Cassy Carrington fragt

Die Entertainerin Cassy Carrington hat Menschen auf dem Kölner Rudolfplatz gefragt, ob sie von der brutalen Verfolgungswelle gegen Homosexuelle in Tschetschenien mitbekommen haben. Die Antworten sind ernüchternd.

Dabei könnte man davon wissen. Die Welt zum Beispiel schreibt von Verschleppung, Prügel und Folter durch Stromschläge:

„Tschetschenien jagt Homosexuelle, verschleppt sie in ein Geheimgefängnis und foltert sie. Einen öffentlichen Aufschrei gibt es nicht – Schwule werden im Namen der „Ehre“ sogar von ihrer Familie ermordet.“

Auch ich habe darüber berichtet.

Cassy Carrington fragt zudem, warum so wenige Leute von der Verfolgung wissen. Entertainer-Kollege Torsten Schlosser hat eine Antwort:

„Das Problem ist: Es gibt keinen gesellschaftlichen Aufschrei, weil es „nur“ Tschetschenien ist. Dieses Land ist nicht wichtig für den Westen. Würden die USA KZs für Homosexuelle einrichten, würde man über nichts anderes reden.“

So ist es wohl. Im Abendland gelten für westliche Länder andere Erwartungen als für nicht-westliche Länder. Allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, dass auch in den westlichen Ländern jene Menschen, die der Ideologie angehören, die auch der Machthaber in Tschetschenien angehört, mehrheitlich dagegen sind, dass Homosexualität legal ist. In Großbritannien zum Beispiel sind 52 % für ein Verbot von Homosexualität.

Der Präsidenten Tschetschenien gehört der islamischen Überzeugung an. Sein Name ist Ramsan Kadyrow. Zu den Vorwürfen der Schwulenverfolgung in Tschetschenien sagt sein Sprecher:

„Diese Publikation ist eine absolute Lüge. Man kann nicht jemanden festnehmen und unterdrücken, den es in der Republik gar nicht gibt.“

Diese Antwort erinnert an den ehemaligen Präsidenten Irans, Mahmud Ahmadinedschad, der im Jahr 2007 an der Columbia-Universität in den Vereinigten Staaten von Amerika erklärte: „Im Iran gibt es keine Homosexuellen.“

Kadyrow erklärt: „Homosexuelle sind schlimmer als Krieg.“ Er ist sich sicher, dass es keine Homosexuellen in Tschetschenien gibt und betont: „Auch wenn es solche Menschen in Tschetschenien gegeben hätte, hätten die Sicherheitsbehörden keine Probleme mit ihnen, denn ihre eigenen Verwandten hätten sie dorthin geschickt, woher niemand zurückkommt.“

Es ist ein trauriger Fakt, dass in allen Ländern, in denen Homosexualität mit dem Tod bestraft wird, der Islam herrscht. Alle Umfragen weltweit bestätigen es: Die deutliche Mehrheit aller Muslime findet, dass Homosexualität verboten sein muss. Sogar in aufgeklärten Ländern wie Großbritannien erklären 52% aller Muslime, dass Homosexualität verboten werden soll. Die Verfolgung von Homoexuellen durch muslimische Führer kann somit nicht kritisiert werden, ohne dabei die „religiösen Gefühle“ derer zu verletzen, die im Namen des Islams gegen Schwule zu Felde ziehen. Wer die Religion aus der Gleichung herausnehmen möchte, wird das Problem niemals lösen.

Ja, in allen Kulturen, Religionen und Ländern findet sich Schwulenhass. Aber nur ein sehr naiver Mensch kann behaupten, dass es keinen Unterschied gibt zwischen der heutigen islamischen und der nicht-islamischen Welt gibt. Mekka und Vatikanstadt sind nicht mal ansatzweise vergleichbar. Würden im Vatikan Homosexuelle von Dächern geworfen, Frauen gesteinigt und Ketzer enthauptet werden, es gäbe einen massiven Aufschrei. Tel Aviv und Teheran sind zwei unterschiedliche Welten! In Tel Aviv kann der Bürgermeister schwul sein, in Teheran baumelt er an einem Kran.

Wer Tschetschenien kritisiert legt sich somit mit einem Schlag mit Russland und mit dem Islam an. Das wird ein weiterer Grund sein, warum die Schwulenverfolgung in Tschetschenien kein ganz so großes Thema ist.

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