Die Supernannys von NRW

Die Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens Hannelore Kraft (SPD) und ihre Koalitionspartnerin Sylvia Löhrmann (Die Grünen) haben ein neues Betätigungsfeld gefunden: Sie wollen die Supernannys von NRW werden.

Im Glauben, bei den Bürgerinnen und Bürgern des Landes handele es sich um Kinder, die nicht selbst darüber entscheiden können, wann sie schlafen, arbeiten oder ruhen wollen, schicken sie sich an, eine Ausgangssperre zu verhängen, ganz so, als wären sie die Eltern des Wahlvolks, die darüber bestimmen dürfen, wann man zu Hause zu sein hat.

Wenn es nach den neuen Plänen der rot-grünen Minderheitsregierung geht, soll es den Händlerinnen und Händlern Nordrhein-Westfalens bald wieder verboten sein, selbst zu entscheiden, wann sie ihre Geschäfte öffnen wollen, um sie dazu zu zwingen, ihre Läden werktags um 22 Uhr oder vielleicht sogar noch früher zu schließen. Einige in der Regierung gehen sogar so weit, einen Ladenschluss am Samstag um 20 Uhr zu fordern, manche denken sogar ernsthaft über 16 Uhr nach!

Ja, so sind sie die Supernannys: Sie sagen uns, wann wir zu Bett gehen müssen, weil wir nämlich zu blöd sind, selbst zu entscheiden, wann wir bubu machen möchten. Wir wissen halt nicht, was gut für uns ist. Sylvia und Hannelore aber wissen das. Sie meinen es nur gut mit uns. Wenn wir trotzdem länger aufbleiben wollen, dann kommen wir zur Strafe auf die Stille Treppe. Wenn auch das nichts mehr hilft, dann gibt es eben einen Klaps auf den Popo. Das tut Sylvia und Hannelore aber dann natürlich immer mehr weh als uns selbst.

Ich fasse es nicht! Die rot-grüne Minderheitsregierung will mich zu Bett schicken, wann es ihr passt.

Jetzt paßt mal auf, Hanni und Nanny, ich bin kein kleines Kind mehr, das Ihr an Eure schützende Brust nehmen müsst! Ich kann sehr gut selbst entscheiden, wann ich arbeiten und wann ich ruhen möchte. Ich bin ein nachtaktiver Mensch und arbeite seit je her lieber in den Abend- und in den Nachtstunden. Das ist meine Zeit, da bin ich fit, da fühle ich mich wohl. Es widert mich an, dass Ihr meinen Lebensstil diskriminieren wollt und ernsthaft über ein Arbeitsverbot nachdenkt. Ich finde es unerträglich, dass Ihr allen Ernstes glaubt, mir vorschreiben zu dürfen, was gut für mich ist.

Es geht nicht darum, dass Verkäuferinnen und Verkäufer dazu gezwungen werden, mehr zu arbeiten, sondern nur darum, dass es ihnen erlaubt sein muss, ihre Arbeitszeiten selbstbestimmt zu gestalten. Es gibt nun mal Studentinnen, die gerne spät arbeiten, weil sie über Tag studieren wollen; es gibt Väter, die lieber spät arbeiten, weil sie über Tag für die Kinder da zu sein wollen; es gibt Menschen, die nachts arbeiten, weil sie über Tag schlafen. Was ist daran so verwerflich? Was geht da nicht in Eure rot-grünen Schädel rein? Für jeden Homosexuellen habt ihr mehr Verständnis (danke übrigens dafür!) als für jenen Mensch, der lieber in der Nacht arbeitet oder einkaufen geht.

Ja, auch die Menschen, die lieber in den nächtlichen Stunden einkaufen, diskriminiert ihr. Ich weiß nicht, ob es Euch schon aufgefallen ist, aber der Feminismus, für den auch Ihr gestritten habt (danke übrigens auch dafür), hat die Gesellschaft ein wenig verändert. Das Alleinernährermodel ist nicht mehr Pflicht! Die Frau muss nicht mehr zu Hause bleiben und den Haushalt schmeißen, während Papa das Geld nach Hause bringt. Wisst Ihr was, Mama darf jetzt auch arbeiten gehen. Was ihr macht, das dürfen auch andere Frauen. Ist das nicht toll?

Es gab zwar mal eine Zeit, in der es nicht schlimm war, dass die Geschäfte nur offen hatten, wenn Papa auf der Arbeit war, weil Mama ja noch da war und einkaufen gehen konnte, aber die Zeiten sind vorbei. Dieser Lebensstil ist nicht mehr Pflicht sondern Wahl! Und das ist auch gut so! Wir leben heute in einem Land der Vielfalt! Vielfalt verlangt Offenheit! Und Offenheit heißt, dass auch Geschäfte offen sein sollen, wann sie wollen!

Es gibt viele, die sich über die Liberalisierung der Öffnungszeiten gefreut haben, weil dadurch endlich ihr Lebensstil anerkannt wurde. 13 Prozent des Wochen-Umsatzes wird in REWE-Filialen nach 20 Uhr erwirtschaftet. 13 Prozent! Das ist eine stattliche Zahl. Diesen 13 Prozent will die rot-grüne Minderheitenregierung nun ihren Lebensstil verbieten. Auch bei den Verkäuferinnen und Verkäufern gibt es eine stattliche Zahl, die lieber spät als früh arbeitet. Marktleiter berichten, dass sich auf Stellenausschreibungen für die Spätstunden doppelt so viele Bewerber melden wie auf die anderen. Auch diesen Menschen soll es an den Kragen gehen!

Hannelore Kraft fordert zudem, die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage zu begrenzen.

Liebe Frau Kraft, die Zeiten, da meine Oma mich Sonntags in die gute Stube einschloss und mir verbat, am Tag des Herrn spielen zu gehen, sind auf Nimmerwiedersehn vorbei! Ich bin volljährig und religionsmündig! Ich entscheide selbst, was gut für mich, Gott und die Welt ist.

Die Homosexuellenbewegung hat einst einen wunderbaren Satz geprägt: „Du bist gegen die Homo-Ehe? Dann heirate keinen Homosexuellen!“

Ich kann diesen Satz unendlich variieren:

„Du willst nach 22 Uhr nicht einkaufen? Dann kaufe nicht nach 22 Uhr ein!“

„Du willst nachts nicht arbeiten? Dann arbeite nicht nachts!“

„Du willst am Sonntag nicht arbeiten? Dann arbeite nicht am Sonntag!“

Niemand soll zur Arbeit gezwungen werden, das ist klar. Aber genauso klar ist: Niemandem darf das Arbeiten verboten werden. Ladenschlussgesetze sind nichts anderes als zeitlich begrenzte Berufsverbote!

Nehmen wir doch man einen gläubigen muslimischen oder jüdischen Verkäufer. Er will aus religiösen Gründen am Freitag abend und am Samstag tagsüber sein Geschäft nicht öffnen, weil es seine religiösen Pflichten verlangen und am Sonntag darf er sein Geschäft nicht öffnen, weil es ihm der deutsche Staat verbietet. Ein gläubiger Christ kennt dieses Problem in Deutschland nicht. Gibt es eine deutlichere Form der Diskriminierung von Religionsgemeinschaften? Was ist eigentlich mit Artikel 4 Grundgesetz? Zählt der nicht in Supermärkten?

Man komme mir nun nicht mit der Ausrede, wir lebten schließlich in einem christlichen Land. Nein! Wir leben zunächst in einem aufgeklärten Land und da sind Staat und Kirche getrennt. Keine Religion und mag sie noch so in der Mehrheit sein, hat das Recht, anderen Menschen ihre religiösen Pflichte aufzuzwingen. Es wäre auch fatal, wenn wir das zuließen. Dann könnte ja jederzeit, wenn in einer Region in Deutschland mal der Islam zur Mehrheitsreligion wird, der Schleierzwang auf alle Frauen in dieser Region ausgedehnt werden und der Staat schaut zu.

Ich möchte in einem Land leben, in dem selbst die Mehrheit muslimisch sein kann, ohne das ich dadurch etwas zu befürchten habe!

Diese ganze Ladenschlussdebatte ist eine Kampfansage an den mündigen Bürger; besonders, wenn sie mit der Begründung daher kommt, es sei nur zum Besten der Bevölkerung. Was das Beste für die Bevölkerung ist, weiß ich nicht. Ich weiß aber, was für mich das Beste ist:

Ich bin ein Nachtmensch, der lieber in den späten Stunden lebt und arbeitet. Es wäre schön, wenn die achso toleranten Grünen und Sozialdemokraten das endlich akzeptieren könnten.

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39 Antworten zu Die Supernannys von NRW

  1. MS Nappo schreibt:

    Ich arbeite meistens bis 19:00 oder 20:00 und komme daher zu den „normalen“ Geschäftszeiten nicht zum einkaufen. Aber vielleicht sollten wir das Experiment der „normalen“ Geschäftszeiten einführen, die Beamten haben ja selbige.
    Alle Geschäfte, inkl. Werkstätten öffnen Mo-Die von 09:00-12:00 und von 14:00 bis 16:00,
    Mittwochs ist generell Ruhetag und Donnerstags von 09:00 – 12: und 14:00 bis 18:00,
    Freitags von 09:00 – 12:00Uhr. Natürlich sollte man die Öffnungszeiten in diesem Experiment an den Öffnungszeiten der Kommunalämter anpassen.
    Ob den Beamten und Politikern diese Öffnungszeiten passen werden? Wohl kaum, und der Bevölkerung erst recht nicht. Doch wie soll man den Verbeamteten ansonsten klarmachen, dass die arbeitende Bevölkerung sich für Belange der Ämter immer einen Tag frei nehmen muß?
    Soll doch die faule, aberbeitsscheue Brut auch mal einen Tag frei nehmen, um ihre Einkäufe zu erledigen…
    *ironie off*

  2. Danny Wilde schreibt:

    Es ist schon sehr lustig, hier mitzulesen. Was das Wort „LADENÖFFNUNGSZEITEN“ alles triggert, krass.

    In den U.S. of A. ist aber die Welt bisher auch nicht (geschweige denn die Religiosität, @ quisa) untergegangen, angesichts der 24/7 Kultur.

    Aber der Markt selbst bestimmt ja die Öffnungszeiten, und was der Kunde mangels Öffnungszeiten im Supermarkt nicht mehr kriegt, kauft er halt zu Mondpreisen an der Tanke oder am Bahnhof.

    Ja, die Angestellten. „Kassiererin“ find ich doof, wir leben im Zeitalter des Gendermainstreaming und bei Aldi kommt auch langsam ne Männer“quote“, die hocken da neben dem Kistenstapeln halt auch an der Kasse. Die Angestellten: hat eigentlich schon jemand darüber nachgedacht, dass es durchaus Leute gibt, besonders wenn sie jung sind, die gerne und viel und auch nachts arbeiten (hab ich selber viele Jahre zwischen 20 und 35 gemacht!!), man hat die Power und will Geld verdienen!

    Muss man ja nicht sein Leben lang so machen.

    Aber ich finde, ERST kommt der Kunde (der bringt schließlich das Geld mit), und DANN kann der Laden selbst entscheiden, ob sich ein wie langes Öffnen lohnt. Er wird es sich dabei kaum erlauben können, seine Mitarbeiter wie Galeerensträflinge zum nächtlichen ackern zu zwingen.

    • Silke schreibt:

      Danny

      wie Peter Frankenfeld uns immer so schön zu ermahnen pflegte: (wenn Leute das Beifallklatschen mit Trampeln aufmotzen wollten.)

      „Wir sind hier nicht in Amerika.“

      Jede Änderung in einem System bringt unintended consequences und die einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollen bedeutet, daß man seine Lernfähigkeit und damit seine Möglichkeiten, es beim nächsten Mal besser zu machen, freiwillig beschneidet.

      Wir sind nicht die USA, wir sind nicht einmal die Niederlande, wie eine US-Firma aufs Schmerzlichste gewahr wurde, nachdem sie ein holländisches Fortzahlung im Krankheitsfall Modell eins zu eins als benefit nach Deutschland übertragen hatte.

      Irgendwann habe ich einen Bericht gelesen, in welchem Ausmaß Walmart-Mitarbeiter zusätzlich Stütze erhalten müssen, damit sie von dem Job leben können.

      Also meine Denke mag pervers sein, aber in selbiger ist das klar Staatsknete für Walmart und das im superfreien Markt der USA.

      Ich fänd’s ja auch gut, wenn alles total einfach wäre, aber schon der Mensch an sich iss nich so.

    • Paul schreibt:

      Danny,
      das ist genau meine Meinung.
      Aber mache das mal jemandem in Old Germany klar. Sofort wird dir jede Sozialkompetenz abgesprochen. Die Ladenöffnungszeiten werden flugs zu Abwehrmechanismen gegen Unternehmerwillkür umgewandelt. Wie soll man sich denn sonst auch wehren? Man entäußert sich doch aller Aufstiegschancen.
      Ja, so ticken wir in Deutschland.
      Auch die Unternehmer ticken hier anders als in Amerika. Arbeitslosigkeit macht jeden Mitarbeiter sofort zum Galeerensträfling des Unternehmers. „Soll doch froh sein, dass er überhaupt Arbeit hat.“
      Wohingegend Arbeitskräftemangel, hatten wir mal Anfang der 70-er, sofort das Pendel in die andere Richtung ausschlagen lässt. Der Unternehmer wird sofort zum Bittsteller. „Soll doch froh sein, dass ich überhaupt bei ihm arbeite.“
      Ja, so ticken wir.
      Alle sollten doch mal darüber nachdenken, dass in einem Unternehmen alle im gleichen Boot sitzen. Wenn es dem Unternehmen gut geht, sollte es auch den Beschäftigten gut gehen und nicht nur dem Unternehmer.
      Gott sei Dank gibt es in Deutschland schon einzelne „Inseln der Seeligen“. Über die sollte mehr berichtet werden als über die Manchesterkapitalisten.

      Danny, es ist schon erstaunlich wohin in Deutschland die Diskussion über Ladenöffnungszeiten führt. Deutschland ist eben ständig in Bewegung, aber keiner kümmert sich darum in welche Richtung es geht.

      • Silke schreibt:

        danke für das Old Germany – als Retourkutsche für den Besserwessi sicher hervorragend geeignet.

        Und wenn ich es recht sehe, hast du ganz ganz viel Erfahrung damit, wie das ist, wenn Amis das Ruder in ner Firma übernehmen.

        Die machen selbstverfreilich alles sofort viel viel besser, Die kochen nicht wie Normalsterbliche mit Wasser iwodenn.

        Es ist zwar keineswegs typisch deutsch, sich zu weigern, sich Verwickeltes und Verästeltes näher anzuschauen, aber ne Neigung es zu tun, wäre mir als typisch deutsch hochwillkommen anstatt Pauschaldummgeplappere davon wie die ideale Welt aussehen muss.

    • quisa schreibt:

      @Danny: Über Relgiösität habe gar nicht gesprochen.
      Ich sagte ja, wenn es wirklich so aussieht, dass sich immer Freiwillige (richtige Freiwillige – nicht freiwillig Gezwungene) dafür finden, auch nachts im Gerschäft zu arbeiten, ist das ja ok. In der Altenpflege habe ich auch sehr viel Nachtdienste gemacht, ich selbst bin ein Mensch, dem das ebenfalls sehr liegt (in der Pflege ist das natürlich ein generell anderes Thema). Aber es gibt nun mal sehr viele Menschen, die Familien haben, die älter sind, denen das evtl nicht so liegt. Und sollten diese dann auch zum arbeiten verdonnert werden……

      „und was der Kunde mangels Öffnungszeiten im Supermarkt nicht mehr kriegt, kauft er halt zu Mondpreisen an der Tanke oder am Bahnhof.“

      Ja, finde ich vollkommen in Ordnung. Hier sind wir doch bei der immer gerne gestellten Forderung nach Eigenverantwortung und Flexibilität: Der mündige Mensch ist doch; selbst wernn er zeitlich eingeschränkt ist, in der Lage seine Einkäufe so zu planen, dass er sie zu den Öffnungszeiten erledigen kann. (ansonsten eben Tanke, Bahnhof oder Späti, Kiosk)
      Gleiche Flexibilität und Eigenverantwortung wird doch auch von Arbeitnehmern verlangt, die zu für sie ungünstigen Zeiten arbeiten müssen. VOn Ihnen wird verlangt, dass sie ihr Familienleben eben den flexiblen Arbeitszeiten anpassen.

      „Aber ich finde, ERST kommt der Kunde (der bringt schließlich das Geld mit), und DANN kann der Laden selbst entscheiden, ob sich ein wie langes Öffnen lohnt.“

      Ich finde NEBEN dem Kunden kommt auch noch der Arbeitnehmer. Der Kunde ist schließlich gleichzeitig auch meist Arbeitnehmer, der ja auch das Geld verdienen muss, was er dann als Kunde wieder ausgibt. WIe schon von SIlke erwähnt, sollte hier die Balance gefunden werden.

      „In den U.S. of A. ist aber die Welt bisher auch nicht (geschweige denn die Religiosität, @ quisa) untergegangen, angesichts der 24/7 Kultur.“

      Da hast du natürlich recht. Ich liebe die USA und es ist eines der spannendsten Länder. Die 24/7 Kultur ist doch in den USA auch nicht überall so präsent. Ich bin dort zumindest auch in Städten gewesen, in denen die Mehrheit der Läden schon um 19 Uhr geschlossen waren. Außer eben einem 24/7 Lebensmittelmarkt.

      Viele Arbeitnehmer in den USA und UK tun mir allerdings schon sehr leid, was auch mit der sehr starken Flexibilisierung des Arbeitnehmers zusammenhängt, also mit den relativen wenigen Rechten, die den Arbeitnehmern zustehen. Von den Amerikaner, die ich so kenne, haben nicht wenige gerade mal 10 Urlaubstage pro Jahr, im ersten Arbeitsjahr gar überhaupt keine. Wenn man nicht gerade ein High Potential ist, wird es auch schwieriger mehr auszuhandeln.
      FÜr mich wäre das nichts. Mag man mich für faul halten, aber da ist mir meine Frezeit schon sehr wichtig Die relativ großzügig Anzahl an zugesicherten Urlaubstagen, ist wohl eines der wenigen die Dinge, die mich derzeit überhaupt in Deutschland halten

      • tapferimnirgendwo schreibt:

        Es geht um die Arbeitnehmer! Und um jene, die spät arbeiten wollen! Das sind viele!

        • quisa schreibt:

          Ja, das stimmt. Meine Position zu den Ladenöffnungszeiten steht unter dem Vorbehalt, dass auch Arbeitnehmer im Einzelhandel unfreiwillig zu den für sie ungünstigen Zeiten arbeiten müssen. Sollte es nicht so sein, habe ich natürlich kein Problem damit. Ich selbst gehöre ja auch zu den Leuten, die gerne nachts oder spät arbeiten.
          Ich bin hier vielleicht etwas vom Thema abgewichen, denn es geht mir vor allem grundsätzlich darum, dass man bei dieser Diskussion nicht die Interessen der Arbeitnehmer aus den Augen verliert, schließlich ist die Mehrheit der Kunden ja gleichzeitig auch Arbeitnehmer.
          Du hast ja in deinem Beitrag bereits deutlich gemacht, dass du die Interessen der Arbeitnehmer NICHT aus den Augen verloren hast, weil du davon überzeugt bist, dass es sich bei den Sonntags-, Spät- und Nachtarbeitern ausschließlich um Freiwillige handelt. Viele Menschen aber vergessen diesen Punkt bei dieser Diskussion.
          Ich kann das auch irgendwie noch nicht so ganz glauben (in Städten mit vielen Studenten evtl schon, dass es sich ausschließlich um Freiwillige handelt. Ich werde den von dir geposteten Link und andere Quellen dazu nochmal durchgehen, wenn ich die Zeit habe) Cheers

      • Danny Wilde schreibt:

        Quisa,

        “ Die 24/7 Kultur ist doch in den USA auch nicht überall so präsent. Ich bin dort zumindest auch in Städten gewesen, in denen die Mehrheit der Läden schon um 19 Uhr geschlossen waren. Außer eben einem 24/7 Lebensmittelmarkt.“

        Das hatte ich ja zuvor gemeint: der Laden (-Inhaber) entscheidet eben selbst, ob es sich lohnt, lange offen zu haben. 24/7 heißt ja auch nicht im Umkehrschluss, man sei verpflichtet, den Kunden around the clock zu rocken. (Oder ist das kurze Öffnen bis 7 p.m. in diesen von dir gemeinten Gemeinden gesetzlich vorgeschrieben? Wäre ja auch vorstellbar, wo’s Bundesstaaten gibt, wo das offene Küssen oder heimliche Muschilecken mit Knast bestraft wird….)

        Wenn man den insgesamt ja auch nicht von der Hand zu weisenden Argumenten von Silke und quisa auf den Grund ginge, würde man, da bin ich sicher, auf ein Grundproblem stoßen, das NICHTS mit Ladenöffnungszeiten zu tun hat, und das betrifft die fehlende Flexibilität hier in D bei der Gestaltung von Arbeitsverhältnissen.

        Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es nur einiger weniger Regeln bedürfte, die eine GEGENSEITIGE Grund-Fairness gesetzmäßig festlegten, und ansonsten alles frei wäre:

        Jede Liberalisierung hat doch bisher zu einer Verbesserung des Angebots geführt. Das könnte auch Arbeitsverhältnissen gut tun – in beiderseitigem Interesse. Vor diesem Hintergrund erübrigt sich jede weitere Ausbeutungs-Diskussion.

        Schlechtqualifizierte, die zudem eher ungern ranklotzen, werden dabei allerdings weniger Geld verdienen können als besser Qualifizierte mit natürlicher Neugier, Fleiß und Einsatz.

        Komischerweise ist DAS meine Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit. (Und bevor irgendjemand auf die Idee der verpassten Chancen kommt, da bin ich als Teeny-Vater mittlerweile Spezialist. Ich behaupte, dass es einem kaum irgendwo anders so leicht gemacht wird, Zugang zu Wissen und Qualifikation zu erlangen – leider nicht auf den Gymnasien in NRW, da hagelt’s mit überaltertem Personal Unterrichts-Ausfälle von annähernd 40%, und die Klassenarbeiten müssen trotzdem sitzen ohne adäquate Vorbereitung, da geht ohne massivste Eltern-Mithilfe GAR NICHTS -, wie hier in good old Germany.)

        Da würde ich sogar im Supermarkt einen (kleinen) Nachtzuschlag zahlen, weil mich die Kassiererin oder Kassierer wieder mal nett angelächelt hat! Passiert hier (bis 24:00) sogar ohne Nachtzuschlag – die Mitarbeiter sind total tiefentspannt und freundlich; das Nachtarbeiten ist eben nochmal n bissl anderes!!!

        • Silke schreibt:

          GEGENSEITIGE Grund-Fairness gesetzmäßig festlegten

          Wir haben mit dem BGB am 1. Januar 1900 ein grundlegendes Gesetzeswerk bekommen, das heute noch Juristen mit Bewunderung erfüllt. Ich konnte zu der Erstfassung keine Seitenzahl finden, würde aber aufgrund des Taschenbuchs, das ich mal in meiner Schulzeit bekam, annehmen, daß die ursprüngliche Fassung bei weniger als 500 Seiten lag.

          Wenn Du heute alles an einem Ort versammeln wolltest, was RELEVANTES zur Erläuterung dieser Grund-Fairness-Sammlung geschrieben, geändert, angepasst wurde, dürften die Räumlichkeiten einer normalen Stadtbücherei zu klein sein.

          Gerade auch zum Thema Grund-Fairness gibt es endlos Material.

          Wann immer zwei Partner in good faith miteinander umgehen, sind die Verhältnisse wunderbar, doch der Mensch strebt nun mal nach seinem Vorteil und kann eine Reihe von guten Tagen schwer ertragen. Es ist wie mit Ehen, so lange man es miteinander aushält, ist alles wunderbar, doch wehe man muß sich trennen. Und jedeR versucht, was er nur kriegen kann, zu kriegen.

          Falls Du Lust hast, probiere mal ein Experiment, das ich so in 2008 gemacht habe: Rufe Ing-Diba.de auf und mach Dich schlau, was Dich ein x-beliebiges Darlehen und/oder Kredit Dich mit allem Drum und Dran kosten würde und merke Dir, wieviele Schritte Du dafür brauchst und wieviele Notizzettel und dann ruf die gleiche Bank in den USA auf und vergleiche die Erfahrung.

          Natürlich schränkt zu viel Fürsorge staatlicherseits ein, aber nach dem obigen Beispiel war ich doch hoch beglückt, daß das caveat emptor bei uns noch nicht so rundum in Mode ist. Und was hat caveat emptor mit Arbeitsverhältnissen zu tun? Ne ganze Menge, es ist eine Grundeinstellung zum wer dämlich ist, hat halt Pech. Und natürlich sollen verschiedene Gehälter gezahlt werden. Ich habe mein Berufsleben lang dafür plädiert, zumindest die Tarifklasse an die Tür zu pappen, damit der Ratsuchende einen Anhaltspunkt hat, auf welches Auskunftsniveau er einen Anspruch hat.

  3. Malte S. Sembten schreibt:

    Die Bevormundung für unmündig erklärter Massen gehört zum Kern links-grün-sozialistischer Ideologie.

    Grüße von Nachtmensch zu Nachtmensch!

    ————

    Ich möchte in einem Land leben, in dem selbst die Mehrheit muslimisch sein kann, ohne das ich dadurch etwas zu befürchten habe!

    Es gibt viele solche Länder für Dich auf der Welt – wenn Du ein heterosexueller, männlicher Muslim bist (und nicht zwischen die Fronten des sunnitisch-schiitischen Bruderkriegs gerätst).

    Bist Du aber Christ, Jude, Hindu, Buddhist, Agnostiker oder Atheist, oder schwul, oder weiblich mit westlicher Sozialisation – dann gibt es im ganzen Universum kein Land mit muslimischer Mehrheit, in dem Du glücklich wirst.

  4. quisa schreibt:

    Ich bin in Zeiten aufgewachsen, an denen die Geschäfte um 20 Uhr, teils sogar 18:30 Uhr schließen mussten…Und: Oh Wunder! Ich lebe tatsächlich immer noch!
    Kommt eben wirklich darauf an: Sollte es wirklich so sein, dass die zu späten Uhrzeiten arbeitenden Menschen dies vor allem freiwillig tun, habe ich kein Problem damit. Das späte Einkaufen kann ja ganz bequem sein. SOllte es aber so sein, dass viele Menschen im Einzelhandel quasi keine andere Wahl haben, als bis spät nachts zu arbeiten, dann stelle ich doch meine eigene Bequemlichkeit für das Interesse dieser Menschen etwas zurück und bin bereit, bis 20 Uhr meine Einkäufe zu erledigen.
    Hm, SOnntage sollten doch auf jeden Fall einkaufsfrei bleiben. Ansonsten wird die Freiheit der Menschen eingeschränkt, die auch mal gerne einen Tag durch die Innenstadt schlendern möchten, ohne von aufgeregten, drängelnden, dem Konsumrausch verfallenden kaifenden Massen umgeben zu sein, die einem ihre Riesenansammlung an Media-Markt- oder Saturkartons in die Kniekehle rammen…. Es gibt an Sonntagen auch sicher angenehmeres als zu shoppen;)

    • tapferimnirgendwo schreibt:

      Und ich bin in Zeiten aufgewachsen, an denen Homosexualität noch verboten war… Und: Oh Wunder! Ich lebe tatsächlich immer noch!

      Was willst Du mir damit sagen?

      In Ruhe schlendern kann man jeden Tag, aber eben nicht in Einkaufsstraßen. Einkaufsstraßen sind zum, o Wunder, Einkaufen da. Oder bist Du auch für ein Betverbot einmal in der Woche, damit die Gläubigen nicht nerven oder einem Kneipenverbot oder einem Alkoholverbot einmal in der Woche, um Ruhe zu haben.

      Ein selten dämliches Argument.

      • Paul schreibt:

        Gerd, bist Du noch zu retten?
        Tapfer im Nirgendwo kann jeder sein!
        „Alkoholverbot“! Nimm das bloß ganz schnell wieder raus. Wenn das ein Politiker liest.
        Als ich das erste Mal das Wort „Rauchverbot“ gelesen habe, habe ich auch gedacht das wäre ein Aprilscherz.

        In Bezug auf quisa hast Du natürlich recht. Selten dämliches Argument.

        Den letzten Absatz von quisa kannst Du an einen Büttenredner verkaufen. Dürfte doch in Köln kein Problem sein. 😆

      • Aristobulus schreibt:

        Gerd: Und was wird mit den Kindern, wenn manche Mütter daraufhin nur Arbeitsstunden von 16 Uhr bis Mitternacht zugeteilt kriegen?

        • Silke schreibt:

          wir hatten mal ne Diskussion dazu und angeblich gibt es viele Frauen, die nur zu solchen Zeiten und/oder sonntags, wenn Männe zu Hause ist können. Es sind vertrackte Zwickmühlen, wo immer man hinguckt, deswegen ärgert mich ja die Propagierung von „Freiheit“ als Allheilmittel für alles und jedes so.

          • Silke schreibt:

            aber Gerd illegal beschränkt doch die „Freiheit“ – und was machste, wenn die Frau es will, weil dann Männe daheim iss und sie drum die Kinder in guten Händen weiß.

            Frauen in Putzkommandos sind schon lange aus diesem Grund „froh“, daß sie in der Zeit nen Job kriegen. (die guten alten Putzfrauen, die unsere Kolleginnen waren, hatten es natürlich besser, als die, denen bei Subunternehmern regelmäßig inne Tasche gelangt wird.) und da waren auch die Arbeitsstunden wirklich total flexibel. Die hatten ihre eigenen Schlüssel und wenn’s mal zur gewohnten Zeit nicht paßte, machten sie es halt zu ner anderen.

          • tapferimnirgendwo schreibt:

            wenn sie es will, und niemanden stört, alles super. Ist es denn so schwer. Aufklärung ist der Ausweg den Menschen aus seiner SELBST VERSCHULDETEN Unmündigkeit!

          • tapferimnirgendwo schreibt:

            Und verstecken Sie sich nicht hinter putzmenschen. Ich war einer! Meine Mama auch. Talk to me!

      • Silke schreibt:

        schon mal was von Window Shopping gehört?

        Ist total aus der Mode gekommen, hat aber Spaß gemacht, als es noch in war.

      • Silke schreibt:

        und ich bin in Zeiten aufgewachsen, in denen ich meine Jungfräulichkeit bewahren mußte bis einer kommen würde, der mich erwecken würde und in der gestandene Richter sich nicht entblödeten zu sagen, daß man in ne Nadel, die sich bewegt, nix einfädeln könne i.e. wenn Frauen vergewaltigt werden, sind se selbst schuld.

        Habe ich auch überlebt.

      • quisa schreibt:

        @Gerd: Nun, die Forderung, dass sich die Ladenöffnungszeiten anden Vorlieben der einzelnen Gruppe orientieren, die gerne nachts einkaufen geht, ist die Forderung einer Gruppe nach Befriedigung ihrer Bequemlichkeit…..Die Forderung, dass sich die Ladenöffnungszeiten nach den Vorlieben der einzelnen Gruppe orientieren, die gerne mal einen Tag pro Woche entspannt ohne das Shoppinggedränge durch die Stadt schlendern möchte, ist die Forderung einer Gruppe nach Befriedigung ihrer Bequemlichkeit…
        Kein Unterschied….Übrigens: Es gibt auch noch Innenstädte, anders als in Kölle, in denen die Straßen nicht die Monofunktion der Einkaufsstraße haben. Da gibt es Museen, Kaffees etc….
        Ladenschlussgesetze, die auch als Arbeitszeitgesetze zu GUnsten des Arbeitnehmers gedacht sind, mit dem Verbot von Homosexualität zu vergleichen, ist wohl ein noch selten dämlicheres Argument;)
        Aber wie auch immer, mal Spaß beiseite: Sollte es wirklich so sein, dass Menschen (vor allem jene mit Familie) nicht gezwungen werden, nachts und sonntags zu arbeiten, habe ich auch kein Problem mit einer vollkommenen Auflösung der Ladenöffnungszeiten (auch wenn der Sonntagsspießroutenlauf zwischen Saturnkartons und H&M-Tüten
        ein Horror wäre;)) SOllte es aber so sein, dass Menschen dazu gezwungen werden; sie von ihren Arbeitgebern unter Druck gesetzt werden, auch zu ihnen sehr unbequemen Zeiten arbeiten zu müssen, dann bin ich dagegen. Ich wäre dagegen, dass die Freiheit der Arbeitnehmer im Einzelhandel weiter eingeschränkt wird, indem sie zu ihrem Privatleben negativ beeinflussenden Zeiten zu arbeiten gezwungen werden. Dann nehme ich lieber eine Einschränkung meiner Bequemlichkeit hin, und plane meine Einkäufe so, dass diese vor 20 Uhr stattfinden. Es handelt sich um eine Einschränkung meiner eigenen belanglosen Bequemlichkeit zu gunsten der sozialen Situation einer Vielzahl anderer Menschen..

        Btw. Alkoholverbote gibt es schon länger. Auch in den 24 Uhr Rewemärkten darf nur bis 22 Uhr hochprozentiges verkauft werden (zumindest in Hessen). Der Puritanismus setzt sich auch in immer mehr Innenstädten und Parkanlagen durch, in denen öffentliche Alkoholverbote ausgesprochen werden…..

  5. Danny Wilde schreibt:

    Gerd, du bist ein Individualist, alter Nachtarbeiter. Damen vom Schlage dieser Hannis und Nannis werden dir schon noch zeigen, wie asozial das ist. Das Individuum stellt sich aktiv gegen die Sozialgemeinschaft, das ist ja schon lange das neue so alte Mantra aller Sozialisten von links und rechts.

    Irgend so ne Grünen-Tusse hatte sich ja auch schonmal zu der Behauptung verstiegen (war es nicht Künast?), niemand habe ein Recht auf Emissionen.

    Atmen einstellen. Sofort. Dann brauchen wir auch keine Ladenöffnungszeiten mehr.

  6. Paul schreibt:

    Ger, Eule grüßt Eule,
    so werden Nachtmenschen wohl wissenschaftlich genannt.
    Mein ganzes Arbeitseben lang habe ich darunter gelitten, dass ich schlafen gehen musste, wenn ich noch nicht das Bedürfnis dazu hatte. Ergänzt wurde dies dann durch aufstehen müssen, wenn man noch gerne weiter geschlafen hätte.
    Gut, diese persönlichen Einzelschicksale lassen sich wohl nicht gänzlich vermeiden, aber doch minimieren. Die Chance einen dem eigenen natürlichen Lebensrhythmus entsprechenden Arbeitsplatz zu finden, kann sich durch die Liberalisierung der Arbeitszeiten erhöhen.

    Zwei Grundsätze lasse ich gelten.
    1. Niemand darf gezwungen werden sein Geschäft zu bestimmten Zeiten/Tagen zu öffnen.
    2. Niemand darf gezwungen werden sein Geschäft zu bestimmten Zeiten/Tagen zu schließen.

    Warum gibt es eigentlich für den Einzelhandel diese Sonderbedingungen aus der Vergangenheit, die den heutigen Lebenserfordernissen nicht mehr entsprechen?

    Keinem fällt es ein, z.B. einem Produktionsbetrieb Vorschriften über Produktionszeiten zu machen.
    Das regelt jeder Betrieb entsprechend seinen individuellen Erfordernissen.

    Warum darf der Einzelhandel das nicht?

    • Silke schreibt:

      Keinem fällt es ein, z.B. einem Produktionsbetrieb Vorschriften über Produktionszeiten zu machen.

      Falsch. Das fängt mit dem Gewerbeaufsichtsamt an und danach kommt noch alles Mögliche andere.

      Aber besorgt Euch nur alle einen Morgen Land und lebt nach Rudolf Steiner Grundsätzen jedeR nach seiner Fasson und jedeR baut seinen eigenen Staketenzaun zur Selbstverteidigung und sein Stück Autobahn zum nächsten Supermarkt oder vielleicht doch eher zur nächsten Raubritterburg?

      • Paul schreibt:

        „Falsch. Das fängt mit dem Gewerbeaufsichtsamt an und danach kommt noch alles Mögliche andere. “
        Silke, das ist jetzt unfair. Du weisst genau, dass ich das nicht gemeint habe.
        Mein Sohn ist selbstständiger Handwerksmeister, der kann z.B. seine Büroarbeiten machen wann er will (und seine Frau es zulässt :grin:).
        Natürlich darf er nachts keinen Krach auf dem Dach machen.
        Solche Regelungen sind natürlich erforderlich.
        Aber all‘ die anderen Ladenöffnungsvorschriften sind völlig überholt und entsprechen nicht unserem Lebensbedürfnis.

        Den Witz mit Steiner habe ich nicht verstanden. Aber erkläre mir ihn bitte nicht.

        • Silke schreibt:

          irgendwo habe ich mal gelesen, daß Rudolf Steiner vorgeschwebt hat, daß jeder einen Morgen Land haben soll, einen Morgen deswegen, weil er damit genug hat, eine Kuh zu halten und genug anzubauen, um sich selbst zu versorgen.

          Paul ich reagiere auf Wörter wie völlig überholt und entsprechen „unserem“ Lebensbedürfnis nicht ausgesprochen allergisch.

          Es gibt kein „unseres“ Lebensbedürfnis. Für meine Kolleginnen, die Mütter waren, wirkten sich die späteren Ladenöffnungszeiten nicht wohltuend aus. Für mich, die spät arbeitete, weil die Amis eben nach uns aufstehen, waren sie ein Segen. Dennoch denke ich, daß ne Single Frau es eher zuzumuten ist, Unbequemlichkeiten in Kauf zu nehmen als denen, die die groß ziehen, die jetzt für meine Rente malochen.

          Was die teilweise von Handwerkern als idiotisch beklagten Vorschriften anlangt, sollte man bitte bitte nie vergessen, daß deren eigene Innungen da heftig mitmischen. Und wenn ich mich recht erinnere jaulen eben diese Handwerker immer ganz vernehmlich auf, wenn irgendwelche der sie schützenden Vorschriften (nur Meister dürfen nen eigenen Betrieb) fallen soll.

          ——–

          und für quisa

          in ner Großstadt mag sonntags geschlossen ganz schön sein. Ich genieße auch, daß der ohnehin geringe Lärmpegel in der Kleinstadt, in der ich wohne, sonntags nochmal geringer wird. Ich finde einen Tag, pro Woche, der anders ist schon vom Prinzip her ganz toll. Andererseits ist die Touri-Saison hier so kurz, daß ich voll dafür bin, daß alle Geschäfte, für die es sich lohnt, offen halten dürfen, auch sonntags.

          Watt dem einen sin Uhl iss eben dem annern sin Nachtigall – die Kunst ist ne vernünftige ne lebensfreundliche Balance hinzukriegen.

          • quisa schreibt:

            @Silke: Ja, da stimme ich dir zu. Es muss die richtige Balance gefunden werde. Gerade in Touristenorten und bei kleinen Geschäften könnten die Ausnahmeregelungen sicher noch flexibler gestaltet werden.

  7. Silke schreibt:

    als noch Ladenschluss allüberall um 18:30 war hatten es berufstätige Mütter entschieden einfacher, pünktlich und verlässlich Feierabend zu machen, aber wer braucht die schon, wenn’s um Freiheit geht und erst recht wenn’s um die Freiheit der Schwächeren geht.

    (freedom’s just another word for nothing left to loose.)

    so ist’s ja auch viel besser

    Janis Joplin wurde mitsamt all ihrer gelebten angeblichen Freiheit ganze 27 Jahre alt.

    • Paul schreibt:

      Silke, ich denke nicht, dass das von Gerd angesprochene Problem, etwas mit den von Dir ins Spiel gebrachten berufstätigen Müttern zu tun hat.
      In der Vergangenheit hat dann der Unternehmer, um eine größere Flexibilität zu erreichen, die Einstellung von Müttern vermieden.
      Auch eine Zugbegleiterin kann einen Zug mit Verspätung nicht auf offener Strecke verlassen, nur um pünklich Feierabend zu machen. Entschuldige Silke aber auf solche „Argumente“ gibt es auch solche „Antworten“.

      Deine Argumente mit den Videos habe ich nicht verstanden.
      Übrigens auch den Zusammenhang mit Freiheit nicht.
      Freiheit ist für mich erst dann gegeben – für mich ist das jetzt – wenn ich keiner Erwerbsarbeit mehr nachgehen muss.
      Die Notwendigkeit durch Arbeit mein Leben/Überleben sichern zu müssen, war für mich immer Unfreiheit.

      • Silke schreibt:

        Paul

        mit den Müttern im Angestelltenverhältnis hast Du unrecht – und es gibt auch Frauen, die werden erst schwanger, wenn sie schon eingestellt sind (so sie klug sind) und dann sind sie unkündbar und ja den Druck aus’m Stand hier oder da ne Stunde anzuhängen wuchs mit den längeren Einzelhandelsöffnungszeiten gewaltig und unseren Kindergärten war das schnurzegal. Die machten zu, wann sie zumachten.

        Bei meinem Arbeitgeber mußte erst in zähen Verhandlungen eine Betriebsvereinbarung her, damit Mütter sich wieder drauf verlassen konnten, daß sie ihre Kinderabholzeiten einhalten konnten. Und dann war diese Vereinbarung natürlich ein wohlfeiles Beförderungshindernis (nicht öffentlich iwodenn, doch ich glaube nicht, daß die Mütter gelogen haben, wenn sie von Vier-Augen-Gesprächen erzählten)

        Hat die Bundesbahn nicht Betriebskindergärten? Außerdem dauern Zugverspätungen in der Regel wohl kaum zwei drei Stunden.

        Ich berichte nicht von den Folgen der ganzen Welt, ich berichte von den Folgen, die es, neben all den Annehmlichkeiten, die es auch bot, in „meinem“ Segment der Bevölkerung hatte.

        • Paul schreibt:

          Silke,
          das ist es was ich meinte.
          Du selbst bist in Deiner Argumentation von Ladenöffnungszeiten auf Kinderabholzeiten umgeschwenkt, denn in der erwähnten Betriebsvereinbarung ging es nicht um Ladenöffnungszeiten sondern um Kinderabholzeiten, die eingehalten werden mussten.

          Welche Schwierigkeiten ich in „meinem“ Segment mit den Ladenöffnungszeiten hatte, erpare ich Dir. Ich hätte mir jedenfalls nach 1990 andere Öffnungszeiten gewünscht.

          • Silke schreibt:

            ich bin nicht umgeschwenkt, ich habe verknüpft, was sich in meinem Umfeld als aufs Engste verknüpft erwies. Hatte vorher keineR mit gerechnet, war aber so und die Zeit bis zur Betriebsvereinbarung war elend und nur wegen der Mütter wäre sie wahrscheinlich nie durchgekommen, doch unser cleverer Betriebsrat hängte sie schließlich an der Umweltfreundlichkeit auf, denn nur verläßliche Arbeitsenden ermöglichen es Leuten, ihre öffentlichen Verkehrsmittel zu erreichen.

            Je mehr ich Euch lese, desto mehr finde ich, daß Staeck recht hat. Ob und inwieweit die Freiheit sozialverträglich ist, habt Ihr überhaupt nicht auf der Latte.

  8. heplev schreibt:

    Ich finde persönlich zwar, dass der Sonntag ruhig frei bleiben sollte. Und ich werde auch verkaufsoffene Sonntage nicht nutzen, sondern boykottieren.
    Ansonsten ist das aber mein persönliches Verhalten. Wo immer irgendwer Geschäftsleuten vorschreiben will, wann sie den Laden auf bzw. zu haben und wann sie gefälligst nichts verdienen dürfen, dann gehe ich auch auf die Barrikaden. Diese Abzocker-Weiber auf ihren Pupssesseln sind zu blöde, um Freiheit zu begreifen. Und das ist leider eine linke Tradition, die offenbar nicht aussterben kann.

  9. Cajus Pupus schreibt:

    Mit voller Kraft in den Untergang!

  10. Hessenhenker schreibt:

    Da verkaufen seit Einführung der liberalen Öffnungszeiten wohl ein paar besondere Lieblinge der Politik nicht mehr so viel wie vorher.
    Da hat die Tankstellen betreibende Industrie wohl den RotGrünen jetzt mal was gespendet?
    DIESE Arbeitsplätze (auch nachts) passen besser in das rotgrüne Zukuntsmodell: 1-Euro-Jobs genügen völlig für die blöden Arbeitnehmer.

Seid gut zueinander!

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