Ihr sollt Euch nicht bedanken, Ihr müsst um Verzeihung bitten!

Immer, wenn ich Politikerinnen und Politiker höre, die sich dafür bedanken, dass wir uns an die Vorschriften zum Umgang mit COVID-19 gehalten haben, möchte ich ausrufen: Ihr sollt Euch nicht bedanken, Ihr müsst um Verzeihung bitten!

Unabhängig von der Notwendigkeit, Sinnhaftigkeit und Effizienz aller Verordnungen, die im Umfeld von Corona erlassen wurden und mit denen, unter bewusster Schwächung der Kompetenz des gesetzgebenden Parlaments, die Freiheitsrechte der Bürgerinnen und Bürger massiv eingeschränkt wurden, alle Einschränkungen wurden in letzter Konsequenz mit Gewalt durchgesetzt, denn am logischen Ende jeder staatlichen Forderung befindet sich die Waffe des Staats. Das Gewaltmonopol liegt beim Staat.

Deutschland hat seit März 2020 die weitreichendsten Einschnitte in die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger des westlichen Teils Deutschlands seit 1949 erlebt. Alle Einschränkungen wurden mit staatlicher Gewalt erzwungen. Dafür will ich kein Danke, sondern Demut!

Alle Bürgerinnen und Bürgern sind verpflichtet, sich an die Regeln zu halten. Wer sich nicht daran hält, wird bestraft. Es ist zynisch, sich bei jemandem dafür zu bedanken, dass er etwas tut, wozu man ihn zwingt und den man bestrafen würde, täte er es nicht. Politikerinnen und Politiker die sich in dieser Situation bedanken, benehmen sich wie Eltern, die zu ihren unmündigen Kindern sagen, sie wünsche sich zu ihrem Geburtstag eigentlich nur, dass ihre Kinder schön brav sind.

Wer mir nicht die Möglichkeit gibt, „Nein“ zu sagen, soll mir nicht mit „Danke“ kommen. 

Wir Bürgerinnen und Bürger sind nicht unmündig. Die Regierenden sind nicht unsere Erziehungsberechtigten. Nicht die Regierung ist die Chefin, sondern wir.

Freiheit wird nicht gewährt. Der Mensch trägt die Freiheit in sich. Die menschliche Freiheit kann lediglich eingeschränkt werden und in den letzten Monaten wurde die Freiheit massiv eingeschränkt, in meinen Augen sogar an den Prinzipien unter Verfassung vorbei. Statt sich zu bedanken, wäre es besser, wenn die Verantwortlichen für diese Misere folgendes sagen:

„Von ganzem Herzen bitte ich um Verzeihung, dass die Regierung diese Einschränkungen in Ihre Menschenrechte vornehmen musste. Ich sehe jedoch leider keine Alternative und übernehme die Verantwortung dafür.“

Freiheit ist kein Gnadenakt der Regierung. Freiheit ist ein Grundrecht. Grundrechte werden nicht durch Lockerung ermöglicht, sondern durch Maßnahmen eingeschränkt.

Mit einer Bitte um Vergebung zeigen verantwortliche Politikerinnen und Politiker, dass die momentane Situation auch für sie nicht akzeptabel ist, sondern höchstens notwendig. Selbst als Notwendigkeit jedoch bleibt die Aktion ein Versagen. Es hätte nie dazu kommen dürfen. Wenn in einem Land die Grundrechte außer Kraft gesetzt werden, so liegt diese Niederlage der Verfassung in der Verantwortung der Regierung.

Es geht darum, wie man mit Niederlagen umgeht.

Auch die Notwendigkeit der temporären Einschränkung der Grundrechte ist eine Niederlage, die nicht ohne politische Konsequenzen erfolgen darf. Sonst sind die Werte der Verfassung nichts wert.

Mit einer Bitte um Vergebung würde die Regierung die Verantwortung für die Aussetzung gewisser Grundrechte übernehmen und die Möglichkeit lassen, die Bitte entweder anzunehmen oder auszuschlagen. Es gibt einfach Dinge, die tut man einem anderen Menschen nicht an, ohne um Verzeihung zu bitten. Und es gibt Dinge, für die man die Verantwortung übernehmen muss, wenn man sie als Regierung nicht verhindert konnte.

Menschen werden dort gebraucht, wo eine eindeutig richtige Lösung nicht mehr möglich ist. Für Aufgaben, die einwandfrei gelöst werden können, gibt es Computer. Kein Mensch kann lösbare Probleme besser lösen als ein von Menschen gemachter Computer. Es gibt aber auch Fragen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt. Oft handelt es sich dabei um Fragen der Ethik und der Moral.

Wo es keine eindeutig richtigen Antworten mehr gibt, wo aber dennoch Entscheidungen gefällt werden müssen, da tritt der Mensch mit seiner Verantwortung auf den Plan. In solchen schwierigen Situationen der Krise müssen Menschen entscheiden und für ihre Entscheidungen müssen sie dann persönlich Verantwortung übernehmen. Ob sie als Helden gefeiert oder als Versager gestürzt werden, wird und kann nur die Zukunft zeigen.

Wer sich jedoch bei Menschen bedankt, die er zu etwas gezwungen hat, übernimmt keine Verantwortung.

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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Eine Antwort zu Ihr sollt Euch nicht bedanken, Ihr müsst um Verzeihung bitten!

  1. David schreibt:

    Danke für die offenen Worte! Daß „offene Worte“ heute etwas Außergewöhnliches sind, zeigt, wie weit wir auf der abschüssigen Bahn vorangekommen sind. Ich betrachte fassungslos die Apathie in der Bevölkerung und die Duldung genau der unsäglichen Zustände, die Sie beschreiben. Die jetzige Politikerkaste, ich glaube, daß das mit Fug und Recht gesagt werden kann, ist eine Negativauswahl völlig machtgeiler, bösartiger und skrupelloser Menschen.

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