Bethlehem im 21. Jahrhundert

Am 16. Dezember 2016 stellte ich eine Frage zu einer Reise, die von Lidl-Reisen und Tour Direkt angeboten wird:

„In der Beschreibung der Israel-Reise TLVA09B steht, dass der Reiseleiter nicht bei den Fahrten in Bethlehem dabei sein wird. Gerade in der Vorweihnachtszeit hätte ich aber gerade in Jesus Geburtsstadt den für die Reise zugewiesenen Reiseleiter. Warum kommt der Reiseleiter nicht mit?“

Ein paar Stunden später kam die erste Antwort:

„Besten Dank für Ihre E-Mail. Gern lassen wir Ihr Anliegen prüfen. Wir wünschen Ihnen eine schöne Adventszeit.“

Ich wartete. Am 17. Dezember 2016 erhielt ich diese Antwort:

„Zu Ihrer Anfrage haben wir nun eine Rückmeldung des Reiseveranstalters Tour Direkt erhalten. Bei den Ausflügen steht Ihnen selbstverständlich eine Reiseleitung zur Verfügung. Nur die Fahrt nach Bethlehem findet ohne Reiseleitung statt.“

Ich erwiderte:

„Das ist keine Antwort, sondern nur die Wiederholung meiner Frage. Ich weiß, dass bei den Ausflügen eine Reiseleitung zur Verfügung steht und dass nur die Fahrt nach Bethlehem ohne Reiseleitung stattfindet. Ich frage, warum darf der Reiseleiter, der sonst dabei ist, nicht mit nach Bethlehem oder möchte er nicht mit?“

Am 19. Dezember 2016 erhielt ich diese Antwort:

„Bezüglich Ihrer Anfrage erhielten wir gerade die Information vom Reiseveranstalter, dass es in Bethlehem einen neuen Reiseleiter gibt.“

Ich erwiderte:

„Die Frage bleibt bestehen. Warum? Bitte beantworten Sie die Frage!“

Am 23. Dezember 2016 kam dann endlich die Antwort:

„Sehr geehrter Herr Buurmann,

vielen Dank für Ihre Rückfrage zu oben genannten Vorgang. Soeben erhielten wir folgende Rückmeldung, welche wir Ihnen gern zukommen lassen.

Die israelischen Reiseleiter dürfen die Reisegäste nicht nach Bethlehem begleiten, da Bethlehem im Palästinensischen Autonomiegebiet liegt.

Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie frohe Feiertage und für das Jahr 2017 viel Erfolg, Glück und vor allem Gesundheit.“

Es ist doch erstaunlich, wie intensiv ich nachbohren musste, bis Lidl und Tour Direkt endlich den wahren Grund zugaben. Ich schrieb daher zurück:

„Da Weihnachten vor der Tür steht, glauben Sie nicht, Lidl und Tour Direkt sollten es deutlich machen, dass Maria und Josef im 21. Jahrhundert nicht nach Bethlehem können, weil sie als Israelis und Juden dort nicht sicher sind. Die Stadt, wo Jesus geboren und durch die Beschneidung in den jüdischen Bund Abrahams aufgenommen wurde, können Juden rein! Sollten nicht gerade bei einem deutschen Unternehmen bei so einer Politik alle Alarmglocken läuten? Warum unterstützen Lidl und Tour Direkt diese Politik der Diskriminierung? Warum verschleiern Sie diese Diskrimierung?“

Die Antwort kam prompt:

„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass jeder Staat eigene Einreisebestimmungen hat und wir auf diese keinen Einfluss nehmen können. Der Veranstalter Tour Direkt ist seiner Mitteilungspflicht bezüglich der Einreisebedingungen für Deutsche Staatsbürger ausreichend nachgekommen. Reisende anderer Staatsangehörigkeiten sind dazu angehalten, sich bezüglich der Einreise selbsttätig beim zuständigen Konsulat bzw. der zuständigen Botschaft zu erkundigen. Es besteht von Veranstalterseite indes keine Pflicht, auch auf die zu beachtenden Reisebedingungen des jeweiligen Reiseleiters hinzuweisen.“

Ich erwiderte:

„Nein, eine Pflicht besteht natürlich nicht, aber es gibt Menschen, die von sich aus, ganz ohne Befehl, Bauchschmerzen bekommen, wenn in einer Stadt gewisse Menschen einfach nicht rein können, da sie dort ihres Lebens nicht sicher sind. Was machen Sie eigentlich, wenn Menschen mit israelischem Pass die Reise buchen oder gar Juden?

Frohe Weihnachten,
Gerd Buurmann“

Dieser Beitrag wurde unter Israel, Nachrichten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.