Ein Wahrheitsministerium

„Es ist wichtig, gerade übrigens im öffentlichen-rechtlichen Rundfunk, dass wir die Vielfalt von Meinungen präsentieren. Das ist sehr, sehr wichtig. Ich glaube, darauf können wir uns alle einigen. Ich glaube aber, man muss eben so eine Unterscheidung machen zwischen was ist Meinung und was ist eine falsche Tatsachenbehauptung.“

Dieser Ausspruch stammt von Franziska Brandmann (FDP). Sie äußerte sich in dieser Weise in einer Gesprächsrunde von BILD zum Thema „Die große SWR-Kritik von Lisa Fitz“.

Die Kabarettistin Lisa Fitz war in der SWR-Satiresendung „Spätschicht“ mit einer Nummer aufgetreten, die derart für Aufregung gesorgt hatte, dass der Sender die Folge mit dem Beitrag schließlich aus der Mediathek heraus nahm. Bereits in der Sendung hatte sich der Moderator der Sendung, Florian Schröder, in seiner Anmoderation der Kabarettistin ausdrücklich vom Inhalt des Beitrags distanziert, „ein einmaliger Vorgang in der Kabarett-TV-Geschichte“, wie Lisa Fitz später erklärte.

Es ist das gute Recht jeder Redaktion, selbst zu entscheiden, was sie veröffentlichen möchte. Jede Redaktion darf sich ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst aussuchen. Zudem darf jede Redaktion behaupten, im Besitz der Fakten zu sein. Auf dem Markplatz der Meinungen, im Widerstreit der Ansichten und auf dem Prüfstand der Fakten konkurrieren die Medien untereinander auf der Suche nach interessanten Nachrichten und wahrer Berichterstattung.

Es gibt jedoch ein Problem, wenn ein Medium nicht nur behauptet, die Fakten zu kennen, sondern für sich auch noch in Anspruch nimmt, unter Zuhilfenahme der staatlichen Gewalt alle Bürgerinnen und Bürger zu zwingen, ihre Behauptung der Wahrheit zu finanzieren. Eine Organisation, die Menschen mit staatlicher Gewalt zwingt, ihre Faktensuche und Faktenbewertung zu finanzieren, nähert sich graduell einem Wahrheitsministerium an.

Kein Staat kann Objektivität schaffen. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, einen Riesen zu erschaffen, der über die Wahrheit wacht.

Der Staat kann Objektivität lediglich schützen und zwar indem er als Hüter der Grundrechte aller auftritt. Der Staat muss das Recht auf freie Meinung verteidigen, auch wenn die Meinung nicht allen Bürgerinnen und Bürgern gefällt. Allein die chaotische Zeit von Corona hat gezeigt, wie oft etwas, das gestern noch als recht sicher galt, heute in Frage gestellt und morgen vielleicht sogar widerlegt wird.

Nachrichten sind immer Meinungen, allein schon deshalb, weil sie aktuell sind und daher nicht ausreichend geprüft werden konnten, um als hundertprozentig sichere Wahrheit gelten zu können. Nachrichten sind auch deshalb immer Meinung, weil eine Redaktion entschieden hat, über dieses Ereignis zu berichten, während sie andere Ereignisse unter den Tisch hat fallen lassen.

Alles, was auf ein paar Minuten reduziert wird, ist fehlerhaft. Die Wahrheit ist nämlich keine Nachricht, sondern stets ein langes Ringen mit vielen falschen Handgriffen.

Die Aussage von Franziska Brandmann ist daher antiliberal. Es verwundert, dass sie in der FDP ist. Es ist nicht liberal zu behaupten, es bräuchte eine staatlich erschaffene Organisation, die feststellt, was eine falsche und was eine richtige Tatsachenbehauptung ist.

In der Politik geht es um Macht. Mediale Reichweite ist Macht. Je mehr Reichweite ein Mensch hat, umso mächtiger ist er. Wer die Macht hat, Teil des Sprachrohrs der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zu sein, bekommt dadurch extrem viel Reichweite. Durch das öffentlich-rechtliche Systeme werden Megaphone an ausgewählte Akteure verteilt. Diese Macht zu missbrauchen, ist für Menschen, die etwas in der Gesellschaft bewegen oder verändern wollen, sehr verführerisch, denn sie ermöglicht es, Fakten und Wahrheiten zu behaupten und die politischen Gegner als Lügner zu diffamieren.

Am 30. Januar 2020, ein paar Wochen vor dem ersten Corona-Lockdown, wurde von Christoph Süß in der Sendung „quer“ des Bayerischen Rundfunk erklärt, jeder, der behauptet, das Coronavirus sei so gefährlich, dass Grenzen geschlossen, der Verkehr eingeschränkt und manche Berufe eingestellt werden müssten, sei ein rechter Verschwörungstheoretiker:

„Wer die Apokalypse zur Basis seines Denkens macht, der schlägt Maßnahmen zu deren Verwirklichung vor.“ Christoph Süß fügte hinzu: „Natürlich beteiligt sich auch der Asthmaanfall für Deutschland, kurz AfD, an der Paranoiaproduktion und rechte YouTuber kriegen sich vor lauter Endzeitpsychosen gar nicht mehr ein.“

Heute gelten jene, die das sagen, was Christoph Süß am 30. Januar 2020 gesagt hat, als gefährliche Querdenker. Am 14. März 2020 warnte das Bundesministerium für Gesundheit vor falschen Tatsachenbehauptungen:

„Achtung Fake News: Es wird behauptet und rasch verbreitet, das Bundesministerium für Gesundheit / die Bundesregierung würde bald massive weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigen. Das stimmt NICHT!

Diese und ähnliche Falschinformationen verunsichern gerade viele Bürgerinnen und Bürger. Bitte helfen Sie mit, ihre Verbreitung zu stoppen und sie richtig zu stellen.

Lassen Sie uns gerade jetzt besonnen bleiben und einander auch unter Stress vertrauen.“


Am 22. März 2020 stellten die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Bundesländer die Regeln zum Corona-Virus vor. Sie beinhalteten massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Einer Regierung, die sich anmaßt, Bewertungen, die sich später als wahr erweisen, als Falschaussagen zu bezeichnen, sollte man nicht auch noch einen Medienriesen zur Seite stellen, die diese Politik befördert. Vor allem aber sollte man davon absehen, den öffentlich-rechtlichen Anstalten zu attestieren, sie könnten entscheiden, was die richtigen Tatsachenbehauptungen sind.

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Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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14 Antworten zu Ein Wahrheitsministerium

  1. Hoppie schreibt:

    „Einer Regierung, die sich anmaßt, Bewertungen, die sich später als wahr erweisen, als Falschaussagen zu bezeichnen, sollte man nicht auch noch einen Medienriesen zur Seite stellen, die diese Politik befördert.“

    Naja, aber das Thema ist ja durch, damals, als die öffentlich rechtlichen auf das „alle müssen blechen“ Modell umgestellt haben ging das ja nur mit der entsprechenden politischen Rückendeckung. Und ich denke jetzt wird von der Politik halt die Gegenleistung dafür eingefordert.
    Eine Hand wäscht die andere. Mit Kohle.

    Das Narativ wird sich nur ändern wenn die Kosten-Nutzen Rechnung stimmt, sowohl bei Politik als auch ÖR. Wahrheit, Fakten, das hat damit nichts zu tun. Die ÖR verstehen ihren Auftrag nicht darin zu informieren sondern zu sozialisieren. Das Volk dazu erziehen das richtige zu denken. Und was das richtige Denken ist, das wissen die Hohepriester aus Berlin.

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  2. R. Schuessler schreibt:

    PS.: das Fazit habe ich nicht mitgeschrieben: da ist praktisch keiner, der das ändern kann und will. Die „Mehrheit“ trägt das, so wie es ist, die Nutznießer sowieso und die wenigen Kritiker können sich nicht mit vernünftigen Argumenten „gegen“ die Mehrheit – für das Überleben – durchsetzen, weil Vernunft nicht der wesentliche Beweggrund der Massen ist. Lieber Untergang als allein. Lemming.
    So das explizite Fazit, betreffend u.a., aber nicht nur den zwangsfinanzierten, Austausch verhindernden Einbahnstraßenfunk der Propagandaanstalten.

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  3. R. Schuessler schreibt:

    Es ist einfach: die „Masse“, die „Mehrheit“ ist in ihrer Auffassungsgabe, ihrem Verständnis, ihrem Mitfühlungsvermögen usw. dermaßen begrenzt, dass sie immer lieber einem – zum eigenen Vorteil – lügenden Heilsverspecher folgt als der Vernunft. Die eigenen Vernunft, das eigene Nachfragen: zu anstrengend, zu schwierig, zu anstößig und dazu abdressiert von Schule und Medien.
    Also lieber das machen, was der sagt, der von sich selbst behauptet, alles besser als jeder andere zu können: soziopathische, egomanische Lügner(1).
    Diese finden wir seit tausenden von Jahren immer wieder in der mitte von Gruppen, deren Hauptmerkmal die Konformität ist, die Anpassung an die anderen. Das nutzt der Psycho, weil das sein Überlebensprinzip ist. Die Gruppe sichert sein Überleben. Niemals wird sich so einer für die Gruppe opfern.
    Und die ihm fraglos folgende Masse schlägt jeden tot (im übertragenden Sinn und zu manchen Zeiten real), der nicht mit will mit dem, was der Lügner sagt und die Gruppe macht. Egal, ob die Gruppe, Lehrer, Richter, Polizei, Partei oder sonstwie heißt. Die wenigen, die überhaupt sehen, dass dieser Weg nur zum Untergang führen kann, werden nicht lange in einer solchen Gruppe geduldet. Widerspruch, „Querdenken“ das stört das Gemeinschaftsbefinder „Wir sind mehr“. Wir sind Lemminge. Heil dem Untergang. Gemeinsam.

    (1) das kann nicht gewertet werden. Es dürfte sich dessen Möglchkeiten entziehen, „anders zu sein“. Dieser Mensch ist so. Kein Arschloch, kein schlechter Mensch, nur ein Mensch mit Eigenschaften, die in der oben geschilderten Situation zu Problemen führen.

    PS.: das ist nur meine, naive Sicht der Dinge, abgeleitet aus dem, was ich sehe. Ich erhebe keinen Anspruch auf „Wahrheit“.

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  4. nouseforislam schreibt:

    Meine Mail an der BR, Sendung „quer: Bei solchen Äusserungen (bezogen auf die TV-Sendung) stelle ich mir drei Fragen: 1. Ist Herr Süß dumm?, 2. Ist er ein Arschloch?, 3. Ist er in dummes Arschloch? Da er allerdings ein an den Zitzen des BR hängender öffentlich-rechtlicher Parasit ist, spielt das wohl keine Rolle. Ich bezweifle auch, dass er sich jemals Gedanken darüber macht, was er da für einen zerberalen Müll abgelassen hat (braucht er ja auch nicht, s. o.). Ein dummes Arschloch wie Herr (?) Süß (ich habe mir die Frage schon beantwortet) schlägt einfach mal drauf, weil er ein staatlich bestallter „Satiriker“ ist (Wobei das bei Berufskollegen wie Herrn(?) Böhmermann – einem weiteren dummen Arschloch – inzw. eher ein Schimpfwort ist). Selbstironie ist dem Herrn(?) wahrscheinlich eher fremd. Mein Gott, wie ich dieses erbärmliche und geschwätzige Personal bei euch verachte, diese Arschlecker, die so geflissentlich in jeden Hintern kriechen, dessen Scheisse sie so gerne riechen. Es wird Zeit, dass man euren Drecksladen zumacht und das Personal zu echter ARBEIT in der Windradproduktion schickt. In diesem Sinne…..

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    • thomasexgotha schreibt:

      Und? Haben die „öffentlich-rechtlichen Parasiten“, „dummen Arschlöcher“ resp. das „erbärmliche und geschwätzige Personal“, „diese Arschlecker, die so geflissentlich in jeden Hintern kriechen“ schon geantwortet? Oder haben sie, was eher angeraten zu sein scheint, ein paar Mittelchen geschickt, um Ihre Hausapotheke aufzustocken?

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      • nouseforislam schreibt:

        Ich drehe mich mal langsam um, lasse meine Hose runter und lasse dich die Öffnung sehen, in der mich schon die ÖRs lecken können. Wohl bekomms, Systemknecht.

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        • HM schreibt:

          Ich hatte mir ja gewünscht, daß hier dann eventuell doch mal wieder, eine leidlich vernünftige Diskussion stattfinden könnte.
          Scheint nicht zu funktionieren. Die Autoren der Texte beschränken sich aufs verkünden,
          die Kommentatoren geben inhaltsschwere Aussagen wie „wow“ zum Besten oder kotzen ihre allgemeine Wut hier hin total falscher Ort) und das in einer Wortwahl die eigentlich absolut unangemessen ist.

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          • nouseforislam schreibt:

            Sorry, wenn das so rüberkommt, aber seit dem Okt. 2015 bin ich mit dem ÖR-TV durch. Die Berichterstattung ist einseitig, es wird AgitProp betrieben, das Kabarett liegt unter DDR-Niveau, in jedem mies produzierten TV-Krimi wird geframt und die richtige Haltung verbreitet, die Einstellung bestimmter Bevölkerungsteile findet nicht mehr statt. Da kann ich nur noch aggressiv reagieren – neben einer einseitigen Kürzung der Gebührenbeiträge – und meinen Frust raus“prollen“. Und wenn ich mir dann die persönlich an mich gerichteten Sprüche der Systemlinge (der Begriff wird auch wieder einigen nicht passen) anhören muss, platzt mir der Kragen. Ich attackiere die Vetreter der ÖR-Medien und der selbsternannte „Sexgott“ attackiert meine Person. Leute, die die Herrschaftsstrukturen auch noch verteidigen, sind besonders peinlich. Und wenn ich mir das hochgestochene Geschreibsel des Herrn auf seinem Blog angucke, ist es doppelt peinlich. Aber jedes System braucht eben seine (pseudo)intellektuellen Schwätzer, die es mit wohlfeilen Worten verteidigen, am besten noch mit einer Portion Heuchelei. Ich schreibe zumeist so, wie ich mich fühle. Das mag manchmal grob daherkommen, aber über die Stufe des feinen verbalen Fechtkampfes bin ich schon lange hinaus. Es gibt diverse Protagonisten im ÖR-TV (Süss, Moor, Kebekus, Die Anstalt, etc.) – um beim Staatskabarett zu bleiben – da fällt mir nichts anderes mehr ein, als sie mit verbaler Gülle zu bewerfen, denn etwas anderes haben diese miesen Propagandisten nicht verdient.

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          • HM schreibt:

            Ich kann Ihren Ärger über den Informations- und Meinungstransport im ÖR-Funk gut nachvollziehen – geht mir häufig ähnlich – , aber, völlig losgelöst von jedwedem Argument, sich gegenseitig das Maul verbieten, kann nie und nimmer der richtige Weg sein, da wäre dann die Parallele zum ÖR.
            Wenn es denn ohne „ums Maul hauen“ nicht geht, warum dann nicht möglichst mit Argument.
            Einwortargumente wie Nazi, Systemling, links-grün versifft, faschitoid,
            homophob sind kaum etwas Anderes als die mittelalterlichen Fackeln und Mistgabeln.

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        • thomasexgotha schreibt:

          Wusste gar nicht, dass eine simple Tourette-Diagnose einen bereits zum „Systemknecht“ macht. Man lernt nie aus.

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  5. Pingback: Ein Wahrheitsministerium — Tapfer im Nirgendwo – Ollis Blog der Infamie

  6. nouseforislam schreibt:

    Bei Typen wie dem Süß gibt es drei Möglichkeiten der Charakterisierung: 1. Er ist dumm. 2. Er ist ein Arschloch. 3. Er ist ein dummes Arschloch.

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