Was existierte vor Israel?

Bevor Israel im Jahr 1948 die Unabhängigkeit erklärte, gab es für die Region ein britisches Mandat.

Vor dem britischen Mandat herrschte dort das Osmanische Reich.

Vor dem Osmanischen Reich regierten dort mameluckische Dynastien.

Vor den Mamelucken existierte dort das kurdischstämmige Ayyubidenreich.

Vor dem Ayyubidenreich herrschte dort das fränkische und christliche Königreich Jerusalem.

Vor dem Königreich Jerusalem herrschten dort der arabischstämmig Familienclan der Umayyaden und das Kalifat der Fatimiden.

Vor den Umayyaden und Fatimiden gab es das Byzantinische Reich.

Vor dem Byzantinischen Reich herrschte dort die persische Dynastie der Sassaniden.

Vor dem Sassanidenreich herrschte bereits das Byzantinische Reich.

Vor dem Byzantinischen Reich herrschte dort das Römische Reich.

Vor dem Römischen Reich regierten dort die israelitischen Hasmonäer.

Vor dem hasmonäischen Staat gab es die griechischen Seleukiden.

Vor dem Seleukidenreich herrschte das Alexanderreich.

Vor Alexander dem Großen herrschte dort das Perserreich.

Vor dem Persischen Reich herrschte das Neubabylonische Reich.

Vor dem Neubabylonischen Reich gab es dort das Königreich Juda und das Königreich Israel.

Vor dem Königreich Israel herrschten dort die Zwölf Stämme Israels.

Vor den zwölf Stämmen gab es dort einen Fünf-Städte-Bund der Philister.

Davor waren die Städte unter der Verwaltung des Alten Ägypten.

Unter der Verwaltung des Alten Ägypten lebten dort die Kanaaniter, die ältesten bekannten sesshaften Einwohner der Region.

Was es in dem ganzen Gebiet bisher noch niemals gab, ist ein unabhängiges Palästina.

Was ist überhaupt Palästina?

Eine der ältesten schriftlichen Nachweis des Wortes „Palästina“ findet sich bei dem antiken griechischen Geschichtsschreiber und Völkerkundler Herodot. Im 5. Jahrhundert vor moderner Zeitrechnung benannte er das Gebiet „Syria palaistinē“ und zwar in Anlehnung an das Volk der Philister, das da einst gelebt hatte.

Wer waren die Philister?

Die Philister lebten in dem oben erwähnten Fünf-Städte-Bund, der heute auch öfters als „Palästina“ bezeichnet wird. Der Fünf-Städte-Bund bestand aus den Städten Aschdod und Aschkelon, die sich heute in dem Staat Israel befinden, der verschwundenen Stadt Gat, die sich auf dem Hügel Tell es-Safi befunden haben soll, der ebenso verschwundenen Stadt Ekron, auf dessen Gebiet sich heute der Kibbuz Revadim befindet und Gaza im heutigen Gazastreifen, der Teil der Palästinensischen Autonomiegebiete ist.

Die Philister waren Seevölker. Wie sich diese Völker selber nannten, ist nicht gewiss. Wir wissen jedoch, wie sie genannt wurden, nämlich von den Hebräern. In den biblischen Texten werden sie auf hebräisch פְלִשְתִּים (pelischtim) genannt, was auf deutsch als „Philister“ übersetzt wurde. Aus der Bibel kennen wir auch den berühmtesten Philister der Welt: Goliat. Über ihn berichtet das Buch Samuel:

„Da trat aus dem Heer der Philister ein einzelner Soldat heraus: Goliat aus der Stadt Gat. Er war über drei Meter groß. Gerüstet war er mit einem Helm, einem schweren Schuppenpanzer und mit Beinschienen, alles aus Bronze. Dazu hatte er sich noch eine bronzene Lanze auf den Rücken geschnallt. Sein Brustpanzer wog sechzig Kilogramm, sein Speer war so dick wie ein kleiner Baum, und allein die Eisenspitze des Speeres war über sieben Kilogramm schwer.“

Der Begriff „Palästina“ hat mit dem Wort „Philister“ somit einen hebräischen Ursprung.

Als im Jahr 135 das Jüdische Volk vom Römischen Reich zerschlagen wurde, nachdem der jüdische Tempel bereits im Jahr 70 zerstört worden war, entschlossen sich die Römer, das Gebiet neu zu benennen. Um jeglichen Anspruch des Jüdischen Volks auf das Gebiet zu negieren, benannten sie es nach dem Volk, das in der Bibel gegen das Königreich Israels gekämpft hatte. Zu der Zeit gab es das Volk der Philister jedoch schon lange nicht mehr.

Der Begriff Palästina ist somit lediglich eine Gebietsbeschreibung und keine Volksbeschreibung. Es gibt keine palästinensische Sprache und keine unabhängige palästinensische Kultur, dafür aber eine Menge Menschen verschiedenster Glaubensrichtungen und Nationalitäten, die in dem Gebiet lebten und leben, das Palästina genannt wird. Der mit Abstand größte Teil Palästinas liegt im heutigen Jordanien.

Weitere Gebiete Palästinas sind die Golanhöhen, der Gazastreifen, das Westjordanland und Gebiete von Ägypten und Saudi-Arabien. Nur ein sehr kleiner Teil Palästinas befindet sich in Israel, aber alle, die in dem Gebiet Palästina leben, mögen es nun Jordanier, Israelis, Araber, Juden, Christen oder Moslems sein, sind Palästinenser.

Nach dem 1. Weltkrieg und durch den Untergang des Osmanischen Reiches wurde der überwiegende Teil des Gebiets Palästina herrschaftslos. Ab 1922 verwaltete der Völkerbund das Gebiet. Alle Menschen, die zwischen 1923-1948 im britischen Mandat Palästina geboren wurden, bekamen damals „Palästina“ in ihre Pässe gestempelt. Wenn man damals allerdings Araber als Palästinenser bezeichnete, waren sie beleidigt und erklärten: „Wir sind keine Palästinenser. Wir sind Araber. Juden sind die Palästinenser!“

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff „Palästinenser“ als Synonym für „Jude“ benutzt. In den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in Jerusalem ein sogenanntes palästinensisches Orchester. Es bestand ausnahmslos aus Juden. Die Fahne der Region Palästina sah damals so aus:

Das Palästinensische Volk, so wie es heute mehrheitlich verstanden wird, entstand in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Der PLO-Führer Zuheir Mohsen erklärte im März 1977 in einem Interview mit der niederländischen Zeitung Trouw:

„Das palästinensische Volk existiert nicht. Die Schaffung eines palästinensischen Staates ist nur ein Mittel, um unseren Kampf gegen den Staat Israel für unsere arabische Einheit fortzusetzen. In Wirklichkeit gibt es heute keinen Unterschied mehr zwischen Jordaniern, Palästinensern, Syrern und Libanesen. Nur aus politischen und taktischen Gründen sprechen wir heute von der Existenz eines palästinensischen Volkes, denn die arabischen nationalen Interessen verlangen, dass wir die Existenz eines eigenen palästinensischen Volkes als Gegenpol zum Zionismus postulieren (…) Aus taktischen Gründen kann Jordanien, ein souveräner Staat mit definierten Grenzen, keine Forderungen auf Haifa und Jaffa aufstellen, während ich als Palästinenser zweifellos Haifa, Jaffa, Beer-Sheva und Jerusalem fordern kann. Doch in dem Moment, in dem wir unser Recht auf ganz Palästina zurückfordern, werden wir nicht eine Minute warten, Palästina und Jordanien zu vereinen.“

Nach dieser Definition ist das palästinensische Volk lediglich eine Erfindung, um Israel zu zerstören. Dieses Palästina ist nur eine Massenvernichtungswaffe, die gegen Israel geschaffen wurde, um das jüdische Volk zu diffamieren, Israel zu dämonisieren und dem Judenhass eine neue Ausdrucksform zu geben.

Es ist purer Hass auf Israel, der diese Definition von Palästina zulässt. Es ist zudem uralter Hass auf das Jüdische Volk, der es möglich macht, das Leute heute ernsthaft den Blödsinn behaupten und glauben können, die heutigen Palästinenser, die von den israelfeindlichen Partei Fatah und der Hamas regiert werden, hätten irgendeine historische oder kulturelle Beziehung zu den biblischen Philistern.

Dieses aus Hass erfundene palästinensische Volk ist nichts weiter als ein gegen Israel aufgebauter Riese. Es ist jedoch ein Riese, der auf einem so historisch wackeligen Boden gestellt wurde, dass schon eine einfache Steinschleuder ausreicht, um diesen Humbug umzustürzen.

„Im Laufen nahm David einen Stein aus seiner Tasche, legte ihn in die Steinschleuder und schleuderte ihn mit aller Wucht gegen den Feind. Der Stein traf Goliat am Kopf und bohrte sich tief in seine Stirn. Sofort fiel der Riese zu Boden auf sein Gesicht. So überwältigte David den mächtigen Philister mit einer einfachen Steinschleuder und einem Kieselstein.“

***

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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26 Antworten zu Was existierte vor Israel?

  1. HM schreibt:

    Nicht das ich ein zugeneigter Verfächter der „palästinensischen Sache “ wäre, aber es ist schon bemerkenswert, lieber Buurmann, wenn ein Außenstehender erklärt was Andere zu sein haben und was nicht.
    Ist diese Art der Übergriffigkeit nicht ähnliche der, unter denen Juden lange Zeit litten oder heute vielleich noch leiden?
    Das die sie umgebenden ihnen ständig erklärten was sie zu sein hatten und was nicht.
    Was ihre Wesensart wäre und welche nicht.
    Sehr befremdlicher Aufsatz, lieber Buurmann.

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    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Ich erkläre niemandem, was er oder sie zu sein hat. Ich zitiere nur, was Zuheir Mohsen erklärt, was es bedeutet, Palästinenser zu sein und was Menschen von Herodot bis heute unter Palästina verstehen. Es gibt sogar Juden, die sagen, dass sie Palästinenser sind, zum Beispiel Golda Meir: https://youtu.be/zQktwL-kIOs

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    • heinzjaskolla schreibt:

      Lieber HM, hier geht es um Geschichte und den taktisch-strategischen Entwurf eines Begriffes, um dessen Ursprung und Wandel mit der Zeit. Es zeigt, dass es kein Palästina im Sinne von Hamas oder Fatah gab, sondern eine schillernde Vielfalt, unter der auch die Juden selbst subsummierbar sind – der Gegensatz Araber als Palästinenser und Juden als Fremde, als Eindringlinge als ahistorisch und konstruiert ist. Es wird an keiner Stelle das oktroiert, was Sie behaupten – Lese- oder Denkschwäche, oder simple Aversion?

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      • tapferimnirgendwo schreibt:

        Ich fürchte, HM hat diesen Strohmann bewusst aufgestellt. Ich denke nicht, dass es Schwäche ist, es ist vermutlich Absicht!

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      • HM schreibt:

        Lieber Jaskolla,
        wenn Sie Lust haben die Pöbelecke zu verlassen, können wir uns gerne unterhalten.

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        • heinzjaskolla schreibt:

          Lieber HM, wo Sie Pöbelei vermuten, handelt es sich um Richtigstellung und Vermutuing dahingehend, was Sie wohl dazu bringen mag, dem Denkenden Offensichtliches zu ignorieren.
          Aber der Versuch, einer konkreten, inhaltlichen Antwort durch oberflächliches Moralisieren zu begegnen, läßt eher auf Denkschwäche schließen, zumindest jedoch auf Argumentemangel.

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          • HM schreibt:

            Leider scheint es Ihnen nicht möglich zu sein mitteleuropäische Standards in einer Diskussion zu befolgen. Schade!

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          • tapferimnirgendwo schreibt:

            Sind mitteleuropäische Standards in Ihren Augen besser als nahöstliche, sagen wir mal palästinensische Standards? Ich frage für einen Freund.

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          • HM schreibt:

            Nun gut das will ich gerne beantworten, da ja die Zugangsberechtigung für ihren Blog derart erschwert sind, kann ihr Freund mich natürlich nicht selber befragen. Und die Antwort auf seine Frage ist, natürlich halte ich die Mittel europäischen Standards für deutlich besser alsnahöstliche Standards.
            Aber tragisch ist natürlich dass sie die Israelis in ihrer ersten Phase ihrer Frage mit in diesen Topf werfen.

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          • heinzjaskolla schreibt:

            Lieber HM, da bleibt nur noch schmunzelnd zu konstatieren: quod erat demonstrandum – merken Sie nicht, wie Sie generöserweise die Beweislast für die Vermutungen meines Post übernehmen? Argumetativer Kahlschlag als Markenzeichen?

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          • HM schreibt:

            Oh je lieber Kosalla, Sie können sich einfach nicht lösen und sind in ihrer eigenen Fragwürdigen Kinderstube gefangen.
            Aber wir werden beide dennoch gut damit weiter leben können

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    • Jens Philip Höhmann aka Dante schreibt:

      Ich sehe das völlig anders: Es geht überhaupt nicht darum, den Arabischpalästinensern das Recht darauf abzusprechen, in Cisjordanien zu wohnen. Dieser Artikel richtet sich allein gegen das chavinistische Narrativ der Arabyan Brotherhood, „die Zionisten“ hätten einer „eigentlichen Urbevölkerung“, nämlich dem „Volk der Palästinenser“ (womit dann nur Araber gemeint sind) ihr „angestammtes Land“ entrissen.
      Sowohl Araber als auch Juden lebten immer schon dort, sowohl Juden al auch Araber wanderten später ein. Viele Arabischpalästinenser haben nicht weniger, aber auch nicht mehr Recht, sich als Palästinenser zu bezeichnen als die Juden, woher auch immer sie stammten.

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  2. heplev schreibt:

    Der Tempel in Jerusalem wurde von den Römern im Jahr 70 n.Chr. zerstört, nicht während des Bar-Kochba-Aufstands.

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