So geht das nicht!

Ein offener Brief von Malca Goldstein-Wolf an den Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeiger.

Sehr geehrter Carsten Fiedler,

als pro-jüdische Aktivistin habe ich 2018 auch Unterstützung aus Ihrem Hause erfahren, unter anderem durch diesen Bericht. Mit Ihrer heutigen Berichterstattung unterstützen Sie meinen Kampf gegen Antisemitismus allerdings nicht, im Gegenteil. Wenn Sie Judenhassern wie Wolf Bonnemann eine Bühne geben, helfen Sie mit, Antisemitismus zu schüren.

Ich konnte zunächst gar nicht glauben, was ich da lesen musste. Wolf Dieter Bonnemann macht die Juden selbst, ganz selbstverständlich, für Judenhass verantwortlich. Er schreibt:

„Solange sich offizielle Vertreter der hiesigen Juden nicht von der jetzigen Politik Israels distanzieren, so lange werden Anti-Israel-Haltung und Antisemitismus Hand in Hand gehen, auch wenn weitere Antisemitismusbeauftragte ernannt werden.“

Israelische Politik kann nie als Grund für Judenhass genannt werden. Es ist ein Unding, so etwas zu behaupten und es ist unerträglich, dass so eine Hetze abgedruckt wird. Bonnemann verteidigt indirekt den täglichen Raketenangriff auf Israel, er rechtfertigt Terroranschläge der Palästinenser auf unschuldige Israelis und er verharmlost tätliche Angriffe auf Juden hierzulande.

Auch ich bin dieses Jahr körperlich angegriffen worden, von einer Dame, die sich auch mit einer dieser radikalen pro-Palästina Organisationen identifiziert. Was mein Vergehen war? Ich hatte gewagt, eine kleine israelische Flagge in der Hand zu halten.

Herr Bonnemann macht genau das, was heutzutage in Mode gekommen ist. Er kotzt seinen Hass auf Juden scheinheilig als „Israelkritik“ getarnt in die Öffentlichkeit. Er möchte die Menschen glauben machen, dass die bösen Juden an ihrem Schicksal selbst schuld sind. In diesen Zeiten tragen auch Sie als Medienerstatter eine soziale Verantwortung. Mit Abdruck dieses Statement handeln Sie grob fahrlässig und sorgen dafür, dass Angriffe auf Juden salonfähig gemacht werden. Das ist inakzeptabel und zutiefst unmoralisch.

Falls es Sie interessiert, welch Geistes Kind Bonnemann ist, lesen Sie gerne die palästinensische Propaganda, die auch er unterzeichnet hat.

Herr Fiedler, ich bitte Sie, diesen Artikel nicht so stehen zu lassen. Eine öffentliche Klarstellung ist das Mindeste, um den Schaden zu begrenzen. Ich stehe Ihnen jederzeit zur Verfügung.

So geht das nicht!

Shalom,
Malca Goldstein-Wolf

***

Die Antwort des Chefredakteurs des Kölner Stadt-Anzeigers, Carsten Fiedler:

Sehr geehrte Frau Goldstein-Wolf,

Sie haben Recht: Dieser Leserbrief hätte so nicht veröffentlicht werden dürfen. Die Synagogen-Gemeinde Köln hat sich ebenfalls mit berechtigter Kritik an mich gewandt. Wir haben dazu in der heutigen Ausgabe des „Kölner Stadt-Anzeiger“ neben einem Beitrag der Synagogen-Gemeinde eine entsprechende Stellungnahme der Chefredaktion veröffentlicht mit folgendem Wortlaut:

„Der Kölner Stadt-Anzeiger distanziert sich von jeglichem antisemitischen Gedankengut. Am 10.12.2018 hatten wir kritisch über Antisemitismus in Köln berichtet. Dieser Bericht war Anlass für mehrere Leserbriefe zu dem Thema. Wir haben großes Verständnis für die Sorgen der Synagogen-Gemeinde Köln. In Zeiten, in denen Antisemitismus in Deutschland wieder zunimmt, sind wir als Redaktion gefordert, auch Leserzuschriften besonders kritisch zu prüfen. Leider sind wir in diesem Fall unserem Anspruch nicht gerecht geworden, was wir bedauern.“
Kölner Stadt-Anzeiger, Chefredaktion

Herzliche Grüße,
Carsten Fiedler
Chefredakteur

***

Die Antwort von Malca Goldstein-Wolf:

Sehr geehrter Herr Fiedler,

Ich bedanke mich für Ihre prompte Antwort und Ihre klare Haltung! Was ich mich jedoch immer noch frage ist: „Was geht in dem Redakteur vor, der diesen Leserbrief zum Abdruck gebracht hat?“ Das bereitet mir, ehrlich gesagt, Unwohlsein… Vielleicht fragen Sie ihn mal?

Beste Grüße,
Malca Goldstein-Wolf

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7 Antworten zu So geht das nicht!

  1. A.mOr schreibt:

    „Man wird Israel wohl noch kritisieren dürfen!“

    Und schon wieder: es „darf“ der geneigten Leserschaft gemeint werden.

    Überspringen wir’s, und Alex Feuerherdt kommentiert’s:
    Die Mission eines Schweizer Grünen-Politikers: Zum Teufel mit Israel!

    (Im Artikel sind etliche relevante Querverweise eingefügt für alle, die dem auf den Grund gehen möchten.)

  2. anti3anti schreibt:

    Der Kölner Stadt-Anzeiger distanziert sich NICHT von antisemitischem Gedankengut, schon gar nicht von jeglichem!
    Der Kölner Stadt-Anzeiger verbreitet antisemitisches Gedankengut!

  3. „Sie haben Recht: Dieser Leserbrief hätte so nicht veröffentlicht werden dürfen.“ Wenn nicht so: Wie hätte er denn sonst veröffentlicht werden dürfen? M. E. gar nicht, aber offenbar schwebt Herrn Fiedler eine Form vor, die den Abdruck ermöglicht hätte. Vielleicht mit einer kritischen Stellungnahme der Redaktion? Immer wieder schön, zu sehen, wie sich Verantwortliche winden und drehen, wenn ihnen ein Fehler nachgewiesen wird. Nur wenige haben die Größe, ohne Wenn und Aber zuzugeben, dass etwas falsch gelaufen ist, und ggf. auch Konsequenzen zu ziehen.

    • Dante schreibt:

      „Wie hätte er sonst veröffentlicht werden dürfen?“
      Entsprechend kommentiert. Es soll jedem Wixxer erlaubt sein, sich als Wixxer zu outen, solange es gestattet ist und auch geschieht, dass man ihn einen Wixxer nenne.

  4. Mindestens die für Leserbriefe zuständige Redaktion muss Bonnemanns Hass gegen Juden und Israel teilen. Sonst hätte die üble antisemitische Tirade keine Chance gehabt, veröffentlicht zu werden. Der „Stadt-Anzeiger“ liegt damit voll im Trend: Der linke, rechte und muslimische Hass gegen Juden und Israel nimmt zu; vor allem, weil „Leitmedien“ ihn seit Jahren kräftig schüren. Beinahe täglich gibt es Pseudoberichte, Kommentare, online-Artikel sowie Radio- und TV-Sendungen, in denen der jüdische Staat direkt oder indirekt angegriffen wird. Nicht „nur“ bei ARD, ZDF, arte und 3sat, sondern auch in den Privatmedien („Spiegel“, „Süddeutsche“, „stern“, „Zeit“, „Huff-Post“, um nur einige zu erwähnen) und den „sozialen“ Netzwerken. Das antisemitische Gift sickert immer mehr ein und es wirkt frei nach Goebbels: „Tausendmal wiederholte Lügen werden zu Wahrheiten!“.

    • caruso schreibt:

      Genau! lieber taurus. Genau so ist es. Die Frage ist, wie bekommt man den Stoff, mit dem die Menschen jahrhundertelang vergiftet wurden, aus den Köpfen, der Seelen der Menschen? Falls das überhaupt möglich ist, wird es ebenfalls Jahrhunderte dauern, befürchte ich.
      lg
      caruso
      die urzeitliche Hexe

      • Lieber Caruso, einige Generationen wird es sicher brauchen. Aber man könnte ja schon mal anfangen, doch das geschieht leider nicht – ganz im Gegenteil. Die Beispiele sind Legion; Bonnemanns juden- und Israel-feindliche Hasstirade nur einer von unzähligen Fällen. Es wird nicht der letzte sein.

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