NSDAP-Parteizugehörigkeit ist kein Grund für Weg-Umbenennung

Münster – Vor einiger Zeit veröffentlichte ich einen Artikel über einige Menschen, nach denen in Deutschland Straßen benannt sind. In dem Artikel schrieb ich, was diese geehrten Persönlichkeiten so alles gesagt und getan hatten. Bei manchen Worten und Taten, verschlug es mir die Sprache.

Georg Enders las meinen Artikel und schrieb daraufhin eine Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Münster, Markus Lewe und fragte, warum es in Münster einen Heinrich-Lersch-Weg gibt.

Lersch war Mitglied der NSDAP. Sein Spruch „Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!“ wurde 1935 ein Motto der Nationalsozialisten. Lersch hielt Vorträge vor der Hitlerjugend und vor anderen nationalsozialistischen Organisationen. Am 19. August 1934 unterzeichnete er einen Aufruf der Kulturschaffenden anlässlich der sogenannten Volksbefragung zur Vereinigung des Amtes des Reichskanzlers und Reichspräsidenten in der Person von Adolf Hitler und schwur Hitler öffentlich „treueste Gefolgschaft“.

Markus Lewe antwortete Georg Enders und erklärte in einem Brief, er sähe für eine Umbenennung „momentan keine Veranslassung“, da er über bessere Informationen verfüge. In seinem Schreiben betont er: „Diese Argumente stammen nicht aus Wikipedia, sondern sind ausnahmslos mit wissenschaftlichen Standars aus den Originalquellen ermittelt worden.“

Aus Briefen gehe zum Beispiel hervor, „dass Lersch es für nötig hielt, sich mit dem neuen Regime anzufreunden, um die persönliche Existenz zu sichern.“ Na, wenn das kein Grund ist, der NSDAP beizutreten. Ein Briefpartner soll sogar gewusst haben, dass Lersch auf das, „was der Nationalsozialismus in den ersten Jahren als „Volksgemeinschaft“ anbot, hereingefallen ist.“ Ach so, dann ist Lersch also eigentlich ein Opfer der Nazis. Der Arme!

Kein Wunder, dass sich diese Informationen nicht auf Wikipedia finden. Briefe in denen irgendwelche Menschen erklären, Mitglieder der NSDAP, die Vorträge vor Nazis hielten und sogar ein sogenanntes „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ gegenüber Adolf Hitler abgaben, seien eigentlich nur arme Opfer, die auf die Nazis „hereingefallen“ seien, haben natürlich einen ganz eigenen wissenschaftlichen Wert. Da kann Wikipedia nicht mithalten.

Lewe betont zudem, dass es im Todesjahr von Lersch, 1936, Probleme gab, dem Verstorbenen ein Ehrenbegräbnis zu geben. Lersch hatte sich wohl etwas zu sehr auf das Wort „Sozialismus“ in „Nationalsozialismus“ fokussiert und war daher in den Verdacht „kommunistischer Gesinnung“ gekommen. Ein Ehrengrab gab ihm die nationalsozialistische Führung jedoch letztendlich doch.

Der Oberbürgermeister von Münster stellt fest, zwar seien „durch weitere intensivierte Quellen Recherche eine NSDAP-Mitgliedschaft Heinrich Lerch nachgewiesen“, aber: „Die Parteizugehörigkeit alleine stellte kein Kriterium für eine Umbenennung dar, sondern die Frage, ob eine Person als „aktive Stütze“ des NS-Regimes anzusehen ist.“

Wenn eine Parteizugehörigkeit bei der NSDAP nicht ausschließt, in Münster einen Weg zu Ehren benannt zu bekommen, so schlage ich folgenden Kompromiss vor:

Sehr geehrter Oberbürgmeister von Münster,

benennen Sie den Heinrich-Lersch-Weg einfach in Oskar-Schindler-Weg um. Nach Oskar Schindler ist in Münster noch keine Straße benannt. Sollte die Stadt Münster dieser Umbenennung zustimmen, so bin ich zufrieden und Sie haben immer noch einen Weg, der nach einem Mitglied der NSDAP benannt ist.

Einverstanden?

 

Dieser Beitrag wurde unter Deutschland veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu NSDAP-Parteizugehörigkeit ist kein Grund für Weg-Umbenennung

  1. ceterum censeo schreibt:

    Es gibt ja auch genug Helden, nach denen man heute die Staßen in diesem besten Deutschland aller Zeiten benennen sollte. Es hat es sich redlich verdient. (dieses Deutschland).

    “ Christian Lindner, der Siegfried der deutschen Politik – „Nur wer das Fürchten nie erfuhr/ Schmiedet Rotrot-grün neu“ (Siegfried, 1. Aufzug, 2. Szene, Wanderer) –, gestand gegenüber der Bild-Zeitung: „Ich habe die Skrupellosigkeit der AfD unterschätzt.“ Welche bekanntlich darin bestand, einen Kandidaten der Lindner-Partei zu wählen. Die Duisburger FDP fordert nun ein bundesweites Verbot der AfD, weil deren Skrupellosigkeit dazu führte, dass die Anti- bzw. Neofa FDP-Büros angreift (statt AfD-Büros). Aus Bremen wird gemeldet, dass sich dortige FDP-Mitglieder (wegen der skrupellosen AfD) von skrupolösen Aktivisten bzw. Mitbürgern bespucken und bepöbeln lassen mussten; die Parteiführung beklagt Übergriffe auf Parteimitglieder und Vandalismus gegen Parteibüros im gesamten Bundesgebiet (wegen der AfD); wie dem thüringischen ersten und letzten, nunmehr unter Polizeischutz stehenden FDP-Ministerpräsidenten wegen der AfD von links heimgeleuchtet wurde, ist bekannt.

    Um Schonung bzw. künftiges Verschontwerden bat nun der FDP-Politiker Konstantin Kuhle, Mitglied des Bundestags und innenpolitischer Sprecher der Heldendemokraten, via twitter. Die legitimen Attackierer der Skrupellosen mögen doch bitte seine Partei in Frieden lassen, die gelben Recken kämpften doch schon geschlossen „gegen rechts“ und gegen die AfD im Besonderen.
    
    Obwohl sie – wegen der AfD – von links bis Merkel fast so dreckig wie die AfD behandelt wurde, steht die FDP kanzlerinnentreu und fest im Kampfverband der „Altparteien“ (Cl. Roth), um jenem Feind zu wehren, der neuerdings dem „demokratischen Abgrund“ entsteigt, wie Robert Habeck es routiniert genialisch formulierte.
    
    Menschen vergehen wie Weizen im Winter, doch diese Namen vergehen nie. Erzählt man jemals meine Geschichte, soll man sagen, ich ging meinen Weg mit Giganten. Man soll sagen, ich lebte zu Zeiten Kuhles, des Kühnertbespeichlers. Man soll sagen, ich lebte zu Zeiten Christian Lindners!"
    

    Michael Klonovsky

    • A.mOr schreibt:

      Wo ich hier gerade so vorbei fliege, @cc., greif ich mir mal Deinen heldenhaften Klonovsky (isser doch, oder?) und werf ihn wieder runter, bitteschön:

      Um Schonung bzw. künftiges Verschontwerden bat nun der FDP-Politiker Konstantin Kuhle, Mitglied des Bundestags und innenpolitischer Sprecher der Heldendemokraten, via twitter. Die legitimen Attackierer der Skrupellosen mögen doch bitte seine Partei in Frieden lassen, die gelben Recken kämpften doch schon geschlossen „gegen rechts“ und gegen die AfD im Besonderen.

      Obwohl sie – wegen der AfD – von links bis Merkel fast so dreckig wie die AfD behandelt wurde, steht die FDP kanzlerinnentreu und fest im Kampfverband der „Altparteien“ (Cl. Roth), um jenem Feind zu wehren, der neuerdings dem „demokratischen Abgrund“ entsteigt, wie Robert Habeck es routiniert genialisch formulierte.

      Menschen vergehen wie Weizen im Winter, doch diese Namen vergehen nie. Erzählt man jemals meine Geschichte, soll man sagen, ich ging meinen Weg mit Giganten. Man soll sagen, ich lebte zu Zeiten Kuhles, des Kühnertbespeichlers. Man soll sagen, ich lebte zu Zeiten Christian Lindners!“

      Hoffe, daß es nun lesbar(er) ist.

      Wie‘s auch sei, die Lage ist Ernst, und Ernst geht mal zum Lachen in den Keller.

      Nebenbei, „Demokratischer Abgrund“ ist wahrlich tiefgründig formuliert, da bau ich mir mal nen Überschall-Keller: „Wehret der Demokratie! Vom Abgrund bis zur Mosel, from the river to the loo!“

      Oder versteh ich’s nicht?

      • ceterum censeo schreibt:

        Danke für´s Lesbarmachen, bin zu alt für diese Scheiße! Klonovsky ist nicht mein Held und hat auch so seine Mängel. Aber meistens, wie auch hier, hat er Recht.
        Unfaßbar, was hier abgeht!
        PS.: Nach den Ereignissen der letzten Tage zu urteilen, muß man bald schon ein Held sein, wenn man sich wagt, von seinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen.
        Jetzt wird auch für die vielen Selbstgerechten mit der Gnade der späten Geburt endlich die Frage beantwortet : “ Wie konntet ihr das zulassen?“. Genau so, ihr Armleuchter!!!

        • A.mOr schreibt:

          Mich interessieren keine „Helden“ (außerhalb von Comics und Filmen zur Unterhaltung), mich interessiert allerdings ein offener, ein sachlicher und aufrechter, ehrlicher Dialog über alle vermeintlichen Blockaden hinweg (dabei hilft auch bessere Lesbarkeit – wirklich gerne geschehen) die politische Extremisten (oft auch im heuchlerischen Mantel einer „demokratischen Mitte“) so bemüht, und bereits so erfolgreich, aufgebaut haben.

          Auch Politik, und wo man so zu stehen habe, es interessiert mich nicht. Das Problem ist eher, daß es diese Politik offenbar auch nicht interessiert, wenn sie die Ideale der Demokratie verraten.
          Und das geht uns alle an, ob wir’s wollen oder nicht.

          „Bediene dich deines eigenen Verstandes“, oder vertrau wenigstens auf dein Bauchgefühl, ergänze ich dann mal salopp. Auch so als Tipp zum „täglichen Aushandeln“ auf der Straße, hilft immerhin beim Überleben. Kann man doch gut verstehen?, diesen Überlebensinstinkt, und ich wage mir hier die Verallgemeinerung.

          Als Menschen müssen wir miteinander zurechtkommen, die Demokratie ist dafür das am ehesten geeignete Mittel, trotz aller Anfälligkeiten, auch für den Mißbrauch der Demokratie.
          Alternativen dazu (bzw., Anfälligkeiten) kannst Du ja schön plakativ umseitig in Gerds Artikel „#JeSuisMila“ bewundern.

          Du erinnerst Dich wohl, vor Jahren haben wir hier im Blog gerne auch herumgealbert, um dem Ernst der Lage etwas von ihrem Gewicht zu nehmen. Kommt ein Klonovsky daher und scherzt. Nu, ist doch angebracht, oder? Und zusätzliche Tiefgründigkeit in der Aussage, wie Klonovsky sie in der Grünen-Rhetorik entdeckte, sollte schon ruhig mal im ernsthaften Scherz angeredet werden, nicht wahr?

          Also „Alter“, bleib gesund, und der Grube noch eine ganze Weile fern!
          Schönes Wochenende, und den mitlesenden Juden (wenn sie heute nicht bereits abgeschaltet haben) Schabat Schalom! (Und ich schalt dann jetzt auch mal ab;-)

          • ceterum censeo schreibt:

            Erinnere mich. Das waren noch Zeiten, wir dachten, wir hätten Sorgen. Was mögen wohl Ari und Mike so treiben?
            Danke Dir und halte die Ohren steif!

          • A.mOr schreibt:

            Hat man Sorgen kann man sie vertreiben, da hilft Witz und Verstand. Hat man nicht genug davon, holt man sich die Sorgen von anderen hinzu, um sie dann wiederum anderen aufzubürden. Ist wohl der Witz der rutschigen blauen Kugel im weiten Weltenall?

            Ist das nicht Regierungsmotto?
            Deshalb bin ich kein Politiker.
            Hat auch nichts genutzt.

            Mikey und ‚Tobulus?
            Die haben doch beide Familie…
            Ein wenig Hämmern hier und dort könnte schon nicht schaden, nur mangelt es an geraden Nägeln, und die fliegenden Särge lachen allen offen ins geschlossene Gesicht.

            Hau rein!

  2. davboe schreibt:

    Angesichts gewisser Vorkommnisse in den letzten Tagen irritierend …

  3. Till schreibt:

    Hut ab. Ich kenne diesen Enders und der hat sich über den Straßennamen aufgeregt? Der ist doch selber erzkonservativ. Das ist ja so, als würde die AfD Rosa Luxemburg als Straßennamen vorschlagen. Lernfähig is er ja. Der wird vielleicht am Ende doch noch ein linker Salonlöwe.

  4. Nestor Machno schreibt:

    Oskar-Schindler-Weg finde ich ein bisschen mickerig angesichts der Leistung dieses Mannes. Und bitte nicht in Muenster. Die sollen mal ihre Steige, Gassen und Wege nach so glaenzenden Arbeiterdichtern und Kesselschmieden wie dem Lersch benennen. Der passt da schon ganz gut hin.

  5. Bernd L. Mueller schreibt:

    ………..ich bin für Oskar Schindler ! Ohne Wenn und Aber. Bekennende – ehemalige NSDAP Huldiger , einfach vergessen. Nur beim GröFaz und seiner KZ Mörderbande treten wir nach. Unvergessen.

  6. Michaela Lusru schreibt:

    Ich gehe davon aus, dass der Oberbürgermeister von Münster nunmehr sofort handelt und einen (nicht unbedingt kleinen) Weg in „Oskar-Schindler-Allee“ umbenenn lässt, damit die Namensgebung „Heinrich-Lersch-Weg“ nicht länger im Disput gefährdet und aufgrund und mit der zu schaffenden „Parität“ als „neutrale“ weil „ausgeglichene“ Tradierung nunmehr endlich begründet werden könnte..
    Die Tatsache, dass Herr Schindler seinerzeit gewissermassen „heimlich“ oder „trickreich“ das „Reich“ schädigte, indem er vielen Juden half, sollte dabei kein Hinderungsgrund sein, ihm wegen „Zersetzung“ eventuell diese Namensgebung zu verwehren, auch wenn er keine „Aufrufe“ und Vorträge“ in die Welt setzte, mit denen angeblich irgendwelche „sozialistischen“ Aspekte am Nationalsozialismus gelobhudelt wurden.

  7. bobyleff schreibt:

    Sehr guter Vorschlag, in Münster wurde schon die Strasse umbenannt, die nach dem Komponisten Hans Pfitzner hieß. Nach diesem Verehrer vom „Polenschlächter“ Frank heißen noch etliche Strassen, Wir sind erstmal auf zu grossen Widerstand gestossen, weil hier in Wiesbaden die unterste Ebene „Ortsbeirat“ zuständig ist. Aber wir haben nicht aufgegeben —- wie sieht das z, B.in KÖLN aus !!!

Sämtliche Kommentare sind nur ein paar Tage sichtbar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s