Das I-Wort

„Tschetschenien: Wieder dutzende LGBT verschleppt, zwei getötet“

Mit dieser Überschrift berichtet das Magazin queer im Januar 2019 über eine neue Verfolgungswelle in Tschetschenien gegen homosexuelle Männer. In dem Bericht heißt es:

„Das russische LGBT Network hat am Montagmorgen Meldungen vom Freitag, in Tschetschenien sei die Verfolgung von Homo- und Transsexuellen wieder aufgenommen worden, mit Details bestätigt. Demnach seien seit Ende Dezember um die 40 Personen wegen tatsächlicher oder vermuteter Homosexualität außergesetzlich inhaftiert worden.“

Auch Tapfer im Nirgendwo hat bereits mehrmals über die Verschleppung, Inhaftierung und Folterung von Homosexuellen in Tschetschenien berichtet. Es gibt allerdings einen entscheidenen Unterschied zwischen der Berichterstattung der queer und von Tapfer im Nirgendwo. Die queer bringt es tatsächlich fertig, in dem Bericht über den Schwulenhass in Tschetschenien das I-Wort kein einziges Mal zu benutzen.

Es hat was mit dem Islam zu tun!

Den Islam in diesem Zusammenhang nicht zu erwähnen, ist so, als würde man einen Artikel über die Inquisition schreiben, ohne dabei das Christentum zu erwähnen oder über Deutschland 1938, ohne dabei ein einziges Mal das Wort „Nationalsozialismus“ zu benutzen. Stattdessen wird in dem Artikel der queer sehr oft das Wort „russisch“ benutzt.

Der Schwulenhass in Tschetschenien ist jedoch so russisch, wie das Vernichtungslager in Auschwitz polnisch war. Ja, viele Russen und Tschetschenen hassen Schwule. Es gab 1942 auch Polen, die Juden so gehasst haben wie Deutsche. Auschwitz war jedoch so klar ein deutsches Lager, wie die Gefängnisse für Homosexuelle in Tschetschenien heute Lager des muslimischen Präsidenten Tschetschenien sind. Sein Name ist Ramsan Kadyrow.

Am 2. September 2010 ließ Ramsan Kadyrow vom tschetschenischen Parlament seine Bezeichnung von „Präsident“ in „Oberhaupt“ ändern. Im Parlament diskutiert wurden jedoch auch Vorschläge, Kadyrow den Titel „Imam“ oder „Vater des Volkes“ zu verleihen. Wir haben es somit klar und deutlich mit religiösem Fanatismus zu tun.

Zu den Vorwürfen der Schwulenverfolgung in Tschetschenien sagt ein Sprecher von Kadyrow:

„Diese Publikation ist eine absolute Lüge. Man kann nicht jemanden festnehmen und unterdrücken, den es in der Republik gar nicht gibt.“

Auf die Frage des Sportjournalisten David Scott vom Sender amerikanischen Sender HBO, was er zu den Berichten über Verschleppung und Folter schwuler Männer in Tschetschenien sagen wolle, meinte Kadyrow:

„Was ist der Sinn dieser Fragen? Das ist Schwachsinn. Wir haben hier keine dieser Leute. Wir haben keine Schwulen. Wenn es welche gibt, bringt sie nach Kanada. Gott sei gepriesen. Bringt sie sehr weit weg von uns, so dass wir sie nicht hier zu Hause haben. Um unser Blut zu reinigen: Wenn es hier irgendwelche gibt, nehmt sie.“

Kadyrow ist sich sicher, dass es keine Homosexuellen in Tschetschenien gibt und betont:

„Auch wenn es solche Menschen in Tschetschenien gegeben hätte, hätten die Sicherheitsbehörden keine Probleme mit ihnen, denn ihre eigenen Verwandten hätten sie dorthin geschickt, woher niemand zurückkommt.“

Diese Antwort erinnert an den ehemaligen Präsidenten Irans, Mahmud Ahmadinedschad, der im Jahr 2007 an der Columbia-Universität in den Vereinigten Staaten von Amerika erklärte: „Im Iran gibt es keine Homosexuellen.“

Es ist ein trauriger Fakt: In allen Ländern, in denen Homosexualität mit dem Tod bestraft wird, herrscht der Islam. Umfragen weltweit bestätigen es: Die deutliche Mehrheit aller Muslime findet, dass Homosexualität verboten sein muss. Sogar in aufgeklärten Ländern wie Großbritannien erklären 52% aller Muslime, dass Homosexualität verboten werden soll. Die Verfolgung von Homosexuellen durch muslimische Führer kann somit nicht kritisiert werden, ohne dabei die „religiösen Gefühle“ derer zu verletzen, die im Namen des Islams gegen Schwule zu Felde ziehen. Wer die Religion aus der Gleichung herausnehmen möchte, wird das Problem niemals lösen. Über Homosexuelle sagt Kadyrow:

„Homosexuelle sind schlimmer als Krieg!“

„Ja, die Schwulen müssen ermordet werden!“

„Das sind Teufel! Das sind keine Menschen! Gott verfluche sie für die Anschuldigungen, die sie gegen uns erheben. Sie werden sich dafür vor dem Allmächtigen rechtfertigen müssen.“

In allen Kulturen, Religionen und Ländern findet sich Schwulenhass. Aber nur ein sehr naiver Mensch kann behaupten, dass es keinen Unterschied zwischen der heutigen islamischen und der heutigen christlichen Welt gibt. Die beiden Städte Mekka und Vatikanstadt sind im Jahr 2019 zwei unterschiedliche Welten. Würden im Vatikan Homosexuelle von Dächern geworfen, Frauen gesteinigt und Ketzer enthauptet werden, es gäbe einen massiven Aufschrei.

Solange das I-Wort nicht endlich deutlich ausgesprochen und zur Verantwortung gezogen wird, wird sich nichts ändern. Kritik an Religionen und fundamentalistischen Ideologien ist weder rassistisch noch rechts, sondern notwendige Voraussetzung für die Aufklärung, Emanzipation und Befreiung eines jeden Menschen aus den Fängen der Unterdrückung.

Dieser Beitrag wurde unter Islam veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

21 Antworten zu Das I-Wort

  1. Thomas Schweighäuser schreibt:

    Die Leute von queer.de denken doch etwas politischer als der Blogger: Kadyrow ist Putins Kreatur und beiden ist das I-Wort so egal wie sonst etwas, wenn es nur irgendwie hilft, ihre Herrschaft aufrechtzuerhalten. Und dem amerikanischen Präsidenten ist der Islam in Saudi-Arabien so egal wie irgendwelche ermordeten Journalisten, wenn nur fleißig immer weiter Waffen gekauft und Geschäfte gemacht werden. Wer meint, dass es in der besten aller möglichen Welten, die sich der Kapitalismus seit 1989 geschaffen hat, noch um Ideologie, Werte oder Aufklärung geht, besitzt ein, na ja, nennen wir es: sonniges Gemüt.

  2. Benjamin Goldstein schreibt:

    Ich hab auch noch ein ganz ausgeklügeltes Erklärungsmodell für Tschetschenien, die Schwulenverfolgung und überhaupt die Zustände dort: Ramsan Kadyrow ist ein Schwachkopf.

  3. ceterum censeo schreibt:

    Islamkritik? Im Gegenteil, die Regenbogenfraktion steht doch bei jeder Demo gegen „Rechts“ in vorderster Reihe, um die Religion des Friedens zu verteidigen.
    Aber leider wird Undank ihr Lohn sein.

    • ceterum censeo schreibt:

      PS.: Ich streiche „leider“.

      • Bruno Becker schreibt:

        Dann hast Du eine Frage.

        • U. Langer schreibt:

          Es kann ja nicht jeder ahnen, dass Sie ein solches Problem mit der deutschen Sprache haben! Für Ihr Deutschproblem: Aber Undank wird ihr Lohn sein.

      • Thomas Schweighäuser schreibt:

        „Im Gegenteil, die Regenbogenfraktion steht doch bei jeder Demo gegen „Rechts“ in vorderster Reihe, um die Religion des Friedens zu verteidigen.
        Aber leider wird Undank ihr Lohn sein. (…) PS.: Ich streiche „leider“.“
        An dieser Bestrafungsphantasie zeigt sich einmal mehr, dass sich „Islamkritiker“ und fanatische Moslems eigentlich prima verstehen würden, gäbe es da nicht diese blöde Religion.
        (Wie ja auch ein anderer „konservativer“ Kommentator sich für Witzchen zu einem Bild hingerichteter Schwuler nicht zu schade war.)

        • Benjamin Goldstein schreibt:

          Meinen Sie das?

          Im Übrigen sind mir Linke so fern, dass ich tatsächlich fanatischen Moslems näher bin.

          • ceterum censeo schreibt:

            Ein wundervolles ( wenn auch in der Ausführung etwas amateurhaftes) Bild!
            Es bringt die ganze Schizophrenie von „Multikulti“ auf den Punkt.
            Sehr realistisch auch die Details bei der typischen grauen Gutmenschenschabracke. Sehr gut beobachtet!

        • Thomas Schweighäuser schreibt:

          „Im Übrigen sind mir Linke so fern, dass ich tatsächlich fanatischen Moslems näher bin.“ Das überrascht nicht. Passt ja auch zur Unterstützung, welche die Amerikaner dem Mittelalter in Afghanistan angedeihen ließen und dem Entschluss der Konferenz von Guadeloupe, den antikommunistischen Khomeini in den Iran einreisen zu lassen.
          Reaktionäre verstehen einander eben.

  4. Kanalratte schreibt:

    „Den Islam in diesem Zusammenhang nicht zu erwähnen, ist so, als würde man einen Artikel über den Nationalsozialismus schreiben, ohne dabei ein einziges Mal das Wort „deutsch“ zu benutzen.“

    Es ist eher so als würde man einen Artikel über die Zeit zwischen 1933 und 1945 in Deutschland schreiben ohne das Wort Nationalsozialismus oder Hitler zu verwenden. Ohne diese Begriffe wären die Vorgänge im Land aber schwer(er) zu verstehen. Das heutige Tschetschenien wird eindeutig durch die Vorstellungen des Islam geprägt, so wie das damalige Deutschland eindeutig durch die nationalsozialistischen Vorstellungen Hitlers geprägt wurde.

    Es ist eben nicht politisch korrekt einer uns fremden Kultur bzw. einer Religion wie dem Islam mit seinen starken ideologischen Zügen negative Dinge vorzuwerfen, die man in der Welt der Political Correctness eigentlich gewöhnlich nur der eigenen westlich-europäischen Kultur zuschreiben darf. Besonders die politisch Linken haben große Probleme damit die Missstände außereuropäischer Kulturen oder Religionen (dazu rechne ich den Islam) zu thematisieren.

    „Die beiden Städte Mekka und Vatikanstadt sind im Jahr 2019 zwei unterschiedliche Welten.“

    Weil der christliche Vatikanstaat im Gegensatz zum islamischen Mekka glücklicherweise heute kaum noch über Weltanschauung in den überwiegend christlichen Ländern (zumindest denen der Industriestaaten) mitbestimmt. Der Vatikan hat heute nur noch eine rein spirituelle Bedeutung für die meisten christlichen Katholiken. Koran und Mekka haben dagegen für Muslime eine alltägliche und allgegenwärtige Bedeutung die sich fast überall in der islamischen Gesellschaft bemerkbar macht.

    • U. Langer schreibt:

      So ist es.
      Wenn Herr Buurmann der Meinung ist, dass man nicht über den Nationalsozialismus schreiben kann, ohne das Wort „deutsch“ zu verwenden, macht er den gleichen Fehler wie die Autoren des Magazin queer! Für die Juden in Auschwitz war nicht der Umstand für ihre Ermordung ausschlaggebend, dass es ein deutsches Lager war sondern, dass es ein nationalsozialistisches Lager war! Genau so verhält es sich auch mit den Schwulen in Tschetschenien. Für deren Ermordung ist nicht wichtig, ab sie in Russland, Tschetschenien leben oder sonst wo auf dieser Erde, sondern dass in dem Land, in dem sie leben die Ideologie des Islam sagt, wo es lang geht. So ergeht es eben auch den Schwulen im Iran, in Saudiarabien, in…. und nicht nur den Schwulen, sondern auch den Juden im Iran, in …. und falls man in diesen Ländern ein christliches Kreuz offen trägt oder ein T-Shirt mit dem Spruch „Ich glaube nicht an Gott“, dann hat man auch gute Chancen, keine 100 m weit zu kommen.

      • Kanalratte schreibt:

        Bis 1933 haben die meisten Juden in Europa v.a. in Osteuropa oft enge und positive Verbindungen zu Deutschland gehabt. Im Gegensatz zu Russland. Alleine die Tatsache dass Jiddisch ein deutsche Sprache ist und die meisten Juden daher Deutsch sprechen und verstehen konnten hat dazu beigetragen. Insofern hat das Wort „Deutsch“ die Juden in Osteuropa vor dem Völkermord tragischerweise getäuscht und das wurde auch von den Nazis perfide ausgenutzt, weil viele Juden Deutschland damals als zivilisatorischen Musterstaat ansahen und sich solche Verbrechen nicht vorstellen konnten. Deshalb trägt das Wort „Deutsch“ kaum zum Verständnis der Nazizeit bei ohne dass das Wort Nationalsozialismus erwähnt wird.

  5. caruso schreibt:

    Was, zum Teufel, ist so schlimm mit den „queer“-Leute? In meiner aktiven Zeit, als ich noch unterrichtet habe, kannte ich etliche. Sie sind genau so normal, verrückt, sympathisch, unsympathisch, begabt, unbegabt usw. usf. wie die Heteros. Warum versteht und akzeptiert man es nicht, daß sie nur eine andere sexuelle Präferenz haben, wofür sie genauso wenig können, wie die Heteros für die ihren? Ich begreife das nicht.
    Die sind weder vom Teufel, noch unmoralisch (wenigstens nicht unmoralischer als die Heteros),
    warum läßt man sie nicht in Ruhe?
    lg
    caruso
    die urzeitliche Hexe

    • Kanalratte schreibt:

      Es gibt halt auch die falsche Vorstellung der Übertoleranten jeder Heterosexuelle müsste Homosexualität heute ganz toll finden. Nach dem Motto: „Ich finde ja so toll dass du Schwul bist.“ Das ist die andere Seite der Medaille. Ansonsten interessiert mich einfach nicht was andere in ihren Betten oder Sonstwo machen, solange es nicht kriminell ist bzw. mir oder anderen Menschen schadet.

  6. „queer“ ist linksgrün. Die werden einen Teufel tun, den Islam auch nur indirekt zu kritisieren. Das würde mindestens teilweise die eigene Ideologie erschüttern und zumindest einige LGBT-Leute verunsichern. Zudem könnten die Allah-Gläubigen empfindsam reagieren. Das alles kann doch niemand in der Bunten Republik Deutschland wollen. Allahu akbar!

    • Kanalratte schreibt:

      Es würde das feste Weltbild der Linken erschüttern, nachdem der hellhäutige Mensch im Prinzip für alles Übel der Welt verantwortlich ist. Und das Weltbild der Linken ist dazu auch noch viel zu unflexibel um die eigenen Denkfehler aus der Nachkriegszeit zu korrigieren.

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