4 Stunden und 38 Minuten

In der schwedischen Stadt Östersund rät die Polizei Frauen, nach Einbruch der Dunkelheit nicht alleine auf die Straße zu gehen, um nicht von einer „Welle der Gewalt gegen Frauen“ erfasst zu werden.

„Wir wollen hier nicht weiter sitzen und noch mehr Akten von Opfern auf unserem Schreibtisch haben“, erklärt die Polizei und zieht daraus nicht den Schluss, massiver gegen Frauenhass vorzugehen, sondern rät Frauen, nur noch in Begleitung durch das nächtliche Östersund zu gehen.

Am 21. Dezember 2016 wird die Sonne in Östersund um 9:40 Uhr aufgehen und um 14:18 Uhr schon wieder untergehen. Das sind also die 4 Stunden und 38 Minuten, in denen die Frauen von Östersund relativ sicher sind. Für die restlichen 19 Stunden und 22 Minuten rät die örtliche Polizei dazu, Frauen nicht unbegleitet auf die Straße zu lassen. Schweden gönnt den Frauen in Östersund somit 4 Stunden und 38 Minuten Menschenrechte. Das sind 4 Stunden und 38 Minuten mehr als in Saudi-Arabien. Glückwunsch Schweden!

Ein misogyner Imam in Deutschland bekommt bei dieser schwedischen Polizei gewiss feuchte Träume. Am 23. Januar 2015 hielt ein Imam in Berlin diese Predigt über die Stellung der Frau:

„Eine Frau darf niemals das Haus ohne die Erlaubnis ihres Mannes verlassen! Und unter keinen Umständen darf sie eine Nacht außerhalb des Hauses verbringen ohne Erlaubnis ihres Mannes! Nicht mal bei ihrem eigenen Vater!“

„Eine Frau darf nicht arbeiten ohne die Erlaubnis ihres Mannes!“

„Das Leben einer Frau muss auf das Haus ihres Mannes beschränkt sein!“

„Eine Frau muss kochen, den Boden wischen, sauber machen und sich um ihren Mann, ihre Söhne und Töchter kümmern!“

„Einer Frau ist es nicht gestattet, den Beischlaf mit ihrem Mann zu verweigern! Mit keiner Entschuldigung darf sie sich rausreden!“

„Eine Frau darf unter keinen Umständen „Nein“ sagen, wenn ihr Mann mit ihr schlafen will!“

„Auch wenn eine Frau ihre Tage hat, muss sie mit ihrem Mann schlafen, wenn der Mann will. Er sollte nur ihre Vagina meiden … und ihren Anus!“

Das ist zwar etwas blumiger ausgedrückt als der Vorschlag der schwedischen Polizei, aber im Kern die selbe Aussage.

Mich erinnert das Vorgehen der Polizei von Östersund an den ehemaligen sozialdemokratischen Bürgermeister von Malmö, Ilmar Reepalu, der die jüdischen Bürgerinnen und Bürger wissen ließ, dass sie den Hass, der ihnen entgegenschlägt, dadurch erheblich abschwächen könnten, indem sie nur deutlich genug Abstand nähmen von der Politik Israels.

So geht es zu in Schweden: Wenn Frauen vergewaltigt und Juden verfolgt werden, dann fordern der Bürgermeister von Malmö und die Polizei in Östersund, dass Frauen und Juden ihr Verhalten ändern. Was für ein Bild haben diese Polizisten und der Bürgermeister eigentlich von den Tätern?

Sie müssen glauben, die Täter seien unmündige Kreaturen, unfähig sich eines Verstandes zu bedienen und somit dazu verdammt, sich wie Monster zu verhalten. Deshalb raten sie den Opfern dieser Täter, ihr Verhalten zu verändern, weil sie die Täter für unvernünftig halten, gar nicht befähigt, das eigene Verhalten zu reflektieren. Die Täter sind für sie weniger Menschen, die man bestrafen kann, sondern mehr eine Naturgewalt, eine Flutwelle, vor der man sich schützen muss. Ein solches Bild von Menschen ist jedoch blanker, purer Rassismus!

So geben sich in Schweden Frauenhass, Judenhass und Rassismus die Hand zu einem gemeinsamen Mitsommernachtsalbtraum!

***

Als in den siebziger Jahren in Israel der Vorschlag einer Ausgangssperre für Frauen aufkam, fegte die wunderbare Premierministerin Golda Meir diesen lächerlichen Vorschlag mit diesen brillanten Worten vom Tisch:

„Männer attackieren Frauen, nicht anders herum. Wenn es eine Sperrstunde gibt, dann sollte diese für Männer gelten, nicht für Frauen!“

Dieser Beitrag wurde unter Europa, Feminismus, Nachrichten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.