Es tut mir leid, dass ich Ihr Bild zerstören muss, weißer Mann.

In der Kommentarspalte von Tapfer im Nirgendwo auf Facebook entwickelte sich Anfang Juli 2020 ein Gespräch zwischen einem Mann aus Deutschland und einem Mann aus dem Gazastreifen. Dieses Gespräch gebe ich hier in einer deutschen Übersetzung von mir wieder. Die Debatte wurde im Original auf Englisch geführt.

Alles begann damit, dass ich von einem Leser gefragt wurde, warum ich die Diskriminierung arabischer Israelis und Nicht-Juden in Israel leugnen würde. Gestellt wurde diese Frage mit Verlinkung zu einem Artikel der Süddeutschen Zeitung.

Ich schlug vor, statt nur die falsche Interpretation des Gesetzes durch die SZ zu lesen, lieber das Gesetz selbst zu lesen und verwies zu einem Link zu dem Gesetzestext. Daraufhin klinkte sich ein weiterer Leser in das Gespräch ein und fragte den SZ-Leser:

Al-Jabari Ahmed: Welche Version haben Sie gelesen? Die arabische, die hebräische oder die englische Presseversion, für die sich die verantwortlichen Journalisten später entschuldigen mussten, da die Übersetzung absoluter bullshit war? An diesem Gesetz ist nichts falsch. Arabisch hat nie an Wert verloren. Es war noch nie eine „Staatssprache“, aber es ist jetzt eine spezielle Statussprache. Kann es vielleicht sein, dass Sie Ausländer nicht damit leben können, dass dieser Staat unabhän wurde, um die jüdische Geschichte zu schützen? Nun, dass Israel so ein Land ist, wussten wir Nichtjuden schon, als wir dort hin gezogen sind, um zu leben. Das diskriminiert mich nicht, ich werde nicht gezwungen, auf Hebräisch zu beten.

SZ-Leser: Ich lehne den parteipolitischen jüdischen Nationalismus ab, der von Menschen wie Ihnen mit der israelischen Flagge als Profilbild gefördert wird. Diese Art von Aktivismus kenne ich sehr gut. Zu gut, fürchte ich. Danke Ihnen!

Al-Jabari Ahmed: Ich bin Palästinenser, also bin ich mir ziemlich sicher, dass Sie einen Kehricht über meine Art von Aktivismus wissen. Sie Ausländer sind nicht in der Lage, ein angeblich „anti-arabisches“ Gesetz vor jemandem mit einer arabischen Identität zu kritisieren. Deshalb benutzen Sie mein Profilbild als Ausrede.

SZ-Leser: Nicht, dass ich Ihnen kein Wort glaube, aber wie wäre es, auf meine Argumentation zu antworten.

Al-Jabari Ahmed: Natürlich glauben Sie mir kein Wort. Ein Palästinenser, der sich für Israel ausspricht, ist gegen Ihre kleine Weltanschauung, in der die Menschen so sind, dass Sie alle ständig gegeneinander kämpfen und keinen Kontakt miteinander haben. Willkommen in der Realität

SZ-Leser: Es gibt keine Religionsgleichheit mehr in Israel. Lesen Sie mal das hier: Aljazeera

Al-Jabari Ahmed: Aljazeera? Warum teilen Sie nicht gleich etwas von der Fatah? Hat die gleiche Neutralität. Israel wurde als sicherer Staat unabhängig, als einziger Staat weltweit, in dem Juden offen jüdisch leben können, ohne diskriminiert zu werden. Wenn Sie das wegnehmen wollen, dann wollen Sie genau den gleichen Bullshit, der bei Hexenjagden gegen Juden endete. Wenn Menschen diese Werte nicht mögen, können sie gerne woanders leben. Dies ist ein Einwanderungsland, niemand kam dort hin, ohne zu wissen, was ihn erwartet. Das ist, als würden Sie sich ein Haus neben einem Flughafen kaufen und sich dann wegen des Lärms beschweren. Ich habe alle Rechte in diesem Land. Ich kann alles werden, sogar Politiker. Ich könnte verdammt nochmal sogar Premierminister werden. Alle meine Dokumente kann ich in vier verschiedenen Sprachen haben, einschließlich Arabisch. Die Knesset und die Gerichtssprache sind Hebräisch und Arabisch. Ich kann sogar an mehr Orte gehen als Juden, denn Juden dürfen selbst in diesem Land nicht alle arabischen Stellen besuchen, aber die Araber dürfen alle jüdischen Stellen besuchen. Ich kann wählen, ob ich zum Militär möchte. Ich kann wählen, ob ich eine arabische oder eine hebräische Schule besuchen möchte. Ihr Artikel von Aljazeera spricht von Besetzung und vom Rückkehrrecht. Es gibt keine Besetzung. Palästinensische Zivilisten waren immer gegen die Definition des UNRWA-Rückkehrrechts. Wen interessiert es, was Nicht-Israelis denken? Israel macht das Gesetz für Israel. Die Palästinensische Autonomiebehörde macht das Gesetz für palästinensische Gebiete. Da beschweren Sie sich aber nicht. Wann hätte ich das letzte Mal in meinem Leben dort wählen können? Lassen Sie mich nachdenken. Oh, stimmt ja, nie. Ich bin einfach zu jung. In Palästina gibt es seit über fünfzehn Jahren keine Wahlen mehr.

SZ- und Al-Jazeera-Leser: In den USA oder in der Apartheid in Südafrika gab es immer Schwarze, die rassistische Gesetze verteidigten. Aber natürlich war es immer eine winzige Minderheit. Gleiches gilt hier für Sie als angeblicher Palästinenser zugunsten Israels.

Al-Jabari Ahmed: Sie wissen nicht mal wer ich bin. „Angeblicher Palästinenser“. Was kommt als nächstes, Junge? Die palästinensische Arbeiterklasse ist für Israel. Ihre Meinung ist eine Meinung, die von Fatah und Hamas gestützt wird. Ich bin übrigens gegen Netanyahu und ich muss kein Fan von ihm sein. Es ist aber keine „Apartheid“, wenn man das gleiche Stimmrecht hat, die selben Straßen benutzt, in der selben Regierung ist, die selbe Sprache spricht und die gleichen Arbeitsbedingungen hat. Es tut mir leid, dass ich Ihr Bild zerstören muss, weißer Mann.

Dieses Gespräch bringt einiges auf den Punkt. Hier sehen wir die typischen Arroganz eines Deutschen, der einem Palästinenser seine Identität abspricht, wenn er es wagt, sich nicht so zu verhalten, wie es von ihm erwartet wird, nämlich als Israelkritiker.

In Deutschland gibt es sehr viele Menschen, die ein großes Interesse daran haben, Araber, Muslime, Palästinenser und Juden gegeneinander aufzubringen, selbst wenn sie alle vier in Frieden in Israel leben. Diese Deutsche befeuern den Streit und den Hass. Sie wollen keine Annäherung und keinen Frieden. Darum versuchen sie, jene zum Schweigen zu bringen, die bereit sind, Frieden mit Israel schließen. Sie rufen sogar zu deren Boykott auf.

Wenn Sie mehr muslimische und arabische Menschen kennenlernen möchten, die Frieden mit Israel geschlossen haben und dies gut begründen können, klicken Sie auf diesen Link: „Muslime für Israel“.

Sollten Sie mich, Gerd Buurmann, in meiner Arbeit als Autor, Künstler oder Betreiber von „Tapfer im Nirgendwo“ unterstützen wollen, überweisen Sie gerne einen Betrag Ihrer Wahl auf mein Konto oder nutzen Sie PayPal.

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke („Gehirne am Strand“), sowie Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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