Kopfschuss: Journalisten töten Anstand

Ein Gastbeitrag von Lisa Piesek.

Vor einigen Tagen ist ein Video aufgetaucht, welches zeigt, wie ein israelischer Soldat einen am Boden liegenden Terroristen mit einem Kopfschuss tötet. Ich schließe mich explizit der Meinung meines Gastgebers an, dass zahlreiche judenfeindliche Arschlöcher dieses Video zur Aufgeilung nutzen. Ich stelle es mir sehr lebhaft vor, wie die „Gerade wir als Deutsche“ Fraktion sich mit Lotion und Taschentüchern eindeckt und sich zusammen mit dem Video auf der Toilette einschließt. Welche Medien haben eigentlich mit der gleichen Ausführlichkeit, wie über den toten Araber, über das letzte israelische Terroropfer berichtet? Kennen Sie seinen Namen?

Den Hintergrund des Kopfschusses sieht man auf dem Video nicht. Die Soldaten wurden vorher von zwei Palästinensern mit Messern angegriffen, ein Soldat wurde verletzt, man sieht im Hintergrund einen Rettungswagen, in dem er vermutlich behandelt wird. Bei vergleichbaren Attentaten wurden in Israel im letzten halben Jahr 34 Menschen getötet und 404 verletzt. In diesem Zeitraum gab es 206 Messerangriffe, 83 Attacken mit Feuerwaffen und 42 mit Fahrzeugen. Eine andere wirksame Strategie, als sich durch Schusswaffengebrauch zu verteidigen, gibt es bis heute nicht. Trotzdem hat bis jetzt mehr als jeder zweite Attentäter überlebt.

Nichtsdestotrotz halte ich persönlich den Kopfschuss für einen Exzess. Der Attentäter lag verletzt auf dem Boden, ohne sich zu regen, erkennbare Gefahr ging von ihm nicht aus. Zwar sagte der Schütze aus, er habe befürchtet, der Angeschossene hätte einen Sprengstoffgürtel aktivieren können, aber die anderen Soldaten scheinen seine Sorge nicht geteilt zu haben: sie sehen entspannt aus, telefonieren mit den Familien, niemand hat den unschädlich gemachten Terroristen im Visier, außerdem kommt der Schütze von Außerhalb in die Szene hinzu. Aber ich habe auch volles Vertrauen in die israelischen Ermittler und bin mir sicher, dass der Soldat im Falle seiner Unschuld freigesprochen wird oder verurteilt, wenn er schuldig ist.

Noch bevor das Video im Internet auftauchte, wurde der Soldat vom Dienst suspendiert und festgenommen, Ermittlungen wurden eingeleitet. Die israelische Öffentlichkeit, bis hin zum Verteidigungsminister Mosche Jalon und Premierminister Benjamin Netanjahu haben den Schuss verurteilt und klargestellt, dass er nicht mit den ethischen Grundsätzen der Armee und des israelischen Staates im Einklang steht. Dass es nicht nur hohle Phrasen sind, beweist die Härte der israelischen Justiz gegenüber jüdischen Terroristen. Zum Beispiel wurden Ascher Weisgan und Jakob Teitel zu lebenslanger Haft verurteilt. Israel ist ein Land mit intakter Rechtsstaatlichkeit und gesunder Zivilgesellschaft, trotz Dauerkrieges. Bei den Palästinensern werden Terroristen dagegen als Nationalhelden gefeiert, deren Angehörige eine großzügige Rente bekommen, nicht selten aus den Mitteln internationaler Hilfsorganisationen finanziert. Palästinensische Eliten weigern sich, die Terrorakte zu verurteilen.

Abgesehen davon, dass die üblichen antiisraelischen und antisemitischen Seiten und Blogs das Video auskosten, fällt wieder einmal ein großer Teil der deutschen Berufspresse durch tendenziöse Berichterstattung auf. Sogar ausführliche und ausgewogene Berichte werden mit stark verdrehten und verfälschenden Schlagzeilen überschrieben. Dabei gibt gerade eine Artikelüberschrift das erste Urteil vor und bleibt sogar oft der einzige Eindruck, den ein Beitrag hinterlässt. Es ist mir natürlich klar, dass die Autoren der Nachrichtentexte die Überschriften häufig nicht selbst formulieren, und dass die Schlagzeilen in Zeiten sinkender Auflagen möglichst reißerisch daherkommen müssen, um im Kampf um die Aufmerksamkeit des Lesers zu bestehen. In Zukunft lesen wir sicher irgendwann:

UNGLAUBLICH was dieser Jude dem verletzten Palästinenser antut! Ab der zweiten Minute musste ich weinen!

Es ist unübersehbar, dass diese verfälschten Schlagzeilen unverhältnismäßig oft zu Lasten von Israel gehen. Ob die Journalisten es tun, weil sie damit im Trend liegen und keinen Widerspruch befürchten müssen, oder weil sie von sich aus gern dem beliebten deutschen Hobby, Juden zu hassen Israel zu kritisieren, nachgehen, sei dahingestellt. Der Fakt an sich lässt sich aber sehr einfach belegen, denn auch in Deutschland werden Messerstecher gar nicht mal so selten von Polizisten erschossen. In diesen Fällen besinnen sich die deutschen Schlagzeilenmacher plötzlich auf das Gebot der journalistischen Neutralität:

Frankfurter Rundschau
Israel
Soldat erschießt verletzten Palästinenser
Deutschland
Nach Messerattacke auf Revier: Polizist erschießt Angreifer
Polizei erschießt Islamisten nach Angriff auf Beamtin
Polizist erschießt Messerstecher in Sachsen-Anhalt

Süddeutsche.de
Israel
Soldat erschießt Verletzten

Deutschland
Polizist erschießt mit Messer bewaffneten Mann
Polizist erschießt Angreifer
Polizist erschießt Messerstecher in Sachsen-Anhalt

Tagesspiegel
Israel
Soldat tötet verletzten Palästinenser mit Kopfschuss
Deutschland
Polizist erschießt Messerstecher in Naumburg
Polizist erschießt bewaffneten Mann in Polizeipräsidium

FOCUS Online
Israel
Als er schon am Boden liegt: Israelischer Soldat tötet verletzten Palästinenser
Deutschland
Polizei erschießt Terroristen aus Islamistenszene
Messerstecher rastet aus und wird erschossen

SPIEGEL ONLINE
Israel
Israelischer Soldat soll verletzten Palästinenser mit Kopfschuss getötet haben
Deutschland
Polizei tötet mutmaßlichen Messerstecher
Polizei erschießt bewaffneten Mann vor seinem Wohnhaus

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