„Ich bin kein Militärtyp“

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Joe Biden und der Präsident von Afghanistan, Ashraf Ghani, haben am 23. Juli 2021 telefoniert. Das Gespräch zeigt, Ghani warnte Biden vor einer möglichen, baldigen Übernahme des Landes durch die Taliban und Biden empfahl Ghani nachdrücklich eine stärkere Ermächtigung des Militärs. Tapfer im Nirgendwo hat Auszüge aus diesem Gespräch übersetzt.

BIDEN: Herr Präsident, Joe Biden.

GHANI: Natürlich, Herr Präsident, es ist eine Freude, Ihre Stimme zu hören.

BIDEN: Wissen Sie, ich bin etwas zu spät, aber ich meine es aufrichtig. Hey, sehen Sie, ich möchte klarstellen, dass ich kein militärischer Typ bin, genauso wenig wie Sie, aber ich habe mich mit unseren Leuten vom Pentagon und mit unseren nationalen Sicherheitsleuten getroffen, wie Sie es mit unseren und Ihren getan haben, und wie Sie wissen, dass muss ich Ihnen nicht sagen, es gibt, glaube ich, auf der ganzen Welt und in Teilen Afghanistans, die Wahrnehmung, dass es nicht gut läuft im Kampf gegen die Taliban. Und es besteht die Notwendigkeit, ob es nun wahr ist oder nicht, die Notwendigkeit, ein anderes Bild zu schaffen.

(…)

BIDEN: Wenn Sie Bismillah (Verteidigungsminister von Afghanistan, Bismillah Khan Mohammadi) ermächtigen, eine Strategie auszuführen, die sich auf wichtige Teile der Bevölkerungszentren konzentriert, aber ich kein Militärtyp, daher sage ich Ihnen nicht, wie dieser Plan genau aussehen sollte, aber Sie werden nicht nur mehr Hilfe bekommen, sondern auch eine Wahrnehmung, die sich in Bezug darauf ändern wird, wie, ähm, (… unklar), unsere Verbündeten und Leute hier in den Staaten und an anderen Orten denken, was sie tun.

Sie haben eindeutig das beste Militär. Sie haben dreihunderttausend gut bewaffnete Kräfte gegenüber siebzig- bis achtzigtausend und sie sind eindeutig in der Lage, gut zu kämpfen. Wir werden weiterhin Unterstützung aus der Luft leisten, wenn wir wissen, was der Plan ist und was wir tun. Und das bis Ende August. Wer weiß, was danach noch passiert.

Wir werden auch weiterhin sicherstellen, dass Ihre Luftwaffe in der Lage ist, weiterhin zu fliegen und Luftunterstützung zu leisten. Darüber hinaus werden wir weiterhin hart kämpfen, diplomatisch, politisch, wirtschaftlich, um sicherzustellen, dass Ihre Regierung nicht nur überlebt, sondern auch erhalten bleibt und wächst. Denn es liegt eindeutig im Interesse des afghanischen Volkes, dass Sie erfolgreich sind und führen. Und obwohl ich weiß, dass es einerseits anmaßend ist, Ihnen solche Dinge so direkt zu sagen, ich kenne Sie schon lange und ich finde, Sie sind ein brillanter und ehrenhafter Mann.

Aber ich denke tatsächlich, ich weiß nicht, ob Sie sich darüber bewusst sind, wie sehr die Wahrnehmung auf der ganzen Welt ist, dass dies nach einem verlorenen Unterfangen aussieht, was es nicht ist, was es nicht unbedingt ist, aber so ist die Schlussfolgerung: Ich bitte Sie zu überlegen, ob Sie alle zusammenbringen, von Dostum (ehemaliger Vizepräsident Abdul Rashid Dostum) bis Karzai (ehemaliger Präsident Hamid Karzai) und allen dazwischen, wenn Sie stehen und die von Ihnen zusammengestellte Strategie unterstützen und dann einen Kämpfer aufstellen. Sie kennen einen Militärtypen: Khan (Verteidigungsminister Bismillah Khan Mohammadi) kann für die Umsetzung dieser Strategie verantwortlich sein. Das wird die Wahrnehmung verändern. Das wird meiner Meinung nach sehr viel ändern.

(…)

GHANI: Herr Präsident, wir stehen vor einer umfassenden Invasion, die sich zusammensetzt aus der Taliban, mit voller logistischer Unterstützung und Planung aus Pakistan, mindestens zehn- bis fünfzehntausend internationalen Terroristen, überwiegend Pakistanern. Dieser Dimension muss Rechnung getragen werden.

Zweitens ist die Unterstützung aus der Luft entscheidend, und wenn ich eine Bitte formulieren darf, Sie wären sehr großzügig, wenn Ihre Unterstützung, besonders unserer Luftwaffe, frühzeitig erfolgen könnte, denn was wir im Moment brauchen, wir haben uns sehr stark auf die Luftwaffe verlassen. Wir haben uns darauf konzentriert, dass wir es sehr zu schätzen wissen, sollte es möglich sein, die Unterstützung vorzuziehen.

Und drittens, was das Verfahren für den Rest der Hilfe anbelangt, so ist beispielsweise der Militärlohn über ein Jahrzehnt lang nicht erhöht. Wir müssen einige Anstalten machen, um alle zusammenzubringen. Wenn Sie also den nationalen Sicherheitsberater oder das Pentagon beauftragen könnten, jeden, von dem Sie wünschen, dass er mit uns an den Details arbeiten möchten, also an unseren Erwartungen insbesondere in Bezug auf Ihre Unterstützung durch die Luft. Es gibt Vereinbarungen mit den Taliban, von denen (…) bisher nicht wussten. Wegen Ihrer Luftwaffe war sie bei Angriffen äußerst vorsichtig.

Und der letzte Punkt, ich habe gerade noch einmal mit Dr. Abdullah gesprochen. Er ist zu Verhandlungen mit den Taliban gegangen. Die Taliban haben kein Interesse gezeigt. Wir können nur Frieden finden, wenn wir die militärische Lage neu ausbalancieren. Und ich kann Ihnen versichern (…)

BIDEN: (Überschneidungen im Gespräch)

GHANI: Und ich kann Ihnen versichern, ich war in vier von unseren wichtigsten Städten. Ich bin ständig mit dem Vizepräsidenten und anderen unterwegs, wir werden uns sammeln können. Ihre Unterstützungszusage trägt wesentlich dazu bei, dass wir wirklich ernsthaft mobilisieren können. Der städtische Widerstand, Herr Präsident, war außergewöhnlich, es gibt Städte, die fünfundfünfzig Tage lang belagert wurden und die sich nicht ergeben haben. Nochmals vielen Dank und ich bin immer nur einen Anruf entfernt. Das ist es, was ein Freund einem Freund erzählt, also glauben Sie bitte nie, dass Sie sich aufdrängen.

BIDEN: Nein, hören Sie mal, ich danke Ihnen. Sehen Sie, Luftnahunterstützung funktioniert nur, wenn es eine militärische Strategie vor Ort gibt, die Sie unterstützen können.

***

Übersetzung von Gerd Buurmann. Das Original findet sich hier. Wenn Sie einen besseren Vorschlag für eine Übersetzung haben oder wenn Sie finden, dass ich an einer Stelle nicht genau übersetzt habe, senden Sie mir gerne Ihre Verbesserung an: gerdbuurmann@hotmail.de

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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