Wir alle sind Adam!

Erinnern Sie sich noch an Adam Armush? Am 17. April 2018 wurde er in Berlin auf offener Straße mit einem Gürtel verprügelt, weil er eine Kippa trug.

Der judenfeindliche Akt löste damals einen Sturm der Entrüstung aus. In Köln und anderen deutschen Städten trugen Menschen aus Solidarität Kippa und demonstrierten so sichtbar gegen Judenhass.

Im Juni 2018 fand wieder ein judenfeindlicher Angriff statt, wieder in Berlin und wieder taucht der Name Adam auf. Omer Adam ist ein amerikanisch-israelischer Sänger. Sein bekanntestes Lied ist der Sommerhit „Tel Aviv“ aus dem Jahr 2013.

In der Nacht vom 2. auf den 3. Juni 2018 wurden drei Jugendliche am Bahnhof Zoo angegriffen, weil sie dieses Lied hörten, während sie auf dem Weg von einem Kiosk zur U-Bahn waren. Drei junge, arabische Männer hörten das Lied, in dem immer wieder die israelische Stadt Tel Aviv besungen wird und fragten den Jugendlichen, aus dessen tragbarem Lautsprecher das Lied erklang, ob er Jude sei. Als er dies bejahte, wurden folgende Drohungen ausgestoßen:

„Ich will diese Judenscheiße hier nicht hören! Das hier ist unsere Stadt, unser Revier, wenn ich euch noch einmal hier sehe, schlitze ich dir die Kehle auf, du Scheißjude.“

Die drei Jugendlichen führten ihren Weg zur U-Bahn fort, wurden jedoch von den jungen Männern verfolgt. Auf dem Bahnsteig eskalierte die Situation. Der Jugendliche, der sich als Jude zu erkennen gegeben hatte, wurde beinahe auf das Gleis geschubst. Als sein Freund ihn verteidigte, wurde auch er angegriffen.

„Du Scheiß-Alman (Scheiß-Deutscher) hast hier nichts zu sagen“, wurde ihm entgegengebrüllt, während er an eine Wand gedrückt und mehrfach ins Gesicht geschlagen wurde. Als ein 16-jähriges Mädchen sich einschaltete, um zu schlichten, wurde auch Sie angeschrieen: „Warum machst du als Frau den Mund auf? Warum beschützt du diese Juden?‘“

Erst als die Polizei im Anmarsch war, ergriffen die Täter die Flucht.

Diese Tat ist genauso brutal wie der Angriff auf Adam Armush im April 2018. Da diese Tat jedoch nicht mit einer Handykamera aufgenommen und im Internet verbreitet wurde, erregt dieses Verbrechen bisher keine so große Aufmerksamkeit. Die Empörung aber muss mindestes ebenso groß sein, wie damals, als ein junger Mann mit Kippa verprügelt wurde.

So wie die Stadt Berlin im April 2018 Kippa trug, so muss sie im Juni 2018 das Lied „Tel Aviv“ über die Straßen Berlins spielen, um den Judenhass wegzubassen. In ganz Deutschland soll das Lied erklingen, vor allem in jenen Ecken, in denen der Hass auf Juden und Israel besonders zu Hause ist.

Das Lied „Tel Aviv“ war übrigens das Werbelied für die Tel Aviv Pride, eine in Tel Aviv jährlich durchgeführte Demonstrationsparade für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern.

Dieser Umstand ist besonders interessant, da am ersten Wochenende im Juni 2018 nicht nur ein Angriff auf Juden und ihre Freundinnen und Freunde in Berlin stattfand, sondern auch ein Angriff auf zwei homosexuelle Männer in Köln. Und wieder gibt es eine Verbindung zu Adam. In der Bibel heißt es:

„Und Gott schuf Adam (den Menschen) nach seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn, männlich und weiblich.“

Das war am sechsten Tag der Schöpfung. In vielen Übersetzung steht, „als Mann und Frau schuf er sie“, aber im hebräischen Original steht „männlich und weiblich“. David und Frank sind zwei junge Männer aus Köln und sie sind wie Adam. Männlich und weiblich schuf Gott sie. Sie sind Drag-Queens und öfter mal als Pam Pengco und Vicky Glämorous unterwegs.

Am frühen Samstagmorgen des 2. Juni 2018 um fünf Uhr saßen David und Frank am Rudolfplatz, nachdem sie ausgelassen gefeiert hatten. Als sie von einem Bekannten mit Küsschen verabschiedet wurden, wurden sie von fünf bis sechs jungen Männern mit schwulenfeindlichen Begriffen beleidigt. Frank wurde mit einem Getränk übergossen und David ins Gesicht geschlagen.

Wenn in Deutschland Juden und Homosexuelle nicht mehr in Sicherheit Musik hören und sich Küsschen geben können, dann muss uns das alle alarmieren! Wer einen Menschen angreift, weil er oder sie lebt und liebt, greift Adam an.

Wir alle sind Adam!

Ich rufe alle Clubs, Bars und alle Menschen mit Lautsprechern auf, spielt das Lied „Tel Aviv“ und hisst die Regenbogenfahne. Zeigt Euren homosexuellen Freundinnen und Freunden, egal woran sie glauben, dass ihr sie liebt. Zeigt Eure Solidarität mit Juden und Homosexuellen in Deutschland. Es darf nicht sein, dass die Mehrheit schweigt, wenn sich der Hass ungeniert in der deutschen Öffentlichkeit zeigt.

Zeigt den hassenden Menschen in Deutschland: Wer Juden, Israelis oder Homosexuelle angreift, greift uns an!

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Nachtrag für alle, die nicht bibelfest sind, hier eine kleine Kurzfassung, wie es in der Schöpfung weiter ging. Achtung Spoileralert!

Nachdem Gott Adam am sechsten Tag sowohl männlich als auch weiblich erschaffen hatte, ruhte Gott am siebten Tag. Danach setzte Gott Adam unter Vollnarkose, halbierte Adam, indem Gott eine Seite von Adam entfernte und schuf so Adam und Eva. In vielen Übersetzung wird von einer Rippe gesprochen, die Adam entfernt wurde, aber die Übersetzung „Rippe“ ist ungenau. „Seite“ trifft es besser. Das hebräische Wort „zela“ kommt in der Bibel öfters vor und wird meistens zur Bezeichnung der Seite eines Gebäudes verwendet. Der Begriff kann sowohl eine Bergseite bezeichnen, als auch den Flügel einer Tür. Es geht also um einen gleichberechtigten Teil eines Ganzen, der dem anderen Teil entspricht.

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