Das Gesinnungslachen

Wer Humor in links und rechts einteilt, hat überhaupt nichts verstanden. Wer glaubt, dass eine Kabarettistin zu weit links steht, hockt vermutlich selbst zu weit rechts. Wer glaubt, dass ein Stand-Up-Comedian einen Rechtsdrall hat, ist vermutlich längst links überdreht. Es ist immer die eigene Position, die bestimmt, was man hört.

Für einen Rechtsextremen ist jeder Mensch mit Verstand links und für einen Linksextremen rechts. Für beide Seiten jedoch ist die jeweils andere Seite eine Gefahr! „Darüber macht man keine Witze“, sagen diese Extremisten dann.

Wer glaubt, ein Mensch sei eine Gefahr, weil er einen Witz macht, glaubt auch, eine Frau sei eine Gefahr, wenn sie ohne Verschleierung aus dem Haus geht. Die Zensur ist für die Redefreiheit das, was der Schleier für die Rechte der Frau ist. Jede Frau darf selbst entscheiden, ob sie einen Schleier tragen möchte, so wie jeder Mensch selbst entscheiden darf, ob und zu was er oder sie schweigen will.

Politische Gesinnungen sind die Burkas des Humors sein. Gute Comedy muss nackt sein!

Es gibt Menschen, die haben Witz, andere haben Humor, manche besitzen Ironie und dann gibt es jene Menschen, die bevorzugen politisches Kabarett mit Gesinnungsgarantie. Diese Menschen lieben diesen Spaß: Vorne steht ein Büttenreder, der ein Feindbild zum Auslachen erwählt.

Politisches Kabarett mit Gesinnungsgarantie ist mehr ein Auslachen als ein Mitlachen. Der Finger zeigt immer auf die Anderen. Wer die jeweils Anderen sind, hängt von der Gemütslage der Gesellschaft ab. Ganz sichere Adressen sind jedoch stets “die da oben”. So kann das Publikum die Illusion aufrecht erhalten, für die Politik nicht verantwortlich zu sein. “Die da oben” werden von den Gesinnungslachenden behandelt, als seien sie ihm vorgesetzt worden, so wie ein König oder ein Diktator dem Volk vorgesetzt wird.

Die Funktion des gesinnunsorientierten Spaßmachers gleicht der des politischen Scharfmachers: Beide demonstrieren und schaffen Identität. Sie verkörpern die Instanz, die es dem Publikum erlaubt, zu einer Horde zu werden, in der man die eigene Wut ablassen kann. Das Lachen ist dort eine Form der Aggression.

Es gibt Komiker, die zeigen mit dem Finger auf andere und es gibt Komiker, die zeigen mit dem Finger auf sich.

Jeder Mensch gibt Grund zu lachen, denn Menschen haben Ideologien, Religionen und Überzeugungen und die sind immer auch saukomisch. Es ist absolut berechtigt, darüber Witze zu machen! Wenn jemand glaubt, ich beleidigte ihn, nur weil ich über den Koran, das Evangelium, ein Manifest, Marx, Mohammed oder Jesus lache, dann soll er sich beleidigt fühlen. Ich werde nie auf das Lachen, Zweifeln, Kritisieren und Verarschen von Ideen verzichten. Wer glaubt, ich verachte ihn, nur weil ich Witze über seinen Glauben mache, verwechselt sich mit seinen Überzeugungen. Der Mensch ist jedoch mehr als die Summe seiner Ideen!

Lachen lässt sich nicht politisch verorten, weil Lachen keine freiwillige Sache ist. Ein Mensch hört nicht einen Witz, sortiert ihn dann in seinen Schubladen ein und entscheidet dann, ob er lacht. Wenn ein Witz gut ist, dann muss der Mensch lachen. Er kann gar nicht anders.

Die Frage „Darf man darüber lachen?“ ist absurd. Wer lacht, weil ihm was gefällt, lacht nicht wirklich, sondern demonstriert nur Gruppenzugehörigkeit. Man lacht, weil man lachen muss! Man kann sich hinterher zwar schämen, gelacht zu haben, so man sich schämt, in aller Öffentlichkeit eine Erektion bekommen zu haben, aber die Scham hilft nicht weiter. Das Lachen lässt sich nicht unterdrücken. Man kann höchstens hinterher lügen und sagen, dass man das überhaupt nicht komisch fand, so wie andere Menschen ihre Sexualität verleugnen.

Das Lachen ist vom Willen entkoppelt wie die Lust.

Wenn jemand einen Witz macht, über den man nicht lachen kann, dann lohnt es sich, die Ohren zu öffnen. Wenn nämlich andere lachen, dann wird es deren erogenen Lachmuskeln offenkundig stimuliert haben. Welches Recht haben wir, diesen Menschen das Lachen zu verbieten? Der Humor der Anderern ist keine krankhafte Perversion. Man muss den Humor nicht teilen, aber für jede humoristische Spielart gibt es eine Zielgruppe. Mich zum Beispiel lässt politisches Kabarett mit Gesinnungsgarantie kalt. Ich will nicht bedient werden. Ich will vom Comedian gefickt werden. Ich will lachen, weil ich lachen muss!

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