Sexismus und Antisemitismus

Ich kann nicht erklären warum es so ist, aber die Gemeinsamkeiten zwischen Sexismus und Antisemitismus sind unübersehbar.

Besonders auffällig wird diese Gemeinsamkeit, wenn sich der frauenfeindliche und der judenfeindliche Hass auf eine konkrete Sache fokussieren kann. Im Falle des Antisemitismus‘ ist Israel das Objekt des Hasses, der Staat, der es möglich macht, dass ein Jude, wie zum Beispiel Benjamin Netanjahu, sagen kann, ich bin nicht abhängig von der Gunst der Nicht-Juden dieser Welt. Juden verteidigen sich jetzt selbst! Im Falle des Sexismus‘ sind die Objekte des Hasses all die Frauen, die sagen, wir sind nicht mehr abhängig vom Wohlwollen der Männer. Frauen verteidigen sich jetzt selbst! Kaum eine Frau verkörpert diese Haltung zur Zeit mehr als Hillary Clinton.

Donald Trump behauptet zwar ab und zu mal, er stünde für Israel, aber Hillary Clinton wird seit Beginn ihrer Karriere von den Menschen, die sie hasssn, so behandelt, wie Israel von notorischen Kritikern des jüdischen Staates und Israelhassern behandelt wird. Hillary Clinton wird dämonisiert, delegitimiert und mit doppelten Standards behandelt. Was ihr als Frau vorgeworfen wird, geht bei Männern problemlos durch. Henryk M. Broder definiert Judenhass so:

„Ein Judenhasser ist jemand, der bei Juden kritisiert, was er bei allen anderen durchgehen lässt.“

Für Sexismus gilt die selbe Formel:

„Ein Frauenhasser ist jemand, der bei Frauen kritisiert, was er bei Männern durchgehen lässt.“

In den letzten Jahrzehnten wurde so viel Dreck auf Hillary Clinton geworfen, dass sie durch stundenlange Anhörungen, diverse Gerichtsverhandlungen und jahrelanger brutaler medialer Schelte gehen musste. Aus jeder Sache kam sie gestärkt hervor und am Ende konnte ihr nichts vorgeworfen werden, was schlimmer war, als alles andere, was Männer in vergleichbarer Machtposition nicht auch gemacht haben, ohne dass es sie zu Fall brachte. Hillary Clinton ist eine Frau, die Spaß an Politik und Macht hat und genau das gefällt vielen Menschen nicht.

Viele vermeintliche Freunde der Juden, mögen Juden nur so lange, wie sie Opfer sind. Ihnen gedenken sie gerne, flechten Kränze und vergießen Tränen. Aber wehe, wenn Juden sich bewaffnen, um die See der judenfeindlichen Plagen selbst durch Widerstand zu enden, dann werden die Freunde zu erbarmungslosen Israelkritikern, die sagen, dass man sich unter Freunden auch die Wahrheit sagen können müsse. Bei Frauen ist es nicht anders. So lange Frauen Opfer sind, denen man Kränze an Muttertag bindet und die Tür zu Frauenhäusern aufhält, sind sie beliebt. Aber wehe, sie nehmen das Zepter in die eigenen Hände und haben auch noch Spaß daran, dann sind es Emanzen, denen gesagt wird, man habe ja nichts gegen Frauenrechte, aber man könne auch übertreiben. Übertreiben mit Menschenrechten! Das kann man nur zu Juden und Frauen sagen. Es gibt viele widerliche „Goldstone-Reporte“ gegen Hillary Clinton und wenn es um Kritik geht, scheinen die Nationen so vereint gegen Hillary Clinton wie gegen Israel.

Allein der Satz, man habe bei Donald Trump und Hillary Clinton die Wahl zwischen Pest und Cholera, zeigt, wie sehr die ganze Situation dem Nahostkonflikt ähnelt. Wie oft höre ich, im Nahostkonflikt täten sich beide Seiten nicht viel und im Grunde seien beide Seite gleich schlimm. Mit Fakten kommt man gegen solche Menschen nicht an. Man kann tausend Mal sagen, dass auf der arabischen Seite Homosexuelle verfolgt und hingerichtet werden, Menschen mit anderen religiösen Auffassung wie dem Islam verfolgt, Regierungskritiker eingekerkert und misshandelt werden, Frauen und Männer nicht gleichbehandelt sind und alles einem religiösen Wahn unterliegt, während die israelische Seite eine florierende Demokratie ist, mit gleichen Rechten für alle Menschen und einer Freiheit, wie sie im Nahen Osten einzigartig ist, besonders für die 20% (!) Israelis mit muslimischen Glauben. Die gefühlte Realität schlägt bei diesen Menschen die Fakten. Sie holen dann geifernd eine Kiste israelischer Verfehlungen heraus, die sie fein säuberlich gesammelt haben, um zu zeigen, was sie immer schon wussten, nämlich dass Israel eine Bitch ist!

Donald Trump leistet sich seit Jahren ein Vergehen nach dem anderen, aber er wird behandelt wie ein kleines Kind, dem alles nachgesehen wird. Kaum bekommt Trump auch nur ein Fünkchen von der Kritik zu spüren, gegen die sich Hillary Clinton seit Jahrzehnten verteidigen muss, schon jammert er herum, die ganze Welt sei gegen ihn, habe sich verschworen und die Medien seien einseitig. Am kuriosesten wird es, wenn Donald Trump sagt, man könne Hillary Clinton nicht so heftig kritisieren, weil sie eine Frau ist. Das ist exakt die Rhetorik jener, die behaupten, man könne Israel nicht kritisieren, ohne gleich in Schwierigkeiten zu kommen, die Tatsache ignorierend, dass Israel das am meisten kritisierte Land der Welt ist.

Donald Trump und seine Anhänger erinnern mich ganz massiv an eben jene jammernden Israelkritiker, die Israel brutal verurteilen, aber bei den Gegnern Israels den mildesten Blick anlegen. Eine typische Floskel dieser Menschen ist es: „Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen.“

Donald Trump jammert: Alle sind gegen mich, die Medien, Wall Street und die Politiker auch. Alle beleidigen mich. Ich bin das Opfer. Sie rütteln an meiner Ehre. Ich bin hier der Ehrenmann. Ich verehre Frauen, aber sie müssen ihren Platz kennen. Merken die Anhänger Trumps eigentlich nicht, dass ihr Kandidat genauso klingt, wie jene Islamisten, die er vorgibt zu bekämpfen?

Wer diesem durch und durch gestörten Mann wirklich abkauft, dass er für Israel ist, der vertraut auch einem Mann, dessen Frau gerade in ein Frauenhaus geflüchtet ist und der jetzt brüllend vor dem Frauenhaus steht und schreit: Ich liebe Frauen!

Hillary Clinton kennt diesen Hass. Sie weiß, was Mobbing bedeutet und es gibt zwei Arten für eine Frau, mit dieser Art des Mobbings umzugehen. Sie sucht sich entweder einen starken Mann oder sie wird selber stark. Die erste Möglichkeit endet gerne mal mit einem blauen Auge im Frauenhaus. Die zweite Möglichkeit aber kann selbstbestimmt jenseits der gläsernen Decke enden. Hillary Clinton hat sich für den zweiten Weg entschieden und sie ist kurz davor, die mächtigste Frau der Welt zu werden. Das bietet genug Projektionsfläche für Sexisten, so wie Israel die Fläche des Hasses für Judenhasser ist.

Das heißt nicht, dass Hillary Clinton nicht kritisiert werden darf, im Gegenteil: Ihre Israelpolitik ist teilweise hoch problematisch und der Iran-Deal zweifelhaft. Ich selber habe Hillary Clinton und die Obama-Administration, für die sie arbeitet, heftig kritisiert. Hier ein paar Beispiele:

„A quick question for Hillary Clinton“

„Der Iran und die Bombe“

„Religionen in der Pisse“

„Obama und der radikale Islam“

Hillary Clinton ist nicht perfekt. Niemand ist jedoch perfekt und Hillary Clinton muss so wenig perfekt sein wie Israel. Wer Donald Trump nur einmal mit eben jenen kritischen Augen betrachtet, mit denen seit Jahrzehnten Hillary Clinton bewertet wird, wird sehen, um was für einen unsäglichen Mann es sich handelt. Wer danach noch sagt, Hillary Clinton und Donald Trump seien wie Pest und Cholera, der hat sich durch seinen Hass ins Postfaktische verabschiedet. Hillary Clinton ist eine Kandidatin, wie alle Männer vor ihr, die sich auf das Amt der Präsidentschaft beworben haben. Und sie ist eine Politikerin mit Lust an der Macht, wie alle Männer vor ihr.

Die Ähnlichkeiten zwischen Sexismus und Antisemitismus sind wirklich extrem.

1. Die schärfsten Kritiker von Israel sind Israelis. Die schärfsten Kritiker des Feminismus‘ sind Frauen.

2. Viele Juden sagen, ich bin Jude, aber ich habe nichts mit Israel zu tun. Viele Frauen sagen, ich bin eine Frau, aber ich habe nichts mit dem Feminismus zu tun.

3. Oft wird behauptet, das Land Israel sei nicht besser als seine judenfeindlichen Nachbarn, ebenso oft wird behauptet, der Feminismus sei nicht besser als die aller Orten herrschende Herrenrechtlerei.

4. Juden werden von Judenhassern zwar als „mindere Rasse“ angesehen, aber ihnen wird doch unterstellt, im Hintergrund die Fäden der Macht zu ziehen. Frauen werden von Sexisten ebenfalls als minderwertig angesehen, aber dennoch wird ihnen unterstellt, im Hintergrund die Männer zu ihren Gunsten zu lenken.

5. Als Opfer sind Frauen und Juden beliebt, als handelnde Menschen mit Macht nicht!

Dämonisieren, Delegitimieren und dopplete Standards anlegen, dass sind die drei Ds, die Seximus und Antisemitismus vereinen. Der israelische Teufel und die feministische Hexe sind die Wahnvorstellungen der ähnlich Bekloppten!

***

Nachtrag:

Die größte Geneinsamkeit aber ist dies, und es zeigte sich erst nach dem Veröffentlichen des Artikels:

Anstatt die Argumente ruhig zu reflektieren und gelassen zu kritisieren, peitschten mir die selbsternannten Feminismuskritiker wie Israelkritiker massenhaft Artikel und Berichte entgegen, die natürlich alle bewiesen, was sie schon längst wussten, nämlich wo der Teufel und die Hexe sich vereinen.

Dabei ist klar, wir erleben es gerade, Trump würde keine dreißig Jahre Frontalkritik überleben wie Clinton. Er stolpert bereits im Wahlkampf. Wie Abbas, wenn er einmal so behandelt wird wie Netanjahu. Trump bekommt Aufmerksamkeit, weil er jammert. Clinton aber bekommt Aufmerksamkeit, weil sie kämpft, kämpfen muss. Natürlich macht sie sich dabei schmutzig, wie alle, die kämpfen, wie Israel. Aber das geht in Ordnung, denn jammern und dabei nur auf andere zeigen, ist keine Alternative, nicht für Clinton, nicht für Bibi, nicht für Israel und nicht für die USA!

Dieser Beitrag wurde unter Feminismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.