Sind Sie ein Nazi?

Liebe Hilde Scheidt,

darf ich Ihnen eine kleine Frage stellen? Sie sind ja grüne Bürgermeisterin der Stadt Aachen, was halten Sie von folgenden Aussagen?

„Wir fordern, dass sich der Staat verpflichtet, in erster Linie für die Erwerbs- und Lebensmöglichkeit der Staatsbürger zu sorgen.“

„Alle Staatsbürger müssen gleiche Rechte und Pflichten besitzen.“

„Die Tätigkeit des einzelnen darf nicht gegen die Interessen der Allgemeinheit verstoßen, sondern muß im Rahmen des Gesamten und zum Nutzen aller erfolgen.“

„Im Hinblick auf die ungeheuren Opfer an Gut und Blut, die jeder Krieg vom Volke fordert, muss die persönliche Bereicherung durch den Krieg als Verbrechen am Volke bezeichnet werden.“

„Wir fordern Gewinnbeteiligung an Großbetrieben.“

„Wir fordern die Freiheit aller religiösen Bekenntnisse im Staat (…) Gemeinnutz vor Eigennutz.“

„Wir fordern einen großzügigen Ausbau der Altersversorgung.“

„Wir fordern den Rücksichtslosen Kampf gegen diejenigen, die durch ihre Tätigkeit das Gemeininteresse schädigen.“

„Um jedem fähigen und fleißigen Deutschen das Erreichen höherer Bildung und damit das Einrücken in führende Stellung zu ermöglichen, hat der Staat für einen gründlichen Ausbau unseres gesamten Volksbildungswesens Sorge zu tragen. Die Lehrpläne aller Bildungsanstalten sind den Erfordernissen des praktischen Lebens anzupassen. Das Erfassen des Staatsgedankens muß bereits mit dem Beginn des Verständnisses durch die Schule (Staatsbürgerkunde) erzielt werden. Wir fordern die Ausbildung besonders veranlagter Kinder armer Eltern ohne Rücksicht auf deren Stand oder Beruf auf Staatskosten.“

Ich nehme mal an, all diese Punkte entsprechen im Großen und Ganzen Ihrer grünen Idee von einer guten Politik, nicht wahr? Darf ich Sie daher noch etwas fragen?

Sind Sie etwa ein Nazi, Hilde Scheidt? All die oben angeführten Zitate sind nämlich 8 Punkte aus dem 25-Punkte-Programm der NSDAP. Ich weiß, ich habe diese 8 Punkte ganz bewußt aus dem Zusammenhang gerissen und eigentlich müsste jedem klar sein, dass die GRÜNEN nichts mit der NSDAP zu tun haben, aber warum sollte ich mit Ihnen anders verfahren, als Sie mit Ihren Mitmenschen umgehen? Ich erlaube mir nichts weiter, als den Kategorischen Imperativ von Immanuel Kant anzuwenden.

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Sie haben Sich mit Ihrem Verhalten selbst in die Situation gebracht, nun erklären zu müssen, ob Sie ein Nazi sind oder nicht, denn in einem Interview mit der Aachener Zeitung haben Sie gesagt:

«Ich habe davor gewarnt, Herrn Broder auszuzeichnen (…) Nach dem, was ich über die Äußerungen von Herrn Broder – und auch von Festredner Ralph Giordano – bei der Veranstaltung gelesen habe, kann ich nur sagen: So etwas können wir hier in Aachen wirklich nicht gebrauchen.»

Sie können also Ihrer Meinung nach Henryk M. Broder und Ralph Giordano in ihrer Stadt nicht gebrauchen! Das ist schon ein starkes Stück aus dem Mund einer Bürgermeisterin einer Stadt, in der die Synagoge mit einem Hakenkreuz beschmiert und der jüdische Friedhof geschändet wird. Für eine Bürgermeisterin, die nicht in der Lage ist, mit hausgemachten Nazis fertig zu werden, die jüdische Einrichtungen schänden, sind Sie aber ganz schön streng mit Juden, die es wagen, das ungeheure Verbrechen zu begehen, eine anderen Meinung zu haben als Sie. Was genau haben Sie eigentlich gegen Broder und Giordano? Sie schreiben:

„Ich habe gegen die Preisverleihung an Broder gestimmt und ich habe an der Veranstaltung nicht teilgenommen. Das, was Broder jetzt schreibt, erschreckt mich ebenso wie die starke Nähe zu „Political Incorrect“. Diese Gründe führen dazu, dass ich nicht mehr Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft sein möchte. Hetze hat in Aachen keinen Platz!“

Hetze hat in Aachen also keinen Platz, bis auf die eben erwähnten Nazischmierereien natürlich. Weil Ihnen die Meinungen einiger Juden in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft nicht passen und Sie diese Meinungen kurzerhand zur „üblen Hetze“ erklären, haben Sie die Deutsch-Israelische Gesellschaft verlassen. Ich frage mich da, warum Sie dann nicht auch gleich Aachen verlassen? Schließlich gibt es in Aachen Bürger, die mit Ihrem Verhalten zeigen, dass sie lupenreine Nazis sind. Aber was sind schon Nazischmierereien gegen abweichende Judenmeinungen, nicht wahr Frau Scheidt? Bei Broder und Giordanao, da muss die deutsche Hilde einfach mal auf den Eichentisch hauen! Was zu weit geht, geht zu weit!

Sie, Frau Scheidt, machen genau das, was ich am Anfang dieses Artikels gemacht habe: Sie reißen Zitate aus dem Zusammenhang, lassen sich vom Hörensagen leiten, freuen sich über Ähnlichkeiten und konstruieren dann brav eine Nähe zwischen Broder und Schreiberlingen im Stile von Politically Incorrect. Dabei ist die Nähe Broders zu Politically Incorrect nur mindestens ebenso vorhanden wie die Nähe von Ihnen zur NSDAP.

Es ist wirklich faszinierend: Für Sie ist Henryk M. Broder ein Problem, das in Aachen nichts zu suchen hat. Broder wollen wir hier nicht. Diese Stadt ist Broderrein!

Zugegeben, Henryk M. Broder ist ein Mann der deutlichen Worten und ein Freund guter, wenn auch manchmal geschmackloser Pointen. Was aber wäre Humor ohne losen Geschmack? Den losen Geschmack hat Broder übrigens mit Heinrich Heine gemein, ein Dichter, der einst folgende Zeilen zu Aachen verfasste:

Zu Aachen, im alten Dome, liegt
Carolus Magnus begraben.
(Man muß ihn nicht verwechseln mit Karl
Mayer, der lebt in Schwaben.)

Ich möchte nicht tot und begraben sein
Als Kaiser zu Aachen im Dome;
Weit lieber lebt’ ich als kleinster Poet
Zu Stukkert am Neckarstrome.

Zu Aachen langweilen sich auf der Straß’
Die Hunde, sie flehn untertänig:
„Gib uns einen Fußtritt, o Fremdling, das wird
Vielleicht uns zerstreuen ein wenig.“

Ich bin in diesem langweil’gen Nest
Ein Stündchen herumgeschlendert.
Sah wieder preußisches Militär,
Hat sich nicht sehr verändert.

Es sind die grauen Mäntel noch
Mit dem hohen, roten Kragen –
(Das Rot bedeutet Franzosenblut,
Sang Körner in früheren Tagen.)

Noch immer das hölzern pedantische Volk,
Noch immer ein rechter Winkel
In jeder Bewegung, und im Gesicht
Der eingefrorene Dünkel.

Sie stelzen noch immer so steif herum,
So kerzengerade geschniegelt,
Als hätten sie verschluckt den Stock,
Womit man sie einst geprügelt.

Vermutlich hätten Sie, Frau Scheidt, als Bürgermeisterin der Stadt Aachen im 19. Jahrhundert so über Heine gesprochen, wie heute über Broder im 21. Jahrhundert.

„Er spaltet und bringt Streit, davon lebt er.“

Glauben Sie mir, Heinrich Heine war deutlich unverschämter in seiner Religionskritik als Broder heute:

„Welcher Recht hat, weiß ich nicht –
Doch es will mich schier bedünken,
Daß der Rabbi und der Mönch,
Daß sie alle beide stinken.“

„Ärgert dich dein Auge, so reiß es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch.“

Wie Heinrich Heine so überspitzt auch Henryk M. Broder oft seine Worte, um so auf Mißstände in unserer Gesellschaft hinzuweisen. Henryk M. Broder ist ein Jude, der von sich selber sagt, er sei zum Wissen konvertiert und hat zusammen mit Hamad Abdel-Samad, ein Moslem, der ebenfalls von sich selber sagt, er sei zum Wissen konvertiert, eine Dokumentation über Deutschland gemacht und sich dabei mit Nazis, Islamisten, fundamentalistischen Christen, Links- und Rechtsextremisten und ideologischen Fanatikern angelegt.

Diesen Mann wollen Sie in Aachen nicht haben?

Dieser Mann soll ein Problem sein in einer Stadt, die wie kaum eine andere deutsche Stadt Probleme mit Nazis hat?

Heinrich Heine hat einmal gesagt: „Verfolgung der Andersdenkenden ist überall das Monopol der Geistlichkeit.“

Sie, Frau Scheidt, sind in dieser Geistlichkeit eine wahrhaft Heilige!

Dieser Beitrag wurde unter Deutschland veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.