Dann darf Ihr Mann für Sie wählen!

Am 26. September 2021 stand Marlene K. (Name von der Redaktion geändert) zusammen mit ihrem Ehemann in der Schlange vor dem Wahllokal im Kölner Süden, um an der Bundestagswahl teilzunehmen. Da sie im Gegensatz zu ihrem Mann keine Maske trug, kam eine Wahlhelferin auf sie zu und fragte, ob sie keine Maske tragen möchte. Darauf erwiderte Frau K., dass es keine Frage des Möchtens sei und erklärte: „Nein, ich kann keine Maske tragen und habe das ärztliche Attest zur Maskenbefreiung auch dabei. Wollen Sie es sehen?“

„Nein,“ erwiderte die Wahlhelferin. „Können Sie bitte erst mal rausgehen? Wenn Sie keine Maske tragen, müssen Sie draußen wählen. Ich bringe Ihnen dann die Wahlunterlagen nach draußen.“

Frau K. verließ daraufhin das Gebäude, stellte sich draußen vor das Gebäude und wartete. Während sie wartete, kam ihr Mann dazu, der im Gebäude mit Maske gewählt hatte und sagte: „Du glaubst gar nicht, was da drinnen gerade los. Alle sind in heller Aufregung, weil sie nicht wissen, wie sie mit Dir verfahren sollen. Die telefonieren gerade mit irgendwelchen zuständigen Leuten, weil es hier keine mobile Wahrurne mehr gibt.“

So standen Frau K. und ihr Mann vor dem Gebäude und warteten. Irgendwann kam aufgeregt ein kleiner, etwas dicklicher Wahlleiter mit einer Maske in der Hand, reichte sie Frau K. und fragte: „Können Sie nicht einfach doch für zwei Minuten eine Maske tragen?“

Nein“, erwiderte Frau K. und fügte hinzu: „Das hat schon einen guten Grund, warum ich die Maske nicht tragen kann. Das geht nicht.“

„Ja,“ klagte der Wahlleiter, „aber das bedeutet jetzt, dass wir den Saal für Sie komplett räumen müssen. Es ist so viel los, das geht nicht.“

„Ach so,“ erwiderte Frau K. „Das heißt jetzt aber doch wohl nicht, dass ich mein Wahlrecht nicht ausüben kann, oder?“

Daraufhin wurde der Wahlleiter so nervös, dass Frau K. auf der einen Seite Mitleid mit ihm bekam und auf der anderen Seite nicht wollte, dass sie jetzt als querulante Maskenverweigerin angesehen würde und sagte: „Passen Sie mal auf, mein Mann hat doch eine Maske: Dann soll er doch für mich reingehen und wählen. Geht das? Ist das okay?“

„Ja, nee, eigentlich nicht“, erklärte der Wahlleiter, rang nach Worten und entschied schließlich: „Dann machen wir das jetzt ausnahmsweise mal so. Dann darf Ihr Mann jetzt für Sie wählen!“

So ging der Mann von Frau K. ein zweites Mal mit Maske in das Wahllokal und gab eine zweite Stimme ab, diesmal für seine Frau.

Ich bin jetzt kein Experte, aber ich bin mir fast sicher, dass man nur in der zuständigen Wahlkabine alleine und persönlich wählen kann. Allerdings dachte ich bis vor kurzem auch noch, man müsste als Wähler sicherstellen, dass die Wahl geheim abläuft, aber dann ließ sich Armin Laschet mit dem von ihm ausgefüllten sichtbaren Wahlzettel fotografieren. Seit Corona ist einfach alles anders.

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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