Nun sag, wie hast Du’s mit dem Kopftuch?

Wenn westliche Frauen in die islamische Welt reisen, stellt sich die Zulaikafrage: „Nun sag, wie hast Du’s mit dem Kopftuch?“

Am 4. Februar 2007 trug Angela Merkel kein Kopftuch in Riad.

Zwei Jahre vorher trug Condoleezza Rice kein Kopftuch in Jeddah.

Am 15. Februar 2010 trug Hillary Clinton kein Kopftuch in Riad.

Am 23. Oktober 2007 trug Laura Bush kein Kopftuch bei König Abdullah.

Und am 27. Januar 2015 trug Michelle Obama kein Kopftuch in Saudi-Arabien.

Es gibt aber auch Frauen, die sich anders entscheiden:

Am 20. und 21. Januar 2015 trug Claudia Roth im Iran Kopftuch.

Schweiz‘ Außenministerin Micheline Calmy-Rey trug im März 2008 Kopftuch im Iran.

Im April 2016 trug die EU-Außenbeauftragte Frederica Mogherini Kopftuch im Iran.

Diese Unterwerfung vor der Geschlechterapartheid im Iran machen jedoch nicht alle Frauen mit!

Die nächste Schachweltmeisterschaft der Frauen wird im Februar 2017 im Iran stattfinden. Einige der besten Schachspielerinnen der Welt wollen das Turnier jedoch boykottieren, da ihnen mitgeteilt wurde, dass sie während des Turniers einen Schleier tragen müssen. Das Tragen eines Kopftuchs in der Öffentlichkeit ist nämlich für alle Frauen im Iran gesetzlich vorgeschrieben. Verstöße werden mit Geld- oder Haftstrafen geahndet. Die 22-jährige US-Schachmeisterin Nazi Paikidze sagt daraufhin, sie werde ganz gewiss nicht an dieser Weltmeisterschaft teilnehmen und erklärt dazu:

„Es ist völlig inakzeptabel, eines der wichtigsten Frauenturniere an einem Ort abzuhalten, an dem sich Frauen bis heute mit einem Hidschab verhüllen müssen.

Die ecuadorianische Schachmeisterin Carla Heredia sagt:

„Der Kopftuchzwang verletzet alles, wofür Sport steht. Sport sollte frei von jeder sexuellen oder religiösen Diskrimination sein.“

Das sind klare Ansagen!

Der Schleier ist eine Mauer aus Stoff, um Frauen auszugrenzen. Sie sind wie die Mauern der iranischen Gefängnisse, in denen Homosexuelle auf ihre Hinrichtung warten, Regimekritiker gefoltert und Andersgläubige misshandelt werden.

Im Oktober 2016 traf Bundesumweltministerin Barbara Hendricks die iranische Politikerin Massumeh Ebtekar in Berlin. Massumeh Ebtekar ist eine ehemalige Terroristin, die zusammen mit einer Gruppe iranischer Studentinnen und Studenten die US-amerikanische Botschaft in Teheran stürmte und dort vom 4. November 1979 bis zum 20. Januar 1981 52 US-Diplomaten 444 Tage lang als Geiseln hielt. Jetzt ist sie Vizepräsidentin des Irans und Leiterin der Umweltbehörde ihres Landes ist.

Barbara Hendricks begrüßte Massumeh Ebtekar mit einem Handschlag und trug dabei kein Kopftuch. Dies löste im Iran einen Skandal aus! Der staatliche iranische Fernsehsender IRIB zeigte die Bilder des Treffens und weil Barbara Hendricks kein Kopftuch trug, hielten viele iranische Medien sie für einen Mann und berichteten, Ebtekar habe in Deutschland einem Mann die Hand geschüttelt. Mit Kopftuch wäre das nicht passiert.

Einem fremden Mann die Hand zu geben, gilt für strenggläubige muslimische Frauen als Tabu und ich bin ein großer Freund dieses Tabus. Einem Menschen aufgrund des Geschlechts nicht die Hand zu geben, ist schließlich Sexismus und ich möchte niemals in die Verlegenheit geraten, einer Sexistin die Hand geben zu müssen. Daher bin ich sehr dankbar dafür, dass strenggläubige Muslime dafür sorgen, dass ich nicht die Hand einer Sexistin schütteln muss.

In diesem Zusammenhang ist es nicht ganz unwichtig zu erwähnen, dass Barbara Hendricks eine offen lesbisch lebende Frau ist. Für sie stellte es dennoch kein Problem dar, der Vizepräsidentin eben jenes Landes die Hand zu geben, in dem homosexuelle Menschen verfolgt und hingerichtet werden. Die Diplpmatie macht vieles möglich.

Wie wäre es, wenn in Zukunft Bill Clinton und Joachim Sauer Kopftuch tragen, wenn sie als First Ladies an der Seite ihrer mächtigen Frauen in die islamische Welt reisen oder werden sie dann als Transvestiten verhaftet?

Ach, was rede ich. Männer werden nie Kopftuch oder Schleier tragen. Warum? Aus dem gleichen Grund, aus dem sie keine unbequemen Schuhe tragen: Weil sie nicht bescheuert sind!

Es ist nicht wichtig, was auf dem Kopf ist, sondern was in dem Kopf ist. Es gibt verschiedene Gründe, eine Kopfbedeckung anzuziehen. Wer die Mode jedoch mit einem unsichtbaren Freund begründet, der einem Feldherrn vor eineinhalb Jahrtausenden gesagt haben soll, wie sich Frauen von heute anziehen sollen, hat meiner bescheidenen Meinung nach noch etwas Platz im Kopf.

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22 Antworten zu Nun sag, wie hast Du’s mit dem Kopftuch?

  1. Agnesa schreibt:

    Wer gegen Kopftücher ist, dürfte nie nach Israel reisen. Dort sieht man extrem viele orthodoxe jüdische Frauen, die Kopftuch tragen – v. a. in Jerusalem und in den jüdischen Siedlungen in der Westbank.

  2. huhuguck schreibt:

    „Wer sich mit Hunden niederlegt, steht mit Flöhen auf.“ vllt unterhalten wir uns in 1..2..jahren wieder & dann ueber deutsche bzw europaeische floehe

    • ZetaOri schreibt:

      @huhuguck Oktober 10, 2016 um 7:49 pm

      “ vllt unterhalten wir uns in 1..2..jahren wieder & dann ueber deutsche bzw europaeische floehe“

      Wäre es sehr anmaßend von mir, wenn ich sie bitten würde, und die Bedeutung dieser kryptischen Mitteilung zu erläutern?

  3. Phosphoenolpyruvat schreibt:

    „nun sag, wie hältst du es mit dem kopftuch?“
    klares statement, bin ganz seiner meinung!
    http://derstandard.at/2000045516816/Ahmad-Mansour-Ein-Kind-mit-Kopftuch-ist-Missbrauch

  4. bm98600 schreibt:

    Also diese roten High Heels sind sowas von sexy!

  5. ZetaOri schreibt:

    „Aus dem gleichen Grund, aus dem sie keine unbequemen Schuhe tragen: Weil sie nicht bescheuert sind!“

    btw.: Auf welcher Werft werden eigentlich Pumps in DER Größe hergestellt?

    • Heimchen am Herd schreibt:

      „btw.: Auf welcher Werft werden eigentlich Pumps in DER Größe hergestellt?“

      Hahahahaha…ich kann nicht mehr! 🙂

    • Gutartiges Geschwulst schreibt:

      @ZetaOri

      Das war stark! Alles, was recht ist.

    • ZetaOri schreibt:

      @Heimchen, Gutartiges ..

      Was glaubt Ihr, warum Schuhe ab Größe Kindersarg unter „Elbkähne“ laufen?
      Mir war nur nicht bekannt, dass es die auch mit sooo einem langen Kiel gibt.
      ;o)

      • Heimchen am Herd schreibt:

        Kommst Du zufällig auch aus Hamburg, so wie ich?
        Du hast einen herrlichen Humor! 🙂

        • ZetaOri schreibt:

          @Heimchen am Herd Oktober 9, 2016 um 9:39 pm

          „Kommst Du zufällig auch aus Hamburg, so wie ich?“

          Nee, die Wurzeln liegen im schwärzesten Kohlenpott, hat sicher auch auf meinen Humor etwas abgefärbt.
          War aber schon seit Jahren nicht mehr da, und mein letzter Besuch dort hat mich zur Überzeugung gebracht, dass ich da auch nicht mehr hin und dort auch begraben werden will. ;o)
          Die derzeitige niedersächsische Provinz wird aber wohl auch nicht die Endstation.

          • Heimchen am Herd schreibt:

            „Nee, die Wurzeln liegen im schwärzesten Kohlenpott, hat sicher auch auf meinen Humor etwas abgefärbt.“

            Schön, Du bist also ein Kind aus dem Pott.

            „War aber schon seit Jahren nicht mehr da, und mein letzter Besuch dort hat mich zur Überzeugung gebracht, dass ich da auch nicht mehr hin und dort auch begraben werden will. ;o) “

            Tja und ich bin von Hamburg an den Niederrhein gezogen, ist aber schon eine
            Ewigkeit her. Da war NRW noch kein Kalifat. Der Niederrhein hat landschaftlich
            große Ähnlichkeit mit der Norddeutschen Tiefebene.

            Hanns Dieter Hüsch – der Niederrheiner

            Herrlich…

  6. Anonymous schreibt:

    Laut einem Benutzerkommentar von Chessbase.com wird der Vorname von Miss Paikidze (die georgischer Abstammung ist) Nah-SIE ausgesprochen und bedeutet soviel wie „zart“.

  7. Alreech schreibt:

    Eine andere Alternative wäre es beim Turnier eine vollverspiegelte Maske zu tragen – die Iritation bei der Gegenspielerin und Schiedsrichterinnen dürfte unbeschreiblich sein.

  8. ZetaOri schreibt:

    „Die 22-jährige US-Schachmeisterin Nazi Paikidze sagt daraufhin, sie werde ganz gewiss nicht an dieser Weltmeisterschaft teilnehmen…“

    Na ja, wie diiiie auch schon heißt!!!11elf

  9. huhuguck schreibt:

    zunaechst einmal, in israel werden alle anerkannt, aber es gibt GSD keine „ganzverschleierungen“ mit diesem stoffgitter, das verurteile ich ohne jeglichen promiss.
    im post werden beispiele von politikerinnen gebracht, das ist ein statement & nicht wenn frau sich unter’s volk mischt;
    aus eigener erfahrung: ein leichtes seidenkopftuch elegant geschlungen, finde ich als anpassend z.b. in nordafrikanischen laendern – frau wird mit einem laecheln begruesst = warum nicht?!
    und ich bin bestimmt nicht damit aufgewachsen, aber bei uns hiess es immer: ueberall wo das woertchen zu vorsteht…………..

    • Kwezi schreibt:

      Und was trägst Du in Swaziland?

    • ZetaOri schreibt:

      @huhuguck Oktober 9, 2016 um 4:01 pm

      „… bei uns hiess es immer: ueberall wo das woertchen zu vorsteht …“

      Jo, und bei uns hieß es immer:
      „Wer sich mit Hunden niederlegt, steht mit Flöhen auf.“
      Oder auch:
      „Ein Appeaser ist einer, der ein Krokodil füttert. In der Hoffnung, es fräße ihn dann als Letzten.“

  10. Heimchen am Herd schreibt:

    „Wie wäre es, wenn in Zukunft Bill Clinton und Joachim Sauer Kopftuch tragen, wenn sie als First Ladies an der Seite ihrer mächtigen Frauen in die islamische Welt reisen oder werden sie dann als Transvestiten verhaftet?“

    Gott sei Dank wird es nicht dazu kommen, weil die eine Frau nicht gewählt wird und die
    andere Frau abgewählt wird!

  11. Heimchen am Herd schreibt:

    „Einige der besten Schachspielerinnen der Welt wollen das Turnier jedoch boykottieren, da ihnen mitgeteilt wurde, dass sie während des Turniers einen Schleier tragen müssen.“

    Alles andere hätte mich auch gewundert, zählen Schachspielerinnen doch zu den
    intelligentesten Frauen überhaupt!

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