Tschetscheniens Präsident erklärt, bis zum Beginn des Ramadans die schwule Gemeinschaft vernichten zu wollen

Tapfer im Nirgendwo hat bereits vor zwei Wochen über die brutale Verfolgungswelle gegen Homosexuelle in Tschetschenien berichtet. Homosexuelle Männer werden dort in Lager verschleppt, wo sie geschunden und gefoltert werden. Es ist sogar von von „tschetschenischen Konzentrationslagern für Homosexuelle“ die Rede.

In London haben mittlerweile Tausende Menschen gegen diese Verfolgung demonstriert. In Deutschland jedoch blieb ein ähnlicher Protest bisher aus. Viele haben von dieser ungeheuren Barbarei nicht mal Kenntnis genommen. Die Entertainerin Cassy Carrington zum Beispiel hat Menschen auf dem Kölner Rudolfplatz gefragt, ob sie von der brutalen Verfolgungswelle gegen Homosexuelle in Tschetschenien mitbekommen haben. Die Antworten waren ernüchternd.

Sämtliche Demonstrationen für die Rechte von Homosexuellen, die ich bisher in Deutschland erlebt und unterstützt habe, gingen von homosexuellen Menschen selbst aus. Warum ist das so?

Wo sind die heterosexuellen Bürgerinnen und Bürger, die ganz selbstverständlich und von sich aus auf die Straße gehen, um klar und deutlich zu sagen: Das sind unsere Brüder und Schwestern. Lasst sie in Ruhe! They are here. They are queer. Get used to it!

Wo ist der nicht-schwule Aufschrei?

Die Situation in Tschetschenien hat sich mittlerweile noch verschärft. Der britische Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten, Sir Alan Duncan, sagte im Parlament:

„Uns teilen Menschenrechtsgruppen mit, dass antischwule Kampagnen, sowie Tötungen vom Oberhaupt der tschetschenischen Republik, Ramzan Kadyrow, orchestriert werden. Einige Quellen berichten sogar davon, dass er die LGBT Gemeinschaft bis zum Beginn des Ramadans eliminieren will.“

Dieses Jahr beginnt der Ramadan am 26. Mai! Tschetschenien ist ein überwiegend muslimisches Gebiet. Weit über neunzig Prozent aller Tschetschenen sind Muslime, so wie das Oberhaupt Tschetscheniens. Ja, ich habe „Oberhaupt“ geschrieben. „Oberhaupt“ ist nämlich die offizielle Bezeichnung von Ramzan Kadyrow. Am 2. September 2010 ließ er vom tschetschenischen Parlament seine Bezeichnung von „Präsident“ in „Oberhaupt“ ändern. Nach Aussage Kadyrows stehe nur einer Person in der Russischen Föderation die Bezeichnung „Präsident“ zu, nämlich dem Staatschef und das ist Wladimir Putin. Da Tschetschenien aber eine autonome Republik in Russland ist, brauchte es einen passenden Titel für den Chef dieser Republik. Diskutiert wurden Vorschläge wie „Imam“ oder „Vater des Volkes“, aber am Ende einigte man sich auf „Oberhaupt“.

Wladimir Putin hat nach einem Treffen mit Ramzan Kadyrow erklärt, den „provozierenden“ Artikeln über die Homosexuellenverfolgung keinen Glauben zu schenken und beschuldigte stattdessen die internationalen Medien, einen „massiven Informationskrieg mit unwürdigsten Methoden zu führen.“ Er fügte hinzu: „Die Realität wird verzerrt. Es werden Versuche unternommen, unsere Gesellschaft, unseren Lebensstil und unsere Traditionen und Bräuche schwarz zu malen.“

Ein Sprecher des tschetschenien Oberhaupts wiederum erklärte:

„Diese Publikation ist eine absolute Lüge. Man kann nicht jemanden festnehmen und unterdrücken, den es in der Republik gar nicht gibt.“

Diese Antwort erinnert an den ehemaligen Präsidenten Irans, Mahmud Ahmadinedschad, der im Jahr 2007 an der Columbia-Universität in den Vereinigten Staaten von Amerika erklärte: „Im Iran gibt es keine Homosexuellen.“

Kadyrow selbst erklärt: „Homosexuelle sind schlimmer als Krieg.“ Er ist sich auch sicher, dass es keine Homosexuellen in Tschetschenien gibt und betont: „Auch wenn es solche Menschen in Tschetschenien gegeben hätte, hätten die Sicherheitsbehörden keine Probleme mit ihnen, denn ihre eigenen Verwandten hätten sie dorthin geschickt, woher niemand zurückkommt.“

Es ist ein trauriger Fakt, dass in allen Ländern, in denen Homosexualität mit dem Tod bestraft wird, der Islam herrscht. Alle Umfragen weltweit bestätigen es: Die deutliche Mehrheit aller Muslime findet, dass Homosexualität verboten sein muss. Sogar in aufgeklärten Ländern wie Großbritannien erklären 52% aller Muslime, dass Homosexualität verboten werden soll. Die Verfolgung von Homoexuellen durch muslimische Führer kann somit nicht kritisiert werden, ohne dabei die „religiösen Gefühle“ derer zu verletzen, die im Namen des Islams gegen Schwule zu Felde ziehen. Wer die Religion aus der Gleichung herausnehmen möchte, wird das Problem niemals lösen.

Ja, in allen Kulturen, Religionen und Ländern findet sich Schwulenhass. Aber nur ein sehr naiver Mensch kann behaupten, dass es keinen Unterschied gibt zwischen der heutigen islamischen und der nicht-islamischen Welt gibt. Mekka und Vatikanstadt sind nicht mal ansatzweise vergleichbar. Würden im Vatikan Homosexuelle von Dächern geworfen, Frauen gesteinigt und Ketzer enthauptet werden, es gäbe einen massiven Aufschrei. Tel Aviv und Teheran sind zwei unterschiedliche Welten! In Tel Aviv kann der Bürgermeister schwul sein, in Teheran baumelt er an einem Kran.

Wer Tschetschenien kritisiert legt sich mit einem Schlag mit Russland und mit dem Islam an. Aber es wird höchste Zeit, dass wir das tun! Es gibt genug schwule Russen und Muslime. Sie brauchen uns jetzt!

Ich rufe alle Russen auf, kritisiert Wladimir Putin, weil er im Namen Russlands zu der brutalen Schwulenverfolgung in Tschetschenien schweigt und die Gewalt hinnimmt. Ich rufe alle Muslime auf, kritisiert Ramzan Kadyrow, weil er im Namen des Islams Homosexuelle brutal verfolgen lässt. Und ich rufe zudem den Rest der Menschheit auf, mögt Ihr nun Männer oder Frauen lieben, protestiert laut gegen diese unfassbare Gewalt an unseren Freundinnen und Freunden diverser Ufern!

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