Ein wichtiger Brief

Sehr geehrte Oberbürgermeisterin der Stadt Köln,
Liebe Henriette Reker,

ich weiß, dass ich Ihnen diesen Brief senden kann, weil ich Sie in der gemeinsamen Wahlkampfzeit als Frau kennengelernt habe, die zuhört und Kritik nicht persönlich nimmt, sondern als Ansporn versteht, um besser zu werden.

Zunächst einmal vielen Dank, dass Sie am 7. Juni 2017 beim Israel Tag auf dem Heumarkt in Köln als Schirmherrin eine Rede gehalten haben. Es ist schön, die Kölner Oberbürgermeisterin an so einem schönen Tag an der Seite zu wissen. Bevor Sie Ihre Rede hielten, hatten wir bereits Stunden auf dem Heumarkt gefeiert, getanzt, gelacht, gegessen und getrunken. Dann kamen Sie!

Leider bekam die Party mit Ihnen einen Dämpfer.

Sie haben die Stimmung natürlich nicht absichtlich getrübt. Sie kamen nicht zum Israel Tag, um die Party zu verderben, aber was sie taten, vermutlich aus Achtlosigkeit oder weil Ihr Redenschreiber nicht anders konnte, kühlte die ausgelassene Stimmung auf dem Heumarkt doch spürbar ab. Sie taten etwas, das jede Stimmung auf einer Party killt, besonders, wenn auf dieser Party viele Juden feiern. Sie nahmen das Mikrofon in die Hand und redeten über den Holocaust!

Sie waren an dem Tag tatsächlich die erste Person, die auf der Bühne über den Holocaust sprach. Dabei wirkten Sie wie eine Frau, die zu spät zu einer Party kommt, von der sie weiß, dass dort einige Gäste ein Trauma haben, nur um dann zu sagen: „Ich finde es wirklich schrecklich, dass Du damals vergewaltigt wurdest. Das macht mich ganz betroffen! Schrecklich. Prösterchen!“

Wenn es einen Ort gibt, an dem eine deutsche Oberbürgermeisterin christlichen Glaubens nicht auf den Holocaust hinweisen muss, dann ist es der Israel Tag, bei dem viele Menschen anwesend sind, für die der Holocaust grausamer Teil der Familiengeschichte ist.

Ich moderiere den Israel Tag in Köln seit fünf Jahren. Nicht einmal habe ich auf diesem Tag über den Holocaust gesprochen, denn ich wusste, dass ich das nicht musste. Das Wissen um dieses Verbrechen ist nämlich stets da, wenn Juden in Deutschland feiern, zum Beispiel wenn auf der Bühne „I will survive“ gesungen wird und vor der Bühne eine 90-jährige Jüdin tanzt.

Die Kölner Oberbürgermeisterin muss auf dem Israel Tag nicht über den Holocaust sprechen und was es daraus zu lernen gibt. Das wissen die Gäste schon selbst. Genau deshalb feiern sie ja Israel, das jüdische Land und die Lebensversicherung für alle Juden weltweit.

Liebe Henriette Reker,

Sie hätten an dem Israel Tag über so viele andere Dinge reden können. Bei Ihrem Wahlkampf wurden Sie zum Beispiel von den Grünen unterstützt. Sie hätten auf den Jüdischen Nationalfond hinweisen können, der am Israel Tag mit einem Stand auf dem Heumarkt vertreten war und als große Umweltorganisation Wüsten begrünt, Wälder schützt und weltweit eine Vorreiterrolle in der Wasseraufbereitung einnimmt. Wenn es um grüne Technologie geht, kann Köln viel von Israel lernen.

Sie wurden in Ihrem Wahlkampf ebenfalls von der CDU unterstützt. Sie hätten daher auch über all die christlichen Stätten in Israel sprechen können, die Christen besuchen können, weil Israel diese Stätten für Christen schützt. Sie hätten zum Beispiel vom See Genezereth sprechen können, vom Berg der Seligpreisung oder von Jerusalem, eine Stadt, in der Christen sicher sind, weil Israel diese Sicherheit garantiert und verteidigt.

Sie hätten auch sagen können, wie stolz Sie darauf sind, dass die Fahne Israels von dem Kölner David Wolffsohn erfunden wurde. Sie hätten von Max Isiodor Bodenheimer sprechen können, der in Köln wichtige Ideen für den modernen Staat Israel entwickelte und der für Köln so wichtig ist, dass er eine Statue an dem Bürgerturm des Rathauses hat, in dem Sie zur Zeit regieren. Sie hätten auch über die wunderbaren Ähnlichkeiten zwischen dem Kölner Karneval und dem jüdischem Fest Purim berichten können, zwei Feste, die für Freiheit, Leben und Ausgelassenheit stehen, bei denen viel getrunken, gelacht und sich kostümiert wird. Sie hätten auch loben können, dass Israel das einzige Land im Nahen Osten ist, wo Juden, Muslime und Christen friedlich zusammenleben können.

Sie wurden aber auch von der FDP unterstützt und hätten voller Stolz auf die CSD Paraden in den liberalen Städten Köln und Tel Aviv hinweisen können, die zu den erfolgreichsten, schönsten, lebendigsten Paraden der Welt gehören.

Über all diese wunderbaren Dinge hätten Sie sprechen können. Sie hätten eine Rede über das Leben, die Liebe und die heutige Beziehung Kölns zu Israel halten können. Die Jüdinnen und Juden in Köln wollten feiern und glücklich sein. Es gibt schließlich genug Grund dazu. Israel ist ein lebensfroher, liberaler und demokratischer Staat. Leider aber saß ein deutscher Bürokrat in einem Kölner Büro und dachte, als er Israel hörte, zunächst an den Holocaust und dann an die Krisen, in denen sich das Land befindet. Daher schrieb er Ihnen die deprimierende Rede, die Sie an dem Tag vortrugen.

Glauben Sie mir, auch von den Krisen wusste die Mehrheit der Besucherinnen und Besucher auf dem Heumarkt aus eigener Erfahrung, weil sie im Gegensatz zu Ihnen in vielen Ländern dieser Welt ein Einreiseverbot haben, weil sie Juden sind. Die Gäste wussten, dass die Hamas in ihrer Gründungscharta die Vernichtung aller Juden weltweit fordert. Sie wussten auch, dass Minister der Hamas Juden als Bakterien bezeichnen, die vernichtet werden müssen und die Fatah Kinder dazu erzieht, Juden zu töten, um den Familien dieser kommenden Mörder hohe Renten zu zahlen, wenn die Judenmorde erfolgreich waren. Sie wussten auch, dass viele arabische Politiker von judenreinen Gebieten träumen und daher alle Siedler als „illegale Siedler“ bezeichnen, wenn sie jüdisch sind und sogar die pure Existenz von jüdischen Siedlern bereits zum größten Friedenshindernis hochjazzen.

Deshalb bitte ich Sie, wer immer für Ihre Reden am Israel Tag veröffentlich ist, das nächste Mal, wenn Sie zum Israel Tag kommen und verstanden haben, was ich Ihnen gerade gesagt habe, dann überlegen Sie sich einmal genau, was der Israel Tag für ein Fest ist und wer die Gäste sind. Sie werden schnell erkennen, dass alle über den Holocaust und die Krisen im Nahen Osten Bescheid wissen, ja sogar persönliche Beziehungen dazu haben. Nichts, was Sie dazu sagen, ist für diese Menschen neu.
Was die Gäste jedoch nicht wissen, ist, warum Sie den Staat Israel heute unterstützen. Das wäre doch mal ein schönes Thema für eine Rede. Das Volk Israel lebt nämlich. Das Volk Israel ist nicht nur Opfer und möchte gewissen nicht nur als Opfer gesehen werden, schon gar nicht von deutschen Politikerinnen und Politikern. Halten Sie daher mal eine Rede über das Leben und erzählen Sie, was Sie an Israel lieben. Ich habe Ihnen ein paar Beispiele genannt, aber es gibt noch unendlich viel mehr.

Ich kenne Sie persönlich. Sie hören zu und halten sich mit Besserwissereien zurück. Sagen Sie daher Ihrem Redenschreiber, dass Sie in Zukunft den feiernden Jüdinnen und Juden Ihrer Stadt nicht „Holocaust und Krise, Krise, Krise“ zurufen möchten.

Alles Liebe,
Gerd Buurmann

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