Brutale Schwulenverfolgung in Tschetschenien

Stell Dir vor, Du hast Lust auf Deinen Freund, rufst ihn an, weil Du ihn küssen, spüren, lieben möchtest, doch mit genau diesem Anruf hast Du Dein Todesurteil gefällt. Genau das passiert gerade in Tschetschenien und die Welt schaut zu. Es sind ja nur Schwule, die verfolgt werden und die Peiniger sind zudem keine Russen, jedenfalls nicht im eigentlichen und gern kritisierten Sinne. Sie sind Mitglieder der „Religion des Friedens“, die im autonomen Tschetschenien herrscht.

Laut der russische Zeitung Nowaja Gaseta sollen in Tschetschenien mehrere schwule Männer teilweise für mehrere Monate in einem Geheimgefängnis in der Stadt Argun eingekerkert, misshandelt und gefoltert worden sein. Ziel der Folterungen soll es gewesen sein, die Namen der Liebhaber zu erfahren, um auch sie für das „Verbrechen“ Homosexualität zu bestrafen. Deshalb sollen die Peiniger dafür gesorgt haben, dass die Handys nach der Festnahme der Männer angeschaltet blieben. Ein Opfer der brutalen Maßnahmen erklärte der Zeitung: „Jeder Mann, der in dieser Zeit anrief oder schrieb, war für sie eine neue Beute.“

Der Mann berichtet zudem über Folter durch Stock- und Stromschlägen, die bis zur Besinnungslosigkeit exekutiert worden sein sollen. Die russische Menschenrechtlerin Swetlana Gannuschkina gibt an, dass mehrere hundert Männer verschleppt worden sein sollen. Mehrere von ihnen sollen nach den Folterungen sogar gestorben sein. Sie sagt: „Eine solche Kampagne gegen Schwule hat es in Tschetschenien bis jetzt noch nie gegeben.“

Ein Sprecher des Präsidenten Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, erklärt zu den Vorwürfen:

„Diese Publikation ist eine absolute Lüge. Man kann nicht jemanden festnehmen und unterdrücken, den es in der Republik gar nicht gibt.“

Diese Antwort erinnert an den ehemaligen Präsidenten Irans, Mahmud Ahmadinedschad, der im Jahr 2007 an der Columbia-Universität in den Vereinigten Staaten von Amerika erklärte: „Im Iran gibt es keine Homosexuellen.“

Es ist kein Zufall, dass sich diese beiden Erklärungen ähneln, denn Ahmadinedschad und Kadyrow haben eine Sache gemein: Sie gehören der Religion des Islams an. Kadyrow erklärt: „Homosexuelle sind schlimmer als Krieg.“ Er ist sich sicher, dass es keine Homosexuellen in Tschetschenien gibt und betont: „Auch wenn es solche Menschen in Tschetschenien gegeben hätte, hätten die Sicherheitsbehörden keine Probleme mit ihnen, denn ihre eigenen Verwandten hätten sie dorthin geschickt, woher niemand zurückkommt.“

Das sagt der Mann, der im Jahr 2008 groß getönt hat: „Derartige Traditionen („Ehrenmorde“) gibt es weder in den Bräuchen des Volkes noch im Islam.“

Es ist jedoch ein Fakt, dass in allen Ländern, in denen Homosexualität mit dem Tod bestraft wird, der Islam herrscht. Homosexualität ist deshalb auch in Tschetschenien ein lebensgefährliches Tabuthema. Gannuschkina sagt: „Die Menschen reden sehr vorsichtig, niemand will sich beschweren, die Opfer wollen nicht mit uns sprechen.“ Viele Opfer schweigen lieber, um sich nicht einer zusätzlichen Gefahr auszusetzen. Denn auch von ihren Familien und Freunden erfahren sie Erniedrigungen. Ein schwuler Mann gilt in Tschetschenien als Schande für die ganze Familie. Das führt immer wieder zu „Ehrenmorden“, bei denen Homosexuelle von ihren Verwandten umgebracht werden.

Alle Umfragen weltweit bestätigen es: Die deutliche Mehrheit aller Muslime findet, dass Homosexualität verboten sein sollte. Sogar in aufgeklärten Ländern wie Großbritannien erklären 52% aller Muslime, dass Homosexualität verboten werden soll.

Natürlich diskriminieren auch Länder, in denen das Christentum vorherrscht, homosexuelle Menschen. In einigen dieser Länder ist sogar niemand geringeres als Queen Elisabeth II das Staatsoberhaupt, wie in Belize, Grenada, Jamaika, St. Luicia, St. Kitts und Nevis und in denen Homosexuelle bis zu 10 Jahre in den Knast wandern können. 14 Jahre Gefängnis drohen Homosexuellen sogar in diesen Ländern der Queen: Cookinseln, Papua-Neuguinea, Salomonen und Tuvalu. 15 Jahre drohen Homosexuellen in Antigua und Barbuda. Am schlimmsten aber sind die Schwulen und Lesben von Barbados dran. In diesem Land, von dem ebenfalls Queen Elisabeth II das Staatsoberhaupt ist, können Homosexuelle sogar lebenslänglich eingesperrt werden.

Getötet werden Homesexuelle jedoch nur in islamischen Ländern und die Liste jener islamischen Länder, die Homosexuelle einsperren, ist lang. Die Verfolgung von Homoexuellen in diesen Ländern kann somit nicht kritisiert werden, ohne dabei die „religiösen Gefühle“ derer zu verletzen, die im Namen des Islams gegen Schwule zu Felde ziehen. Wer die Religion aus der Gleichung herausnehmen möchte, wird das Problem niemals lösen.

Am 2. September 2010 ließ Ramsan Kadyrow vom tschetschenischen Parlament seine Bezeichnung von „Präsident“ in „Oberhaupt“ ändern. Im Parlament diskutiert wurden jedoch auch Vorschläge, Kadyrow den Titel „Imam“ oder „Vater des Volkes“ zu verleihen. Wir haben es somit klar und deutlich mit religiösem Fanatismus zu tun.

Es ist in politischen Konflikten gar nicht schwer, Stellung zu beziehen. Es gibt nämlich eine ganz einfache Methode, die moralisch richtige Position zu finden. Die Methode hat mich noch nie enttäuscht!

Wenn ich mich in einem Konflikt für eine Seite entscheiden muss, dann frage ich mich einfach: „Wo kann ich gefahrlos als Mann Schwänze lutschen?“

Nordkorea oder Südkorea? Südkorea!
Israel oder Palästina? Israel!
Köln oder Dubai? Köln!
Russland oder Ukraine? Ukraine! (Wenn auch mit Bauchschmerzen, denn obwohl Homosexualität in der Ukraine seit 1991 legal ist, stößt Homosexualität in der Gesellschaft weitestgehend auf Ablehnung.)

Ja, in allen Kulturen, Religionen und Ländern findet sich Schwulenhass. Aber nur ein sehr naiver Mensch kann behaupten, dass es keinen Unterschied gibt zwischen der heutigen islamischen und nicht-islamischen Welt gibt. Mekka und Vatikanstadt sind nicht mal ansatzweise vergleichbar. Würden im Vatikan Homosexuelle von Dächern geworfen, Frauen gesteinigt und Ketzer enthauptet werden, es gäbe einen massiven Aufschrei. Tel Aviv und Teheran sind zwei unterschiedliche Welten! Wem fällt es da schwer, sich für eine Seite zu entscheiden? Es ist im Grunde ganz einfach, wenn man nur an das Leben und die Liebe glaubt!

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