Heribert Prantls Terror

Boah, Heribert Prantl, wegen Menschen wie Ihnen wird es in Deutschland nie Serien wie „24“, „Boston Legal“, „Dexter“ oder „House of Cards“ geben. Deutsche wie Sie tragen Schuld am dem grottenschlechten deutschen Fernsehen.

Alle oben genannten Serien beschäftigen sich radikal, manchmal sogar humorvoll mit den extremsten ethischen Dilemmas, von Folter bis zu dem Thema, das auch in Ferdinand von Schirachs Stück „Terror“ verhandelt wird. In keiner der oben genannten Serien kommt der Zuschauer mit einer einfachen, staatstragenden, dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika genügenden Antwort davon.

All diese Serien sind hervorragend geschrieben, gespielt und produziert. Sie sind hoch unterhaltsam und verleiten uns dennoch dazu, nachzudenken. Wissen Sie warum das amerikanische Fernsehen so gut ist? Weil die Menschen in den USA mehrheitlich an Kunstfreiheit glauben. In den USA hat zudem jeder das Recht, selbst den größten Quatsch zu behaupten, wie zum Beispiel, dass ein Fernsehfilm mündige Bürger dazu verleiten könne, wichtige Rechtsprinzipien zu verraten. So ein Mann veröffentlicht dort jedoch nicht als Rechtsexperte in großen Zeitungen, sondern er verdingt sein Unterhalt als clownesker Expertendarsteller in antidemokratischen Spartenkanälen.

In dem Film „Terror“ wurde das Publikum zu eine Art Geschworenenjury gemacht. Das ist erst mal nichts weiter als eine künstlerische Entscheidung. RTL lässt im Dschungelcamp darüber abstimmen, aus welchem Arschloch Désirée Nick die nächste Kakerlake lutschen soll und die ARD stimmt in einem Film darüber ab, ob man 70.000 fiktive Menschen dem sicheren Tod hätte ausliefern sollen. Das eine ist für die wahre Welt so bedeutsam wie das andere und beide Formate riechen gleich nach Grimmepreis!

RTL ist sogar ein wenig einflussreicher auf die Welt, denn die Nick wird die Kakerlake wirklich fressen, während die ARD nur Fiktion ist. CNN lässt derweil über den nächsten Präsidenten abstimmen. Verleitet CNN auch zum Verrat?

Wirklich schuldig hat sich bei dem Film „Terror“ niemand gemacht, außer vielleicht die Expertendarsteller, die jetzt ernsthaft darüber diskutieren, ob ein Fernsehfilm das überhaupt darf. Darf Kunst das? Ist das nicht Aufstachelung und Verleitung des Mobs?

Was für ein obrigkeitshöriges Untertanengewäsch! „Terror“ ist nur ein interaktiver Film. Es ist Kunst, Theater, das, was im antiken Griechenland unbedingt zur Demokratie dazu gehörte und wo von Kindsmord („Medea“) bis Terrorismus („Antigone“) alles verhandelt wurde. Zu diesen Theaterstücken hätte Heribertles bestimmt geschrieben:

„Das ist nicht Rechtserziehung, das ist Erziehung zum Rechtsmissbrauch. Das ist Anleitung zu einem Denken, wonach man das Recht gegen den Terror nur mit Unrecht bekämpfen könne.“

Zu der Serie „24“ würde Mr Prantl gewiss schreiben:

„Mit der Methode Surnow & Cochran kann man auch Waterboarding zu einer notwendigen, schuld- und straflosen Terrorbekämpfungs-Handlung machen. Mit der Methodekann man am nächsten Themenabend auch einen Folterer als schuldlos freisprechen. Das ist Populisten-Porno.“

Heribert, es ist nur Theater! Es ist nur Fernsehen! Komm mal darauf klar!

Und überhaupt, die entscheidende Frage ist, um welches Stadion es sich handelt. Wenn ich darüber entscheiden soll, ob ein Flugzeug mit 164 Leuten in ein vollbesetztes Stadion fliegen soll, muss ich schon wissen, zu welcher Fußballmannschaft das Stadion gehört, denn es gibt einige Vereine, da würde ich das Flugzeug ohne Probleme rein fliegen lassen.

Was, wenn der Mann das Flugzeug nicht abgeschossen hätte mit der Begründung, er mochte die Leute nicht, die im Stadion sitzen? Was, wenn im Flugzeug ein Mensch sitzt, den Sie mögen? Was, wenn im Stadion Menschen sitzen, die Sie hassen? Wie würden Sie entscheiden?

Wer weiß, säße Heribert Prantl im Stadion und wäre ich der Soldat, ich wäre vermutlich auf der Seite des Grundgesetzes.

Dieser Beitrag wurde unter Kunst, Theater veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.