Ein radikales Plädoyer für Meinungsfreiheit

„Ich mag verdammen, was Du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen darfst.“

Manchmal auch zitiert als: „Ich bin nicht einverstanden mit dem, was Sie sagen, aber ich würde bis zum Äußersten dafür kämpfen, dass sie es sagen dürfen.“

Dieser Satz wird oft fälschlicherweise Voltaire zugeschrieben. Er stammt jedoch von Evelyn Beatrice Hall (1868 – 1956). Sie war eine englische Schriftstellerin und verwendete den Satz in ihrer im Jahr 1903 erschienen Biografie „The Life of Voltaire“ als Illustration der Philosophie von Voltaire! Die Behauptung, der Satz stamme von Voltaire, ist somit falsch, aber durch die Meinungsfreiheit geschützt!

Oft höre ich, Meinungsfreiheit schließe keine Hassreden und Falschaussagen ein, aber genau das tut sie. Es ist die exakte Definition von Meinungsfreiheit, dass auch falsche Meinungen geäußert werden dürfen!

Es gibt kein Zuviel an Meinungsfreiheit. Entweder gibt es Meinungsfreiheit oder es gibt sie nicht. So einfach ist das! Es gibt jedoch ein Zuviel an Angst und ein Zuviel an Beleidigtsein. Gegen Meinungen, die schmerzen, mögen sie nun schmerzen, weil sie wahr sind oder schmerzen, weil sie unwahr sind, hilft als Sofortmaßnahme nicht mehr hinhören und auf längere Sicht die Gegenrede als zivilisierte Form der Verteidigung.

Eine Beleidigung, die in die Richtung eines Menschen gefeuert wird, beleidigt den Menschen nur, wenn er die Beleidigung in seinem Kopf annimmt. Eine Faust oder eine Kugel jedoch, die in die Richtung eines Menschen abgefeuert wird, verletzt oder durchlöchert den Kopf unabhängig von der Haltung des Menschen. Wer eine Beleidigung nicht hört, lebt. Wer eine Kugel nicht hört, stirbt. Das ist der große Unterschied!

Wer glaubt, ein Mensch sei eine Gefahr, weil er spricht, glaubt auch, eine Frau sei eine Gefahr, wenn sie ohne Verschleierung aus dem Haus geht. Die Zensur ist für die Redefreiheit das, was der Schleier für die Rechte der Frau ist. Jede Frau darf selbst entscheiden, ob sie einen Schleier tragen möchte, so wie jeder Mensch selbst entscheiden darf, ob und zu was er oder sie schweigen will. Es darf keinen Zwang geben, weder für den Schleier noch für den Mantel des Schweigens!

Meinungsfreiheit gilt auch für die Hassrede! Stellen Sie sich einfach mal vor, Sie gehen in eine Kneipe und da sitzt ein Mann mit einem Hakenkreuz am Revers. Sie würden denken: „Oh, ein Nazi, dem gebe ich kein Bier aus.“ Jetzt stellen Sie sich aber mal vor, er trüge dieses Hakenkreuz nicht, weil es verboten ist. Sie würden sich vielleicht hinsetzen, sich vorstellen und er würde Sie nicht mit „Heil Hitler“ begrüßen, weil das unter Hate Speech fällt. Sie würden ein wenig plaudern, dabei das ein oder andere Bier trinken, vielleicht sogar ein Bier ausgeben, bis das Gespräch auf ein Thema fällt, bei dem Sie plötzlich merken: „Scheiße, ein Nazi!“ Dann aber ist es zu spät. Sie haben ihm bereits ein Bier ausgegeben. Alles nur, weil ein Verbot des Hakenkreuzes und des Sagens von „Heil Hitler“ Sie daran gehindert hat, den Mann sofort als das zu erkennen, was er ist. Ich weiß lieber, wie jemand drauf ist, bevor er zur Tat schreitet. Außerdem möchte ich mit einem Nazi nicht plaudern. Mit einem Nazi möchte ich ausnahmslos Klartext reden!

Ich gebe den naiven Glauben nicht auf, dass Reden, Zuhören und Streiten helfen, sich zu erkennen, unter Umständen zu verstehen und möglicherweise den Hass zu mindern! Außerdem ist Zuhören ein präventiver Schutzmechanismus. Nur so lerne ich das Innere eines Menschen kennen und kann rechtzeitig entscheiden, ob ich mich vor ihm schützen sollte. Meinungsfreiheit nutzt dem Gehassten immer mehr als dem Hassenden!

Ich kenne Leute, die durchstöbern Facebook nach Aussagen, die sie für Hassrede halten, nur um sie dann zu blockieren, ganz so, als hätten sie dadurch einen heroischen Akt des Widerstands geleistet, der sie auf eine Stufe mit der Weißen Rose stellt. Es hilft aber nichts, seine politischen Gegner als „Pack“ zu bezeichnen und ihnen den Stinkefinger zu zeigen. Im politischen Diskurs müssen wir mit ihnen reden! Wenn es Leuten schlecht geht, flüchten sie. Manche flüchten in andere Länder, andere flüchten in Ideologien. Einige Länder und Ideologien sind gut, andere weniger. Wer sich das Äußern einer Meinung verbittet, sorgt lediglich dafür, dass die Meinung nur noch gedacht wird! Aber nur weil ich jemanden nicht mehr höre, heißt das nicht, dass er die Sache nicht mehr denkt. Die Meinung wird lediglich erst sichtbar, wenn sie sich zu einer Handlung entwickelt hat. Dann aber ist es oft zu spät!

Wer alles ausklammert und entfreundet, was ihm nicht gefällt, wird blind für das, was wirklich in der Gesellschaft vor sich geht und wird entsetzt aus dem Sessel fallen, wenn bei einer Wahl die Menschen in der geheimen Wahlkabine ihre Meinung in ein definitives Kreuz verwandelt haben. Dann fallen sie aus allem Wolken und sagen, sie hätten all das nicht kommen sehen. Natürlich haben sie es nicht kommen sehen! Sie haben ja auch all die Menschen entfreundet. Sie konnten sich nicht mit diesen Menschen auseinandersetzen, ihnen nicht entgegentreten und ihnen nicht widersprechen. Alles nur, weil sie diese Menschen nicht kannten. Sie vermehrten sich im Verborgenen, Geheimen, Verbotenem. Andere Meinungen ausklammern ist so effektiv wie das kleine Kind, das sich die Hände vor die Augen hält und glaubt, so sei die Gefahr verschwunden. Internetseiten zu löschen, im Glauben, man würde dadurch etwas verhindern, ist so produktiv, wie Bücher zu verbrennen!

Es gibt aber einen noch viel wichtigeren Grund, Nazis nicht das Reden zu verbieten. Wer entscheidet darüber, wer ein Nazi ist? Wem geben wir die Macht, Menschen zu „Nazis“ machen, also zu Menschen ohne Redefreiheit?

Mittlerweile ist das Wort Nazi zu einer bedeutungslosen Floskel verkommen. Das Wort wird von hasserfüllten Menschen benutzt, um andere Menschen zu entmenschlichen, was unbedingt nötig ist, um ihnen das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit absprechen zu können. Es gibt Menschen, die sind so frei von jedem Zweifel und so sicher, auf der richtigen Seite des Lebens zu stehen, dass sie Gewalt rechtfertigen oder billigend in Kauf nehmen, um ihre Gewissheit zu manifestieren. Jeder Mensch läuft Gefahr, in das Schussfeld dieser Selbstgerechtigkeit zu geraten.

Wer einmal einen Menschen erfolgreich aus dem Diskurs entfernt hat, weil er ihn zum Nazi erklärt hat, wird diese Strategie weiterverfolgen. Ich habe schon erlebt, dass sogar Juden als Nazis bezeichnet wurden, was auch völlig erlaubt ist. Jeder Mensch hat das Recht, jeden anderen Menschen als Nazi zu bezeichnen. Das ist Meinungsfreiheit! Das Problem ist jedoch, dass die Meinung von Nazis für viele mit Gewalt beantwortet werden darf, in einigen Ländern sogar mit Staatsgewalt. Man mache einen Menschen also nur zum Nazi und schon kann ihm Gewalt angetan werden.

Es ist daher kein Zufall, dass oft Juden, Türken, Israelis oder Amerikaner als Nazis bezeichnet werden. Es fällt dann schlicht und ergreifend leichter, sie zu entmenschlichen. Wer gestern einen Menschen gewaltsam und erfolgreich zum Schweigen gebracht hat, weil er ein Nazi war, wird Dich morgen zum Nazi machen, wenn ihm Deine Nase nicht mehr gefällt!

„Wehret den Anfängen“ brüllen diese gerechten Putztruppen und meinen damit doch nur die Anfänge einer Zukunft, die sie aus ihrer Angst konstruieren. Aus Angst nehmen sie andere Menschen als Geisel ihrer Vermutung. Diese Angst ist die Wurzel des totalitären Denkens, die Gewalt über Gedanken als Präventivschlag ermöglicht.

Das Verbieten von Meinungen ist stets ein Präventivschlag! Kann so ein Präventivschlag gerechtfertigt sein? Bei der Verleihung des Böll-Preises sagte Herta Müller einst:

„Wenn Hassparolen spazieren gehen, dann geht auch irgendwann ein Messer spazieren.“

Wer mit diesem Satz Meinungen verbieten möchte, muss auch für ein Verbot des Korans plädieren, denn unzählige Terroristen sind mit den Parolen des Korans spazieren gegangen, bevor sie zum Messer griffen.

Messer gehen jedoch nicht spazieren, weil vorher Parolen spazierten, sondern weil jene, die die Parolen grölen, die Messer bereits in ihren Hosen haben, um sie in genau dem Moment herauszuholen, da sie in der Lage sind, die Parolen der Anderen zum Schweigen zu bringen! Und die Menschen gleich mit. Das Problem ist nicht die Meinungsfreiheit, sondern der Wille der Hassenden, die Meinungsfreiheit mit Gewalt abzuschaffen.

Das Messer in der Hose eines Mörders verschwindet nicht, wenn ihm der Mund verboten wird!

Das Problem in der Zeit des Nationalsozialismus war nicht, dass „Der Stürmer“ käuflich zu erwerben war, sondern die Tatsache, dass sich die Nationalsozialisten zunächst die persönliche und später auch die staatliche Gewalt nahmen, andere Meinungen und Zeitungen zu verbieten, die ohne Probleme die Ideologie der NSDAP hätten entlarven können. Die Nationalsozialisten nutzen somit nicht die Meinungsfreiheit, um das Messer zu ziehen, sondern sie zogen die Messer, um die Meinungsfreiheit zu attackieren! Nichts fürchten jene, die Unrecht haben, mehr als die Meinungsfreiheit! Darum erklärten auch die Nationalsozialisten in ihrem 25-Punkte-Program unter Punkt 23:

„Wir fordern den gesetzlichen Kampf gegen die bewußte politische Lüge und ihre Verbreitung durch die Presse. Um die Schaffung einer deutschen Presse zu ermöglichen, fordern wir, Zeitungen, die gegen das Gemeinwohl verstoßen, sind zu verbieten. Wir fordern den gesetzlichen Kampf gegen eine Kunst- und Literaturrichtung, die einen zersetzenden Einfluß auf unser Volksleben ausübt und die Schließung von Veranstaltungen, die gegen vorstehende Forderungen verstoßen.“

Aufgrund des „Gemeinwohls“, Meinungen kriminalisieren, Veranstaltungen schließen, Bücher verbieten und Zeitungen abschaffen. Das ist die Gedankenwelt der Nazis. Sie lässt sich so zusammenfassen: „Wenn die Lüge spazieren geht, geht irgendwann auch die Zersetzung spazieren.“

Ich trinke aber lieber englischen Tee mit Evelyn Beatrice Hall als diesen deutschen Muckefuck.

***

Ich hatte nicht immer diese radikale Haltung zur Meinungsfreiheit. Die Haltung kam mit der Erfahrung. Wenn Sie mein persönlicher Weg zur radikalen Meinungsfreiheit interessiert, lesen Sie auch: „Meinungsfreiheit gilt für mich ab jetzt radikal!“

(Foto: Maxi Gstettenbauer)

Dieser Beitrag wurde unter Deutschland, Kunst, Liberalismus, Literatur, Philosophie, Politik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

83 Antworten zu Ein radikales Plädoyer für Meinungsfreiheit

  1. aurorula a. schreibt:

    Im anderen Thread fragt jemand in Erwartung der Antwort „ist er nicht“, warum ein Anti-[Menschengruppe-aus-der-der-Hasser-stammt]-Shitstorm gut ist, und dreht das provokant in Richtung cui bono.
    Die Frage: Warum ist ein Anti-Hass-Shitstorm gut? gehört eher hierhin. Daß ein solcher Shitstorm ein Shitstorm gegen den Hass ist und nicht automatisch ein Shitstorm gegen alle die mit dem Hasser irgendwas gemeinsam haben, und wenn es die Schuhgröße ist, sollte sich von selbst verstehen, tut es aber, wie man sieht, nicht. Trotzdem ist das Pöbelei, auf die ich hier nicht weiter eingehe.
    Die Antwort auf die Frage, wozu ein Shitstorm gut sein soll, ist diese: wenn man ihn aus falscher Angst, jemandem auf die Zehen zu treten, lässt, passiert eher früher als später das hier:
    https://www.gatestoneinstitute.org/10170/iran-insulting-islam
    Deswegen brauchen wir mehr Shitstorms für das Recht, einander zu beleidigen.
    Oder um es mit Nick Clegg zu sagen: in einer freien Gesellschaft müssen die Leute das Recht haben, einander zu beleidigen, sonst ist die Gesellschaft nicht frei.

  2. mühlstein schreibt:

    „Dieser Satz wird oft fälschlicherweise Voltaire zugeschrieben.“

    Das ist korrekt, denn Voltaire hat diesem Satz gesagt, er hat ihn eben nur nicht als Erstes gesagt. Kolumbus war auch nicht der Erste, der Amerika entdeckt hat, aber er wurde zum berühmtesten Entdecker.

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Falsch! Voltaire hat ihn gar nicht gesagt!

      • Aristobulus schreibt:

        … und Kolumbus hat ja auch nur die Insel Hispaniola und nicht Amerika oder den Voltaire entdeckt, wobei die Indianer die ja schon ziiiemlich gut kannten. Die Insel. Und er /also Kolumbus jetzt) hat auch nicht zu denen gesagt, dass er nicht dafür sei, aber sein Leben dafür einsetzen werde, damit es trotzdem so. Also so sei. Und dann wurde es so.

  3. anti3anti schreibt:

    Ergebnisse einer Umfrage in Israel:
    Eine Mehrheit der Araber und fast die Hälfte der jüdischen Israelis sind sich einig, dass es in Israel zu viel Redefreiheit gebe.

    • Aristobulus schreibt:

      Die meinen das ja ganz verschieden. Ach, wie schlecht übersetzt wieder.

      -Die Juden dort meinen, dass ohehin viel zu viel dediwwert werde, immer dieser Krach und das Gediwwere vun den Jiden überall. Deswegen sind sie (hochdt.) für die Beschränkung der Redefreiheit, also (jidd.) für a bissele wejniger zoress und zimess ojf der gass und in der schul.

      -Die Araber dort meinen, dass ohnehin viel zu viel jüdisch gediwwert werde, immer das jüdische Gediwwere. Deswegen sind sie (hochdt.) für die Beschränkung der Redefreiheit, also (arab. umgangssprachl.) für weg-mit-dem-Jud‘.

  4. Mike schreibt:

    Toller Aufsatz. Bedrückend ist das Zitat des 23. Punktes des Nazipapiers. Klingt so ähnlich wie die Bundesregierung, was da steht. Allein auch der Name des Durchsetzungsgesetzes weckt so unangenehme Erinnerungen an Reichsschriftungskammer und ähnliche Folterwerkzeuge aus der Meinungsbefreiungsbewegung von 1933 bis 1945, dass man sich wundert, dass das heute schon wieder möglich ist. Ich finde mittlerweile, dass der Bundesjustizminister eine katastrophale Fehlbesetzung ist, der allein schon durch seine Weigerung, an seinem Äußeren wenigstens Kleinigkeiten zu verändern, unangenehm auffällt. Wenn ich schon eine gewisse Ähnlichkeit zu einer prominenten Nazigröße jener Zeit aufweise, für die ich nichts kann und die mir deshalb auch niemand vorwerfen sollte, muss ich dann auch noch exakt die gleiche Brille, den exakt gleichen mickrigen Schlipsknoten und eine ähnliche Haarfrisur haben? Dafür kann ich was! Ich muss nicht aussehen wie der kleine Bruder von so jemand. Und vor allem muss ich mich nicht so benehmen wie jene, die glaubten, durch Zensur würde in Deutschland alles besser. Merke: Jeder glaubt bekanntlich, dass die eigene Meinung besser begründet ist als die des anderen. Deshalb gibt es Demokratie, um diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten, denn diesen Wahnsinn teilt jeder Mensch mit seinen Mitmenschen. Dass er die eigene Meinung für richtig hält.

  5. davboe schreibt:

    Vielen Dank, Herr Buurmann
    Ich musste Ihren Text langsam lesen, zerkauen.
    Derzeit anscheinend wird die Meinungsfreiheit gerade zwischen Extremen zerrieben, wobei die extremen Schreihälse gut zu hören sind. Das andere, „stillere“ Extrem hingegen – nämlich derjenige, der die Macht hat, die Meinungsfreiheit zu verbieten – nicht als Gefahr erkannt wird.

    • ceterum censeo schreibt:

      Gut aufgepaßt. Aber Vorsicht, Verschwörungstheoretiker sind nicht gut gelitten. Es sei denn, sie sind gegen Klimaerwärmung und Atome. Fleisch könnte auch noch gehen.

  6. Paul schreibt:

    Hallo Gerd,
    grundsätzlich bin ich, was Meinungsfreiheit angeht, auf Deiner Seite.

    Gestatte mir einen Gedanken einzubringen, der m.E. die Meinungsfreiheit beeinträchtigt, ohne sie direkt zu verhindern.

    Grundsätzlich sollte jede Meinung gesagt werden können. Es gibt aber einen gewaltigen Unterschied, bei der Wirksamkeit durch die Veröffentlichung.
    Es ist doch wohl ein Unterschied, ob ich meine Meinung meiner Frau in unserer Wohnung sage oder ob ich sie hier im Blog einer eingeschränkten Öffentlichkeit mitteile oder gar im Interview im Fernsehen verbreiten darf. Mir scheint, dass neben der Meinungsfreiheit auch ihre Öffentlichkeitswirksamkeit eine wesentliche Rolle spielt.

    Es gibt aber kein Recht auf die ungehinderte Veröffentlichung der Meinung. Erst dann wäre diese Freiheit für mich perfekt.

    Frau Reker kann ihren Schwachsinn im Fernsehen verbreiten. Ich bin dagegen auf Deinen Blog angewiesen.

    Deshalb ist für mich die Meinungsfreiheit eine Chimäre.

    Herzlich, Paul

    • Aristobulus schreibt:

      Falsch verstanden, was Meinungsfreiheit ist, und was nicht unter deren Kategorie fällt.

      Es geht auch nicht darum, dass es Meinungsfreiheit sei, hier im Kommentarbereich dieses Blogs seine drei Meinungen hinzuschreiben: Es ist nämlich keine, weil Gerd Buurmann weder Gesetze macht, noch diese Gesetzt durchsetzt.

      Nur jemand, der Gesetze macht (Legislative), oder der sie durchsetzt (Exekutive), oder der Gerichtsurteile fällt (Judikative), kann die Meinungsfreiheit einschränken.
      Dann ist es gleich nicht mehr banal wie zu Hause (wenn einer mal genug vom Gerede hat), sondern wird gefährlich.

      • aurorula a. schreibt:

        Sowas will ich hier auch:

        (Übersetzung für Paul und andere Einsprachler: Es darf kein Gesetz erlassen werden, das eine bestimmte Religion bevorzugt, und keines das die freie Religionswahl(/~ausübung) einschränkt. Die Redefreiheit, die Pressefreiheit und das Recht auf friedliche Versammlung dürfen nicht eingeschränkt werden. Die Staatsbürger dürfen die Regierung auf das Beheben von Missständen verklagen. – der Erste Verfassungszusatz der US-Verfassung)

        Und was gibt es hier stattdessen? Heiko Maas und Claudia Roth.

  7. HM schreibt:

    Gefällt mir gut, lieber Buurman, ihr Aufsatz. Und der letzte Absatz erübrigt auch ein nachfragen zu Ihrem vergangenen Umgang mit dem Kerlchen von der Domplatte.
    Das was jetzt noch spannend ist, ist nachzuschauen welche Ihrer Leser und Kommentatoren in der „gefällt mir“ Zeile Auftauchen.

    • ceterum censeo schreibt:

      Im Gegensatz zur „Klagemauer“ oder wie das Ding hieß, kann ich hier meine Meinung sagen, auch wenn sie Buurmann oder Sudelede aus Gotha, oder kleinen Mädels nicht gefallen.
      An die Mauer des „Kerlchens“ hätte ich nichts heften können, was seiner oder der Ideologie der bärtigen Aufpasser im Hintergrund widersprochen hätte.
      Denn Voltaire hat auch noch was anderes gesagt:
      „Wenn du wissen willst, wer Dich beherrscht, mußt du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst.

      • HM schreibt:

        Es ist auch nicht Ihr gutes Recht etwas an dessen Wäscheleinen zu hängen.
        Es ist aber Ihr gutes Recht eine eigene Wäscheleine mit Ihrer Meinung entgegenzustellen

        • ceterum censeo schreibt:

          Erstens hat das Kerlchen anfangs so getan, als könnte jedermann seine Klagen aufhängen. Naiv genug war ich seinerzeit, solches zu glauben.
          Und zu unterstellen, daß es mir in der korrupten und islamisierten Metropole möglich gewesen wäre, unbeschadet eine quasi Gegenmauer zu bauen, ist schon sehr zynisch.

          • HM schreibt:

            „Erstens hat das Kerlchen anfangs so getan, als könnte jedermann seine Klagen aufhängen. Naiv genug war ich seinerzeit, solches zu glauben.“

            Sie armer Tropf, hat Arendt Ihnen einen Bären aufgebunden !

            “ ….und islamisierten Metropole..“

            In Köln gibt es reichlich Probleme. Da haben Sie recht.
            Einige dieser Probleme ( und nicht die Kleinsten) haben ihren Standort in der türkisch/Muslimischen Gemeinde. Von „Autorasern“ bis “ was guckst Du“ Kollegen..
            Das diese Hanseln es aber schaffen würden ein „islamisches“ Lebensgefühl in der Stadt
            zu verbreiten ist schlicht nicht richtig und zeugt nicht von Ihrer Kenntnis der Stadt

          • Aristobulus schreibt:

            Der HM hat in der Neujahrsnacht von 2016 nach Leibeskräften mitgegrabscht, und dann hat er meinungsmäßig immer auf Seiten der Grabscher gestanden, weil bei Kaffernfrauen selbstverständlich Grabschfreiheit besteht.

      • A.S. schreibt:

        Die Klagemauer war schlicht illegal und hat (nicht nur aus meiner Sicht) rechtswidrige Inhalte verbreitet.

        • HM schreibt:

          Mit dem Zusatz „aus meiner Sicht“ ist eine Diskussion nicht mehr möglich.
          Aus Burmanns Sicht zu jener Zeit, auch. Aus Buurmanns Sicht, nach dem heutigen Aufsatz, scheinbar nicht mehr.
          Aus Sicht der Gerichte zu jener Zeit wohl auch nicht.
          Soweit auch ich häufig etwas perplex manche Gerichtsurteile zur Kenntnis nehme, so möchte ich dennoch keine Urteilsverkündung durch das“ gesunde Volksempfinden“.

          • A.S. schreibt:

            Auch über „meine Sicht“ ist eine Diskussion möglich. Jeder, der meine Sicht nicht teilt, darf widersprechen.
            Eigentlich ist gerade dann ist eine Diskussion möglich, weil eine persönliche Sicht i.d.R. keine universelle Objektivität beansprucht.

          • HM schreibt:

            AS
            „Auch über „meine Sicht“ ist eine Diskussion möglich.“

            Dann müssten Sie die mal preisgeben

            „Die Klagemauer war schlicht illegal und hat (nicht nur aus meiner Sicht) rechtswidrige Inhalte verbreitet.“

            Aus Sicht der bemühten Gerichte nicht

          • A.S. schreibt:

            Da denk ich an den Fall der „Hackennase“ und dass das Fehlen derselben eine antisemitische Karikatur quasi entschärft. Nach meiner Sicht ist/war das Blödsinn, auch wenn das Gericht das anders entschieden hat.

          • Aristobulus schreibt:

            Ganz einfach:
            Wer die judenhasserische, linksextremistische und proterroristische Herrmannmauer entschuldigt oder als erlaubte Nische rechtfertigt, IST ein Judenhasser, agiert wie ein Linksextremist und entschuldigt den Terror.

          • Aristobulus schreibt:

            Übrigens lügt der HM wie gewohnt schamlos daher, indem er Gerd Buurmann insinuiert, er sei für Meinungsfreiheit und müsse daher auch Herrmanns Hassmauer rechtfertigen:

            Den Bestand dieser Hassmauer garantierte die städtische Autorität.
            Es handelt sich da also NICHT um Meinungsfreiheit, sondern um den Oktroy einer bestimmten Meinung. Oktroy ist jedoch immer MeinungsZWANG, nicht MeinungsFREIHEIT.
            Sonst müsste dann, weil man ja für Meinungsfreiheit ist, ja auch Ayatollah Chamemeis Staatsterrorismus tolerieren.

          • aurorula a. schreibt:

            Sonst müsste dann, weil man ja für Meinungsfreiheit ist, ja auch Ayatollah Chamemeis Staatsterrorismus tolerieren.
            Traurigerweise gibt es genug Leute, die das ernsthaft betreiben oder wenigstens fordern. Und genug, die das ernsthaft glauben und deshalb sämtliche Meinungsfreiheit abgeschafft sehen wollen. Einer kürzt sich sogar auch HM ab.

          • HM schreibt:

            A.S. schreibt:
            „Da denk ich an den Fall der „Hackennase“ und dass das Fehlen derselben eine antisemitische Karikatur quasi entschärft. Nach meiner Sicht ist/war das Blödsinn, auch wenn das Gericht das anders entschieden hat.“

            Ich halte diese Begründung auch für fragwürdig.
            Da Sie doch in Ihrem ersten Kommentar Buurmanns Aufsatz zustimmten, müsste ja, wenn ich Sie richtig verstehe, Ihnen die Feststellung, dass es sich um eine rassistische Karikatur handle, genügen. Ohne weitere Folgen.

          • Aristobulus schreibt:

            Da zitiert einer den A.S. falsch.
            Und nein, nicht aus Flüchtigkeit.

          • aurorula a. schreibt:

            Sonst müsste dann, weil man ja für Meinungsfreiheit ist, ja auch Ayatollah Chamemeis Staatsterrorismus tolerieren.
            Das war ein Zitat meines Vorredners. Lesen Sie bitte die vorausgehenden Kommentare nochmals.

          • aurorula a. schreibt:

            (schon seltsam, wohin Wordpress teilweise die Kommentare schiebt – mein letzter steht über dem, auf den er antwortet)

          • HM schreibt:

            aurorula a. schreibt:
            „Sonst müsste dann, weil man ja für Meinungsfreiheit ist, ja auch Ayatollah Chamemeis Staatsterrorismus tolerieren.“

            Das wre dann der Ruf nach kompletter Handlungsfreiheit und hat nichts mit dem hier besprochenen Thema zu tun.
            Lesen Sie bitte Buurmanns Text nochmals.

          • HM schreibt:

            aurorula a. schreibt:
            „Sonst müsste dann, weil man ja für Meinungsfreiheit ist, ja auch Ayatollah Chamemeis Staatsterrorismus tolerieren.
            Das war ein Zitat meines Vorredners. Lesen Sie bitte die vorausgehenden Kommentare nochmals.“

            Den Sie doch übernommen haben !

            „Das war ein Zitat meines Vorredners.“

            ..von dem Sie sich jetzt distanzieren??

          • Aristobulus schreibt:

            Beschränktes Gequatsche Eines, für dessen unfreie Meinung sich keiner interessiert, der aber beständig damit hausieren geht.

          • aurorula a. schreibt:

            …von dem Sie sich jetzt distanzieren??
            Auf den ich geantwortet habe. Auf den ich mich beziehe. Ihre „Frage“ war gewesen, wie meine Antwort in diesen Thread kam: sie war eine Antwort auf ebenden zitierten Beitrag.
            Zudem hatten Sie den ziterten Beitrag wohl nicht gelesen, sonst wäre Ihnen die hyperbolische Ironie ebendieses Satzes nicht entgangen.

          • HM schreibt:

            aurorula a. schreibt:
            .“..sonst wäre Ihnen die hyperbolische Ironie ebendieses Satzes nicht entgangen.“

            Sie sind viel zu eloquent für mich .
            Das kommt von der Physik, nicht?

          • Aristobulus schreibt:

            Hingegen Ideologieschwulst, Scheinfragerei, Eitelkeit und Verlogenheit führen bloß dazu, dass man eines Tages zum HM wird.
            Welch eine Krone der Schöpfung.

  8. A.S. schreibt:

    Gerd, an deiner Haltung zur Meinungsfreiheit ist nichts naiv. Im Gegenteil bestätigt sich ja gerade, dass Einschränkungen der Meinungsfreiheit zur Eskalation führen.
    Jahrelang hat man versucht, kritischen Stimmen zur Migrations-, Euro- und Europapolitik nicht mit Argumenten zu begegnen sondern mit sozialer Ächtung und teilweise Hass. Solange, bis die Kritikpunkte inzwischen nicht mehr zu übersehen sind und die Wähler fast verzweifelt das „Rechte Übel“ dem „Weiter So“ vorziehen.

  9. Bruno Becker schreibt:

    Ich gebe den naiven Glauben nicht auf, dass Reden, Zuhören und Streiten helfen, sich zu erkennen, unter Umständen zu verstehen und möglicherweise den Hass zu mindern!

    Was soll daran naiv sein? Naiv ist es, zu glauben, durch Verbote und Gewalt etwas zum Positiven zu wenden. Doof sind nur die, die versuchen anderen das Wort abzuschneiden. Und noch doofer die, die sich selbst freiwillig das Wort abschneiden.

    Bleibt nur die Gretchenfrage, an denen so viele radikal Meinungsliberale scheitern: Ist die Leugnung des Holocausts eine Meinung im Sinne der Meinungsfreiheit?

    • ceterum censeo schreibt:

      Broder hat die Antwort.

    • HM schreibt:

      Bruno Becker schreibt:
      „Bleibt nur die Gretchenfrage, an denen so viele radikal Meinungsliberale scheitern: Ist die Leugnung des Holocausts eine Meinung im Sinne der Meinungsfreiheit?“

      Ist das leugnen der Gravitation eine Meinung im Sinne der Meinungsfreiheit?

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Die Leugnung des Holocaust ist dumm, faktenresistent und falsch. Daher ganz klar eine Meinung im Sinne der Meinungsfreiheit. Eine bescheuerte Meinung jedoch!

      • Aristobulus schreibt:

        Na soll man doch behaupten dürfen, dass kein Jude vergast worden sei, weil die Juden statt dessen alle nach Luxemburg gezogen seien.

        Holocaustleugnung ist im Kern genau das Selbe, wie zu behaupten, dass die Israelis die neuen Nazis seien. Wer Letzteres nicht verbietet, sollte auch Ersteres nicht verbieten.

  10. anti3anti schreibt:

    Diese Art der Meinungsfreiheit wird jeden Staat in die Knie zwingen.

  11. bm98600 schreibt:

    Ausgezeichnet , Herr Buurmann! Offenbar wurde von Henriette Rieker dieser Satz von Müller wieder belebt
    Kölns OB Henriette Reker spricht auf dem Heumarkt: „Wir setzen einen Kontrapunkt zur AfD da drüben. Ich bin stolz auf Euch alle. Friedlich und gemeinsam. Erst gehen die Parolen spazieren, und dann die Messer – Quelle: http://www.ksta.de/26733728 ©2017

    • A.S. schreibt:

      Über diese Aussage von Frau Reker bin ich auch gestolpert. Broder hat das auf der Achse verlinkt.

      Damit hat sich Frau Reker aus der Kreis der Freunde der Meinungsfreiheit vollkommen verabschiedet. Da kündigt sich ein gewaltbereiter Mob an, gibt als Ziel an mittels Gewalt gesetzestreue Bürger an freier Rede zu hindern und Frau Reker findet kein Wort dazu, stellt die AfD-Leute im Gegenteil irgendwie als die eigentlichen Gewalttäter hin.

      Bei der Stadtführung kein Wunder, dass bürgerliche Grundrechte in Köln inzwischen nur noch unter Polizeischutz wahrgenommen werden können.

    • ceterum censeo schreibt:

      Meiner Meinung nach ist diese Person verkommen und verblödet oder beides.
      Wie gesagt, nur meiner Meinung nach.

Seid gut zueinander!

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