Ein neuer Gedenktag für Deutschland. Schnell!

Die unwürdigen Bilder, die uns am 3. Oktober 2016 zum Tag der Deutschen Einheit aus Dresden erreichten, zeigen uns, dass wir einen neuen Gedenktag in Deutschland brauchen. Dieser Tag hätte schon vor 25 Jahren ein deutschlandweiter Gedenktag werden sollen!

Am 3. Oktober 2016 wurden Menschen auf ihrem Weg zur zentralen Einheitsfeier in Dresdner wüst beschimpft. Auch nach dem ökumenischen Festgottesdienst in der Frauenkirche skandierten mehrere Demonstranten abfällige Parolen wie „Volksverräter“, „Fotze“ und „Arschgeigen“. Die Demonstranten benahmen sich in vollkommener Geschichtsvergessenheit. Daher ist es wichtig, dass es endlich einen Tag gibt, der zeigt, was es bedeutet, Deutscher zu sein!

Kein anderer Tag eignet sich dafür besser als der 9. November! Der 9. November bringt Deutschland nämlich in seiner Zerissenheit auf den Punkt!

Dieser Tag repräsentiert die Sternstunde und den Tiefpunkt deutscher Geschichte. An diesem Tag erstritten sich Deutsche die Freiheit im Jahr 1989, aber an diesem Tag lebten Deutsche auch ihren menschenverachtenden und mörderischen Hass auf Juden im Jahr 1938 aus. An diesem Tag wurde in Deutschland im Jahr 1918 die Republik ausgerufen, sie wurde aber auch im Jahr 1923 von Hitler und seinen Anhängern angegriffen.

Der 9. November eignet sich daher nicht zur bloßen Freude über die Freiheit des Mauerfalls, weil an dem Tag die Progromnacht stattfand. Er eignet sich aber auch nicht nur zur Trauer, da an diesem Tag die Mauer fiel. Genau dieses Gefühl der Zerissenheit ist ein deutsches Gefühl. Hätten die grölenden und geschichtsvergessenen Männer und Frauen dieses Gefühl am 3. Oktober 2016 verspürt, sie hätten sich nicht so daneben benommen.

Hier ein paar Ereignisse, die am 9. November stattfanden:

9. November 1848: Der linksliberale Abgeorndete Robert Blum, linksliberaler Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung, wird nach der Niederschlagung des Oktoberaufstands von Wien im Rahmen der Märzrevolution unter Missachtung seiner Abgeordnetenimmunität von einem Hinrichtungskommando erschossen. Dieses Datum stellt den Anfang vom Ende der Revolution dar.

9. November 1918: Der wenige Wochen zuvor berufene Reichskanzler Max von Baden verkündet angesichts der bevorstehenden Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg eigenmächtig die Abdankung von Kaiser Wilhelm II und betraut Friedrich Ebert mit den Amtsgeschäften. Eberts Parteigenosse Philipp Scheidemann, der ihn im Februar 1919 als Regierungschef ablösen wird, ruft von einem Fenster des Reichstagsgebäudes die „Deutsche Republik“ aus. Es ist auch der letzte Schritt zur Ausrufung des Frauenwahlrechts drei Tage später.

9. November 1923: Mit dem Hitler-Ludendorff-Putsch versuchten Adolf Hitler, Erich Ludendorff und weitere Putschisten in München, die Regierungsmacht an sich zu reißen.

9. November 1938: Im ganzen Gebiet des Deutschen Reiches zerstören die Nationalsozialisten jüdische Geschäfte und Einrichtungen und stecken Synagogen in Brand. Hunderte von Juden werden innerhalb weniger Tage ermordet. Dieses Ereignis markieren den Übergang von der sozialen Ausgrenzung und Diskriminierung zur offenen Verfolgung der Juden, die in dem industriell betriebenen Völkermord an etwa 6 Millionen europäischer Juden endet.

9. November 1967: Bei der feierlichen Amtseinführung des neuen Rektors der Hamburger Universität entfalten protestierende Studentinnen und Studenten der APO ein Transparent mit der Aufschrift „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“. Dieser Slogan wird zu einem symbolträchtigen Motto der sogenannten „68er-Bewegung“.

9. November 1974: Der Terrorist Holger Klaus Meins, Mitglied der ersten Generation der Rote Armee Fraktion (RAF) stirbt an den Folgen eines wochenlangen Hungerstreiks in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz.

9. November 1989: Günter Schabowski spricht die legendären Worte: „Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich.“ Die Berliner Mauern fällt.

Last but not least: Am 9. November 1843 reiste Heinrich Heine nach 13-jährigem freiwilligen Exil in Frankreich kehrt ein letztes Mal nach Deutschland.

Dieser 9. November sollte als Tag der deutschen Geschichte ein bundesweiter Gedenktag werden und zwar schnell. Zur Tradition könnte es werden, diese Zeilen von Heinrich Heine zu zitieren:

Im traurigen Monat November wars,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zu Mute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich Euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir Euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit Euch
Die seligsten Torten und Kuchen.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.

Die Jungfer Europa ist verlobt
Mit dem schönen Genusse
Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
Und schwelgen im ersten Kusse.

Und fehlt der Pfaffensegen dabei,
Die Ehe wird gültig nicht minder ­
Es lebe Bräutigam und Braut,
Und ihre zukünftigen Kinder!

Ein Hochzeitskarren ist mein Lied,
Das bessere, das neue!
In meiner Seele gehen auf
Die Sterne der höchsten Weihe.
­

Begeisterte Sterne, sie lodern wild,
Zerfließen in Flammenbächen ­
Ich fühle mich wunderbar erstarkt,
Ich könnte Eichen zerbrechen!

Seit ich auf deutsche Erde trat,
Durchströmen mich Zaubersäfte ­
Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
Und es wuchsen im neu die Kräfte.

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