Die Supernannys von NRW

Die Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens Hannelore Kraft (SPD) und ihre Koalitionspartnerin Sylvia Löhrmann (Die Grünen) haben ein neues Betätigungsfeld gefunden: Sie wollen die Supernannys von NRW werden.

Im Glauben, bei den Bürgerinnen und Bürgern des Landes handele es sich um Kinder, die nicht selbst darüber entscheiden können, wann sie schlafen, arbeiten oder ruhen wollen, schicken sie sich an, eine Ausgangssperre zu verhängen, ganz so, als wären sie die Eltern des Wahlvolks, die darüber bestimmen dürfen, wann man zu Hause zu sein hat.

Wenn es nach den neuen Plänen der rot-grünen Minderheitsregierung geht, soll es den Händlerinnen und Händlern Nordrhein-Westfalens bald wieder verboten sein, selbst zu entscheiden, wann sie ihre Geschäfte öffnen wollen, um sie dazu zu zwingen, ihre Läden werktags um 22 Uhr oder vielleicht sogar noch früher zu schließen. Einige in der Regierung gehen sogar so weit, einen Ladenschluss am Samstag um 20 Uhr zu fordern, manche denken sogar ernsthaft über 16 Uhr nach!

Ja, so sind sie die Supernannys: Sie sagen uns, wann wir zu Bett gehen müssen, weil wir nämlich zu blöd sind, selbst zu entscheiden, wann wir bubu machen möchten. Wir wissen halt nicht, was gut für uns ist. Sylvia und Hannelore aber wissen das. Sie meinen es nur gut mit uns. Wenn wir trotzdem länger aufbleiben wollen, dann kommen wir zur Strafe auf die Stille Treppe. Wenn auch das nichts mehr hilft, dann gibt es eben einen Klaps auf den Popo. Das tut Sylvia und Hannelore aber dann natürlich immer mehr weh als uns selbst.

Ich fasse es nicht! Die rot-grüne Minderheitsregierung will mich zu Bett schicken, wann es ihr passt.

Jetzt paßt mal auf, Hanni und Nanny, ich bin kein kleines Kind mehr, das Ihr an Eure schützende Brust nehmen müsst! Ich kann sehr gut selbst entscheiden, wann ich arbeiten und wann ich ruhen möchte. Ich bin ein nachtaktiver Mensch und arbeite seit je her lieber in den Abend- und in den Nachtstunden. Das ist meine Zeit, da bin ich fit, da fühle ich mich wohl. Es widert mich an, dass Ihr meinen Lebensstil diskriminieren wollt und ernsthaft über ein Arbeitsverbot nachdenkt. Ich finde es unerträglich, dass Ihr allen Ernstes glaubt, mir vorschreiben zu dürfen, was gut für mich ist.

Es geht nicht darum, dass Verkäuferinnen und Verkäufer dazu gezwungen werden, mehr zu arbeiten, sondern nur darum, dass es ihnen erlaubt sein muss, ihre Arbeitszeiten selbstbestimmt zu gestalten. Es gibt nun mal Studentinnen, die gerne spät arbeiten, weil sie über Tag studieren wollen; es gibt Väter, die lieber spät arbeiten, weil sie über Tag für die Kinder da zu sein wollen; es gibt Menschen, die nachts arbeiten, weil sie über Tag schlafen. Was ist daran so verwerflich? Was geht da nicht in Eure rot-grünen Schädel rein? Für jeden Homosexuellen habt ihr mehr Verständnis (danke übrigens dafür!) als für jenen Mensch, der lieber in der Nacht arbeitet oder einkaufen geht.

Ja, auch die Menschen, die lieber in den nächtlichen Stunden einkaufen, diskriminiert ihr. Ich weiß nicht, ob es Euch schon aufgefallen ist, aber der Feminismus, für den auch Ihr gestritten habt (danke übrigens auch dafür), hat die Gesellschaft ein wenig verändert. Das Alleinernährermodel ist nicht mehr Pflicht! Die Frau muss nicht mehr zu Hause bleiben und den Haushalt schmeißen, während Papa das Geld nach Hause bringt. Wisst Ihr was, Mama darf jetzt auch arbeiten gehen. Was ihr macht, das dürfen auch andere Frauen. Ist das nicht toll?

Es gab zwar mal eine Zeit, in der es nicht schlimm war, dass die Geschäfte nur offen hatten, wenn Papa auf der Arbeit war, weil Mama ja noch da war und einkaufen gehen konnte, aber die Zeiten sind vorbei. Dieser Lebensstil ist nicht mehr Pflicht sondern Wahl! Und das ist auch gut so! Wir leben heute in einem Land der Vielfalt! Vielfalt verlangt Offenheit! Und Offenheit heißt, dass auch Geschäfte offen sein sollen, wann sie wollen!

Es gibt viele, die sich über die Liberalisierung der Öffnungszeiten gefreut haben, weil dadurch endlich ihr Lebensstil anerkannt wurde. 13 Prozent des Wochen-Umsatzes wird in REWE-Filialen nach 20 Uhr erwirtschaftet. 13 Prozent! Das ist eine stattliche Zahl. Diesen 13 Prozent will die rot-grüne Minderheitenregierung nun ihren Lebensstil verbieten. Auch bei den Verkäuferinnen und Verkäufern gibt es eine stattliche Zahl, die lieber spät als früh arbeitet. Marktleiter berichten, dass sich auf Stellenausschreibungen für die Spätstunden doppelt so viele Bewerber melden wie auf die anderen. Auch diesen Menschen soll es an den Kragen gehen!

Hannelore Kraft fordert zudem, die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage zu begrenzen.

Liebe Frau Kraft, die Zeiten, da meine Oma mich Sonntags in die gute Stube einschloss und mir verbat, am Tag des Herrn spielen zu gehen, sind auf Nimmerwiedersehn vorbei! Ich bin volljährig und religionsmündig! Ich entscheide selbst, was gut für mich, Gott und die Welt ist.

Die Homosexuellenbewegung hat einst einen wunderbaren Satz geprägt: „Du bist gegen die Homo-Ehe? Dann heirate keinen Homosexuellen!“

Ich kann diesen Satz unendlich variieren:

„Du willst nach 22 Uhr nicht einkaufen? Dann kaufe nicht nach 22 Uhr ein!“

„Du willst nachts nicht arbeiten? Dann arbeite nicht nachts!“

„Du willst am Sonntag nicht arbeiten? Dann arbeite nicht am Sonntag!“

Niemand soll zur Arbeit gezwungen werden, das ist klar. Aber genauso klar ist: Niemandem darf das Arbeiten verboten werden. Ladenschlussgesetze sind nichts anderes als zeitlich begrenzte Berufsverbote!

Nehmen wir doch man einen gläubigen muslimischen oder jüdischen Verkäufer. Er will aus religiösen Gründen am Freitag abend und am Samstag tagsüber sein Geschäft nicht öffnen, weil es seine religiösen Pflichten verlangen und am Sonntag darf er sein Geschäft nicht öffnen, weil es ihm der deutsche Staat verbietet. Ein gläubiger Christ kennt dieses Problem in Deutschland nicht. Gibt es eine deutlichere Form der Diskriminierung von Religionsgemeinschaften? Was ist eigentlich mit Artikel 4 Grundgesetz? Zählt der nicht in Supermärkten?

Man komme mir nun nicht mit der Ausrede, wir lebten schließlich in einem christlichen Land. Nein! Wir leben zunächst in einem aufgeklärten Land und da sind Staat und Kirche getrennt. Keine Religion und mag sie noch so in der Mehrheit sein, hat das Recht, anderen Menschen ihre religiösen Pflichte aufzuzwingen. Es wäre auch fatal, wenn wir das zuließen. Dann könnte ja jederzeit, wenn in einer Region in Deutschland mal der Islam zur Mehrheitsreligion wird, der Schleierzwang auf alle Frauen in dieser Region ausgedehnt werden und der Staat schaut zu.

Ich möchte in einem Land leben, in dem selbst die Mehrheit muslimisch sein kann, ohne das ich dadurch etwas zu befürchten habe!

Diese ganze Ladenschlussdebatte ist eine Kampfansage an den mündigen Bürger; besonders, wenn sie mit der Begründung daher kommt, es sei nur zum Besten der Bevölkerung. Was das Beste für die Bevölkerung ist, weiß ich nicht. Ich weiß aber, was für mich das Beste ist:

Ich bin ein Nachtmensch, der lieber in den späten Stunden lebt und arbeitet. Es wäre schön, wenn die achso toleranten Grünen und Sozialdemokraten das endlich akzeptieren könnten.

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