährige an der Seite von Pierre Vogel zeigt. Die Polizei soll sie seit Januar wegen Terrorverdachts beobachten. Es ist von Propagandisten des Islamischen Staats bekannt, dass sie zu solchen Attentaten auf Polizisten aufrufen. Die Polizei macht sich bereits auf weitere Attacken gefasst.

Die leider kaum abzuwehrende und darum erfolgreiche Strategie der “Messer-Intifada” stammt ursprünglich von palästinensischen Terroristen. Seit Anfang September 2015 hat Israel mit einer neuen Terrorwelle zu kämpfen. Israelische Zivilisten und Sicherheitskräfte werden von Palästinensern mit Steinen, Autos, Molotow-Cocktails, Sprengstoff und Schusswaffen, vor allem aber mit Messern attakiert, schwer verletzt und getötet. Auffällig ist, dass viele Täter besonders jung, manche noch minderjährig sind. Seit dem 13. September 2015 gab es bis heute (Stand 4. März) 39 Angriffe mit Autos, 78 Schießereien und 195 Messerangriffe. Dabei wurden 375 Menschen teils schwer verletzt und 33 getötet. An 3. März stach eine Vierzehnjährige mit einem Messer auf einen Polizisten ein und verletzte ihn leicht. Den letzten Toten gab es am 18. Februar. Es war der 21-jährige Soldat Tuvia Yanai Weissman, der mit Frau und Tochter unterwegs war, während ein Messerattentat in einem Einkaufszentrum stattfand. Obwohl er unbewaffnet war, eilte er zu Hilfe und wurde tödlich verwundet.

Die deutschsprachigen Medien fallen leider durch besonders tendenziöse Berichterstattung zu diesen Terrorangriffen auf. Die Attacken werden verharmlost oder sogar verschwiegen, die Reaktion der Sicherheitskräfte wird hochgespielt, Israel die Schuld an der Eskalation zugeschrieben. Laut palästinensischer Gesundheitsbehörde sind seit September 2015 150 Palästinenser getötet worden. Gemessen an der Anzahl der Toten auf der israelischen Seite erscheint diese Zahl hoch, wenn man jedoch die Anzahl der Terrorangriffe betrachtet, bedeutet es, dass mehr als jeder zweite Attentäter überlebt hat. Andererseits gibt es bis jetzt keine wirksamen Abwehrstrategien gegen Messerattacken, als die Täter zu neutralisieren.

Noch einmal: Es sind seit September 2015, von einer Hasskampagne in den sozialen Medien geleitet, über 300 Terroristen mit Sprengstoff, Schusswaffen und vor allem Messern losgezogen, mit dem Ziel, Juden zu töten.

Sie haben Menschen ermordet und verletzt, und nicht einmal jeder zweite Terrorist kam dabei ums Leben! Mir scheint es, als seien die israelischen Sicherheitskräfte durchaus differenzierungsfähiger als die deutschen Medien. Der ORF titelt:

“Fünf Palästinenser bei neuer Gewalt in Nahost getötet”

Wer nur die Überschrift liest, wird nichts von den Messerangriffen erfahren. Die Tagesschau weiß, dass die Motivation für gezielte Mordattentate auf Juden “nicht der Hass auf Juden sein muss”, dagegen betont RP ONLINE explizit die jüdische Identität der beiden einzigen israelischen Attentäter seit September.

Wenn Juden Verbrechen begehen, wird also die “jüdische Rache” beschworen, wenn Juden umgebracht werden, soll das aber nichts Judenhass zu tun haben. Dabei braucht man nur genau hinzuhören, denn die palästinensischen Propagandisten, die Kinder und Jugendliche in den Tod schicken, machen keinen Hehl aus ihrer antisemitischen Gesinnung:

„Stecht zu! Stecht den Juden den Mythos des Talmuds in ihre Köpfe. Stecht den Juden den Mythos ihres Tempels in ihre Herzen! Unsere erste Phase soll lauten: Stecht die Juden ab! Sie haben keine Chance! Die zweite Phase soll lauten: Wir werden die Juden nicht mehr vertreiben! Wir werden sie allesamt abstechen und abschlachten!“

http://www.memri.org/clip/en/0/0/0/0/0/0/5098.htm

Da fühlt man sich doch gleich an das Kampflied der SA erinnert:

„Wetzt die langen Messer auf dem Bürgersteig,
Laßt die Messer flutschen in den Judenleib.
Blut muss fließen knüppelhageldick
Und wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik.“

Es ist übrigens auch nur ein Plagiat.

Dieser Beitrag wurde unter Fremde Feder veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.