Offener Brief an die offen heterosexuell lebenden Parteivorsitzenden Angela Merkel und Martin Schulz

Sehr geehrter Bundeskanzlerin,
Sehr geehrter Kanzlerkandidat, 

Es ist die Aufgabe von Heterosexuellen wie Ihnen, endlich damit aufzuhören, als Mehrheit eine Minderheit zu diskriminieren!

Heterosexuelle wie Sie verweigern Homosexuellen Rechte, die Sie sich selbst zubilligen. Das nennt man in allen Sprachen der Welt Diskriminierung, einfache, absolute Diskriminierung. Sie mag noch so milde gehandhabt werden, sie bleibt Diskriminierung. Solange Homosexuelle nicht heiraten dürfen, sondern Ihnen lediglich gütig der Status der Verpartnerung zugebilligt wird, werden sie von der heterosexuellen Mehrheitsgesellschaft höchstens toleriert. Es wird aber Zeit, die Liebe der Homosexuellen zu akzeptieren!

Liebe Angela Merkel,

kein Bund ist tiefgründiger als die Ehe. Er vereint in sich die höchsten Ideale der Liebe, Treue, Hingabe, Aufopferung und Familie. In dem sie die Ehe eingehen, werden zwei Menschen zu etwas Größerem als zuvor. Sie haben mit Joachim Sauer diesen Bund geschlossen. Zur selben Zeit verweigern Sie Ihrem homosexuellen Nächsten dieses Wachsen in der Ehe. Bekommen Sie da keine Bauchschmerzen?

Lieber Martin Schulz,

die Ehe verkörpert eine Liebe, die so groß ist, dass sie sogar den Tod überdauert. Anzunehmen, dass homosexuelle Männer und Frauen die Idee der Ehe nicht respektieren, würde ihnen nicht gerecht. Sie respektieren sie. Sie respektieren sie so sehr, dass sie diese Erfüllung für sich selbst wünschen. Ihre Hoffnung ist, dass sie nicht dazu verdammt sind, in Einsamkeit zu leben, ausgeschlossen von einer der ältesten Institutionen der Zivilisation. Sie erbitten sich die gleiche Würde vor dem Gesetz. Seit vier Jahren ist Ihre Partei in einer Regierungskoalition mit der CDU. In dieser Zeit haben Sie den Menschen konsequent diese Würde verweigert.

Weder die SPD noch die CDU sind es wert, gewählt zu werden, wenn am Tag der Wahl homosexuellen Menschen immer noch die Würde genommen wird, die höchsten Ideale der Liebe, Treue, Hingabe, Aufopferung und Familie in einer der ältesten Institutionen der Zivilisation zu leben!

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In dem Brief finden sich Texte von Stefanie Galla, Hedwig Dohm und dem Obersten Gericht der Vereinigen Staaten von Amerika.

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