Jeder nur einen Holocaust!

In einem Kommentar von Christoph Schult im Spiegel steht:

„Die Naziverbrechen der Deutschen gebieten es Deutschland, Israels Existenz zu sichern, wo immer sie gefährdet ist.“

Was will mir dieser Satz sagen? Deutschland muss sich für die Sicherung des Staates Israel einsetzen, weil die Nazis einst versucht haben, das jüdische Volk zu vernichten? Wie klingt das denn? „Völkermord, geht gar nicht. Wir haben es versucht und was soll ich sagen? Doof!“ Was, wenn es den Holocaust nicht gegeben hätte? Dürfte Deutschland dann zuschauen, wie einige Länder des Nahen Ostens erklären und aktiv versuchen, Israel zu vernichten?

Israel hat Nachbarn, die erklären offen, alle Juden vernichten zu wollen. Die Gründungscharta der in Gaza herrschenden Hamas zum Beispiel ruft in Artikel 7 zur Vernichtung aller Juden weltweit auf. In den letzten Jahren hat diese Hamas über 7500 Raketen auf Israel abgefeuert. Der vom Freund des deutschen Außenministers Sigmar Gabriel zum „geistigen Führer der palästinensischen Autonomie“ erklärte Mufti Muhammad Hussein sprach einst diese Worte in eine jubelnde Menge:

„Die Stunde der Auferstehung wird nicht kommen, solange wir die Juden nicht vernichtet haben.“

Gegen all das soll sich Deutschland nur stellen, weil deutsche Nazis einst den Holocaust verbrochen haben? Soll das etwa heißen, wenn es den Holocaust durch Deutschland nicht gegeben hätte, dann hätte Deutschland noch seinen Holocaust frei? Ohne Holocaust dürfte Deutschland gegen die Existenz Israels wirken? Ganz nach dem Motto: Jeder nur einen Holocaust! Wenn das so ist, dann haben die Deutschen ihren Holocaust bereits aufgebraucht, aber die Araber haben ihren Holocaust noch gut.

Im Jahr 1941 trafen sich der Großmufti von Jerusalem, Hadsch Muhammad Amin al-Husseini und der Führer von Nazideutschland, Adolf Hitler in Berlin. Es ging um die “Endlösung der Judenfrage”. Al-Husseini wollte das Land, über das er später zu herrschen plante, “judenrein” haben. Weil auch die Naziregierung das wollte, diskutierten der Mufti und der Führer die Möglichkeit zur systematischen, industriellen Ermordung aller Juden. Nach dem Treffen fand die Konferenz am Wannsee statt, dessen Ziel die Planung der Vernichtung aller Juden in Europa war. Al-Husseini soll einer der ersten Nichtdeutschen gewesen sein, der von dieser Planung erfuhr. Adolf Eichmann informierte al-Husseini im Kartenraum des Berliner SS-Hauptquartiers, indem er dort seine Unterlagen für die Wannseekonferenz benutzte. Eichmanns Adjutant sagte aus, dass der Großmufti sehr beeindruckt von diesem Bauplan zur Judenvernichtung gewesen sei. Noch wurde der arabische Holocaust nicht exekutiert? Gilt der Gutschein noch?

Muss man erst einmal selbst einen Holocaust veranstaltet haben, um zu erkennen, dass das nicht geht?

Es gibt nur einen Grund, für das Existenzrecht Israels zu sein: Es ist falsch, ein Land und seine ganze Bevölkerung auszulöschen! Ich brauche keinen Holocaust, um das zu wissen. Der Holocaust ist keine Nachhilfestunde für moralisch Sitzengebliebene, sondern ein unvergessbares und unverzeihliches Verbrechen, aus dem es nichts zu lernen gibt! Was soll es denn auch aus dem Holocaust zu lernen geben? Dass man Menschen nicht millionenfach vergast? Dass Juden auch Menschen sind? Dass man lieb zueinander sein sollte? Dass man sich wehren darf, wenn man verfolgt wird? Dass man Menschen, die andere Menschen vergasen, den Krieg erklärt? Dass man wahnsinnige Menschen mit allen Mitteln entwaffnet? All das sollte man auch ohne Holocaust wissen!

Auch ohne Holocaust hat Israel ein Recht zu existieren und es sollte die Aufgabe Deutschlands sein, Israel im Kampf gegen die Feinde, die Israel vernichten wollen, effektiv zu unterstützen, auch ohne das Wissen um Auschwitz.

Es ist nicht der Holocaust, der uns lehrt, auf der Seite Israels zu sein. Es ist die Aufklärung! Ich bin für Israel, nicht weil ich glaube, irgendwer habe irgendwo zuerst seinen Fuß in den Sand gesetzt oder irgendein Gott habe irgendeinen bärtigen Mann zum Kaffeeklatsch eingeladen, um dabei die Welt einzuteilen, sondern weil Israel das einzige Land im Nahen Osten ist, in dem Frauen und Männer gleichberechtigt sind, Homosexualität staatlich anerkannt ist, die Meinung, Kunst und Wissenschaft frei sind, keine Religion diskriminiert wird und Juden weder besser noch schlechter sein müssen als alle andere Menschen. Jeder Quadratmeter im Nahen Osten, der sich ein Beispiel an Israel nimmt, ist ein gewonnener Quadratmeter für die Aufklärung!

Warum soll ich ausgerechnet das Land im Nahen Osten kritisieren, das mich leben lassen, wie ich möchte und nicht viel mehr all die anderen Länder und Gebiete, die mich verfolgen, weil ich so bin, wie ich bin? Ich brauche den Holocaust nicht, um zu wissen, dass Israel selbstverständlich ein Recht darauf hat, nicht vernichtet zu werden und ich muss nur an mich und an die Prinzipien der Aufklärung glauben, um zu wissen, dass ich auf Israels Seite stehe!

Christoph Schult vom Spiegel jedoch braucht den Holocaust, um das zu wissen. Da könne Juden ja fast froh sein, dass es den Holocaust gab, sonst hätten sie mit Christoph Schult ein richtiges Problem! Obwohl, so ganz zufrieden ist Christoph Schult nicht mit dem Holocaust, denn er schreibt weiter:

„Aber Netanyahu instrumentalisiert den Holocaust mit Vorliebe für andere politische Zwecke. Einmal, als Gabriels Vorgänger Frank-Walter Steinmeier die Gründung eines palästinensischen Staates anmahnte, schimpfte Netanyahu, Steinmeier wolle das Westjordanland „judenrein“ machen.“

Moment mal, Netanjahu instrumentalisiert den Holocaust? Schult hat doch selber zugegeben, dass der Holocaust sein ganz persönliches Instrument ist, auf dem er tagtäglich diese Weise flötet: „Die Naziverbrechen der Deutschen gebieten es Deutschland, Israels Existenz zu sichern, wo immer sie gefährdet ist.“

Außerdem hat Netanyahu gar nicht den Holocaust instrumentalisiert, als er mit Frank-Walter Steinmeier über die Gründung eines palästinensischen Staates gesprochen hat. Er hatte Steinmeier lediglich darauf hingewiesen, dass der Freund vom deutschen Außenminister, Mahmud Abbas, einst gesagt hat:

„In einer endgültigen Lösung können wir nicht mal die Existenz eines einzelnen Israelis in unserem Land sehen, seien es nun Zivilisten oder Soldaten.“

Benjamin Netanjahu erklärt dazu:

„Ich bin sicher, viele von Ihnen haben schon mal die Behauptung gehört, die jüdischen Gemeinden in Judäa und Samaria, in der sogenannten Westbank, seien ein Hindernis für den Frieden. Mich hat diese Behauptung stets verwirrt, denn niemand würde ernsthaft behaupten, die fast zwei Millionen Araber, die in Israel leben, seien ein Hindernis für den Frieden. Sie sind es nicht! Im Gegenteil! Israels Vielfalt ist ein Beweis an Offenheit und Bereitschaft für Frieden. Die palästinensische Führung jedoch verlangt einen palästinensischen Staat mit einer Vorbedingung: Keine Juden! Es gibt einen Begriff dafür: Ethnische Säuberung!

Diese Forderung ist empörend. Und es ist noch empörender, dass die Welt das nicht empörend findet. Einige sonst aufgeklärte Länder unterstützen diese empörende Forderung sogar. Stellen Sie sich selbst mal diese Frage: Würden Sie ethnische Säuberung in Ihrem Land akzeptieren? Ein Gebiet ohne Juden, ohne Hispanics, ohne Schwarze? Seit wann ist Bigotterie ein Fundament für Frieden?

In diesem Moment spielen jüdische Kinder in Judäa und Samaria in Sandkästen mit ihren Freunden. Macht ihre Anwesenheit Frieden unmöglich? Ich glaube nicht! Ich denke, die Intoleranz anderer macht Frieden unmöglich. Gesellschaften, die alle Menschen respektieren, gehen auf Frieden zu. Gesellschaften jedoch, die ethnische Säuberung fordern, wollen keinen Frieden.

Ich sehe einen Nahen Osten, wo junge Araber und junge Juden zusammen lernen, arbeiten und leben können, Seite an Seite in Frieden. Unsere Region braucht mehr Toleranz, nicht weniger. Das nächste Mal also, wenn Sie jemanden sagen hören, Juden sollten irgendwo nicht leben, vor allem nicht in ihrer angestammten Heimat, nehmen Sie sich einen Moment, um über die Auswirkungen dieser Forderungen nachzudenken. Ethnische Säuberung für den Frieden ist absurd.“

Was ist an dieser Aussage eine Instrumentalisierung des Holocausts? Netanjahu instrumentalisiert den Holocaust nicht! Es ist schlichtweg ein trauriger und grausamer Fakt, dass viele Staaten und Gebiete im Nahen Osten „judenrein“ sind oder werden wollen! Der Gazastreifen zum Beispiel ist „judenrein“. Im Jahr 2005 wurde unter Ariel Scharon jedoch der gesamte Gazastreifen von israelischen Siedlungen und Militärstützpunkten geräumt. Seitdem lebt kein einziger Jude mehr im Gazastreifen. Am Morgen des 12. September 2005 verließen die letzten Juden den Gazastreifen über den Grenzübergang Kissufim. Auf deutsch sagt man, seitdem ist die Gegend „judenrein“. Der Abzug der Juden wurde von Arabern teils frenetisch mit Freudenschüssen und Autokorsos gefeiert. Die verlassenen Synagogen wurden in Brand gesteckt. Es kam zu einer wahren “Gazakristallnacht”.

In den Ländern Aden, Algerien und Libyen leben heute keine Juden. Würde der deutsche Bundestag alle Juden aus Ägypten, Irak, Libanon, Syrien, Jemen, Saudi-Arabien und Jordanien nach Deutschland einladen, könnten alle Juden im deutschen Parlament einen Sitzplatz finden, denn es sind gerade mal rund 600 Juden. Würde der Deutsche Bundestag auch noch alle Juden aus Marocco und Tunesien einladen, so wäre die Weser-Ems-Halle mit ihren 8000 Plätzen ein passender Ort. Im Jahre 1948 allerdings lebten dort noch über 850.000 Juden. Sie wurden alle vertrieben, in einigen Ländern sogar bis zum letzten Juden. All das geschah nach dem Holocaust und trotz des Holocausts.

Es gibt heute 16 Länder, die ein Einreiseverbot gegen Juden ausgesprochen haben: Algerien, Bangladesch, Brunei, Iran, Irak, Kuwait, Libanon, Libyen, Malaysien, Oman, Pakistan, Saudi-Arabien, Sudan, Syrien, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Jemen! Einige dieser Länder hassen Israel sogar so sehr, dass sie alles hassen, was mit Israel zu tun hat und daher weder Juden aus Israel ins Land lassen, noch Menschen, die Juden in Israel besucht haben. Dazu gehöre auch ich! Es gibt genau acht Länder, die ein Einreiseverbot gegen mich ausgesprochen haben, weil ich in Israel war. Ich kann nicht mehr das bunte Nachtleben Libyens erleben. Die Schwulen- und Lesbenszene im Sudan muss ohne mich auskommen. Ich kann auch nicht mit Feministinnen im Auto um die Blocks von Saudi Arabien ziehen.

Viele arabische Regierungen und Organisationen sind erklärte Fans der Nazis. Sie posierten stolz mit Hitlergruß, wie dieses Bild beweist und dieses und dieses und dieses und dieser kleine Flakhelfer.

Christoph Schult aber erklärt, Netanjahu instrumentalisiere den Holocaust. Wenn ich sowas höre, kann ich gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte. Für Christoph Schult ist es offensichtlich unerklärlich, dass es Menschen gibt, die über siebzig Jahre nach dem Holocaust, die Tat nicht vergessen können und erklärt den Völkermord stattdessen zu einem „Instrument“ Netanjahus. Darauf muss man erst einmal kommen: Der deutsche Siegfried hat sechs Millionen Juden in Feueröfen zusammengeschmolzen, um daraus ein Schwert für die Juden zu schmieden. Vermutlich sollen die Juden den Deutschen dafür auch noch dankbar sein.

Die Tatsache, dass ein Verbrechen wie der Holocaust nicht einfach so nach siebzig Jahren vergessen werden kann, ist für Christoph Schult keine zwingende Logik, sondern eine böse Absicht der Juden. Gefühle, Ängste, Traumata, all das besitzt der Jude in Schults Vorstellung offenbar nicht. Bei ihm erinnern sich Juden nicht an den Holocaust, weil sie ihn nicht vergessen können, weil Tante Esther jedes Jahr am Seder-Tisch sagt, „als ich noch 5 Jahre war, saßen hier mehr am Tisch, viel mehr“, sondern weil sie ihn nicht vergessen wollen. Gefühle kennt ein Jude in der Welt von Christoph Schult nicht. Schults Netanjahu holt den Holocaust wie ein Instrument hervor, kalt, berechnend und emotionslos. So einfach ist die Welt von Christoph Schult, in der es heißt: Jeder nur einen Holocaust!

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