Wird Georgien wieder disqualifiziert?

Beim 54. Eurovision Song Contest im Jahr 2009 in Moskau wurde das Lied „We Don’t Wanna Put In“ von Stephane & 3G, das für Georgien antrat, disqualifiziert. Georgien und Russland befanden sich damals in einem militärischen Konflikt und der Titel des Lieds war zweifach zu verstehen, nämlich „Wir geben nicht auf“ (We don’t wanna put in), aber auch „Wir wollen Putin nicht“ (We don’t wanna Putin). Zudem machten die Sängerinnen und Sänger mit der Hand die Bewegung eines Kopfschusses und sangen dabei: „Er tötet den Groove. Wir wollen ihn erschießen!“

Mitglied von Stephane & 3G war Tako Gachechiladze. Im Mai 2017 wird sie beim 62. Eurovision Song Contest in Kiew als Solokünstlerin für Georgien antreten und zwar mit dem Lied „Keep the Faith“.

Und wieder kann es passieren, dass sie disqualifiziert wird, denn in ihrem Bühnenprogramm zu dem Lied bei der nationalen Vorentscheidung war neben Bildern von Flüchtlingen, Terroristen, Frauen in Vollverschleierung und Panzern auch die Schlagzeile „Russia invades Georgia“ zu sehen.

Im Regelwerk des Eurovision Song Contest von der European Broadcasting Union heißt es jedoch im Abschnitt 1.2.2.h:

„Die Texte und Aufführung der Lieder dürfen weder den Eurovision Song Contest als solchen noch die European Broadcasting Union in Misskredit bringen. Keine Texte, Reden, Gesten politischer oder ähnlicher Art sind während des Eurovision Song Contest zulässig. Fluchen oder in anderer Form nicht akzeptabel Sprache in den Texten oder in den Aufführungen der Lieder sind nicht erlaubt. Keine Botschaften einer Organisation, Institution, politischer Angelegenheit oder von Unternehmen, Marken, Produkten oder Dienstleistungen dürfen gefördert werden, weder in den Shows selbst, noch innerhalb des offiziellen ESC Geländes, (das heißt an der Abendkasse, im Eurovision Dorf oder im Presse-Center, usw). Ein Verstoß gegen diese Regel kann zur Disqualifikation führen.“

Beim 52. Eurovision Song Contest in Finnland im Jahr 2007 schaffte es ein Lied aus der Ukraine auf Platz 2, was damals ebenfalls in Russland für Verstimmung sorgte. Das Lied hieß „Dancing Lasha Tumbai“. „Lasha Tumbai“ bedeutet Schlagsahne auf Mongolisch. Es war das erste Mal in der Geschichte des Eurovision Song Contest, dass Mongolisch gesungen wurde. Die Sängerin des Liedes, Verka Seduchka, sang bei der Aufführung des Lieds die Worte „Lasha tumbai“ jedoch so, dass sie sich anhörten wie „Russia goodbye“ (Russland Leb Wohl). Dazu machte sie eine Handbewegung des Winkens.

In Russland sah man darin eine Anspielung auf die sogenannte Orangene Revolution in Ukraine aus den Jahren 2004/05, in der von dem Revoltierenden eine stärkere Distanzierung von Russland gefordert wurde. Es bleibt abzuwarten, wie das Lied „Keep the Faith“ dieses Jahr von russischer Seite aufgenommen wird, vor allem, weil die Show dieses Jahr in Kiew stattfindet und die Ukraine kennt sich mit russischen Invasionen aus.

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