Kennen Sie Candace Owens und M.I.A.?

Ich bin Mitglied im Artikel 5 Club. Dieser Club kennt nur eine Aufnahmeregel: Verteidige das Recht eines Menschen, dessen Meinung Du verabscheust, seine Meinung sagen zu dürfen. Es darf aber keine Meinung sein, die Du nur blöd findest oder wo Du lediglich eine andere Meinung hast, nein, es muss eine Meinung sein, die Dein Blut zum Kochen bringt. Die Meinung muss Dich richtig anekeln und Dir Angst machen.

Oft höre ich, Meinungsfreiheit schließe keine Hassreden und Falschaussagen ein, aber genau das tut sie. Es ist die exakte Definition von Meinungsfreiheit, dass auch falsche Meinungen geäußert werden dürfen. Es gibt kein Zuviel an Meinungsfreiheit. Entweder gibt es Meinungsfreiheit oder es gibt sie nicht. So einfach ist das. Wer glaubt, ein Mensch sei eine Gefahr, weil er spricht, glaubt auch, eine Frau sei eine Gefahr, wenn sie ohne Verschleierung aus dem Haus geht. Die Zensur ist für die Redefreiheit das, was der Schleier für die Rechte der Frau ist. Jede Frau darf selbst entscheiden, ob, wann und wo sie einen Schleier tragen möchte. 

Mathangi Arulpragasam ist eine Frau, die kein Schleier vor dem Mund nimmt. Unter dem Namen M.I.A. ist die Britin als Rapperin, Sängerin und Musikproduzentin unterwegs und hat in ihrer Karriere bereits einige extreme Dinge rausgehauen. In ihrem Lied „Sunshowers“ zum Beispiel singt sie: „Like PLO I Don’t Surrender“ (Ich gebe wie die PLO niemals auf). In ihrem bisher erfolgreichsten Lied „Paper Planes“ taucht wiederholt eine Sequenz von vier Revolverschüssen auf. Im Jahr 2012 sorgte sie während eines Auftritts mit Madonna und Nicki Minaj beim Super Bowl für Aufsehen, als sie einen Mittelfinger in die Kamera hielt. Im April 2020 verbreitete M. I. A. im Zuge der COVID-19-Pandemie die Behauptung, das Virus stünde mit der Mobilfunktechnologie 5G im Zusammenhang.

M.I.A. ist eine Künstlerin, die in ihrer Haltung im deutschen Jargon gerne als „umstritten“ bezeichnet wird. Am 1. November 2022 stellte sie eine Liste auf Twitter online, in der sie die teilweise unterstellten Gründe aufzählte, warum sie von Radiostationen und Fernsehsendern nicht mehr gespielt wird:

In der Liste fragt sich M.I.A, was wohl der nächste Grund sein wird, warum Leute ihre Lieder aus dem Programm nehmen werden. Nun scheint es einen Grund für das Jahr 2022 zu geben, denn M.I.A. hat sich öffentlich mit Candace Owens ablichten lassen.

Candace Owens ist eine der bekanntesten Stimmen der konservativen Bewegung in den USA. Im April 2020 kündigte sie an, in der Zukunft ein politisches Amt anzustreben, entweder das einer Gouverneurin oder einer Senatorin. Am 6. Februar 2021 gab sie über Twitter bekannt, sie denke aus „Liebe zu Amerika“ daran, Präsidentin werden zu wollen. Sollte sie diese Absicht bereits im nächsten Wahlkampf wahr machen, könnte sie dann mit 35 Jahren die jüngste, schwarze Frau werden, die dieses Amt jemals inne hatte.

Candace Owens vertritt in vielen Punkten das genau Gegenteil von M.I.A.. Sie ist eine deutliche Unterstützerin des Staates Israel, kritisiert vehement die Verbrechen, die unter dem Deckmantel „Black Lives Matter“ begangen werden, wirbt dafür, dass sich die schwarze Bevölkerung der USA von der Demokratischen Partei abwenden soll und sie ist Unterstützerin von Donald Trump.

Was die beiden Frauen jedoch vereint, ist ihre strikte Verteidigung des Rechts auf freie Meinung. Beide leben nach der Maxime der Philosophin Evelyn Beatrice Hall, die in ihrem 1903 erschienene Buch „The Life of Voltaire“ schrieb:

„Ich missbillige, was du sagst, aber ich werde bis zum Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen.“

Nachdem der Stand Up Comedian Dave Chappelle in seinem Netflix Special Candace Owens beleidigt hatte, verteidigte sie sein Recht, all dies sagen zu dürfen. Chappelle hatte Owens unter anderem eine„artikulierte Idiotin“ genannt und erklärt: 

„Es wäre mir egal, wenn er (George Floyd) Candace Owens persönlich in ihre stinkende Muschi getreten hätte. Ich weiß nicht, ob sie stinkt, aber ich kann mir vorstellen, dass es so ist. Wenn ich es jemals herausfinde, werde ich es Euch auf jeden Fall wissen lassen.“

Candace Owens ist eine wahre Verteidigerin des Rechts auf freie Meinungsäußerung und mag ihr die Meinung auch noch so sehr missfallen. Deshalb hat sie sich mit M.I.A. getroffen und wie zu erwarten, geht es auf der Twitter-Seite von M.I.A. nun rund. In zahlreichen Kommentaren wird der Rapperin vorgeworfen, sich mit einer Hexe eingelassen zu haben. Ein typischer Kommentar liest sich so:

„Ich kann das nicht glauben. Ich kann nicht glauben, dass du sowas machen würdest. Ich lösche offiziell deine Tracks von meiner Spotify-Playlist.“

Würde ich anfangen, alle Lieder zu löschen, die von Menschen gesungen werden, die schon mal eine Meinung getätigt haben, die mir nich gefällt, würde ich noch so viel Musik hören, wie Beethoven in seinen letzten Tagen. Um genau zu sein, ich würde so viele Lieder hören, wie Beethoven jetzt gerade.

Über tapferimnirgendwo

Als Theatermensch spiele, schreibe und inszeniere ich für diverse freie Theater. Im Jahr 2007 erfand ich die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Als Autor verfasse ich Theaterstücke, Glossen und Artikel. Mit meinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und dem von mir entwickelten Begriff des „Nathankomplex“ bin ich alljährlich unterwegs. Und Stand Up Comedian bin ich auch. Mein Lebensmotto habe ich von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!
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4 Antworten zu Kennen Sie Candace Owens und M.I.A.?

  1. Easy schreibt:

    Handelt es sich hier um die gleiche Candace Owens die den glühenden Judenhasser Kanye West verteidigt? Wenn Sie das schon nicht kritisieren möchten, ist es da nicht eine Frage des Anstands das zumindest zu erwähnen?

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    • NicGreive schreibt:

      Was genau hat er denn gesagt? Gibt es einen VideoLink indem judenhassende Aussagen aus seinem Mund purzelten?

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      • Nestor Machno schreibt:

        Naja, er hat schon dummes Zeug zum Besten gegeben. Die allwissende Müllhalde berichtet davon und man kann es leicht recherchieren. Aber darum geht es ja gar nicht. Selbstverständlich sollen auch Antisemiten alles sagen und meinen dürfen, solange sie sich mit Ihren Aussagen im Rahmen der Gesetze bewegen. Und Antisemitismus ist nicht per se verboten.

        Persönlich bin ich Meinung, daß, je plumper der vorgetragene Antisemitismus artikuliert wird, desto lustiger wird es. Hier gab es mal einen Kommentator, der hatte so einen Fimmel. Über seine bizarren Kommentare habe ich mich immer gebogen vor Lachen. Das war Old-School- Antisemitism. Wirklich widerlich finde ich dagegen die verlogenen Israel – „Kritiker“.

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        • Marc schreibt:

          Warum ist man den verlogen wenn man die Politik Israels kritisiert?
          Ist es nicht verlogen zu antisemitischen Hasstiraden zu schweigen wenn die von einem glühendem Trumper kommen?

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