„Gehorsamkeit ist nur ein anderes Wort für Zustimmung.“

Heute vor 55 Jahren, am 1. Juni 1962, wurde Adolf Eichmann hingerichtet. In der Urteilsbegründung vom 15. Dezember 1961 heißt es:

“Durch welche Zufälle innerer und äußerer Art Sie auch immer auf den Weg geraten sein mögen, auf dem Sie dann zum Verbrecher wurden – zwischen dem, was Sie tatsächlich getan haben, und dem, was andere möglicherweise unter den gleichen Umständen auch getan hätten, liegt eine nicht überbrückbare Kluft. Uns gehen hier nur Ihre wirklichen Handlungen etwas an, und weder die möglicherweise nichtverbrecherische Natur Ihres Innenlebens und Ihrer Motive noch die möglicherweise verbrecherischen Neigungen Ihrer Umgebung. Sie haben sich, als Sie Ihre Lebensgeschichte erzählten, als einen Pechvogel dargestellt, und in Kenntnis der Bedingungen, unter denen Sie lebten, sind wir bis zu einem gewissen Grad sogar bereit, Ihnen zuzugestehen, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass Sie unter günstigeren Umständen je in diesem oder einem anderen Strafprozess als Angeklagter erschienen wären. Aber auch wenn wir unterstellen, dass es reines Missgeschick war, das aus Ihnen ein willfähriges Werkzeug in der Organisation des Massenmords gemacht hat, so bleibt eben doch die Tatsache bestehen, dass Sie mithalfen, die Politik des Massenmordes auszuführen und also diese Politik aktiv unterstützt haben. Denn wenn Sie sich auf Gehorsam berufen, so möchten wir Ihnen vorhalten, dass die Politik ja nicht in der Kinderstube vor sich geht und dass im politischen Bereich der Erwachsenen das Wort Gehorsam nur ein anderes Wort ist für Zustimmung und Unterstützung.”


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2 Antworten zu „Gehorsamkeit ist nur ein anderes Wort für Zustimmung.“

  1. caruso schreibt:

    Gehorsam war in D lange Zeit wie eine Volkskrankheit. „Alle Obrigkeit ist von Gott.“ So
    ungefähr. (Paulus, M. Luther). Ob es nur diese eine Ursache hatte, weiß ich nicht. Aber
    was könnte noch gewesen sein? (Ich kenne mich in der deutschen Geschichte nicht gut aus.)
    Und wie ist es heute? Ich glaube, es ist schwächer geworden, könnte aber noch schwächer
    werden.
    Eichmann aber war nicht nur Gehorsam, er war ein wachechter Antisemit, der gegen
    sein Ende sagte (an den genauen Wortlaut erinnere ich mich nicht): Er geht froh in den
    Tod, im Wissen, daß er so viele Juden vernichtet hat. – Er mußte wahrlich ein lieblicher
    Zeitgenosse gewesen sein.
    lg
    caruso

    • Aristobulus schreibt:

      Ja.
      Und da hört man beim Lesen des Ausschnitts aus der Urteilsbegründung diese etwa drei verschiedenen Stimmen, nicht? Da saßen israelische Richter und berieten einander, wie sie es fassen z´nd dann beurteilen könnten, was Eichmann als Normaldeutscher (im absoluten Sinn normal) getan hat…

      -„…nein, er ist kajn mentsch un kajn zaddik nischt, aber er ist kein Ganef und hat sich nicht bereichert, und er kannte ja nichts Anderes als das zu tun, was man ihm hat befohlen-. Wie nennense das da bei den Dajtschn; Befehlsnotstand? Und was ist nebbich mit dem eigenen Willen?! Gehargent hat er so viele. Wie sollen wir ihn lassen leben-?“
      -„Er hat getan, was er hat getan, und da könnt er heißen Einstein oder Müller!, aber was einer tut, das hat er wollen tun, und da isser dawka wie Pinchas, der gleich sechs Millionen totmacht, obwohl die nichtmal haben gemacht, was die vom Pinchas Totgemachten efscher haben gemacht, und waj!, da isser also gar nicht wie Pinchas, macht das weg aus dem Protokoll!, man wird ja meschigge hier… “
      -„Isser gewesen a Schlemihl?, nu, wird er sein gewesen a Schlemihl. Weiß a Schlemihl aber, was er kann tun, und was er nischt kann tun, um nischt zu werden a Amalek. Hat er geplant und getracht selber, und hat er gemacht asoj wie a Amalek. Isser also kein Schlemihl nischt. Wie sollen wir ihn lassen leben-?“

Seid gut zueinander!

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